Vier neue Bischöfe für die Piusbruderschaft

Die FSSPX setzt ihren Weg von Ecône fort – und stellt eine neue Generation an die Spitze


Die vier Priester, die für die Piusbruderschaft am 1. Juli zu Bischöfen geweiht werden sollen: (v. l.) Pater Pascal Schreiber, Pater Michael Goldade, Pater Michel Poinsinet de Sivry, Pater Marc Hanappier
Die vier Priester, die für die Piusbruderschaft am 1. Juli zu Bischöfen geweiht werden sollen: (v. l.) Pater Pascal Schreiber, Pater Michael Goldade, Pater Michel Poinsinet de Sivry, Pater Marc Hanappier

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) gab offi­zi­ell die Namen jener vier Prie­ster bekannt, die am 1. Juli in Ecô­ne zu Bischö­fen geweiht wer­den sol­len. Die ange­kün­dig­ten Wei­hen mar­kie­ren einen Ein­schnitt von histo­ri­scher Trag­wei­te, denn sie erin­nern nicht nur sym­bo­lisch an die berühm­ten Bischofs­wei­hen von 1988 durch Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re, son­dern lei­ten zugleich einen sicht­ba­ren Gene­ra­ti­ons­wech­sel inner­halb der tra­di­ti­ons­ge­bun­de­nen Gemein­schaft ein.

Zu den Kan­di­da­ten gehören:

  • Pater Pas­cal Schreiber
  • Pater Micha­el Goldade
  • Pater Michel Poin­si­net de Sivry
  • Pater Marc Hanappier

Die Wei­hen sol­len beim inter­na­tio­na­len Prie­ster­se­mi­nar von Ecô­ne statt­fin­den – jenem Ort, an dem Msgr. Lefeb­v­re am 30. Juni 1988 gegen den Wil­len Roms vier Bischö­fe weih­te und damit eine bis heu­te nach­wir­ken­de kir­chen­po­li­ti­sche Zäsur auslöste.

Vier Kandidaten aus drei Kontinenten

Die Aus­wahl der Kan­di­da­ten zeigt den inter­na­tio­na­len Cha­rak­ter der heu­ti­gen Pius­bru­der­schaft. Alle vier gel­ten als erfah­re­ne Prie­ster mit lang­jäh­ri­ger Tätig­keit in Aus­bil­dung, Seel­sor­ge und inne­rer Lei­tung der Bruderschaft.

Pater Pas­cal Schrei­ber stammt aus dem deut­schen Sprach­raum und gehört seit vie­len Jah­ren zu den prä­gen­den Per­sön­lich­kei­ten der FSSPX in Mit­tel­eu­ro­pa. Er wur­de 1972 in Brugg im Kan­ton Aar­gau gebo­ren und war unter ande­rem im Prie­ster­se­mi­nar Zaitz­kofen, der­zeit als Regens, tätig. Eben­so wirk­te er in ver­schie­de­nen Lei­tungs­funk­tio­nen im deut­schen Distrikt. Inner­halb der Bru­der­schaft gilt er als nüch­ter­ner Orga­ni­sa­tor und zugleich als pro­fi­lier­ter Ver­tre­ter der klas­si­schen Linie von Erz­bi­schof Lefebvre.

Der aus Kana­da stam­men­de Pater Micha­el Gold­a­de gehört der nord­ame­ri­ka­ni­schen Gene­ra­ti­on der Bru­der­schaft an. Er war in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Kana­da in der Prie­ster­aus­bil­dung sowie in der Seel­sor­ge tätig und beklei­de­te meh­re­re ver­ant­wort­li­che Posi­tio­nen im Distrikt der USA, einem zah­len­mä­ßig star­ken Distrikt der Pius­bru­der­schaft. Gold­a­de wird ein stark pasto­ra­ler Zugang nach­ge­sagt, ver­bun­den mit kla­rer theo­lo­gi­scher Positionierung.

Pater Michel Poin­si­net de Sivry reprä­sen­tiert den fran­zö­si­schen Kern der Bru­der­schaft. Frank­reich bleibt bis heu­te das eigent­li­che Zen­trum der FSSPX, sowohl zah­len­mä­ßig als auch gei­stig. Poin­si­net de Sivry wirk­te über Jah­re in ver­schie­de­nen Prio­ra­ten und Aus­bil­dungs­stät­ten und gilt als tief in der fran­zö­si­schen Tra­di­tio­na­li­sten­sze­ne ver­wur­zelt. Sein Name steht zugleich für jene ari­sto­kra­tisch-katho­li­schen Milieus, aus denen die Bru­der­schaft in Frank­reich seit Jahr­zehn­ten bedeu­ten­den Rück­halt erhält.

Mit Pater Marc Hanap­pier wird schließ­lich ein wei­te­rer fran­zö­si­scher Prie­ster in den Kreis der künf­ti­gen Bischö­fe auf­ge­nom­men. Pater Hanap­pier war vor allem in der Jugend­ar­beit, Exer­zi­ti­en­ar­beit und prie­ster­li­chen Aus­bil­dung tätig. Inner­halb der Bru­der­schaft gilt er als spi­ri­tu­ell gepräg­te Per­sön­lich­keit mit star­ker Bin­dung an die igna­tia­ni­sche Tra­di­ti­on und die klas­si­sche lit­ur­gi­sche Spiritualität.

Die Erinnerung an 1988

Die ange­kün­dig­ten Wei­hen rufen unwei­ger­lich die Ereig­nis­se von 1988 in Erin­ne­rung. Damals hat­te Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re gemein­sam mit dem bra­si­lia­ni­schen Bischof Antô­nio de Castro May­er vier Prie­ster aus den Rei­hen der 1970 von ihm gegrün­de­ten Pius­bru­der­schaft zu Bischö­fen geweiht: Ber­nard Fel­lay, Ber­nard Tis­sier de Mal­ler­ais, Richard Wil­liam­son und Alfon­so de Galarreta.

Papst Johan­nes Paul II. sprach anschlie­ßend von einem „schis­ma­ti­schen Akt“ und ver­öf­fent­lich­te das Motu pro­prio Eccle­sia Dei. Die betei­lig­ten Bischö­fe gal­ten für Rom ab die­sem Moment als exkom­mu­ni­ziert. Die FSSPX hin­ge­gen berief sich auf einen kirch­li­chen Not­stand und die Not­wen­dig­keit, die über­lie­fer­te Lit­ur­gie und Leh­re zu bewahren.

Die vier dama­li­gen Bischö­fe gin­gen spä­ter teils unter­schied­li­che Wege.

Ber­nard Fel­lay wur­de zur prä­gen­den Füh­rungs­fi­gur der Bru­der­schaft. Von 1994 bis 2018 amtier­te der Schwei­zer auch als Gene­ral­obe­rer und führ­te inten­si­ve Gesprä­che mit Rom. Unter Bene­dikt XVI. gelang 2009 die Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­tio­nen der vier Bischö­fe. Erz­bi­schof Lefeb­v­re und Bischof Castro May­er wur­den hin­ge­gen nicht rehabilitiert.

Ber­nard Tis­sier de Mal­ler­ais galt als theo­lo­gi­scher Wäch­ter der inne­ren Linie der FSSPX. Der Fran­zo­se stand mög­li­chen Eini­gun­gen mit Rom stets reser­viert gegen­über und ver­öf­fent­lich­te eine viel­be­ach­te­te Bio­gra­phie Lefeb­v­res. Er starb 2024.

Richard Wil­liam­son, hoch­in­tel­li­gent, ent­wickel­te sich zur pro­ble­ma­tisch­sten Figur der vier. Angeb­lich Holo­caust-rela­ti­vie­ren­de Aus­sa­gen setz­ten die Pius­bru­der­schaft empör­ter Kri­tik aus und und über­schat­te­ten zeit­wei­se die Annä­he­rungs­ge­sprä­che zwi­schen Rom und der Bru­der­schaft. Unab­hän­gig davon wur­de der Eng­län­der 2012 wegen Unge­hor­sams aus der FSSPX aus­ge­schlos­sen. Danach weih­te er eigen­mäch­tig fünf wei­te­re Bischö­fe und sam­mel­te klei­ne­re tra­di­tio­na­li­sti­sche Grup­pen um sich. Anfang 2025 ist Wil­liam­son verstorben.

Alfon­so de Galar­re­ta blieb dage­gen eine sta­bi­li­sie­ren­de Inte­gra­ti­ons­fi­gur inner­halb der Bru­der­schaft. Der Spa­ni­er spiel­te eine wich­ti­ge Rol­le in theo­lo­gi­schen Gesprä­chen mit dem Vati­kan und zählt heu­te gemein­sam mit Fel­lay zu den letz­ten leben­den Bischö­fen der Lefeb­v­re-Wei­hen von 1988.

Eine neue Phase der Piusbruderschaft

Die Ent­schei­dung, erneut vier Bischö­fe zu wei­hen, besitzt daher nicht nur prak­ti­sche, son­dern auch sym­bo­li­sche Bedeu­tung. Die Bru­der­schaft ver­weist auf ihre welt­wei­te Expan­si­on, zahl­rei­che Prio­ra­te und Schu­len sowie die stei­gen­de Zahl von Fir­mun­gen und Prie­ster­wei­hen. Die bis­he­ri­gen Bischö­fe sei­en alters­be­dingt zuneh­mend über­la­stet. Da Erz­bi­schof Lefeb­v­re 1988 vier Bischö­fe für nötig erach­te­te, wäre der Bedarf auf­grund des seit­her ein­ge­tre­te­nen Wachs­tums eigent­lich noch größer.

Zugleich macht die FSSPX deut­lich, daß sie ihren Weg unab­hän­gig von einer end­gül­ti­gen kano­ni­schen Lösung mit Rom fort­set­zen will. Zwar bestehen wei­ter­hin Kon­tak­te zum Hei­li­gen Stuhl, doch die grund­le­gen­den Dif­fe­ren­zen über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil, zu Fra­gen der Reli­gi­ons­frei­heit, der Öku­me­ne und der Lit­ur­gie­re­form blei­ben unge­löst. Die Neue­run­gen von Kon­zil und Nach­kon­zils­zeit gel­ten in Rom nach wie vor als Tabu, das unan­ge­ta­stet zu blei­ben habe.

Wäh­rend die Pius­bru­der­schaft mit der Zahl der Wei­he­kan­di­da­ten an 1988 anknüpft, scheint auch Rom an die dama­li­ge römi­sche Reak­ti­on anzu­knüp­fen und droht den wei­hen­den und den neu­ge­weih­ten Bischö­fen mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on. Die Situa­ti­on zwi­schen der Bru­der­schaft und Rom bleibt somit auch wei­ter­hin unver­än­dert. Bei­de Sei­ten schei­nen die Fra­ge der kano­ni­schen Aner­ken­nung auf die Zukunft zu schieben.

Mit den Wei­hen vom 1. Juli beginnt jeden­falls auch eine neue Etap­pe in der Geschich­te der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. – und erneut rich­tet sich der Blick der katho­li­schen Welt nach Ecô­ne. Dort steht ein Gene­ra­tio­nen­wech­sel bevor, der an der Spit­ze der Bru­der­schaft mit der Wahl von Pater Davi­de Pagli­a­ra­ni in einem ersten Schritt bereits 2018 voll­zo­gen wur­de. Pater Pagli­a­ra­ni wur­de 1970, dem Jahr der Bru­der­schafts­grün­dung, geboren.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: FSSPX (Screen­shots)

5 Kommentare

  1. Der zwei­te von links erin­nert mich an Cle­mens August Graf von Galen. Das ist wohl Pater Micha­el Goldade.

  2. Dank sei Gott, dass er der Kir­che (und genau so ist es!!) jun­ge und recht­gläu­bi­ge Bischö­fe schenkt. Ich hat­te eigent­lich gehofft, es wür­den mehr als vier sein, aber offen­bar will man an die ersten Bischofs­wei­hen auch zah­len­mä­ßig sym­bo­lisch anknüp­fen. Nun: Es wer­den nicht die letz­ten sein und ich bin Gott dank­bar, dass es die FSSPX gibt. Wer dage­gen meint, die Katho­li­zi­tät hin­ge vom päpst­li­chen Man­dat der Wei­he ab, der hat schon ein sehr schrä­ges sakra­men­ta­les Ver­ständ­nis und ein noch schrä­ge­res vom Papst­tum. Die Kir­che dreht sich bit­te­schön ja nicht um den Papst, son­dern um Jesus Chri­stus und um das, was er uns geof­fen­bart hat – und dafür steht die FSSPX mitt­ler­wei­le allein auf wei­ter Flur. Und wer das nicht glaubt, der möge mal in die aktu­el­le Enzy­kli­ka blicken: Hier geht es um nur noch um den Men­schen um des Men­schen wil­len – ich wüss­te nicht, was hier noch katho­lisch ist oder christ­lich im eigent­li­chen Sinn…es stimmt schon: Die Wei­he die­ser Bischö­fe ist drin­gend erfor­der­lich und zwar nicht päpst­lich, aber gött­lich legi­ti­miert und das zählt wohl mehr.

  3. Die­se vier jun­gen katho­li­schen Prie­ster der Tra­di­ti­on sind nun die beson­de­ren Hoff­nungs­trä­ger der Kir­che Jesu Christi.
    Der Herr seg­ne und beschüt­ze sie. Sie kom­men genau zur rech­ten Zeit! Deo gra­ti­as! Ich wer­de täg­lich für sie beten.

  4. Wenn man die­sen vier Män­nern ins Gesicht schaut, dann sieht man für was sie bren­nen, für Jesus Chri­stus, unse­ren Herrn!

  5. Ich darf Pater Schrei­ber per­sön­lich ken­nen, und er hat eine Toch­ter von uns getauft ! Ein wun­der­ba­rer Prie­ster, wenn er auf dem guten Weg wei­ter geht , wird er ein hei­lig­mä­ssi­ger Weih­bi­schof !✝️Die ande­ren ken­ne ich noch nicht aber ich ver­traue der Füh­rung der FSSPX voll und ganz ! Mit Got­tes und Mari­ens Hil­fe kommt alles zur Ehre Got­tes ✝️⛪️‍♀️‍‍‍Beten wir täg­lich den hei­li­gen Rosen­kranz für die FSSPX und den Papst Leo, damit er zur Tra­di­ti­on zurück kehrt !

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