Am 16. Oktober 2025 hat die Global Anglican Future Conference (GAFCON) die endgültige Trennung von der anglikanischen Mutterkirche in Canterbury erklärt. Der Schritt markiert den wohl tiefsten Einschnitt in der Geschichte der anglikanischen Weltgemeinschaft seit ihrer Entstehung im 16. Jahrhundert. Der Bruch wird von GAFCON jedoch nicht als Abspaltung, sondern als Wiederherstellung der ursprünglichen Identität verstanden.
Unmittelbarer Anlaß für den endgültigen Bruch war die Wahl von Sarah Mullally zur ersten Frau als Erzbischof von Canterbury – ein Schritt, der von GAFCON als Ausdruck einer fortschreitenden Abkehr von der ursprünglichen Lehre gedeutet wird.
Die GAFCON ist ein Zusammenschluß konservativer anglikanischer Kirchenprovinzen, Diözesen, Gemeinden und Einzelpersonen. Gegründet wurde GAFCON im Jahr 2008 in Jerusalem, als Reaktion auf die zunehmende Akzeptanz der Homosexualität und konkret der Weihe von Homo-Bischöfen in den USA (die erste Weihe betraf Gene Robinson 2003).
Vertreten ist die GAFCON vor allem im sogenannten „globalen Süden“. Wichtige Mitgliedskirchen sind die Anglican Church of Nigeria, welche die größte anglikanische Kirche weltweit ist, ebenso die Anglican Church of Uganda, Anglican Church of Kenya, Anglican Church of Rwanda, Anglican Church of South Sudan und weitere anglikanische Kirchen Afrikas, aber auch die Anglican Church in North America (ACNA), die konservative Abspaltung der Episcopal Church in den USA, und auch die Anglican Church of Chile, eine konservative Abspaltung in Lateinamerika.
In Summe repräsentiert die GAFCON rund 80 Prozent der etwa 85 Millionen Anglikaner weltweit.
GAFCON gehört aber nicht zur anglo-katholischen Richtung in der Anglikanischen Weltgemeinschaft, die den hochkirchlichen Charakter vor allem in der Liturgie pflegt, der katholischen Kirche zuneigt und sich in den anglikanischen Personalordinariaten teils Rom angeschlossen hat. Die GAFCON hingegen ist stärker evangelikal geprägt. Mit der anglo-katholischen Richtung betont allerdings auch die GAFCON die apostolische Sukzession, die von den Gemeinschaften der Reformation verworfen wurde.
Die katholische Kirche erkennt allerdings keine Sukzession der Anglikaner an.
In einem Schreiben des GAFCON-Vorsitzenden, Erzbischof Laurent Mbanda (Ruanda), wird die bisherige Struktur der anglikanischen Gemeinschaft für gescheitert erklärt. Die sogenannten „Instrumente der Gemeinschaft“ – der Erzbischof von Canterbury, die Lambeth-Konferenz, das Anglikanische Konsultativorgan (ACC) und die Versammlung der Primaten – hätten es versäumt, Lehre und Ordnung der anglikanischen Tradition zu bewahren. Vor allem das Festhalten an einem „revisionistischen Kurs“, der die Autorität der Heiligen Schrift relativiere, wird scharf kritisiert.
GAFCON beansprucht nun, die legitime Fortsetzung der anglikanischen Gemeinschaft zu sein – nun unter dem Namen Globale Anglikanische Gemeinschaft (Global Anglican Communion). Grundlage dieser Neuordnung ist die sogenannte Jerusalemer Erklärung von 2008, die die Heilige Schrift als einziges verbindliches Fundament des Glaubens (sola scriptura) postuliert und sich ausdrücklich auf das Reformations-Bekenntnis der anglikanischen Tradition stützt, insbesondere auf die 39 Artikel von 1571.
Zukünftig wird GAFCON keine Verbindungen mehr zur Kirche von England und der Anglikanischen Weltgemeinschaft unterhalten – weder institutionell noch finanziell. Alle angeschlossenen Provinzen werden dazu aufgefordert, ihre Verfassungen entsprechend zu ändern und jegliche Bezugnahme auf den Bischofssitz von Canterbury zu streichen. Stattdessen soll ein neuer Rat der Primaten gebildet werden, der einen Vorsitzenden wählt – allerdings nicht als hierarchisches Oberhaupt, sondern als Primus inter pares.
Ein nächster Meilenstein wird die Bischofskonferenz G26 im März 2026 in Abuja (Nigeria) sein, bei der die neu strukturierte Gemeinschaft offiziell weiter ausgebaut werden soll.
Welche Rolle König Charles III. – als formeller „Oberster Gouverneur“ der Kirche von England – in dieser Situation einnehmen wird, bleibt offen. Seine Funktionen sind größtenteils symbolischer Natur, die geistliche Leitung liegt bei der Kirche selbst. Dennoch hat der Monarch bei der Ernennung von Bischöfen ein gewisses Mitspracherecht und schwört bei der Krönung, die anglikanische Kirche zu schützen.
Die GAFCON beansprucht jedenfalls, nicht ein Teil, sondern das wahre Ganze der anglikanischen Kirche zu sein.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: gafcon.org (Screenshot)
Das wird bei uns ebenso kommen. Nicht-mehr katholische Bischöfe und ein wankendes Papsttum, das everybodies darling sein will: das hat keine Zukunft! Die latente Spaltung heute wird eine manifeste morgen sein.
Ein guter und wichtiger Artikel.
Hier zwei Korrekturen:
1. Der Erzbischof von Canterbury war immer nur primus inter pares. Die Oberaufsicht in administrativer (vor allem Bischofsernennungen) Sicht über die Church of England übt ein Kirchenausschuß des Parlaments aus. Ausführendes Organ ist der Monarch. Die englischen Diözesen sind in der Leitung in finanziellen und geistlicher Angelegenheiten weitestgehend selbständig, müssen sich aber Beschlüssen, der englischen Gesamtkirche beugen.
2.Der König ist Oberhaupt nur von der englischen Staatskirche „Church of England“! So ist der König nicht Oberhaupt der Episcopal Church of Scotland und auch der Erzbischof von Canterbury hat keine hierachische Stellung in ihr inne. Dies gilt auch für alle anderen Teilkirchen der Anglikanischen Gemeinschaft.
3. Die „Church of England “ ist Mitglied der Anglican Communion.
Die Konsequenz, Einmütigkeit und Schnelligkeit dieser Entscheidung zeigt, daß der Herr seine Hand im Spiel hat. Je nach Perspektive könnte man von einem Blitzeinschlag in Canterbury sprechen, der nur noch eine Ruine zurückgelassen hat. Mit Rom hat der Herr anderes vor. Gibt uns doch die heilige Schrift umfangreiche Ankündigung davon.
Angesichts der Äußerungen der Bischöfin von Canterbury zur Abtreibung, die gemeinsam mit der Einstellung zur Homosexualität auch zu dieser Abspaltung geführt hat, ist der ökumenische Gottesdienst von Camilla und Charles mit Papst Leo den XIV ein Ärgernis. Ganz nebenbei wird auch die Rückkehrökumene zu Grabe getragen und die von dem Frauenmörder Heinrich dem VIII gegründete anglikanische Kirche als Schwesterkirche anerkannt.
Dazu kommt, das seit Amoris laetititia und Fiducia supplicans auch Paare in irregulären Verhältnissen vom Vatikan empfangen werden, was unter Johannes Paul dem II und Benedikt dem XVI noch nicht so war, da mussten Betroffene alleine kommen. Kaum jemand weiß, das im Gegensatz zur verstorbenen Diana, in deren Ehe sich Camilla drängte, Camillas erster Mann Arthur Parker Bowles (ein Katholik) noch am Leben ist und mit der jetzigen Königin Camilla katholisch verheiratet war, die gemeinsame Tochter Laura Lopes besuchte eine katholische Mädchenschule.