Kreuz in Debel neu aufgerichtet – Spannungen, symbolische Gesten und Falschmeldungen

Das wiedererrichtete Kruzifix


Der neue Corpus für das Kruzifix von Debel im Südlibanon. Es wurde nicht von Israel gestiftet, sondern auf Initiative des Militärpfarrers der UNO-Friedenstruppen
Der neue Corpus für das Kruzifix von Debel im Südlibanon. Es wurde nicht von Israel gestiftet, sondern auf Initiative des Militärpfarrers der UNO-Friedenstruppen

Im süd­li­ba­ne­si­schen Ort Debel ist nach Berich­ten aus loka­len Quel­len ein zuvor von israe­li­schen Besat­zungs­sol­da­ten zer­stör­tes Kru­zi­fix ersetzt und wie­der an sei­nem ange­stamm­ten Platz auf­ge­stellt wor­den. Der Vor­fall, bei dem eine Dar­stel­lung des gekreu­zig­ten Chri­stus von zwei israe­li­schen Sol­da­ten geschän­det wur­de, hat­te in der ver­gan­ge­nen Woche für welt­wei­te Empö­rung gesorgt. Zunächst wur­de über ver­schie­de­ne Kanä­le ver­brei­tet, Isra­el habe als Zei­chen der Wie­der­gut­ma­chung ein neu­es Kru­zi­fix über­ge­ben. Es han­del­te sich jedoch um eine Falschmeldung,.

Im Zuge der Ereig­nis­se besuch­te der Apo­sto­li­sche Nun­ti­us im Liba­non, Erz­bi­schof Pao­lo Bor­gia, meh­re­re Chri­sten­dör­fer im Süden des Lan­des, dar­un­ter Debel, Ain Ebel und Rmeish. Der Besuch erfolg­te in Beglei­tung von Ein­hei­ten der UNI­FIL-Frie­dens­mis­si­on, dar­un­ter ita­lie­ni­sche Kon­tin­gen­te. Im Rah­men die­ser Mis­si­on wur­de nach über­ein­stim­men­den Berich­ten ein neu­es Kru­zi­fix als Zei­chen der Soli­da­ri­tät gestif­tet und an jener Stel­le instal­liert, an der zuvor das beschä­dig­te Kreuz gestan­den hatte.

Der in der Regi­on im Ein­satz befind­li­che ita­lie­ni­sche Mili­tär­seel­sor­ger P. Clau­dio äußer­te sich nach dem Vor­fall betrof­fen. Er habe sich umge­hend mit dem UNI­FIL-Kom­man­deur, Gene­ral Abagna­ra, in Ver­bin­dung gesetzt und dar­auf gedrängt, ohne Ver­zö­ge­rung ein neu­es Kreuz an der ursprüng­li­chen Stel­le zu errich­ten. Zugleich sei inner­halb der UNI­FIL-Füh­rung über wei­te­re unter­stüt­zen­de Gesten gegen­über der loka­len Bevöl­ke­rung bera­ten worden.

Die Instal­la­ti­on des neu­en Kru­zi­fi­xes wur­de von den Chri­sten der Gegend mit Zustim­mung auf­ge­nom­men. In loka­len Stel­lung­nah­men ist von Dank­bar­keit gegen­über den invol­vier­ten kirch­li­chen Stel­len des Hei­li­gen Stuhls und den UNI­FIL-Kräf­ten die Rede.

Foto­gra­fien, die in sozia­len Medi­en ver­brei­tet wur­den, zei­gen die erneu­te Auf­rich­tung des Kreu­zes; auf eini­gen Auf­nah­men ist auch der Apo­sto­li­sche Nun­ti­us zu sehen.

Die Falsch­mel­dung, Isra­el habe zur Wie­der­gut­ma­chung für Ersatz gesorgt, beschä­dig­te das ohne­hin schon durch den schwer­wie­gen­den Vor­fall ange­schla­ge­ne Anse­hen des jüdi­schen Staates. 

Die Chri­sten im Süd­li­ba­non nah­men hin­ge­gen posi­tiv zur Kennt­nis, daß die israe­li­sche Mili­tär­po­li­zei die bei­den irs­rae­li­schen Sol­da­ten, die das Kru­zi­fix zer­stör­ten und den Cor­pus des gekreu­zig­ten Jesus Chri­stus schän­de­ten, fest­ge­nom­men wor­den seien. 

Ins­ge­samt kri­ti­sie­ren Chri­sten im Süd­li­ba­non, daß Isra­el in ihrem Land tun und las­sen kön­ne, was es wol­le, ohne daß der UNO-Sicher­heits­rat eine direk­te Ver­ur­tei­lung aus­spre­che. Die USA ver­hin­dern eine sol­che aller­dings seit Grün­dung des Staa­tes Isra­el durch ihr Veto. Ledig­lich punk­tu­el­le und meist indi­rek­te Kri­tik durch den Sicher­heits­rat war in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten sel­ten mög­lich, wenn die USA sich ihrer Stim­me ent­hiel­ten. Das kon­kre­te­ste Bei­spiel ist die Reso­lu­ti­on 487 (1981) als direk­te Reak­ti­on auf den israe­li­schen Luft­an­griff auf den ira­ki­schen Atom­re­ak­tor Osi­rak am 7. Juni 1981.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Facebook/​Gemeindeverwaltung Debel (Screen­shot)

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