Die Meldung, daß Abuna Pierre al‑Rahi, der maronitische Pfarrer des christlichen Dorfes Qlayaa im Südlibanon, gestern abend bei einem israelischen Angriff getötet wurde, während er verletzte Christen zu retten versuchte, erschüttert. Laut Berichten wurde zunächst von einem israelischen Panzer ein Haus beschossen. Als Nachbarn, darunter der Pfarrer, zu Hilfe eilten, traf sie ein zweiter Schuß. Der Priester erlag seinen Verletzungen. Vier weitere Christen wurden verletzt.
Es gehört schon eine gewisse militärstrategische „Raffinesse“ dazu, jemanden im priesterlichen Gewand, mit einem großen Kreuz um den Hals und ohne jegliche Bewaffnung gerade dann zu treffen, wenn er genau das tut, was allgemein als „humanitäre Hilfe“ verstanden wird. Der Effekt ist doppelt kräftig: erst das Haus treffen, dann die Helfer – eine Art „Doppelschlag“.
Es sollte keiner militärischen Aufklärung bedürfen, um zu wissen, daß ein von Christen bewohntes Dorf kein Stützpunkt der schiitischen Hisbollah ist.
Daß Abuna Pierre al‑Rahi, wenige Stunden vor seinem Tod, öffentlich erklärte, man solle „nur die Waffen des Friedens, des Guten und der Liebe“ tragen, wirkt im Rückblick fast wie eine Fußnote zu einem Lehrbuch über zynische Kriegstaktiken.
Es wäre natürlich naiv zu erwarten, daß Menschenrechts‑ und Kriegsregeln plötzlich auf einem Schlachtfeld gelten. Dennoch sollte, wenn jemand, der unmißverständlich ein gut erkennbares Priestergewand trägt, absichtlich oder auch nur planlos ins Visier gerät, nicht einfach achselzuckend von einem bedauerlichen „Kollateralschaden“ sprechen, darüber hinwegsehen und zur Tagesordnung übergehen. Der Vorfall zeigt, daß in manchen Kriegsräumen selbst die simpelsten humanitären Handlungen zur Gefahrenquelle werden, sobald die Definition von „Ziel“ beliebig wird.
Aber wahrscheinlich liefert die New York Times in Kürze wieder das passende Narrativ zum Vorfall, damit jene, die alles rechtfertigen, ruhigen Gewissens weitermachen können.
So wie es aussieht, gelten jedenfalls in einigen Konfliktzonen jene, die helfen, nicht mehr als geschützt – sondern als opportunes „Zusatzziel“.
Papst Leo XIV. brachte seine „tiefe Trauer“ zum Ausdruck „für alle Opfer der Bombenangriffe der letzten Tage im Nahen Osten, für die vielen Unschuldigen, darunter viele Kinder, und für diejenigen, die ihnen zu Hilfe kamen, wie P. Pierre al-Rahi“.
In einer kurzen vatikanischen Stellungnahme, die noch gestern abend veröffentlicht wurde, heißt es, daß Leo XIV., „mit Sorge die Ereignisse“ verfolge „und dafür betet, daß alle Feindseligkeiten so schnell wie möglich aufhören“.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Facebook (Screenshot)
Hinterlasse jetzt einen Kommentar