Im Vatikan wird derzeit an einem neuen Gastronomieprojekt gearbeitet: Ein Bistró soll auf der großen Terrasse des Petersdoms entstehen, direkt auf dem Dach des Sakralbaus, mit Blick auf die berühmte Peterskuppel, die in ihren vollendeten Proportionen die größte der Welt ist, und auf die Stadt Rom. Nach den bisher durchgesickerten Informationen sollen dafür ehemalige Lagerflächen genutzt werden, die einst den „Sampietrini“ – den Mitarbeitern der Basilika – als Materialdepots dienten. Es heißt, daß bereits Möbel und Ausstattung angeliefert wurden, was darauf hindeutet, daß die Arbeiten weit fortgeschritten sind, auch wenn eine Eröffnung noch nicht datiert ist und selbst die Kanoniker der Basilika nicht informiert wurden.
Die Idee, die auf gemischte Reaktionen stoßen dürfte, ist allerdings nicht neu, sie wurde bereits im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr erwogen, das vor wenigen Wochen beendet wurde. Die Idee scheiterte jedoch an technischen und organisatorischen Schwierigkeiten sowie anderen Prioritäten. Jetzt, nach dem Ende des Jubeljahres, wird erneut über die Umsetzung nachgedacht – womöglich im Jubiläumsjahr der heutigen Basilika, die 1626 in ihrer neuen Form geweiht wurde. Nach hundertjähriger Bauzeit ersetzte sie damals bereits 1200 Jahre alte Konstantinische Basilika. Ein „Bistró“ auf dieser Terrasse wäre ein touristisches Novum: Der Heilige Stuhl hat seit Papst Franziskus die Musealisierung der Basilika vorangetrieben, um das Bauwerk stärker als Kulturgut und weniger als rein religiösen Ort zu begreifen. Wer Den Petersdom im Heiligen Jahr besuchte, wurde mit der Kehrseite dieser Entwicklung konfrontiert.
Doch ein Blick in die Realität zeigt: So neu ist die Idee gar nicht. Denn auf der Terrasse des Petersdoms gibt es bereits seit geraumer Zeit eine Verkaufsstelle für religiöse Gegenstände und Souvenirs – und eine Bar mit einigen Tischen. Direkt an der Stelle positioniert, wo man von der Kuppel auf die Terrasse zurückkehrt, liegt diese kleine Einrichtung strategisch günstig. Gerade in den Sommermonaten, wenn die Temperaturen in Rom seit alters für viele Menschen unerträglich wirken, ist diese Bar für viele Besucher nicht nur eine nette, sondern eine echte Erleichterung: Sie können sich dort mit Wasser, Kaffee oder einem Eis stärken, bevor sie den Weg über Treppen oder den Rückweg zum Aufzug antreten.
Diese vorhandene Infrastruktur zeigt zwei Dinge: Zum einen, daß der Vatikan die Besucherströme längst pragmatisch organisiert – auch mit Blick auf Komfort und Orientierung. Zum anderen, daß ein größer angelegtes Gastronomieangebot auf der Terrasse auf eine Nachfrage trifft, die schon heute existiert. Viele Besucher sind dankbar für eine kurze Rastmöglichkeit, und die Idee, das Angebot zu erweitern, wirkt vor diesem Hintergrund weniger wie ein „Luxusprojekt“ als wie eine logische Weiterentwicklung.
Die Debatte um einen Imbiß auf dem Dach der Basilika verläuft nicht ohne Spannungen. Der Petersdom ist schließlich ein Ort des Glaubens und der Liturgie, nicht primär ein Ausflugsziel. Daß ein Teil der Terrasse bereits „kommerzielle“ Nutzung erfährt, zeigt, daß die Sache mit Vatikan allerdings entspannt gesehen wird.. Die Frage ist daher nicht nur, ob ein Restaurant möglich ist, sondern auch, wie es gestaltet wird: Als Ort der Würde oder als Attraktion, die das Heilige mit dem Konsum vermischt.
Unabhängig davon, ob das geplante Bistró tatsächlich eröffnet wird: Die Tatsache, dass es auf der Terrasse bereits eine Bar und Souvenirverkauf gibt, macht deutlich, dass der Petersdom längst auch ein Ort ist, an dem Besucher eine Pause brauchen – und bekommen. Das geplante Bistró ist weniger eine „neue“ Entwicklung als eine Ausweitung dessen, was dort seit Jahren bereits existiert.
Papst Franziskus führte 2022 in Santa Maria Maggiore eine Eisdiele ein. Dafür wurde eine eigene Eissorte für den argentinischen Pontifex kreiert. Ob diese Eisdiele noch aktiv ist, kann allerdings nicht gesagt werden. Falls sie existiert, ist sie gut versteckt.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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