Außerordentlicher Segen Urbi et Orbi mit „bergoglianischer“ Ansprache

Geistliche Mittel gegen die Coronavirus-Pandemie

Urbi et Orbi Papst Franziskus Coronavirus Pandemie
Papst Franziskus spendete wegen der Coronavirus-Pandemie einen außerordentlichen Segen Urbi et Orbi.

(Rom) Papst Fran­zis­kus stell­te sich gestern abend im Gebet an die Spit­ze der Katho­li­zi­tät, Gott um das Ende der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie zu bit­ten. Dazu ließ er die berühm­te Mari­en­iko­ne Salus Popu­li Roma­ni aus der Patri­ar­chal­ba­si­li­ka San­ta Maria Mag­gio­re und das wun­der­tä­ti­ge Kru­zi­fix aus der Kir­che San Mar­cel­lo al Cor­so in den Vati­kan brin­gen. Er hielt Eucha­ri­sti­sche Anbe­tung und spen­de­te einen außer­or­dent­li­chen Segen Urbi et Orbi. In sei­ner Anspra­che blieb er aller­dings „ber­go­glia­nisch“, und damit weit hin­ter den geist­li­chen Mög­lich­kei­ten der Kir­che zurück.

Bereits in früh­christ­li­cher Zeit wur­de Maria als „Heil des Vol­kes“ ange­ru­fen. 593 ließ Papst Gre­gor der Gro­ße die Mari­en­iko­ne Salus Popu­li Roma­ni (Heil des römi­schen Vol­kes) in Pro­zes­si­on durch die Stadt tra­gen, als dort die Pest wüte­te. Als sie vor das Hadri­ans­mau­so­le­um kamen, die heu­ti­ge Engels­burg, wur­de ihm ver­deut­licht, daß die Pest zu Ende war.

Das Kru­zi­fix über­stand vor 500 Jah­ren einen Brand unver­sehrt, dem die Kir­che San Mar­cel­lo al Cor­so zum Opfer fiel. Drei Jah­re nach die­sem Wun­der, 1522, wur­de die Ewi­ge Stadt von der Pest heim­ge­sucht und das Kru­zi­fix in Pro­zes­si­on für mehr als zwei Wochen durch alle Stadt­vier­tel getra­gen, dann ende­te die Pest. Weil bei­de ver­ehr­ten Dar­stel­lun­gen mit dem Ende einer Pest zu tun haben, ließ sie Papst Fran­zis­kus gestern auf den Peters­platz brin­gen, um vor ihnen den Herrn um das Ende der der­zei­ti­gen Seu­che anzu­ru­fen. Er selbst hat­te am 15. März die Kir­che San Mar­cel­lo al Cor­so auf­ge­sucht, um vor dem Kru­zi­fix zu beten. Wegen der Anwei­sun­gen zur Kir­chen­schlie­ßung ist die Kir­che der­zeit für die Gläu­bi­gen nicht zugäng­lich. Gestern wur­de das beein­drucken­de Kru­zi­fix den­noch für alle sicht­bar, die sich über die moder­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel mit dem Papst in Rom ver­bun­den haben.

Da der Peters­platz gesperrt ist und von Ita­li­en ein Aus­gangs­sper­re ver­hängt wur­de, war Papst Fran­zis­kus fak­tisch allein auf dem Peters­platz, um an der Spit­ze der Chri­sten­heit sein Fle­hen an den Herrn zu rich­ten. Mit ihm bete­ten nur weni­ge Prä­la­ten und sein Zere­mo­ni­en­mei­ster. Für die Direkt­über­tra­gung sorg­ten Mit­ar­bei­ter der vati­ka­ni­schen Medi­en. In der Fer­ne, außer­halb der Absper­run­gen, befan­den sich eini­ge Foto­gra­fen und Poli­zei.

In der Andacht wur­de zunächst aus dem Mar­kus­evan­ge­li­um (4,35ff) die Erzäh­lung vom Sturm auf dem See Gene­za­reth vor­ge­tra­gen.

In sei­ner Anspra­che sag­te Fran­zis­kus, daß der der­zei­ti­ge „Sturm (…) alle unse­re Vor­ha­ben ent­larvt“, alles bloß­le­ge. Die „ste­reo­ty­pen Mas­ken“ sei­en „gefal­len“. Der „Sturm“ lege „unse­re Ver­wund­bar­keit bloß und deckt jene fal­schen und unnö­ti­gen Gewiss­hei­ten auf, auf die wir bei unse­ren Plä­nen, Pro­jek­ten, Gewohn­hei­ten und Prio­ri­tä­ten gebaut haben.“

Der stärk­ste Teil war die Pas­sa­ge:

„In die­ser Fasten­zeit erklingt dein ein­dring­li­cher Auf­ruf: »Kehrt um« (Mk 1,15); »kehrt um zu mir von gan­zem Her­zen mit Fasten, Wei­nen und Kla­gen« (Joël 2,12). Du rufst uns auf, die­se Zeit der Prü­fung als eine Zeit der Ent­schei­dung zu nut­zen. Es ist nicht die Zeit dei­nes Urteils, son­dern unse­res Urteils: die Zeit zu ent­schei­den, was wirk­lich zählt und was ver­gäng­lich ist, die Zeit, das Not­wen­di­ge von dem zu unter­schei­den, was nicht not­wen­dig ist.“

Ins­ge­samt han­del­te es sich jedoch um eine „ber­go­glia­ni­sche“ Anspra­che, in der eine geist­li­che Tie­fe nur hie und da auf­leuch­te­te. Dort, wo es sich offen­sicht­lich nicht um For­mu­lie­run­gen des Pap­stes selbst han­del­te. Ins­ge­samt fin­det sich dar­in kein Wort von „Sün­de“ und „Schuld“, von „Reue“, „Bekeh­rung“, „Süh­ne“ oder „Buße“ – vom Wort „Stra­fe“ ganz zu schwei­gen.

Der „Schrei der Armen“ kam vor, aber auch das Öko-Lamen­to vom „schwer kran­ken Pla­ne­ten“. Doch der Pla­net kann gar nicht krank sein, sehr wohl aber die Men­schen, und damit ist nicht an erster Stel­le das Coro­na­vi­rus gemeint, son­dern die Sün­de. Wenn die Anspie­lung auf den Pla­ne­ten nicht miß­ver­stan­den wer­den soll, also bloß meta­pho­risch und nicht etwa pan­the­istisch gemeint war, hät­te es der klä­ren­den Ver­deut­li­chun­gen bedurft.

Im Anschluß an die Anspra­che folg­te eine Eucha­ri­sti­sche Anbe­tung und der außer­or­dent­li­che Segen Urbi et Orbi. Für die Anbe­tung wur­de für Papst Fran­zis­kus eine Knie­bank gar nicht mehr bereit­ge­stellt. Es war dem­nach im vor­hin­ein klar, daß er vor dem Aller­hei­lig­sten nicht nie­der­knien wür­de. Ein Gestus, der immer neu irri­tiert, da der Papst bekannt­lich im Zuge der unsicht­ba­ren Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie jedes Jahr und umständ­li­cher zur Fuß­wa­schung nie­der­kniet.

Eucha­ri­sti­sche Anbe­tung (ber­go­glia­nisch)

Die­se bei­den Ele­men­te, Anbe­tung und Segen, bil­de­ten den wich­tig­sten Teil der Andacht. Die Kir­che griff zu ihren stärk­sten Mit­teln, um die Hil­fe und den Segen Got­tes zu erbit­ten.

Nach­fol­gend der voll­stän­di­ge Wort­laut der päpst­li­chen Anspra­che:

ANDACHT UND SONDERSEGEN
ZUR ZEIT DER EPIDEMIE

UNTER VORSITZ DES HEILIGEN VATERS

PAPST FRANZISKUS

Vor­platz des Peters­doms
Frei­tag, 27. März 2020

»Am Abend die­ses Tages« (Mk 4.35). So beginnt das eben gehör­te Evan­ge­li­um. Seit Wochen scheint es, als sei es Abend gewor­den. Tie­fe Fin­ster­nis hat sich auf unse­re Plät­ze, Stra­ßen und Städ­te gelegt; sie hat sich unse­res Lebens bemäch­tigt und alles mit einer ohren­be­täu­ben­den Stil­le und einer trost­lo­sen Lee­re erfüllt, die alles im Vor­bei­ge­hen lähmt: Es liegt in der Luft, man bemerkt es an den Gesten, die Blicke sagen es. Wir sind ver­äng­stigt und füh­len uns ver­lo­ren. Wie die Jün­ger des Evan­ge­li­ums wur­den wir von einem uner­war­te­ten hef­ti­gen Sturm über­rascht. Uns wur­de klar, dass wir alle im sel­ben Boot sit­zen, alle schwach und ori­en­tie­rungs­los sind, aber zugleich wich­tig und not­wen­dig, denn alle sind wir dazu auf­ge­ru­fen, gemein­sam zu rudern, alle müs­sen wir uns gegen­sei­tig bei­ste­hen. Auf die­sem Boot … befin­den wir uns alle. Wie die Jün­ger, die wie aus einem Mun­de angst­er­füllt rufen: »Wir gehen zugrun­de« (vgl. V. 38), so haben auch wir erkannt, dass wir nicht jeder für sich, son­dern nur gemein­sam vor­an­kom­men.

Leicht fin­den wir uns selbst in die­ser Geschich­te wie­der. Schwie­ri­ger ist es da schon, das Ver­hal­ten Jesu zu ver­ste­hen. Wäh­rend die Jün­ger natür­lich alar­miert und ver­zwei­felt sind, befin­det er sich am Heck, in dem Teil des Boo­tes, der zuerst unter­geht. Und was macht er? Trotz aller Auf­re­gung schläft er fried­lich, ganz im Ver­trau­en auf den Vater – es ist das ein­zi­ge Mal im Evan­ge­li­um, dass wir Jesus schla­fen sehen. Als er dann auf­ge­weckt wird und Wind und Was­ser beru­higt hat, wen­det er sich vor­wurfs­voll an die Jün­ger: »War­um habt ihr sol­che Angst? Habt ihr noch kei­nen Glau­ben?« (V. 40).

Ver­su­chen wir zu ver­ste­hen. Wor­in besteht der Glau­bens­man­gel der Jün­ger, der im Kon­trast steht zum Ver­trau­en Jesu? Sie hat­ten nicht auf­ge­hört, an ihn zu glau­ben, sie fle­hen ihn ja an. Aber schau­en wir, wie sie ihn anru­fen: »Mei­ster, küm­mert es dich nicht, dass wir zugrun­de gehen?« (V. 38). Küm­mert es dich nicht: Sie den­ken, dass Jesus sich nicht für sie inter­es­siert, dass er sich nicht um sie küm­mert. Im zwi­schen­mensch­li­chen Bereich, in unse­ren Fami­li­en, ist es eine der Erfah­run­gen, die am mei­sten weh tun, wenn einer zum ande­ren sagt: „Bin ich dir egal?“ Das ist ein Satz, der schmerzt und unser Herz in Wal­lung bringt. Das wird auch Jesus erschüt­tert haben. Denn nie­mand sorgt sich mehr um uns als er. In der Tat, als sie ihn rufen, ret­tet er sei­ne mut­lo­sen Jün­ger.

Der Sturm legt unse­re Ver­wund­bar­keit bloß und deckt jene fal­schen und unnö­ti­gen Gewiss­hei­ten auf, auf die wir bei unse­ren Plä­nen, Pro­jek­ten, Gewohn­hei­ten und Prio­ri­tä­ten gebaut haben. Er macht sicht­bar, wie wir die Din­ge ver­nach­läs­sigt und auf­ge­ge­ben haben, die unser Leben und unse­re Gemein­schaft näh­ren, erhal­ten und stark machen. Der Sturm ent­larvt all unse­re Vor­ha­ben, was die See­le unse­rer Völ­ker ernährt hat, „weg­zu­packen“ und zu ver­ges­sen; all die Betäu­bungs­ver­su­che mit schein­bar „heil­brin­gen­den“ Ange­wohn­hei­ten, die jedoch nicht in der Lage sind, sich auf unse­re Wur­zeln zu beru­fen und die Erin­ne­rung unse­rer älte­ren Genera­ti­on wach­zu­ru­fen, und uns so der Immu­ni­tät berau­ben, die not­wen­dig ist, um den Schwie­rig­kei­ten zu trot­zen.

Mit dem Sturm sind auch die ste­reo­ty­pen Mas­ken gefal­len, mit denen wir unser „Ego“ in stän­di­ger Sor­ge um unser eige­nes Image ver­klei­det haben; und es wur­de wie­der ein­mal jene (geseg­ne­te) gemein­sa­me Zuge­hö­rig­keit offen­bar, der wir uns nicht ent­zie­hen kön­nen, dass wir näm­lich alle Brü­der und Schwe­stern sind.

»War­um habt ihr sol­che Angst? Habt ihr noch kei­nen Glau­ben?« Herr, dein Wort heu­te Abend trifft und betrifft uns alle. In unse­rer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit vol­ler Geschwin­dig­keit wei­ter­ge­rast und hat­ten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu ver­mö­gen. In unse­rer Gewinn­sucht haben wir uns ganz von den mate­ri­el­len Din­gen in Anspruch neh­men und von der Eile betäu­ben las­sen. Wir haben vor dei­nen Mahn­ru­fen nicht ange­hal­ten, wir haben uns von Krie­gen und welt­wei­ter Unge­rech­tig­keit nicht auf­rüt­teln las­sen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unse­res schwer kran­ken Pla­ne­ten gehört. Wir haben uner­schrocken wei­ter­ge­macht in der Mei­nung, dass wir in einer kran­ken Welt immer gesund blei­ben wür­den. Jetzt, auf dem stür­mi­schen Meer, bit­ten wir dich: „Wach auf, Herr!“

»War­um habt ihr sol­che Angst? Habt ihr noch kei­nen Glau­ben?« Herr, du appel­lierst an uns, du appel­lierst an den Glau­ben. Nicht nur an den Glau­ben, dass es dich gibt, son­dern an den Glau­ben, der uns ver­trau­ens­voll zu dir kom­men lässt. In die­ser Fasten­zeit erklingt dein ein­dring­li­cher Auf­ruf: »Kehrt um« (Mk 1,15); »kehrt um zu mir von gan­zem Her­zen mit Fasten, Wei­nen und Kla­gen« (Joël 2,12). Du rufst uns auf, die­se Zeit der Prü­fung als eine Zeit der Ent­schei­dung zu nut­zen. Es ist nicht die Zeit dei­nes Urteils, son­dern unse­res Urteils: die Zeit zu ent­schei­den, was wirk­lich zählt und was ver­gäng­lich ist, die Zeit, das Not­wen­di­ge von dem zu unter­schei­den, was nicht not­wen­dig ist. Es ist die Zeit, den Kurs des Lebens wie­der neu auf dich, Herr, und auf die Mit­men­schen aus­zu­rich­ten. Und dabei kön­nen wir auf das Bei­spiel so vie­ler Weg­ge­fähr­ten schau­en, die in Situa­tio­nen der Angst mit der Hin­ga­be ihres Lebens reagiert haben. Es ist das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes, das in muti­ge und groß­zü­gi­ge Hin­ga­be gegos­sen und geformt wird. Es ist das Leben aus dem Hei­li­gen Geist, das in der Lage ist, zu befrei­en, wert­zu­schät­zen und zu zei­gen, wie unser Leben von gewöhn­li­chen Men­schen – die gewöhn­lich ver­ges­sen wer­den – gestal­tet und erhal­ten wird, die weder in den Schlag­zei­len der Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten noch sonst im Ram­pen­licht der neue­sten Show ste­hen, die aber heu­te zwei­fel­los eine bedeu­ten­de Sei­te unse­rer Geschich­te schrei­ben: Ärz­te, Kran­ken­schwe­stern und Pfle­ger, Super­markt­an­ge­stell­te, Rei­ni­gungs­per­so­nal, Betreu­ungs­kräf­te, Trans­por­teu­re, Ord­nungs­kräf­te, ehren­amt­li­che Hel­fer, Prie­ster, Ordens­leu­te und vie­le, ja vie­le ande­re, die ver­stan­den haben, dass nie­mand sich allein ret­tet. Ange­sichts des Lei­dens, an dem die wah­re Ent­wick­lung unse­rer Völ­ker gemes­sen wird, ent­decken und erle­ben wir das Hohe­prie­ster­li­che Gebet Jesu: »Alle sol­len eins sein« (Joh 17,21). Wie vie­le Men­schen üben sich jeden Tag in Geduld und flö­ßen Hoff­nung ein und sind dar­auf bedacht, kei­ne Panik zu ver­brei­ten, son­dern Mit­ver­ant­wor­tung zu för­dern. Wie vie­le Väter, Müt­ter, Groß­vä­ter und Groß­müt­ter, Leh­re­rin­nen und Leh­rer zei­gen unse­ren Kin­dern mit klei­nen und all­täg­li­chen Gesten, wie sie einer Kri­se begeg­nen und sie durch­ste­hen kön­nen, indem sie ihre Gewohn­hei­ten anpas­sen, den Blick auf­rich­ten und zum Gebet anre­gen. Wie vie­le Men­schen beten für das Wohl aller, spen­den und set­zen sich dafür ein. Gebet und stil­ler Dienst – das sind unse­re sieg­rei­chen Waf­fen.

»War­um habt ihr sol­che Angst? Habt ihr noch kei­nen Glau­ben?« Der Anfang des Glau­bens ist das Wis­sen, dass wir erlö­sungs­be­dürf­tig sind. Wir sind nicht unab­hän­gig, allein gehen wir unter. Wir brau­chen den Herrn so wie die alten See­fah­rer die Ster­ne. Laden wir Jesus in die Boo­te unse­res Lebens ein. Über­ge­ben wir ihm unse­re Äng­ste, damit er sie über­win­de. Wie die Jün­ger wer­den wir erle­ben, dass wir mit ihm an Bord kei­nen Schiff­bruch erlei­den. Denn das ist Got­tes Stär­ke: alles, was uns wider­fährt, zum Guten zu wen­den, auch die schlech­ten Din­ge. Er bringt Ruhe in unse­re Stür­me, denn mit Gott geht das Leben nie zugrun­de.

Der Herr for­dert uns her­aus, und inmit­ten des Sturms lädt er uns ein, Soli­da­ri­tät und Hoff­nung zu wecken und zu akti­vie­ren, die die­sen Stun­den, in denen alles unter­zu­ge­hen scheint, Festig­keit, Halt und Sinn geben. Der Herr erwacht, um unse­ren Oster­glau­ben zu wecken und wie­der­zu­be­le­ben. Wir haben einen Anker: Durch sein Kreuz sind wir geret­tet. Wir haben ein Ruder: Durch sein Kreuz wur­den wir frei­ge­kauft. Wir haben Hoff­nung: Durch sein Kreuz sind wir geheilt und umarmt wor­den, damit nichts und nie­mand uns von sei­ner erlö­sen­den Lie­be tren­nen kann. Inmit­ten der Iso­la­ti­on, in der wir unter einem Man­gel an Zunei­gung und Begeg­nun­gen lei­den und den Man­gel an vie­len Din­gen erle­ben, lasst uns erneut die Bot­schaft hören, die uns ret­tet: Er ist auf­er­stan­den und lebt unter uns. Der Herr ruft uns von sei­nem Kreuz aus auf, das Leben, das uns erwar­tet, wie­der zu ent­decken, auf die zu schau­en, die uns brau­chen, und die Gna­de, die in uns wohnt, zu stär­ken, zu erken­nen und zu ermu­ti­gen. Löschen wir die klei­ne Flam­me nicht aus (vgl. Jes 42,3), die nie­mals erlischt, und tun wir alles, dass sie die Hoff­nung wie­der ent­facht.

Das eige­ne Kreuz anzu­neh­men bedeu­tet, den Mut zu fin­den, alle Wid­rig­kei­ten der Gegen­wart anzu­neh­men und für einen Augen­blick unser Lech­zen nach All­macht und Besitz auf­zu­ge­ben, um der Krea­ti­vi­tät Raum zu geben, die nur der Hei­li­ge Geist zu wecken ver­mag. Es bedeu­tet, den Mut zu fin­den, Räu­me zu öff­nen, in denen sich alle beru­fen füh­len, und neue For­men der Gast­freund­schaft, Brü­der­lich­keit und Soli­da­ri­tät zuzu­las­sen. Durch sein Kreuz sind wir geret­tet, damit wir die Hoff­nung anneh­men und zulas­sen, dass sie alle mög­li­chen Maß­nah­men und Wege stärkt und unter­stützt, die uns hel­fen kön­nen, uns selbst und ande­re zu beschüt­zen. Den Herrn umar­men, um die Hoff­nung zu umar­men – das ist die Stär­ke des Glau­bens, der uns von der Angst befreit und uns Hoff­nung gibt.

»War­um habt ihr sol­che Angst? Habt ihr noch kei­nen Glau­ben?« Lie­be Brü­der und Schwe­stern, von die­sem Ort aus, der vom fel­sen­fe­sten Glau­ben Petri erzählt, möch­te ich heu­te Abend euch alle dem Herrn anver­trau­en und die Mut­ter­got­tes um ihre Für­spra­che bit­ten, die das Heil des Vol­kes Got­tes und der Meer­stern auf stür­mi­scher See ist. Von die­sen Kolon­na­den aus, die Rom und die Welt umar­men, kom­me der Segen Got­tes wie eine trö­sten­de Umar­mung auf euch her­ab. Herr, seg­ne die Welt, schen­ke Gesund­heit den Kör­pern und den Her­zen Trost. Du möch­test, dass wir kei­ne Angst haben; doch unser Glau­be ist schwach und wir fürch­ten uns. Du aber, Herr, über­lass uns nicht den Stür­men. Sag zu uns noch ein­mal: »Fürch­tet euch nicht« (Mt 28,5). Und wir wer­fen zusam­men mit Petrus „alle unse­re Sor­ge auf dich, denn du küm­merst dich um uns“ (vgl. 1 Petr 5,7).

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

5 Kommentare

  1. Ich will nicht’s über die Gül­tig­keit die­ses Segens sagen.
    Aber nor­ma­ler­wei­se spen­det der Papst den Segen „Urbi et orbi“ auf der Bene­dik­ti­ons­log­gia mit den Wor­ten: „Sanc­ti Apo­sto­li Petrus et Pau­lus, de quo­rum pote­sta­te et auc­to­ro­ta­te con­fi­de­mus, ipsi inter­ce­dant pro nobis ad Domi­num.“ „Amen.“
    „Pre­ci­bus et meri­tus bea­tae Mariae sem­per Vir­gi­ni, bea­ti Michae­lis Arch­an­ge­li, bea­ti Joan­nis Bap­ti­stae et sanc­torum Apo­sto­lo­rum Petri et Pau­li et omni­um Sanc­torum mise­rea­tur vestri omni­po­tens Deus et dimis­sis omni­bus pec­ca­tis vestris, per­du­cat vos Jesus Chri­stus at vitam aeter­nam.“
    „Amen.“
    „Indul­gen­ti­am, abso­lu­tio­nem et remis­sio­nem omni­um pec­ca­torum vestro­rum, spa­ti­um ver­ae et fruc­tuo­sae poe­ni­ten­tiae, cor sem­per pae­n­i­tens et emen­da­tio­nem vitae, gra­ti­am et con­so­la­tio­nem Sanc­ti Spi­ri­tus et fina­lem per­se­ver­an­ti­am in bonis operibus,tribuat vobis omni­po­tens et miser­i­cors Domi­nus.“
    „Amen.“
    „Et bene­dic­tio Dei omni­po­ten­tis: Patris + et Filii + et Spi­ri­tus Sanc­ti + descen­dat super vos et mane­at sem­per.“
    „Amen.“

    • Ich hät­te auch erwar­tet, dass die drei Gebe­te nach Panem de cælo… und der Ora­ti­on Deus, qui nobis sub Sacra­men­to ein­ge­schal­tet wor­den wären, der eucha­ri­sti­sche Segen selbst wird natür­lich kor­rek­ter­wei­se immer schwei­gend erteilt.

      Aber wenn der Papst den Segen als mit dem Ablass des Urbi et orbi ver­bun­den erklärt, dann ist das so. Der Papst steht in einer solch eher unter­ge­ord­ne­ten Fra­ge jeden­falls über dem lit­ur­gi­schen Recht oder Usus.

  2. „Herr, dein Wort heu­te Abend trifft und betrifft uns alle. In unse­rer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit vol­ler Geschwin­dig­keit wei­ter­ge­rast und hat­ten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu ver­mö­gen.“
    Das stimmt nicht. Nie­mals liebt unser Gott unse­re Welt. Und sein Reich ist nicht von die­ser Welt.
    „1. Johan­nes 2:15–17
    „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Lie­be des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Begier­de des Flei­sches und die Begier­de der Augen und der Hoch­mut des Lebens, ist nicht vom Vater, son­dern ist von der Welt. Und die Welt ver­geht und ihre Begier­de; wer aber den Wil­len Got­tes tut, bleibt in Ewig­keit.“
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Die­ser Bezug ist bemer­kens­wert, das muss ich mir mer­ken.
      Vgl jedoch Joh. 3,16. Es kommt wohl drauf an, was man unter „Welt“ ver­steht. Aber trotz­dem erscheint mir Ihr Hin­weis höchst beacht­lich. Dan­ke.

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