„Jesus will, daß jedes Leid sich um Himmel erhebt“

Mittwochskateches von Papst Franziskus - Vaterunser 2

Lie­be Brü­der und Schwe­stern,

das Vater­un­ser ist ein kur­zes und küh­nes Gebet. Wahr­schein­lich wür­de nie­mand wagen, so zu Gott zu beten, wenn Jesus es uns nicht selbst gelehrt hät­te. Die Sie­ben­zahl der Bit­ten zeigt nach dem Ver­ständ­nis der Bibel Fül­le an. Der Herr lädt die Jün­ger ein, sich stets ver­trau­ens­voll an Gott zu wen­den, ohne Umschwei­fe und beson­de­re Anre­den, son­dern ein­fach mit dem Wort „Vater“, dem Aus­druck kind­li­chen Ver­trau­ens.

Das Vater­un­ser ist in der kon­kre­ten Lebens­wirk­lich­keit des Men­schen ver­wur­zelt, wie z.B. die Bit­te um das täg­li­che Brot zeigt. Das Gebet setzt beim Leben selbst und sei­nen Fra­gen an. Denn der Glau­be ist kei­ne Deko­ra­ti­on, die mit dem eigent­li­chen Leben nichts zu tun hat. Jesus blen­det im Gebet das Mensch­li­che nicht aus; er will nicht, dass wir Bit­ten und Anlie­gen unter­drücken, son­dern dass jedes Leid, jede Sor­ge sich zum Him­mel erhebt und zum Dia­log wird. Glau­ben bedeu­tet, um Hil­fe zu rufen. Den­ken wir an den blin­den Bar­ti­mä­us, wie er gläu­big den Herrn anfleht, ohne sich von den Umste­hen­den davon abhal­ten zu las­sen; sein Ver­trau­en in den Herrn ist stär­ker. Gott ist Vater und möch­te, dass sei­ne Kin­der ohne Angst ihm alles sagen kön­nen, auch das, was im Leben ver­dreht und unver­ständ­lich ist.

Herz­lich hei­ße ich die Pil­ger deut­scher Spra­che will­kom­men. Beson­ders grü­ße ich die Dele­ga­ti­on der Öster­rei­chi­schen Par­la­men­ta­ri­er, die anläss­lich des 200-Jahr-Jubi­lä­ums des Weih­nachts­lie­des „Stil­le Nacht“ gekom­men sind. In sei­ner tie­fen Schlicht­heit lässt uns die­ses Lied das Gesche­hen der Hei­li­gen Nacht begrei­fen. Jesus, der Ret­ter, der in Beth­le­hem gebo­ren wur­de, offen­bart uns die Lie­be Got­tes des Vaters. Ihm wol­len wir unser gan­zes Leben anver­trau­en. Geseg­ne­te Advents­zeit euch allen.