Kreuz-Kritik ohne ehrliche Differenzierung

Kreuz in Bayern
Von den „Werten“ und „europäischen Werten“ ist häufig die Rede: Welche Werte sind aber gemeint? Eine Antwort gab Bayerns neuer Ministerpräsident Söder. Es gehe um die „christlichen Werte als Grundlage unseres Gemeinwesens“. Und schon setzten Empörungsrituale von Rotgrün bis zu Bischöfen ein.

Ein Gast­kom­men­tar von Hubert Hecker.

Das bay­ri­sche Kabi­nett hat kürz­lich ein­stim­mig eine Ver­ord­nung ver­ab­schie­det. Danach soll im Ein­gangs­be­reich eines jeden Behör­den­hau­ses ein Kreuz auf­ge­hängt wer­den. Mit die­sem Sym­bol wer­de die christ­lich-kul­tu­rel­le Prä­gung und Iden­ti­tät des Lan­des aus­ge­drückt. Zugleich will Mini­ster­prä­si­dent Söder damit ein „Bekennt­nis zu den Grund­wer­ten der Rechts- und Gesell­schafts­ord­nung in Bay­ern und Deutsch­land“ ein­brin­gen. Spä­ter ergänz­te Söder: Das Kreuz sei natür­lich in erster Linie ein reli­giö­ses Zei­chen, aber es bün­de­le eben auch die christ­li­chen Wer­te als Grund­la­ge unse­res Gemein­we­sens. Eine Gesell­schafts­ord­nung mit Gott ist in der Ein­lei­tung der bay­ri­schen Ver­fas­sung von 1946 anvi­siert.

Die Kreuze in Schulen bleiben

Die ein­zel­nen For­mu­lie­run­gen im Kabi­netts­be­schluss sind im Zusam­men­hang mit dem frü­he­ren Ver­fas­sungs­ge­richts­ur­teil zu Kreu­zen in Schu­len zu sehen. Die Bun­des­rich­ter hat­ten 1995 das Kreuz als reli­giö­ses Sym­bol im Lern­raum für schul­pflich­ti­ge Kin­der unter­sagt. Jedoch heg­ten sie bei einem Kreuz im Ein­gangs­be­reich eines staat­li­chen Dienst­ge­bäu­des kei­ne Beden­ken bezüg­lich der nega­ti­ven Glau­bens­frei­heit. Denn ein grund­sätz­li­cher Abwehr­an­spruch gegen reli­giö­se Sym­bo­le in der Öffent­lich­keit bestehe nicht.

Die dama­li­ge bay­ri­sche Staats­re­gie­rung regel­te den Kreu­ze-Kon­flikt mit der soge­nann­ten Wider­spruchs­re­ge­lung: Die Kreu­ze blei­ben in Klas­sen­räu­men. Wenn aber ein­zel­ne Eltern auf einem kreuz­frei­en Lern­raum bestehen, soll die Schul­lei­tung eine „güt­li­che Eini­gung“ anstre­ben, wobei gegen­über dem Ein­zel­wi­der­spruch auch der Wil­le der Mehr­heit zu berück­sich­ti­gen sei. Die­se Rege­lung „im Kli­ma des sozia­len Frie­dens“ sieht der Vor­sit­zen­de des Lan­des­ko­mi­tees der Katho­li­ken Bay­erns als Modell bei mög­li­chen Kon­flik­ten durch die neue Ver­ord­nung.

Kritik mit Halbwahrheiten und Unterstellungen

Die ersten Kri­ti­ker an dem bay­ri­schen Erlass waren lin­ke und grü­ne Poli­ti­ker und Medi­en. Sie stie­ßen sich ins­be­son­de­re an der Begrün­dung, dass das Kreuz als Sym­bol für die christ­lich Prä­gung und Tra­di­ti­on des Lan­des ste­he. Die Kri­tik kommt von jenen Leu­ten, die auch Weih­nachts­märk­te und Mar­tins­um­zü­ge als Lich­ter­fe­ste säku­la­ri­sie­ren wol­len; die den Stern­sin­gern die Tür zuschla­gen und Kar­frei­tag abschaf­fen wol­len. Deren Hass auf christ­li­che Sym­bo­le und Tra­di­tio­nen wird gele­gent­lich mit mut­maß­li­chen Befind­lich­kei­ten von Mus­li­men gerecht­fer­tigt, was einer vor­aus­ei­len­den Unter­wer­fung unter eine isla­mi­sche Kul­tur gleich­kommt.

Sofort zur Entsorgung des Kreuzes bereit
Sofort zur Ent­sor­gung des Kreu­zes bereit

Eini­ge Medi­en stütz­ten ihre Hohn- und Spott­kom­men­ta­re auf bewuss­tes Miss­ver­ste­hen der bay­ri­schen Initia­ti­ve. Söder habe das Kreuz zu einem Folk­lo­re-Ele­ment degra­diert nach Art von Trach­te­n­ac­ces­soires wie Gams­bart und Leder­ho­se, ein­ge­reiht unter „bay­ri­schem Brim­bo­ri­um mit Bier­zelt, Bre­zen und Blas­mu­sik“ – so der ver­ächt­li­che Kom­men­tar im Köl­ner Stadt-Anzei­ger.

Ande­re unter­stell­ten Söder Macht­de­mon­stra­ti­on und Domi­nanz­ge­ha­be. Vom Kreuz als „Wahl­kampflo­go“ war die Rede, sogar „AfD-Agit­prop“ und damit „hin­ter­häl­tig und unchrist­lich“ (KStA). Der Würz­bur­ger Weih­bi­schof Ulrich Boom sah die Gefahr, dass das Kreuz für den Wahl­kampf ver­zweckt sowie für poli­ti­sche Inter­es­sen instru­men­ta­li­siert wer­de.

Eini­ge Kir­chen­ver­tre­ter lie­ßen ihren Unter­stel­lun­gen und Spe­ku­la­tio­nen zur Kri­tik an der bay­ri­schen Ver­ord­nung frei­en Lauf. Der Würz­bur­ger Hoch­schul­pfar­rer Hose bezich­tig­te Söder der Pro­vo­ka­ti­on und Heu­che­lei, indem er das Kreuz für eine „Poli­tik des natio­na­li­sti­schen Ego­is­mus“ miss­brau­che. Auch der Lim­bur­ger Bischof Georg Bät­zing stütz­te sein nega­ti­ves Urteil aus­drück­lich auf eine frei­schwe­ben­de Ver­mu­tung, dass der Erlass „eine aus­schlie­ßen­de Ten­denz“ habe, indem er mut­maß­lich „Iden­ti­tät durch Abgren­zung“ erzeu­gen wol­le.

Ehrliche Differenzierung statt Empörungsrituale

Die Stutt­gar­ter Zei­tung kom­men­tier­te die media­len Empö­rungs­ri­tua­le tref­fend:

„Jetzt wabert es wie­der, jenes Hin und Her aus dümm­li­chen Halb­wahr­hei­ten und bil­li­gen Unter­stel­lun­gen, das sich immer dann mit Unkennt­nis und Unwil­len ver­kno­tet, wenn es in Deutsch­land um die Rol­le und die Bedeu­tung des Kreu­zes geht. Den Spa­gat zwi­schen kul­tu­rel­ler Prä­gung und reli­giö­ser Sym­bo­lik kann eine Gesell­schaft ohne Empö­rungs­ri­ten aus­hal­ten, solan­ge sie wil­lens ist, ehr­lich zu dif­fe­ren­zie­ren.“

Eine ehr­li­che Dif­fe­ren­zie­rung wür­de unter­schei­den zwi­schen dem schlich­ten Blank-Kreuz und dem Kor­pus-Kreuz (Kru­zi­fix). Wäh­rend das Abbild vom lei­den­den und erlö­sen­den Chri­stus am Kreuz einen spe­zi­fisch kirch­li­chen Cha­rak­ter hat, ist das blan­ke Kreuz eher ein bedeu­tungs­of­fe­nes Zei­chen. Im öffent­li­chen Raum kann es jeden­falls auch für christ­lich gepräg­te Kul­tur und Regi­on ste­hen – wie etwa schlich­te Feld­kreu­ze oder die bay­ri­schen Gip­fel­kreu­ze.

Kardinal Marx im Glashaus

Eini­ge süd­deut­sche Kir­chen­leu­te erei­fer­ten sich über einen ver­meint­li­chen Miss­brauch, als wenn Söder in den Amts­stu­ben Kru­zi­fi­xe auf­hän­gen woll­te. Auch Kar­di­nal Marx ließ nur sei­ne spe­zi­fisch kirch­li­che Kru­zi­fix-Deu­tung gel­ten, wonach das Kreuz „Zei­chen gegen Sün­de und Tod, Ret­tung der Welt und Hoff­nung der Sün­der“ sei, also ein Hin­weis auf Chri­sti Erlö­sungs­werk. Poli­ti­ker hät­ten kein Recht, eine ande­re Bedeu­tung des Kreu­zes auf­zu­wei­sen, sonst wür­den sie „das Kreuz ent­eig­nen“.

Kreuz kein Heimatsymbol?
Kreuz kein Hei­mat­sym­bol?

Im Jah­re 2006 hat­te sich Marx als Weih­bi­schof von Trier demon­stra­tiv unter ein gro­ßes öffent­li­ches Holz­kreuz gestellt. Mit dem Hin­weis, die Stadt sei 1700 Jah­re christ­lich geprägt, pro­te­stier­te er damals gegen die Nicht-Auf­hän­gung von Kreu­zen in Gerichts­sä­len nach einer Reno­vie­rung. Noch vor drei Jah­ren plä­dier­te der Mün­che­ner Erz­bi­schof öffent­lich dafür, dass die schlich­ten Holz­kreu­ze in staat­li­chen Schu­len und Gerichts­sä­len ver­blei­ben soll­ten. Kann denn ein Kreuz im Gericht etwas ande­res bedeu­ten als ein Zei­chen für die „christ­lich gepräg­te Rechts- und Gesell­schafts­ord­nung“ unse­res Lan­des, also genau jene Inter­pre­ta­ti­on von Mini­ster­prä­si­dent Söder?

Nach einem SWR-Kom­men­tar sitzt „Kar­di­nal Marx im Glas­haus“ mit sei­ner über­heb­li­chen Recht­ha­be­rei. Die Bischö­fe beru­fen sich auf die christ­lich gepräg­te Rechts­ord­nung, wenn sie die Staats­macht zum Schutz der Sonn­tags- und Fei­er­tags­ru­he auf­ru­fen. Wenn aber die bay­ri­sche Staats­re­gie­rung Kreu­ze als Zei­chen für eben die­se christ­li­che Prä­gung auf­hän­gen will, dann schrei­en sie Miss­brauch und Ver­rat.

Gegen­über allen Vor­wür­fen von Bischö­fen sowie grü­nen und lin­ken Poli­ti­kern, Kreu­ze in Behör­den­ein­gän­gen wür­den „Mil­lio­nen Men­schen aus­gren­zen – Mus­li­me, Athe­isten und Juden“ (Clau­dia Roth), setz­te ein Kom­men­tar der Tages­zei­tung Die Welt eine kla­re Gegen­po­si­ti­on:

„Jeder Mus­lim, jeder Athe­ist und jeder Anders­gläu­bi­ge kann sich unter die­sem Kreuz sicher füh­len. Es steht nicht für einen Herr­schafts­an­spruch, son­dern für eine Selbst­ver­pflich­tung, jeden Men­schen unab­hän­gig von sei­ner Her­kunft, sei­nem Glau­ben, sei­nem Kön­nen oder sei­nem Geschlecht gleich und anstän­dig zu behan­deln. ‚Mein König­reich ist nicht von die­ser Welt’ ist die Ant­wort Jesu auf die Fra­ge nach sei­nem Herr­schafts­an­spruch im Hier und Heu­te. Es ist die Absa­ge an den Got­tes­staat und damit übri­gens ein Vor­bild für alle Reli­gio­nen, die das mög­li­cher­wei­se anders sehen.“

In die­sem Sin­ne sind die schlich­ten Blank­kreu­ze im Behör­den­ein­gang ein inklu­si­ves Sym­bol.

Text: Hubert Hecker
Bild: Facebook/Wikicommons/SWR (Screen­shots)

5 Kommentare

  1. Nur auf dem Fun­da­ment des Kreu­zes, also der Lie­be, konn­ten Hoch­kul­tu­ren ent­ste­hen und auch nur auf die­sem Fun­da­ment kön­nen sie bestehen blei­ben.
    Ohne das Fun­da­ment des Kreu­zes, also ohne Lie­be, geht es sehr schnell in die Bar­ba­rei. Wir sehen die­se Bar­ba­rei heu­te mit erschrecken­der Schnel­lig­keit immer mehr wer­den:
    Pri­mi­ti­ve Unter­schicht-Bar­ba­ren köp­fen, mes­sern, ver­ge­wal­ti­gen, bei­ßen, sto­ßen auf Glei­se, wer­fen ihre Kin­der auf die Stra­ße, mob­ben, ernied­ri­gen, sind von Sex und Kon­sum beses­sen, ver­un­stal­ten ihre Kör­per und klei­den sich ihrem Selbst­hass ent­spre­chend.……
    Geld­gie­ri­ge Bar­ba­ren grün­den Schleu­ser­rin­ge, viel­fach getarnt als „Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen“, Ver­mie­ten zu hor­ren­den Prei­sen, schaf­fen Asyl­in­du­strie-Arbeits­plät­ze, die der ver­ar­men­de Steu­er­zah­ler bezah­len muss.……
    Deut­sche mit men­schen­zer­stö­ren­den Ideo­lo­gien miss­brau­chen ihre Beru­fe wie Poli­ti­ker, Anwäl­te, Rich­ter, Erzie­her, Leh­rer, Pro­fes­so­ren.…..
    Kir­chen­funk­tio­nä­re zer­stö­ren Kir­che und Glau­ben und nut­zen das Ver­trau­en der Men­schen scham­los zur Zer­stö­rung der ein­zel­nen See­len und des gan­zen Chri­sten­tums in Euro­pa aus.….…
    Satan lebt sich aus immer mehr und die Men­schen wol­len die Ursa­che nicht sehen, denn dann müss­ten sie ihr Leben ändern, sie müss­ten lie­ben. Da sie das aber nicht wol­len, kön­nen sie es nicht ertra­gen ein Kreuz zu sehen.
    Geld­gie­ri­ge Bar­ba­ren

  2. Im Gegen­satz zu Rein­hard Kar­di­nal Marx und Co. weiß Mini­ster­prä­si­dent Mar­kus Söder als Jurist, wor­auf es auf der poli­tisch-juri­sti­schen EU-Ebe­ne ankommt. Nicht Söder geht in die Irre, son­dern Rein­hard Kar­di­nal Marx, der behaup­tet hat: „Wenn das Kreuz nur als kul­tu­rel­les Sym­bol gese­hen wird, hat man es nicht ver­stan­den. Dann wür­de das Kreuz im Namen des Staa­tes ent­eig­net.“
    Dazu gibt es ein wich­ti­ges Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes für Men­schen­rech­te zum Auf­hän­gen von Schul­kreu­zen in Ita­li­en

    Christ­li­che Anwäl­te hat­ten sei­ner­zeit im Fall „Laut­si gegen Ita­li­en“ gezeigt, wie Juri­sten am Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te argu­men­tie­ren, um nicht gegen Bestim­mun­gen der Reli­gi­ons­frei­heit zu ver­sto­ßen, nach­dem in der Euro­päi­schen Uni­on ein Kon­sens bezüg­lich ihrer christ­li­chen Wur­zeln von den sozia­li­sti­schen Par­tei­en Euro­pas ver­hin­dert wor­den war — und hat­ten gewon­nen.

    Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hat­te ent­schie­den, dass in Ita­li­en Schul­kreu­ze in staat­li­chen Schu­len auf­ge­hängt wer­den dür­fen. Wesent­li­cher Grund war, dass die „Ent­schei­dung dar­über, ob und wie natio­na­le Iden­ti­tät gestif­tet und Tra­di­ti­on leben­dig gehal­ten wer­den soll, mit­hin auch die Ent­schei­dung, Kreu­ze in staat­li­chen Schu­len anzu­brin­gen, in das Ermes­sen des jewei­li­gen Staa­tes fällt.“ Das heißt: Wo mehr­heit­lich Kreu­ze als iden­ti­täts­stif­tend für den Staat betrach­tet wer­den, dür­fen sie auf­ge­hängt wer­den. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hat betont, dass allein die­se Fra­ge und nicht etwa die reli­giö­se Bedeu­tung des Kreu­zes für sei­ne Ent­schei­dung aus­schlag­ge­bend gewe­sen ist. Der Vati­kan hat­te 2010 die Ent­schei­dung Laut­si gegen Ita­li­en als bahn­bre­chend für das christ­li­che Euro­pa gelobt.
    Genau dar­an hat sich Mini­ster­prä­si­dent Mar­kus Söder in sei­ner Begrün­dung gehal­ten, wenn er sagt, das Kreuz sol­le die „geschicht­li­che und kul­tu­rel­le Prä­gung“ Bay­erns zum Aus­druck brin­gen und „sicht­ba­res Bekennt­nis zu den Grund­wer­ten der Rechts- und Gesell­schafts­ord­nung“ sein. Damit hat er als beken­nen­der evan­ge­li­scher Christ auch für die Katho­li­ken Bay­erns gespro­chen und dem Rech­nung getra­gen, dass Bay­ern ein mehr­heit­lich christ­li­ches Bun­des­land ist und damit Kreu­ze als mehr­heit­lich iden­ti­täts­stif­tend für das Land betrach­tet wer­den dür­fen. Wann sonst, als am Anfang sei­ner Amts­zeit hät­te Mini­ster­prä­si­dent Mar­kus Söder dies für die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung bekun­den sol­len?

  3. Obi­ger Kom­men­tar aus „Die Welt“ drückt genau das aus, was ich dach­te und fühl­te, als ich von Herrn MP Söders Plan hör­te.
    Dass aus gewis­sen poli­ti­schen Krei­sen Wider­spruchs­ge­schrei ertö­nen wür­de,
    dass eine emo­tio­na­le Per­son wie z.B. Clau­dia Roth ange­sichts des Wun­sches von Herrn MP Söder, in öffent­li­chen Gebäu­den Kreu­ze auf­hän­gen zu las­sen, womög­lich abge­hen wür­de wie ein Rasen­mä­her, das war all­ge­mein zu erwar­ten.
    Dass jedoch Ver­tre­ter christ­li­cher Kir­chen ins weit­ge­hend sel­be Horn bla­sen wür­den, z.B. der frü­he­re EKD-Vor­sit­zen­de Huber in einer Phoe­nix-Run­de und ‑ich bin schon fast so weit zu sagen „natür­lich“- Kar­di­nal R. Marx und wei­te­re „soge­nann­te“ Wür­den­trä­ger, das habe ich in der Form nicht erwar­tet.
    Anstatt ange­sichts des Söder-Pla­nes die Chan­ce zu nut­zen und die christ­li­chen Wert-Vor­stel­lun­gen, z.B. dass alle Men­schen ‑unab­hän­gig von ihrem Geschlecht, ihrer Reli­gi­on, ihrer Her­kunft, ihren Fähig­kei­ten …- als gleich­wer­tig anzu­se­hen und anstän­dig zu behan­deln sind, klar und deut­lich zu kom­mu­ni­zie­ren, ver­schwei­gen sie die­se spe­zi­fisch christ­li­che Sicht des Men­schen.
    Anstatt auf bibli­sche Bei­spie­le zu ver­wei­sen, in denen Jesus genau die­ses Ver­hal­ten die Men­schen leh­ren will, z.B. Gespräch mit der Frau am Jakobs­brun­nen, Jesu Zuge­hen auf Aus­sät­zi­ge, etc., etc., tun sie so, als wäre es ein Ver­bre­chen, wenn Regie­ren­de durch Auf­hän­gen von Kreu­zen zum Aus­druck brin­gen wol­len, dass in ihrem Herr­schafts­be­reich für alle Men­schen die­se glei­chen im Chri­sten­tum begrün­de­ten Rech­te gel­ten.

  4. Da komm ich ehr­lich gesagt nicht mehr mit. Eine der­ar­ti­ge Tri­via­li­sie­rung des Kreu­zes wie (vor allem) in den bei­den erst­zi­tier­ten Sät­zen jenes Welt-Arti­kels ist schier uner­träg­lich. Da sind mir fast die kreuz­has­sen­den Ben­gel lie­ber. Im Kreuz liegt das Heil, aber die­je­ni­gen, die es ableh­nen, haben halt gewis­se Kon­se­quen­zen zu gewär­ti­gen. In ihrem Namen darf man kei­ne „Alles wird gut“-eitel.Wonne und Wasch­trog-Stim­mung ver­brei­ten. Kreuz ist Kreuz, mit oder ohne Cor­pus — das lee­re Kreuz ist nur eine weni­ger auf­wän­di­ge Dar­stel­lungs­form. Das Christ­kö­nigs­fest wur­de als Herr­schafts­an­spruch Chri­sti im Hier und Jetzt enge­führt. Dass man sich hier für V2-VEr­frem­dun­gen stark macht, ist mir neu. Ganz sicher steht das Kreuz für kei­ne Selbst­ver­pflich­tung, kru­de maso­ni­sti­sche Postu­la­te zu beach­ten.
    Was die „Mil­lio­nen aus­ge­grenz­ter Men­schen – Mus­li­me, Athe­isten und Juden“ betrifft, so hat ich kei­nen ande­ren Trost außer die­sen: Pech gehabt, Leu­te.

  5. Es ist gera­de in die­sen Zei­ten wich­tig, zu zei­gen, daß es neben der Hori­zon­ta­len auch eine Ver­ti­ka­le gibt.
    Das wis­sen auch Mus­li­me, Juden und ande­re. Und selbst Athe­isten wis­sen dar­um, wenn auch in der Ableh­nung des Höch­sten. Es darf an die Wor­te von Augu­sti­nus erin­nert wer­den, die Papst Bene­dikt XVI so ein­drück­lich in Deutsch­land wie­der­hol­te, daß der Staat ohne sei­ne Bin­dung ans Recht — und das geht eben über die eige­ne Will­kür hin­aus — nichts ande­res als eine Räu­ber­ban­de ist. Gera­de die über­heb­li­che Demo­kra­tie, die einen (oft zwei­fel­haft ermit­tel­ten) „Volks­wil­len“ zum Maß nimmt, ver­kommt zum schlimm­sten Tota­li­ta­ris­mus, wenn nicht die Maß­ga­be „von oben“ wenig­stens hin­zu­kommt.

    Es lohnt sich an die­ser Stel­le, Papst Bene­dikts Rede im Bun­des­tag noch ein­mal zu ver­neh­men:
    „Die sich exklu­siv geben­de posi­ti­vi­sti­sche Ver­nunft, die über das Funk­tio­nie­ren hin­aus nichts wahr­neh­men kann, gleicht den Beton­bau­ten ohne Fen­ster, in denen wir uns Kli­ma und Licht sel­ber geben, bei­des nicht mehr aus der wei­ten Welt Got­tes bezie­hen wol­len. Und dabei kön­nen wir uns doch nicht ver­ber­gen, dass wir in die­ser selbst­ge­mach­ten Welt im Stil­len doch aus den Vor­rä­ten Got­tes schöp­fen, die wir zu unse­ren Pro­duk­ten umge­stal­ten. Die Fen­ster müs­sen wie­der auf­ge­ris­sen wer­den, wir müs­sen wie­der die Wei­te der Welt, den Him­mel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrau­chen ler­nen. Aber wie geht das? Wie fin­den wir in die Wei­te, ins Gan­ze? Wie kann die Ver­nunft wie­der ihre Grö­ße fin­den, ohne ins Irra­tio­na­le abzu­glei­ten?“
    „Wie erken­nen wir, was recht ist? Wie kön­nen wir zwi­schen Gut und Böse, zwi­schen wah­rem Recht und Schein­recht unter­schei­den? Die salo­mo­ni­sche Bit­te bleibt die ent­schei­den­de Fra­ge, vor der der Poli­ti­ker und die Poli­tik auch heu­te ste­hen. In einem Groß­teil der recht­lich zu regeln­den Mate­ri­en kann die Mehr­heit ein genü­gen­des Kri­te­ri­um sein. Aber dass in den Grund­fra­gen des Rechts, in denen es um die Wür­de des Men­schen und der Mensch­heit geht, das Mehr­heits­prin­zip nicht aus­reicht, ist offen­kun­dig: Jeder Ver­ant­wort­li­che muss sich bei der Rechts­bil­dung die Kri­te­ri­en sei­ner Ori­en­tie­rung suchen. Im drit­ten Jahr­hun­dert hat der gro­ße Theo­lo­ge Orige­nes den Wider­stand der Chri­sten gegen bestimm­te gel­ten­de Rechts­ord­nun­gen so begrün­det: ‚Wenn jemand sich bei den Sky­then befän­de, die gott­lo­se Geset­ze haben, und gezwun­gen wäre, bei ihnen zu leben, dann wür­de er wohl sehr ver­nünf­tig han­deln, wenn er im Namen des Geset­zes der Wahr­heit, das bei den Sky­then ja Gesetz­wid­rig­keit ist, zusam­men mit Gleich­ge­sinn­ten auch ent­ge­gen der bei jenen bestehen­den Ord­nung Ver­ei­ni­gun­gen bil­den wür­de.’ Von die­ser Über­zeu­gung her haben die Wider­stands­kämp­fer gegen das Nazi­re­gime und gegen ande­re tota­li­tä­re Regime gehan­delt und so dem Recht und der Mensch­heit als Gan­zer einen Dienst erwie­sen. Für die­se Men­schen war es unbe­streit­bar evi­dent, dass gel­ten­des Recht in Wirk­lich­keit Unrecht war. Aber bei den Ent­schei­dun­gen eines demo­kra­ti­schen Poli­ti­kers ist die Fra­ge, was nun dem Gesetz der Wahr­heit ent­spre­che, was wahr­haft Recht sei und Gesetz wer­den kön­ne, nicht eben­so evi­dent?“
    „Natür­lich wird ein Poli­ti­ker den Erfolg suchen, der ihm über­haupt die Mög­lich­keit poli­ti­scher Gestal­tung eröff­net. Aber der Erfolg ist dem Maß­stab der Gerech­tig­keit, dem Wil­len zum Recht und dem Ver­ste­hen für das Recht unter­ge­ord­net. Erfolg kann auch Ver­füh­rung sein und kann so den Weg auf­tun für die Ver­fäl­schung des Rechts, für die Zer­stö­rung der Gerech­tig­keit. ‚Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch ande­res als eine gro­ße Räu­ber­ban­de’, hat der hei­li­ge Augu­sti­nus ein­mal gesagt. Wir Deut­sche wis­sen es aus eige­ner Erfah­rung, dass die­se Wor­te nicht ein lee­res Schreck­ge­spenst sind. Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wur­de, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zer­tre­ten hat und dass der Staat zum Instru­ment der Rechts­zer­stö­rung wur­de – zu einer sehr gut orga­ni­sier­ten Räu­ber­ban­de, die die gan­ze Welt bedro­hen und an den Rand des Abgrunds trei­ben konn­te. Dem Recht zu die­nen und der Herr­schaft des Unrechts zu weh­ren ist und bleibt die grund­le­gen­de Auf­ga­be des Poli­ti­kers. In einer histo­ri­schen Stun­de, in der dem Men­schen Macht zuge­fal­len ist, die bis­her nicht vor­stell­bar war, wird die­se Auf­ga­be beson­ders dring­lich.“
    (Zitiert nach ef/Spiegel)

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