Wasser in der Ewigen Stadt rationiert — Schuld sind der Klimawandel und Donald Trump?

Römischer Aquädukt: Wasserversorgung der Stadt Rom nicht mehr gewährleistet?
Römischer Aquädukt: Wasserversorgung der Stadt Rom nicht mehr gewährleistet?

(Rom) Die Ewi­ge Stadt stöhnt unter Was­ser­man­gel. Auch Pil­gern und Tou­ri­sten droht in der Stadt der Päp­ste in den kom­men­den Tagen eine unge­wöhn­li­che Über­ra­schung. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten hat es in Mit­tel­ita­li­en wenig gereg­net. Nun wur­de der Was­ser­ver­brauch in Rom ratio­niert. Vom Gou­ver­neur der Regi­on Lati­um wur­de eine Unter­bre­chung der Was­ser­ver­sor­gung ange­ord­net. Zu unter­schied­li­chen Zei­ten blei­ben ab dem 28. Juli in den ver­schie­de­nen Stadt­tei­len die Was­ser­häh­ne für acht Stun­den trocken. Selbst Kran­ken­häu­ser und Feu­er­wehr sind von der Not­ver­ord­nung nicht aus­ge­nom­men. Die Fol­ge: Ham­ster­käu­fe und eine „Panik wie im Krieg“, schrieb Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na.

Nicola Zingaretti (PD)
Nico­la Zin­g­a­ret­ti (PD)

Der Gou­ver­neur von Lati­um, der Links­de­mo­krat Nico­la Zin­g­a­ret­ti, erklär­te mit dra­ma­ti­schen Wor­ten: „Das Was­ser wird knapp“. Sofort setz­ten gegen­sei­ti­ge Schuld­zu­wei­sun­gen ein. Wer ist schuld an der Was­ser­ver­knap­pung? Die städ­ti­sche Betrei­ber­ge­sell­schaft Acea und die Bür­ger­mei­ste­rin von Rom, Vir­gi­nia Rag­gi (Movi­men­to 5 Stel­le) machen der Regi­on Lati­um Vor­wür­fe und umge­kehrt.

Der ehe­ma­li­ge Kom­mu­nist Zin­g­a­ret­ti, war bis­her vor als Abtrei­bungs­lob­by­ist auf­ge­fal­len. Er erließ eine Richt­li­nie, die Abtrei­bungs­ärz­te bei der Stel­len­ver­ga­be bevor­zugt gegen­über Ärz­ten, die sich der Abtrei­bung aus Gewis­sens­grün­den ver­wei­gern, wie es ihnen das Gesetz aus­drück­lich erlaubt. Zin­g­a­ret­ti hat auch den wah­ren Schul­di­gen für die Was­ser­knapp­heit gefun­den: den Kli­ma­wan­del. Die Regen­men­ge, die bis­her gefal­len ist, beträgt nur ein Fünf­tel des Durch­schnitts. Der Was­ser­stand im Brac­cia­no­see, der Haupt­quel­le der Ver­sor­gung Roms, ist um 90 cm abge­sun­ken.

Der wirk­li­che Haupt­schul­di­ger, ist sich der Gou­ver­neur sicher, sei aber Donald Trump. Den Medi­en erklär­te Zin­g­a­ret­ti in einem Stil der an die trot­zi­ge Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung ehe­ma­li­ger Ost­block-Gran­den erin­ner­te:

„Es ist ein Recht, das Was­ser aus dem Was­ser­hahn zu las­sen.“

Und wei­ter:

„Ich wür­de ger­ne Donald Trump zum Brac­cia­no­see ein­la­den, um ihm begreif­lich zu machen, was es heißt, die Kli­ma­ab­kom­men nicht zu respek­tie­ren.“

Verantwortungslose Politikerentscheidung

Der zustän­di­ge Acea-Direk­tor Pao­lo Sacca­ni pro­te­stier­te gegen Zin­g­a­ret­tis Not­ver­ord­nung. Der­zeit gebe es kei­nen Not­stand. Die Was­ser­ver­sor­gung sei garan­tiert. Der Not­stand wer­de erst durch die Not­ver­ord­nung pro­vo­ziert. Die­se sei unver­ant­wort­lich im Hoch­som­mer in einem Gebiet mit der höch­sten Bevöl­ke­rungs­dich­te Ita­li­ens. Der Acea-Direk­tor spricht daher von einer „abnor­men“ und „ille­gi­ti­men“ Ent­schei­dung der Poli­tik, die grund­los „Panik“ ver­ur­sa­che.

Die Was­ser­ent­nah­me der Acea sen­ke den Was­ser­spie­gel des Sees nur gering­fü­gig. Um des­sen „Aus­trock­nung“ zu ver­hin­dern, sei die Maß­nah­me daher „sinn­los“, beein­träch­ti­ge aber das Leben von Mil­lio­nen Men­schen und gefähr­de viel­leicht sogar Men­schen­le­ben. Der Gou­ver­neur sol­le wis­sen las­sen, auf wel­cher Rechts­grund­la­ge er sei­ne Not­ver­ord­nung erlas­sen habe.

Enormer Wasserverlust durch schlechte Infrastruktur

Auch die Acea steht aller­dings in der Kri­tik. Sie gehört zu 51 Pro­zent der Stadt Rom. Ihr gehö­ren 45 Pro­zent der Was­ser­lei­tun­gen, über wel­che die Stadt ver­sorgt wird. 2011 spra­chen sich die Bür­ger in einer Volks­ab­stim­mung gegen die Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung aus. Damals bereits gin­gen 40 Pro­zent des Was­sers ver­lo­ren. Die­sen Ver­lust bestrei­tet man auch bei der Acea nicht. Es sei ein „natio­na­les Übel“, so Sac­co­ni. Die Stadt habe zuletzt viel Geld in bes­se­re Lei­tun­gen inve­stiert. Kri­ti­ker bestrei­ten das.

Frontinus: Druck von 1722
Fron­ti­nus: Druck von 1722

Tat­sa­che ist, daß in der römi­schen Kai­ser­zeit vier­mal soviel Was­ser nach Rom beför­dert wur­de als heu­te. Sena­tor Sex­tus Iuli­us Fron­ti­nus, hoch­an­ge­se­hen, war zur Zeit von Kai­ser Ner­va (96–98) cura­tor aquar­um, Was­ser­prä­fekt der Stadt Rom Er hin­ter­ließ in sei­nem zwei­bän­di­gen Werk De aqua­educ­tu urbis Romae genaue Beschrei­bun­gen des Was­ser­ver­sor­gungs­sy­stems der Stadt, das damals sei­nes­glei­chen auf der Welt such­te. Heu­te gel­ten die Was­ser­lei­tun­gen, die aus dem Hin­ter­land das Was­ser nach Rom brin­gen, als über­al­tert. Die „jüng­ste“ Was­ser­lei­tung stammt aus dem Jahr 1950. Die Pla­nung dazu aus faschi­sti­scher Zeit. Das demo­kra­tisch-repu­bli­ka­ni­sche Nach­kriegs­ita­li­en füg­te nichts mehr hin­zu.

Der Was­ser­ver­lust liegt nach aktu­el­len Schät­zun­gen inzwi­schen bei 45 Pro­zent. Kaum mehr als die Hälf­te des Was­sers erreicht die Was­ser­häh­ne. Zur Zeit des Was­ser­prä­fek­ten Fron­ti­nus hat­te Rom min­de­stens eine Mil­li­on Ein­woh­ner. Heu­te sind es in der Stadt und ihrem direk­ten Umland vier Mil­lio­nen. Die Acea erstell­te kei­nen Gene­ral­plan, der die­ser Bevöl­ke­rungs­zu­nah­me Rech­nung trug, son­dern inve­stier­te in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren vor allem in den Aus­bau der Ener­gie­ver­sor­gung und die Tele­fo­nie.

Mangel an geeigneter Wassertechnik

70 Pro­zent des Was­sers wird in Ita­li­en in der Land­wirt­schaft ver­braucht. Davon wer­den, so Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na, 60 Pro­zent ver­schwen­det, weil es kei­ne aus­rei­chen­den Bereg­nungs­tech­ni­ken gibt, wie sie etwa in Isra­el zum Ein­satz kom­men, um das vor­han­de­ne Was­ser best­mög­lich zu nüt­zen.

„Donald Trump könn­te den Brac­cia­no­see besu­chen, aber er wür­de aus dem Besuch nichts ler­nen kön­nen, was von irgend­ei­ner Bedeu­tung wäre, jeden­falls nichts, was mit dem Kli­ma­wan­del zu tun hät­te“, so Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na. Er könn­te nur fest­stel­len, daß es in Ita­li­en im Bereich der Was­ser­ver­sor­gung eine ver­al­te­te Infra­struk­tur und eine schlech­te Was­ser­ver­wal­tung gibt.

Text: Andre­as Becker
Bild: Wiki­com­mons

 




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