Martin Mosebach: „Von Papst Benedikts Wirken hat nur Summorum Pontificum eine Chance auf Zukunft“

Alter Ritus im Petersdom in RomPaix Lit­ur­gi­que ver­öf­fent­lich­te im Brief 40 eine Ana­ly­se des deut­schen Schrift­stel­lers Mar­tin Mose­bach zur aktu­el­len Lage der Kir­che, den Bemü­hun­gen von Papst Bene­dikt XVI. um die lit­ur­gi­sche Erneue­rung und des­sen Feh­ler, unter­schätzt zu haben, „wie tief der Geist der anti­lit­ur­gi­schen Häre­sie schon in den hohen Kle­rus ein­ge­drun­gen war“.

Die Kir­che erlebt unter Papst Fran­zis­kus eine Schwer­punkts-Ver­schie­bung auf die pasto­ra­le Arbeit und einen neu­en Stil in vie­ler­lei Hin­sicht. Die lit­ur­gi­schen Rat­ge­ber des Pap­stes wur­den bereits aus­ge­wech­selt. Auch für die Beob­ach­ter der päpst­li­chen Lit­ur­gien sind nach einer ste­tig wach­sen­den Sakra­li­tät unter dem letz­ten Pon­ti­fi­kat bereits Ver­än­de­run­gen bemerk­bar. Wie steht es nun um die von Bene­dikt XVI. ein­ge­lei­te­te „Reform der Reform“? Wie steht es um das Motu Pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum? Was kön­nen die Anhän­ger der außer­or­dent­li­chen Form in Zukunft vom Papst erwar­ten? Wie steht es um die Zukunft der Lit­ur­gie?

Mar­tin Mose­bach, preis­ge­krön­ter deut­scher Schrift­stel­ler und renom­mier­ter Autor (jüng­stes Buch: Der Ultra­mon­ta­ne. Alle Wege füh­ren nach Rom) hat bereits in sei­nem berühm­ten und in vie­le Spra­chen über­set­zen Buch „Häre­sie der Form­lo­sig­keit“ mit schar­fem Blick, treff­si­cher und ohne ein Blatt vor den Mund zu neh­men, die Ver­feh­lun­gen in der nach­kon­zi­lia­ren Ent­wick­lung der Lit­ur­gie aufs Korn genom­men und damit den Gläu­bi­gen, die beson­ders unter der weit ver­brei­te­ten lit­ur­gi­schen Expe­ri­men­tier­freu­dig­keit mit all ihrem Form­ver­lust der römi­schen Lit­ur­gie, der Mar­gi­na­li­sie­rung des Opfer­cha­rak­ters und der ver­brei­te­ten Umdeu­tung der Hei­li­gen Mes­se zu einer Gemein­de­ver­samm­lung lit­ten, zutiefst aus der See­le gespro­chen. Er schil­dert dort mit schrift­stel­le­ri­scher Bril­li­anz sei­ne per­sön­li­chen Erfah­run­gen in ver­schie­de­nen Län­dern und sei­ne dar­aus fol­gen­de Hin­wen­dung zur über­lie­fer­ten Lit­ur­gie.

Heu­te kom­men­tiert er scharf­sin­nig und exklu­siv für Paix Lit­ur­gi­que die momen­ta­ne Lage nach dem Pon­ti­fi­kats­wech­sel und sei­ne Ein­schät­zung der Zukunft

Was ist Ihrer Mei­nung nach die Zukunft der lit­ur­gi­schen Reform von Papst Ratz­in­ger? Kann sie noch Frucht tra­gen oder bewe­gen wir uns in eine Sack­gas­se hin­ein?

Mose­bach: Papst Bene­dikts wich­tig­stes lit­ur­gi­sches Anlie­gen ist sicher eine „Reform der Reform“ gewe­sen. Die­ses Vor­ha­ben war kaum begon­nen; man muss sich wohl ein­ge­ste­hen, dass Papst Bene­dikt es mit sei­nem Rück­tritt auf­ge­ge­ben hat. Gegen­wär­tig dürf­te es kei­ne Chan­ce mehr haben, wei­ter ver­folgt zu wer­den, zumal die Riten­kon­gre­ga­ti­on dem Ver­neh­men nach vom neu­en Papst mit erklär­ten Fein­den einer „Reform der Reform“ besetzt wird. Umso wich­ti­ger ist das Erbe, das Papst Bene­dikt in Gestalt von Summorom Pon­ti­fi­cum hin­ter­las­sen hat: die Wie­der­ein­glie­de­rung des Alten Ritus in die Riten der Kir­che.

Aber dies dürf­te zumin­dest für die Zeit des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus das letz­te posi­ti­ve Wort sein, das wir nicht nur über den Alten Ritus, son­dern über Lit­ur­gie ganz gene­rell aus Rom zu hören bekom­men. Papst Bene­dikt hat die Situa­ti­on offen­sicht­lich voll­stän­dig falsch ein­ge­schätzt. Er hat offen­sicht­lich nicht gese­hen, wie tief der Geist der anti­lit­ur­gi­schen Häre­sie schon in den hohen Kle­rus ein­ge­drun­gen war.

In sei­nem Inter­view mit den Jesui­ten erklär­te Papst Fran­zis­kus, dass Summorum Pon­ti­fi­cum eine klu­ge Geste von Bene­dikt XVI. war, um eini­ge Gläu­bi­ge zufrie­den zu stel­len, die dem Vetus Ordo anhän­gen. Die tra­di­tio­nel­le Welt hin­ge­gen hält dar­an fest, — sich auf die Erklä­run­gen von Kar­di­nal Cañi­za­res und Kar­di­nal Cas­tril­lón Hoyos stüt­zend — dass der Welt­kir­che damit ein Schatz offen­bart wird: Wer hat Recht?

Mose­bach: Von Papst Bene­dikts Wir­ken hat nur Summorum Pon­ti­fi­cum eine Chan­ce auf Zukunft. Wahr­schein­lich war eine „Reform der Reform“ von Anfang an ein aus­sichts­lo­ses Pro­jekt. Bei der all­ge­mei­nen lit­ur­gi­schen Unbil­dung und Ver­ständ­nis­lo­sig­keit des Kle­rus war es hoff­nungs­los, für die Rück­kehr ein­zel­ner sakra­men­ta­ler For­men zu wer­ben, die erst aus dem Gesam­ten des sakra­men­ta­len Cor­pus ihren Sinn und ihre Bedeu­tung emp­fan­gen. Papst Bene­dikts Schei­tern in die­ser Fra­ge bestä­tigt, daß das Maxi­mal­pro­gramm der „Unein­sich­ti­gen“ und „zu kei­nem Kom­pro­miss Berei­ten“, das Rea­li­stisch­ste war: die vor­be­halt­lo­se Rück­kehr zur Über­lie­fe­rung.

Vom 24. bis zum 27. Okto­ber fand in Rom eine Pil­ger­fahrt des Coe­tus Summorum Pon­ti­fi­cum statt. Nach Kar­di­nal Cañi­za­res hat die­ses Jahr Kar­di­nal Cas­tril­lón Hoyos im Peters­dom zele­briert: Wie wich­tig war es für die Kir­che, dass die Gläu­bi­gen, die der außer­or­dent­li­chen Form des römi­schen Ritus anhän­gen, bei die­sem Ereig­nis ihre Nähe zur tra­di­tio­nel­len Lit­ur­gie bezeugt haben? Kann auf die­se Wei­se auch der neue Papst eine Wirk­lich­keit ken­nen­ler­nen, die er viel­leicht nur wenig kennt?

Mose­bach: Wir erle­ben als Katho­li­ken das bedrücken­de Schau­spiel eines Pap­stes, der gegen­über der Öffent­lich­keit den Weg des gering­sten Wider­stan­des geht und der dafür, wie jeder, der dem Main­stream folgt, als „mutig“ beju­belt wird. Wir dür­fen Papst Bene­dikt glau­ben, wenn er die gro­ße Über­lie­fe­rung der Lit­ur­gie als Schatz der Kir­che ansah. Es war kei­ne schlaue diplo­ma­ti­sche Geste von ihm, die­ser Über­lie­fe­rung wie­der einen Platz in der Kir­che zu sichern. Dass Papst Fran­zis­kus das anders sehen mag, passt lei­der nur all­zu gut ins Bild.

Schließ­lich, wenn man an den Wider­stand gegen die lit­ur­gi­sche Restau­rie­rung von Papst Bene­dikt denkt, und auf der ande­ren Sei­te das Schei­tern der Ein­heit von Rom und Écà´ne gewahr wird: Müs­sen wir Angst vor einem neu­en lit­ur­gi­schen Kriegs­aus­bruch haben?

Mose­bach: Es ist sehr wich­tig, dass die Pil­ger­fahrt des Coe­tus Summorum Pon­ti­fi­cum vie­le Men­schen nach Rom führt. Für einen popu­li­stisch geson­ne­nen Papst mag eine ein­drucks­vol­le Betei­li­gung viel­leicht sogar ein klei­nes posi­ti­ves Argu­ment ent­hal­ten, aber die Anhän­ger des Alten Ritus soll­ten sich jetzt ganz fest ent­schlos­sen dar­auf ein­stel­len, in den näch­sten Jah­ren nicht mehr nach Rom zu blicken und auf Rom fixiert zu sein, son­dern die neu­ge­won­ne­ne Frei­heit am jewei­li­gen Ort zu befe­sti­gen und aus­zu­bau­en und die Hoff­nung ganz und gar auf eine neue Genera­ti­on von Prie­stern zu set­zen. Ver­ges­sen wir nicht, das Schlimm­ste, das wahr­haft Unvor­stell­ba­re, liegt schon hin­ter uns: ein römi­scher Papst, Paul VI., der die Lit­ur­gie zer­stört.

Sechs Mona­te nach der Wahl Papst Fran­zis­kus‘ scheint es, dass von der lit­ur­gi­schen Reform Papst Bene­dikts nicht viel übrig geblie­ben ist: Ist es so?

Mose­bach: Grund­sätz­lich ist das vor­stell­bar. Wir sehen zum Bei­spiel beim Ein­grei­fen des Vati­kans in das Ordens­le­ben der Imma­cu­la­ta-Fran­zis­ka­ne­rin­nen, dass jede tra­di­tio­nel­le geist­li­che Gemein­schaft, in der nicht ein unge­bro­che­ner gemein­sa­mer Wil­le alle Mit­glie­der ver­eint, in ihrem Bestand gefähr­det ist. Auf der ande­ren Sei­te dür­fen wir natür­lich fest­stel­len, dass die offi­zi­el­le Kir­che in West­eu­ro­pa ins­ge­samt viel schwä­cher gewor­den ist und des­halb auch nicht mehr ohne Wei­te­res über die Kraft ver­fügt, mit der sie in den 70er- und 80er-Jah­ren ihr Zer­stö­rungs­werk betrei­ben konn­te. Und auf der ande­ren Sei­te sind die Tra­di­ti­ons­grup­pen stär­ker gewor­den; man kann sie nicht mehr ein­fach ein­schüch­tern und weg­fe­gen, wie das so vie­le Bischö­fe „im Geist des Kon­zils“ getan haben.

Die Chan­cen für die Tra­di­ti­on ste­hen nicht so schlecht, wenn sie sich dar­auf kon­zen­triert, im Inne­ren stark zu blei­ben, sich nicht in Strei­te­rei­en zu ver­zet­teln und vor allem jun­ge Leu­te, jun­ge Prie­ster, für sich zu gewin­nen. Wir hat­ten eine kur­ze Rekrea­ti­ons­zeit, jetzt muss es wie­der ohne Rom gehen; aber das ken­nen wir ja schon.

Text: Paix Lit­ur­gi­que
Bild: Paix Lit­ur­gi­que

12 Kommentare

  1. Wird nun etwa der lit­ur­gi­sche Wild­wuchs gar noch an Ver­wü­stungs­kraft zuneh­men? Kann es wirk­lich so — wie von Hw Chri­sti­an Sie­be­rer geschil­dert — ein­fach wei­ter­ge­hen?:
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    „Die Sor­gen-Äng­ste-Betrof­fen­heits-Lit­ur­gie

    Vor vier­zig Jah­ren gab es dop­pelt sovie­le Prie­ster, aber vor vier­zig Jah­ren auch vier Mal so vie­le prak­ti­zie­ren­de Gläu­bi­ge.
    Wie geht es heu­te einem „ganz nor­ma­len” Pfar­rer in einer „ganz nor­ma­len” Pfar­re, für den der hei­li­ge Pfar­rer von Ars Vor­bild und Norm ist?
    [.…]
    Pfar­rer kom­men heu­te immer sel­te­ner aus Pfar­ren, da dort der Prie­ster häu­fig nicht als Prie­ster gebraucht wird.
    Er hat für ein schö­nes Gemein­schafts­fest am Sonn­tag zu sor­gen, bei dem sich alle wohl­füh­len.
    Der Prie­ster als Prie­ster, Hir­te und Leh­rer ist nur wenig gefragt, gera­de in den ihm vor­be­hal­te­nen Dien­sten (Beich­te, Kran­ken­sal­bung,…)
    In den Pfar­ren fin­det man immer wie­der älte­re Prie­ster, die sich selbst als „fru­strier­te Kon­zils­ge­nera­ti­on” bezeich­nen, und Jahr­zehn­te lang die Anthro­po­zen­trik bis zum Glau­bens­zwei­fel gelebt haben.
    Doch was ist aus dem ange­kün­dig­ten gro­ßen Auf­bruch nach dem Kon­zil gewor­den?
    War die Öff­nung zur Welt nicht häu­fig eine erstaun­lich ein­falls­lo­se Anbie­de­rung an den Zeit­geist?
    Wo sind die Mas­sen in die Kir­che geströmt, die man durch die „Moder­ni­sie­run­g” der Lit­ur­gie und Ver­kün­di­gung gewin­nen woll­te?

    Zehn­tau­sen­de Prie­ster haben in der Zeit nach dem Kon­zil ihr Amt auf­ge­ge­ben, vie­le sind in ihrem Den­ken und Tun zum Pro­te­stan­tis­mus kon­ver­tiert und unzäh­li­ge haben vor lau­ter Ent-täu­schun­gen mit den Men­schen ihre Freu­de an Gott ver­lo­ren.

    [.…]

    Hin­der­nis­se auf dem Weg zum Altar

    [.…]

    Im Freun­des­kreis kann man schließ­lich leicht zum Außen­sei­ter wer­den, 
    weil dort natür­lich alle gläu­big sind, aber eben im gesun­den lau­en Mit­tel­maß, das mit Fun­dis und Extre­mi­sten nichts anzu­fan­gen weiß.
    Bleibt noch die Pfar­re, in der man groß gewor­den ist. Dort müss­ten sich doch jetzt alle freu­en, dass einer aus ihrer Mit­te das Prie­ster­amt anstrebt.

    Tja, nur lei­der gibt es nahe­zu in jeder Pfar­re ande­re, die das eben­so tun, oft schon seit Jahr­zehn­ten und ohne Rück­sicht auf die Glau­bens­leh­re und Ord­nung der Kir­che. 
    Nicht weni­ge die­ser selbst­er­nann­ten Kir­chen­ret­ter zele­brie­ren regel­mä­ßig auf dem Tisch des Wirts­hau­ses oder Pfarrcafés das Requi­em des Prie­ster­tums.

    Als Introitus die­ser Sor­gen-Äng­ste-Betrof­fen­heits-Lit­ur­gie wer­den die 
    Kla­ge­lie­der auf den Prie­ster­man­gel ange­stimmt, die weh­mü­tig ver­kün­den, dass es vor vier­zig Jah­ren etwa dop­pelt so vie­le Prie­ster gab.
    Ver­schwie­gen wird fast immer die Tat­sa­che, dass es vor vier­zig Jah­ren auch vier Mal so vie­le prak­ti­zie­ren­de Gläu­bi­ge gab.
    Der ein­zel­ne Gläu­bi­ge lebt also heu­te in der glück­li­chen Lage, dass sich der Prie­ster viel bes­ser um ihn küm­mern kann.
    Und dann auch noch das: Da kommt doch tat­säch­lich einer aus unse­rer auf­ge­schlos­se­nen Pfar­re, die knapp vor dem Zusper­ren steht, daher und wagt es, den Prie­ster­man­gel zu ver­rin­gern.

    Immer wie­der kam mir der Gedan­ke, ob es über­haupt mög­lich ist, dass ein Bub oder jun­ger Mann sei­ne von Gott geschenk­te Beru­fung ver­wirk­li­chen kann, wenn ihm sehr vie­le in sei­ner de fac­to von Lai­en geführ­ten Pfar­re ver­mit­teln:
    „Dei­ne Mama oder dein Papa und auch der Herr Huber und die Frau Mai­er, die sind ganz tol­le Wort­got­tes­dienst­lei­ter, sie machen die Mes­se viel bes­ser als der Pfar­rer. Wenn es dann kei­nen Pfar­rer mehr gibt, wer­den sie die Pfar­re lei­ten.
    Das hat uns der Bischof schon ange­kün­dig­t”
    Leicht mög­lich, dass dann in einem Kind der Gedan­ke auf­steigt:
    „Aha, die brau­chen also kei­ne Pfar­rer mehr, naja, dann ler­ne ich wohl bes­ser für einen ande­ren Beruf, sonst krie­ge ich noch Ärger…”
    -

    Es bleibt denn auch nur, sich den Aus­sa­gen S. E. Mal­colm Kar­di­nal Ran­jith anzu­schlis­sen.
    In einem Gruss­schrei­ben anläss­lich der 20. Gene­ral­ver­samm­lung der Inter­na­tio­na­len Foe­de­ra­ti­on Una Voce in Rom sag­te er:
    -

    „Lit­ur­gie kann des­halb nie­mals von Men­schen geschaf­fen wer­den.
    Wenn wir Gott so ver­eh­ren, wie wir das wol­len, und uns selbst die Regeln geben;
    dann lau­fen wir Gefahr, erneut Aarons Gol­de­nes Kalb zu pro­du­zie­ren.

    Wir müs­sen fest dar­auf bestehen, dass Got­tes­dienst unse­re Teil­nah­me an dem ist, was Gott selbst tut- sonst sind wir in der Gefahr, Göt­zen­dienst zu bege­hen.
    Der Sym­bo­lis­mus der Lit­ur­gie hilft uns dabei, uns über das, was mensch­lich ist, zum Gött­li­chen zu erhe­ben.
    In die­ser Hin­sicht, das ist mei­ne feste Über­zeu­gung, ist der Vetus Ordo [die alte Mes­se] in hohem Maße und in größ­ter Erfül­lung der mysti­sche und tran­szen­den­te Ruf zur Begeg­nung mit Gott in der Lit­ur­gie.

    Daher ist für uns die Zeit gekom­men, nicht nur durch radi­ka­le Ver­än­de­run­gen den Inhalt der refor­mier­ten Lit­ur­gie zu erneu­ern, son­dern auch immer stär­ker auf eine Rück­kehr der alten Mess­ord­nung hin­zu­wir­ken, der den Weg zu einer wahr­haf­ten Erneue­rung der Kir­che bie­tet, wie sie die Väter des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils so sehr erhoff­ten.
    Eine sorg­fäl­ti­ge Lek­tü­re der Kon­zils- Kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um über die hei­li­ge Lit­ur­gie zeigt, dass die über­eil­ten Ver­än­de­run­gen, die spä­ter in die Lit­ur­gie ein­ge­führt wur­den, kei­nes­falls im Sin­ne der Kon­zils­vä­ter waren.

    Daher ist es jetzt an der Zeit, ent­schlos­sen auf eine wahr­haf­te Reform der Reform hin­zu­ar­bei­ten und auch auf eine Rück­kehr zu der wah­ren Lit­ur­gie der Kir­che, die sich in ihrer zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te in einem bestän­di­gen Fluss ent­wickelt hat.
    Ich hof­fe und bete, dass das geschieht.“
    -

  2. „…im Inne­ren stark zu blei­ben, sich nicht in Strei­te­rei­en zu ver­zet­teln und vor allem jun­ge Leu­te, jun­ge Prie­ster, für sich zu gewin­nen.“
    Das kann man nicht genug unter­strei­chen. Bit­te kei­ne unnö­ti­gen Strei­tig­kei­ten. Es gilt das was immer gilt, sich um das beste christ­li­che Leben zu bemü­hen und durch das gute Bei­spiel anzie­hend zu sein (das Gegen­teil wären zer­strit­te­ne Grüpp­chen, die sich gegen­sei­tig kei­ne Erfol­ge gön­nen). Das Zie­le ist für die Aus­brei­tung des Reich Got­tes gut zu arbei­ten und da soll­te man sich über jeden Erfolg freu­en. Es gibt genug Arbeit. Ein wich­ti­ger Punkt wur­de in ver­gan­ge­nen Arti­keln bereits ange­spro­chen: die Dia­ko­nie und das „Gehen zu den Rän­dern der Gesell­schaft“. Hier sehe ich neben dem rie­si­gen Betä­ti­gungs­feld auch ein Heil­mit­tel gegen gew. Eigen­ar­ten, die tra­di­tio­nel­len Grup­pen, manch­mal zu recht, vor­ge­wor­fen wer­den.
    „Domi­ne, non sum dignus…“, die­se Hal­tung ist wich­tig für uns und so gese­hen ist es ein Ansporn für uns, wenn von höch­ster Stel­le aus nun ande­re Prio­ri­tä­ten gel­ten. Wäre dies anders, hät­te dies für uns die Gefahr uns zurück­zu­leh­nen, im Wis­sen auf der rich­ti­gen Sei­te zu sein, und die Gefahr der Strei­tig­kei­ten wäre grö­ßer. Nein, jetzt ist die Zeit „zum Ärmel­auf­krem­peln und zum Hän­de­fal­ten“ und unse­ren Bei­trag für das Reich Got­tes noch ent­schie­de­ner zu lei­sten und dafür ist es gut, nicht auf der Son­nen­sei­te zu ste­hen, das wür­de unse­rem Stolz zu sehr schmei­cheln.

    • Aha -
      Außer dass wir ganz viel sol­len und nicht soll­ten und Hal­tun­gen ein­neh­men, die wir wie­der­um nicht ein­neh­men wür­den, wenn, ja wenn was, macht’s bei mir nur Bahn­hof.

      Ach ja: wer ent­schei­det eigent­lich, wel­che Strei­te­rei­en unnö­tig sind und wel­che nötig?
      Und wohl­an denn, wers noch nicht weiß: die Rän­der sind nun unse­re „siche­re Sei­te“ — datum anno Domi­ni 2013 durch neu gesetz­te Prio­ri­tä­ten. Auf der Son­nen­sei­te resi­diert der Papst, und ich bin am Rand, damit ich schön demü­tig blei­be. Dafür kremp­le ich dort anstel­le des Hl. Vaters die Ärmel hoch, wäh­rend er weder betet noch arbei­tet, son­dern viel redet.
      Eine Fra­ge hät­te ich aber noch: was außer Ärmel­hoch­krem­peln soll ich eigent­lich „an den Rän­dern“ noch tun? Beten tu ich schließ­lich immer und über­all — auch im Bad, auf dem Fahr­rad und in der Kir­che. Aber was macht man an so einem Rand? Und wie kom­me ich an den Rand? Mein Navi zeigt ein­fach kei­ne Rän­der an!

  3. Zur infor­ma­ti­on:
    http://www.kipa-apic.ch/index.php?&pw=&na=0,0,0,0,f&ki=248688

    und :

    http://www.famillechretienne.fr/croire/pape-et-vatican/le-pape-francois-fait-un-geste-en-direction-des-traditionalistes_t9_s89_d71595.html

    Le Saint-Père a accor­dé sa bénédiction apo­sto­li­que à la Fra­ter­ni­té Sacer­do­ta­le Saint-Pierre, qui célèbre le vingt-cinquième anni­ver­saire de sa fon­da­ti­on.
    Le geste est sym­bo­li­que. Le 28 octob­re der­nier, le pape Fran­çois a accor­dé sa bénédiction apo­sto­li­que à la Fra­ter­ni­té Sacer­do­ta­le Saint-Pierre, à l’occasion du vingt-cinquième anni­ver­saire de sa fon­da­ti­on.
    (…)le pape Fran­çois esti­me qu’ « en célébrant les mystères sacrés selon la for­me extra­or­dinaire du rite romain (…), [les mem­bres de la Fra­ter­ni­té de Saint-Pierre] con­tri­bue­nt, dans la fidélité à la tra­di­ti­on vivan­te de l’Église, à une mei­lleu­re compréhension et mise en Å“uvre du con­ci­le Vati­can II ».
    (…)
    Il les exhor­te « selon leur cha­ris­me prop­re, à prend­re une part acti­ve à la mis­si­on de l’Église dans le mon­de d’aujourd’hui par le témoignage d’une vie sain­te, d’une foi fer­me et d’une cha­ri­té inven­ti­ve et généreuse »

    Gott mit Dir, Hei­li­ger Vater Fran­zis­kus !

    • Ja und?
      Wenn Sie damit bele­gen wol­len, dass der Papst die Alte Mes­se schätzt, muss ich Sie ent­täu­schen.
      Für mich klingt das alles nach „Text­bau­stein. Und der Schluss:

      „.. en célébrant…selon la for­me extraordinaire…(ils) con­tri­bue­nt … à une mei­lleu­re compréhension et mise en oeu­vre du con­ci­le Vati­can II:“

      Haha — die Fei­er der Alten Mes­se soll also ein Bei­trag zum bes­se­ren Erfas­sen und Umset­zen des 2. Vatik. Kon­zils sein?!?! Das ist doch wirk­lich unsäg­li­cher Blöd­sinn — das wür­den die Pius­brü­der eben­so bestrei­ten wie alle, die vom Kon­zils­geist bes­sen sind. Die Fei­er der Alten Mes­se ist ein „Nein!“ zu den Reform­zwän­gen, die das Kon­zil ja sehr wohl ange­sto­ßen hat, wenn auch viel­leicht nicht so extrem wie es dann geschah. man fei­ert — im Gegen­teil — wie vor der Lit­ur­gie­re­form! Und ich glau­be kaum, dass „das Kon­zil“ dar­an dach­te, dass die Reform der Reform eine Rück­kehr bedeu­ten wür­de…
      Wenn ich also nicht anneh­men will, dass der Papst Blöd­sinn gere­det hat (und das will ich nicht!), muss ich davon aus­ge­hen, dass die­ser Text mit hei­ßer Nadel gestrickt und aus Text­bau­stei­nen geba­stelt ist.

      ..oder aber mal wie­der zurecht­in­ter­pre­tiert wur­de…

  4. „… und vor allem jun­ge Leu­te, jun­ge Prie­ster, .…. zu gewin­nen“

    Zur alten Lit­ur­gie gehört vor allem der Kate­chis­mus und zwar der gan­ze Kate­chis­mus, der unver­kürz­te Glau­be.
    Wo aber wird die­ser noch gelehrt? Gera­de an man­chen jun­gen Leu­ten kann man sehen, daß sie sich begei­stert der alten Mes­se zuwen­den, fas­zi­niert von der äußer­li­chen Schön­heit, inne­ren Logik und Ord­nung. Wie vie­le aber stür­zen ab, weil sie die kath. Moral­leh­re für negli­ga­bel hal­ten? Die Pius­bru­der­schaft mag noch auf die­se Zusam­men­hän­ge hin­wei­sen, bei den ande­ren Gemein­schaf­ten — wo gibt es da den Ein­satz für das Leben, die Gegen­de­mon­stra­tio­nen gegen die Homo­pa­ra­den, gegen die Abtrei­bung? Das sind kla­re Aus­sa­gen, die von man­chem als vor­gest­rig oder über­flüs­sig betrach­tet wer­den oder gar als Pri­vat­sa­che, die aber zur alten Mes­se dazu­ge­hö­ren.

  5. Im Prin­zip gebe ich Ihnen recht.Doch Sie gestat­ten eine per­sön­li­che Erfah­rung.
    In Russ­land, wäh­rend des sata­ni­schen Aggres­si­ons­krie­ges Hit­lers sind in gro­sser Angst und Not man­che Athe­isten in Mos­kau in die weni­gen“ noch arbei­ten­den“ Kir­chen gegangen.Zur Beru­hi­gung, sie woll­ten-wie sie sag­ten- schö­ne Musik hören ange­sichts der mas­si­ven Bedrohung.Durch die Wor­te der Hei­li­gen Lit­ur­gie wur­den sie hell­hö­rig, lang­sam aber ste­tig zum Glau­ben geführt, den sie bewahrt haben auch unter sehr schweh­ren nach­fol­gen­den Bedingungen.Gottes All­hei­li­ger Geist hat sie sanft, aber stark angemahnt,in alle Wahr­heit eingeführt.Ich mei­ne die lie­ben jun­gen Leute,welche der ewig­gül­ti­gen Lit­ur­gie bei­woh­nen wer­den durch deren Impul­se schon auf den rech­ten Weg geführt.nicht auto­ma­tisch-auch nicht wie wir es eben wirk­lich ger­ne hätten.Den Hei­li­gen Geist kann nie­mand verhindern.Das mahnt mich zur hoff­nungs­vol­len Geduld.

    • @hedi züger
      Sie mögen recht haben. In Aus­nah­me­si­tua­tio­nen ist vie­les mög­lich. Und dan­ken wir Gott, daß es sol­che Wun­der immer wie­der gibt.

      Im Nor­mal­fall jedoch müs­sen wir uns um ein rei­nes Leben bemü­hen, wenn wir der Hl. Mes­se bei­woh­nen wol­len, ohne Scha­den zu neh­men. Neh­men Sie einen Prie­ster, der sich der Unzucht hin­gibt. Selbst wenn er zunächst sein Reden, sei­ne Anspra­chen und Pre­dig­ten, mit der Glau­bens­leh­re in Ein­klang zu brin­gen ver­mag – es wird ihm mit der Zeit immer weni­ger gelin­gen. Er wird auch in sei­ner Rede dem sünd­haf­ten Tun ent­spre­chend häre­tisch wer­den. Ganz unmerk­lich schleicht sich das ein. Nur ein guter Baum bringt gute Früch­te her­vor. Daher ist es nor­ma­ler­wei­se für jeden, beson­ders für den Prie­ster, der die alte Mes­se fei­ert von ele­men­ta­rer Bedeu­tung, daß er sich der schwe­ren Sün­de ent­hält.

      • @Hedi Züger

        hat­te Ihren Bei­trag zu ober­fläch­lich gele­sen. Nicht der Meß­be­such, son­dern der Kom­mu­nion­emp­fang setzt den Gna­den­stand vor­aus. Mein Ein­wand galt daher den Kle­ri­kern.
        Sie spre­chen von den lie­ben jun­gen Leu­ten, die durch den Meß­be­such zur Tie­fe des Glau­bens fan­den. Ja, die­ses Wun­der geschieht zu allen Zei­ten, über­all. Ob wir gro­ße oder weni­ger gro­ße Sün­der sind, an der Hl. Mes­se sol­len, müs­sen wir teil­neh­men. „Kommt alle zu mir, die Ihr müh­se­lig und bela­den seid.“ Von dort her erhal­ten wir die Kraft, um im Guten zu wach­sen, um über­haupt treu sein zu kön­nen. Wohin soll­ten wir uns denn sonst wen­den? Der häu­fi­ge Meß­be­such, gera­de der alten Mes­se, die so tief an die Wur­zel geht, hilft dem Sün­der, dass er sich bekeh­re und dem Bekehr­ten zur Beharr­lich­keit.

  6. @Zeitschnur
    „Haha
    Aha“,
    ant­wor­ten Sie…

    Ja… Lei­der kann man mit Ihnen kein Gespräch füh­ren. Sie rügen.
    Klingt auch ein wenig hyste­risch 🙂
    Wie könn­te ich ent­täuscht sein ? Da ich Christ bin, habe ich kei­ne Angst und bin vol­ler Hoff­nung und Freu­de !

    • @ Judith
      Ich hat­te nichts gerügt, son­dern gesagt, dass die­ser Text F.s wie ein Text­bau­stein klingt.
      Sie wis­sen, was das Wort „hyste­risch“ bedeu­tet? Und was „ent­täuscht sein“ ist?
      „Ent-täu­schung“ bedeu­tet: auf­wa­chen aus einer Täu­schung. Des­halb sag ich es noch mal:

      Das sind ein­fach schö­ne Gruß­wor­te zu einem Jubi­lä­um, mehr nicht. Wer die Alte Mes­se zele­briert, will ganz bestimmt nicht das Kon­zil umset­zen und das Ver­ständ­nis fürs Kon­zil wecken.
      Wer heut­zu­ta­ge die Alte Mes­se pflegt, bezieht sich nach Jahr­zehn­ten des Raub­baus, der Ver­wil­de­rung, der Unord­nung und des Glau­bens­ab­falls zurück auf einen Ritus, der alles, was man mit dem Kon­zil auf­ge­ge­ben hat, zumin­dest ein­mal evo­ziert.
      Dass vie­le das nicht erfas­sen, liegt ein­fach dar­an, dass das Kon­zil einen bei­spiel­lo­sen Ver­lust ein­ge­lei­tet hat.
      Die „jun­gen Leu­te“ sind nicht nur lit­ur­gisch, son­dern auch in Sachen des Glau­bens total unge­bil­det. Ich habe die Tra­gö­die selbst mit­er­lebt, als mein Sohn Erst­kom­mu­ni­on hat­te. Man legt die Aus­bil­dungs­wo­chen in die Hand der Eltern — und die tei­len den Kin­dern dann ihre gan­zen Glau­bens­de­fi­zi­te und Zwei­fel mit. Von der Leh­re erfah­ren die Klei­nen nix. Und vie­le Pfar­rer sind ja auch nicht unbe­dingt Garan­ten für eine kla­re Leh­re und ein umfang­rei­ches Glau­bens­wis­sen. Es ist nur ein Spek­ta­kel, Haupt­sa­che wir haben uns alle lieb und Gott hat uns lieb, aber um Got­tes Wil­len bloß nicht in die Tie­fe gehen — es könn­te ja Dif­fe­ren­zen geben…

      In die­se Trüm­mer­land­schaft hin­ein kann man nicht erhof­fen, dass die Alte Mes­se sich tief ver­an­kern kann.
      Man kann eher ver­mu­ten, dass F. alt­ri­tu­el­le Orden für eine Art Folk­lo­re-Ver­ei­ne hält, die halt auf ihre Wei­se — solan­ge es nicht um sich greift — den Glau­ben ver­kün­den.

  7. Die Aus­füh­run­gen Mose­bachs cha­rak­te­ri­sie­ren die Lage. Was ist das für ein Papst ? Hat er selbst Vor­stel­lun­gen oder folgt er nur dem von wel­chen Kräf­ten inze­nier­ten Main­stream ? Ist er schlicht über­for­dert ? Seil­schaf­ten beset­zen Auf­ga­ben­be­rei­che. So stellt sich Kir­che dar. Lei­der in man­chen tei­len. Den­noch blei­ben wir unbe­lehr­ba­re Opti­mi­sten für ein neu­es mor­gen, katho­lisch, römisch-katho­lisch, eben.

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