Wer die Piusbrüder verstehen will, sollte dieses Buch lesen


Philipp von Studnitz eröffnet eine Entdeckungsreise ohne vorgeschaltete Filter
Philipp von Studnitz eröffnet eine Entdeckungsreise ohne vorgeschaltete Filter


Von Johan­nes Jakob*

Ein sol­ches Buch, wie es Phil­ipp von Stud­nitz ver­fasst hat – „DIE PIUS-BRÜDER. Wie die kon­ser­va­tiv­ste Gemein­schaft des Chri­sten­tums tickt“ -, kann nur ein unver­bil­de­ter Kon­ver­tit schrei­ben. Eben ganz ohne Berüh­rungs­äng­ste, ganz ohne Vor­ur­tei­le. Statt­des­sen in kind­li­cher Neu­gier und Auf­ge­schlos­sen­heit. Die per­sön­li­chen Schil­de­run­gen und noch mehr die der Brü­der und Schwe­stern der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., die vor weni­gen Tagen von Rom mit dem Aus­schluss aus der kirch­li­chen Gemein­schaft (Exkom­mu­ni­ka­ti­on) bestraft wur­den, lesen sich stel­len­wei­se span­nend wie ein Krimi.

Auf­rich­ti­ge Unvor­ein­ge­nom­men­heit schafft Ver­trau­en. Das merkt man auf Schritt und Tritt bei den Gesprä­chen, Geschich­ten und Nach­fra­gen in die­sem Buch. Gleich­zei­tig wer­den die ver­schie­de­nen Dar­le­gun­gen zu einem ech­ten Lebens- und Glaubenszeugnis.

Den­noch hat der Autor längst ver­stan­den, wo die heu­ti­ge Rei­bungs­flä­che sich fin­det: nicht etwa im Aus­ein­an­der­klaf­fen von Kir­che und Welt, son­dern viel­mehr von Kir­che und „Welt­kir­che“, oder – anders gesagt – von gläu­bi­ger, d. h. den Glau­ben von den Apo­steln und den Vor­vä­tern emp­fan­gen­der Kir­che und der vom Welt­geist ange­steck­ten Macherkirche.

Weni­ger dra­ma­tisch aus­ge­drückt, könn­te man sagen: Tra­di­tio­na­li­sten gegen Halb-Kon­ser­va­ti­ve. Die Tra­di-Gläu­bi­gen haben ein­fach ein Gespür ent­wickelt: Wo im hei­lig­sten Raum die Über­lie­fe­rung miss­ach­tet wird, muss etwas falsch sein – trotz aller gegen­tei­li­gen Beteue­run­gen. Gemeint ist die hei­li­ge Lit­ur­gie mit dem Aller­hei­lig­sten: dem eucha­ri­sti­schen Opfer. Wenn zwi­schen­zeit­lich auch Halb-Kon­ser­va­ti­ve hier Zuge­ständ­nis­se machen (bzw. machen müs­sen), gehen die Tra­dis ein­fach nicht mit. Das ist z. B. im hei­lig­sten Voll­zug des Emp­fangs der hei­li­gen Kom­mu­ni­on der Fall.

Der Kom­mu­ni­kant emp­fängt sei­nen Herrn, er gibt sich die Kom­mu­ni­on nicht sel­ber, er emp­fängt das Sakra­ment aus Prie­ster­hand. „Acci­pi­te et man­du­ca­te“ = „emp­fan­get und esset!“ – so der bibli­sche und lit­ur­gi­sche Wort­laut (Mt 26,26–28; Lk 22,19–20; 1 Kor 11,24), wie er bes­ser ins Deut­sche zu über­set­zen wäre.

Mögen sich Bekann­te und Freun­de die Hän­de rei­chen, die Braut aber nähert sich ihrem Bräu­ti­gam und erhält den mysti­schen Kuss auf den Mund. So unter­schied­lich eben ist die Ein­sicht der vom jewei­li­gen Umfeld gepräg­ten Gläu­bi­gen in das Geheim­nis des Glau­bens und der dar­aus erfol­gen­de lit­ur­gi­sche Vollzug.

Kurz zusam­men­ge­fasst könn­te man sagen: Die Tra­dis bestehen auf der knien­den Mund­kom­mu­ni­on. Halb-Kon­ser­va­ti­ve machen bzw. müs­sen hier oft Zuge­ständ­nis­se machen; denn angeb­lich hat „die Kir­che bei­de For­men des Emp­fangs der Hl. Kom­mu­ni­on erlaubt“. Dass die von Gott so gewoll­te „Com­mu­nio“ aber nur mit dem Mund über­haupt mög­lich ist, wird dabei unter­schla­gen … Die Kon­ver­ti­ten­gna­de hat dem Autor hier offen­sicht­lich eine für ande­re unüber­schreit­ba­re Brücke zum vol­len Tra­di­ti­ons­ver­ständ­nis gebaut.

Dabei bringt der Autor durch­aus auch kri­ti­sche Stim­men (ab S. 259) zur Pius­bru­der­schaft zu Gehör. Bei­spiels­wei­se Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler. Gera­de bei ihm bestä­tigt sich das oben zu den Halb-Kon­ser­va­ti­ven Gesag­te. Bei der ehr­li­chen Bereit­schaft zur audi­tio et alte­ri­us par­tis, also auch die Gegen­ar­gu­men­te zur Pius-Bru­der­schaft in sein Buch auf­zu­neh­men, spürt der Leser den­noch die inne­re Nähe des Ver­fas­sers zum Geheim­nis des Glau­bens, das von den Tra­dis treu wei­ter­ge­ge­ben wird. Was Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der dabei (S. 276–89) sagt, wird noch in die Kir­chen­ge­schich­te ein­ge­hen; so bereits gesche­hen mit dem Zitat von P. Regi­nald Gar­ri­gou-Lagran­ge O.P., das der Weih­bi­schof auf S. 288 anführt:

In der Kir­che begeg­nen wir der Har­mo­nie zwi­schen den schein­bar unver­ein­bar­sten Din­gen. In ihr ver­ei­nen sich die barm­her­zig­ste Näch­sten­lie­be und die feste­ste, kom­pro­miss­lo­se Leh­re in einer ein­zi­gen Lie­be, dem Eifer für Got­tes Ehre und das Heil der See­len. Sie weiß, dass sie ohne den Kampf gegen das Böse nichts Gutes bewir­ken, ohne die Irr­leh­re zu bekämp­fen, nicht das Evan­ge­li­um ver­kün­den kann. Barm­her­zig­keit und Stand­haf­tig­keit der Leh­re kön­nen nur in Ein­heit bestehen; getrennt ster­ben sie, und es blei­ben nur zwei Lei­chen zurück: der huma­ni­tä­re Libe­ra­lis­mus mit sei­ner trü­ge­ri­schen Gelas­sen­heit und der Fana­tis­mus mit sei­nem fal­schen Eifer. Man sagt: Die Kir­che ist into­le­rant, was die Grund­sät­ze betrifft, weil sie glaubt; in der Pra­xis aber ist sie tole­rant, weil sie liebt. Die Fein­de der Kir­che sind tole­rant, was die Grund­sät­ze betrifft, weil sie nicht glau­ben, und in der Pra­xis into­le­rant, weil sie nicht lieben.“

Dem Autor und allen betei­lig­ten Per­so­nen, die den Mut hat­ten, das Buch zu ver­öf­fent­li­chen, sei herz­lich gedankt. – Ein wahr­haft lesens­wer­tes Buch!

Phil­ipp von Stud­nitz: DIE PIUS-BRÜDER. Wie die kon­ser­va­tiv­ste Gemein­schaft des Chri­sten­tums tickt. Wien 2026 (edi­ti­on a), 305 Sei­ten, 25 Euro

*Johan­nes Jakob ist Laie und in kei­ner Form Mit­glied der FSSPX

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