Schwere Sicherheitslücke bei „Click to Pray“ des Vatikans

Daten von mehr als 700.000 Gläubigen monatelang ungeschützt

Click to Pray mit einem (inzwischen geschlossenen) Sicherheitsleck
Click to Pray mit einem (inzwischen geschlossenen) Sicherheitsleck

Die Digi­ta­li­sie­rung kirch­li­cher Ange­bo­te eröff­net neue Mög­lich­kei­ten der Evan­ge­li­sie­rung und der welt­wei­ten Ver­net­zung von Gläu­bi­gen. Gleich­zei­tig wächst jedoch die Ver­ant­wor­tung, per­sön­li­che Daten wirk­sam zu schüt­zen. Ein aktu­el­ler Vor­fall rund um die Gebets­platt­form Click to Pray, die dem Welt­wei­ten Gebets­netz­werk des Pap­stes ange­schlos­sen ist, zeigt, wel­che schwer­wie­gen­den Fol­gen Ver­säum­nis­se bei der IT-Sicher­heit haben können.

Nach über­ein­stim­men­den Berich­ten wur­de durch eine gra­vie­ren­de Sicher­heits­lücke über einen Zeit­raum von min­de­stens sie­ben Mona­ten der Zugriff auf die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten von mehr als 700.000 regi­strier­ten Nut­zern ermög­licht. Betrof­fen waren sowohl die Inter­net­platt­form als auch die Apps für Android und iOS.

Ein elementarer Sicherheitsfehler

Ent­deckt wur­de die Schwach­stel­le bereits im Janu­ar 2026 durch einen soge­nann­ten White-Hat-Hacker, der unter dem Pseud­onym Bob­Da­Hacker auf­tritt. Dabei han­delt es sich um einen IT-Sicher­heits­exper­ten, der Sicher­heits­lücken nicht zum eige­nen Vor­teil aus­nutzt, son­dern sie den Betrei­bern mel­det, damit sie geschlos­sen wer­den können.

Nach sei­nen Anga­ben lag ein klas­si­scher Pro­gram­mier­feh­ler vor, den Fach­leu­te als IDOR (Inse­cu­re Direct Object Refe­rence) bezeich­nen. Ver­ein­facht aus­ge­drückt über­prüf­te das System zwar, ob ein Nut­zer ange­mel­det war, nicht jedoch, ob die­ser tat­säch­lich berech­tigt war, auf die jeweils ange­for­der­ten Daten­sät­ze zuzugreifen.

Damit genüg­te ein gewöhn­li­ches Benut­zer­kon­to, um mit­hil­fe eines ein­fa­chen Skripts auto­ma­ti­siert auf die Daten­sät­ze sämt­li­cher regi­strier­ter Nut­zer zuzu­grei­fen. Ein auf­wen­di­ger Hacker­an­griff oder das Über­win­den tech­ni­scher Schutz­maß­nah­men waren dazu nicht erforderlich.

Den zugäng­li­chen Infor­ma­tio­nen zufol­ge konn­ten Vor- und Nach­na­men, E‑Mail-Adres­sen sowie die Her­kunfts­län­der der regi­strier­ten Nut­zer aus­ge­le­sen wer­den. Auch Daten akti­ver Mit­ar­bei­ter der Orga­ni­sa­ti­on sol­len betrof­fen gewe­sen sein.

Warnungen blieben offenbar unbeantwortet

Beson­ders bedenk­lich erscheint der Umgang mit der Mel­dung des Sicher­heits­exper­ten. Nach des­sen Dar­stel­lung infor­mier­te er bereits im Janu­ar sowohl die Ver­ant­wort­li­chen des Welt­wei­ten Gebets­netz­werks als auch die an der Ent­wick­lung der Platt­form betei­lig­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­agen­tur über die Schwachstelle.

Mona­te­lang erfolg­te offen­bar kei­ner­lei Reak­ti­on. Erst nach­dem der Exper­te den Sach­ver­halt am 24. Juli öffent­lich mach­te, wur­de die Sicher­heits­lücke kurz­fri­stig geschlos­sen. Eine offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me oder eine öffent­li­che Aner­ken­nung für die ver­ant­wor­tungs­vol­le Mel­dung des Feh­lers blieb nach sei­nen Anga­ben aus.

Der Vor­fall besitzt über die rein tech­ni­sche Dimen­si­on hin­aus eine pasto­ra­le und daten­schutz­recht­li­che Bedeu­tung. Die Nut­zer von Click to Pray stam­men aus allen Tei­len der Welt; vie­le von ihnen gehö­ren der älte­ren Gene­ra­ti­on an, die digi­ta­le Medi­en erst ver­gleichs­wei­se spät in ihren All­tag inte­griert haben.

Gera­ten per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten wie Namen und E‑Mail-Adres­sen in die Hän­de von Cyber­kri­mi­nel­len, kön­nen die­se gezielt für Phis­hing-Angrif­fe oder betrü­ge­ri­sche Nach­rich­ten miss­braucht wer­den. Beson­ders per­fi­de wäre es, wenn Kri­mi­nel­le dabei den Namen des Vati­kans oder des päpst­li­chen Gebets­netz­werks ver­wen­de­ten, um Ver­trau­en zu erschlei­chen und Gläu­bi­ge zur Preis­ga­be wei­te­rer Daten oder sogar zu finan­zi­el­len Über­wei­sun­gen zu bewegen.

Ob die offen­ge­leg­ten Daten tat­säch­lich von Unbe­fug­ten kopiert wur­den, ist der­zeit nicht bekannt. Allein die Mög­lich­keit eines mona­te­lan­gen unkon­trol­lier­ten Zugriffs stellt jedoch einen erheb­li­chen Sicher­heits­vor­fall dar.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: jesui​ten​.org (Screen­shot)

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