Von Francesco Bracco
Die am 4. November 2025 vom Dikasterium für die Glaubenslehre veröffentlichte Lehrnote Mater Populi Fidelis neu entfachten Diskussionen haben gezeigt, wie sehr die Marientitel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ heute oftmals mißverstanden oder sogar offen bestritten werden.
In diesen Zusammenhang fügt sich das Werk Miterlöserin der Welt (Corredentrice del Mondo, Editio Coredemptrix, 2026) in besonderer Weise ein. Es handelt sich um ein knappes, aber gehaltvolles Kompendium, das sich zum Ziel setzt, die betreffende Frage mit historischer Genauigkeit, geistlicher Tiefe und Treue zur katholischen Tradition zu behandeln. Das Werk möchte den Lesern die notwendigen Hilfsmittel an die Hand geben, um eine Lehre zu verstehen, die keineswegs eine Neuheit oder eine bloße Frömmigkeitsabweichung darstellt, sondern ihre Wurzeln im ordentlichen Lehramt der Kirche, in den Betrachtungen der Heiligen und in der katholischen Frömmigkeit vieler Jahrhunderte hat.
Anstatt sich auf Polemiken einzulassen, verfolgt die Schrift einen historischen und geistlichen Ansatz. Im Mittelpunkt steht eine gekürzte und überarbeitete Darstellung von Auszügen aus dem Werk Zu Füßen des Kreuzes (The Foot of the Cross) des englischen Oratorianers Pater Frederick William Faber (1824–1863), eines der bedeutendsten marianischen Autoren des 19. Jahrhunderts. Fabers Betrachtungen über die Teilnahme der Gottesmutter am Erlösungswerk werden in einer Form wiedergegeben, die der Schönheit und Tiefe des Originals treu bleibt und zugleich dem heutigen Leser angepaßt ist.
Das Werk gliedert sich in drei einander ergänzende Teile. Der erste bietet Fabers theologische Betrachtung über Maria auf Golgotha und ihre einzigartige Mitwirkung am Werk der Erlösung. Der zweite Teil enthält eine reichhaltige Anthologie von Zitaten aus den Schriften von Päpsten, Heiligen und kirchlichen Autoren, die ausdrücklich den Titel „Miterlöserin“ – oder gleichbedeutende Bezeichnungen – verwendet haben. Dadurch wird Zeugnis abgelegt von einer langen theologischen Tradition, die im ordentlichen Lehramt und in der katholischen Frömmigkeit verwurzelt ist. Der abschließende Teil enthält Gebete zur Schmerzensmutter und lädt den Leser dazu ein, die marianische Miterlösung nicht nur auf der Ebene des Verstandes zu betrachten, sondern auch geistlich gemeinsam mit der Mutter Gottes in das Geheimnis des Kreuzes einzutreten.
Besonders bemerkenswert ist das Vorwort von Bischof Athanasius Schneider, das eine klare und kraftvolle Verteidigung der Rechtmäßigkeit des Titels „Miterlöserin“ bietet. Bischof Schneider vertritt die Auffassung, daß der wiederholte Gebrauch dieser Bezeichnung durch das ordentliche Lehramt, durch die Heiligen und die Kirchenlehrer im Laufe der Jahrhunderte nicht einfach als irreführend oder lehrmäßig unangemessen verworfen werden könne. Er hebt hervor, daß der Titel eine untergeordnete und abhängige Teilnahme an der einzigen Erlösung Christi bezeichne, ohne Maria jemals auf dieselbe Stufe mit dem einzigen Erlöser, Jesus Christus, zu stellen. Der Verfasser des Vorwortes betont daher, daß eine echte marianische Lehre stets den absoluten Vorrang Christi wahrt und zugleich die einzigartige Berufung anerkennt, die seiner Mutter in der Heilsgeschichte verliehen wurde.
Der Ton der Schrift ist eher andächtig als wissenschaftlich, bleibt jedoch fest in der theologischen Tradition verankert. Gerade hierin liegt ihre besondere Stärke: Sie reduziert die marianische Miterlösung weder auf eine abstrakte Spekulation noch übertreibt sie diese über die Grenzen der katholischen Rechtgläubigkeit hinaus. Vielmehr stellt sie die Lehre als einen Teil des lebendigen Glaubenssinnes (sensus fidei) der Kirche dar und als einen Weg, durch die Mutter zu einer tieferen Liebe zu Christus zu gelangen.
Die Broschüre, die in italienischer und englischer Sprache erhältlich ist, wird insbesondere Leser ansprechen, die sich für Mariologie, traditionelle katholische Spiritualität und die Theologie der Schmerzensmutter interessieren. Auch Leser, die mit der Diskussion über die marianische Miterlösung bislang wenig vertraut sind, werden in diesen Seiten eine bewegende Betrachtung über die Vereinigung Mariens mit dem Opfer von Golgotha finden.
Information: Die Veröffentlichung kann in italienischer Sprache über den Verlag Fiducia oder in englischer Sprache über folgende E‑Mail-Adresse bezogen werden: editio.coredemptrix@gmail.com.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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