Von Aurelio Porfiri*
Messe
Die Messe ist der höchste Akt des Gottesdienstes, den wir als Christen vollziehen können. Die Musik in der Liturgie der Messe ist kein Zugeständnis des Priesters, sondern ein Erfordernis, das aus dem Ritus selbst hervorgeht. Und dieses Erfordernis verlangt auch, daß die Musik würdig ist, daß sie tatsächlich dazu dient, die Seele zu Gott zu erheben. Nicht jede Musik ist der Liturgie würdig, ebenso wie nicht jede Musik einer Militärparade angemessen ist.
Die Messe verlangt eine ihr eigene Musik, eine Musik, die im eigentlichen Sinne liturgisch sein kann: eine Musik, die mit dem Ritus verbunden ist, der an jenem Tage, an jenem Sonntage gefeiert wird, an dem die Kirche – und nicht diese oder jene Gruppe – zum Gebete zusammenkommt.
Man muß jenen widerstehen, die uns dazu drängen, der Messe die gebührende Achtung zu versagen, selbst wenn diese Menschen das Amt eines Pfarrers, eines Erzpriesters oder ähnliches innehaben. Zwischen dem Respekt vor dem Priester und dem Respekt vor der Messe muß man ohne Zweifel dem Respekt vor der Messe den Vorrang geben.
Intention
Die Intention dessen, der in der Liturgie Musik macht, muß darin bestehen, seine eigene Seele zu Gott zu erheben und den anderen dabei zu helfen, dasselbe zu tun. Die Messe ist nicht der Ort, um eine bestimmte Kultur oder eine bestimmte Identität zu fördern.
Bereits im 4. Jahrhundert hat der heilige Pacianus von Barcelona dies sehr treffend ausgedrückt: „Christianus mihi nomen est, catholicus cognomen“ – „Christ ist mein Name, katholisch mein Beiname.“
Wir sollen keine Musik für eine bestimmte Gruppe von Menschen machen, sondern für die in der Anbetung zum Opfer Christi versammelte Kirche. Die berühmte „Jugendmesse“ war gewiß ein Mißerfolg, denn die Messe gibt es noch immer, aber die Jugendlichen sind nicht mehr da.
Das vorrangige Ziel der Musik in der Messe ist die Verherrlichung Gottes und danach die Erbauung der Gläubigen. Stellen wir nicht den Menschen in den Mittelpunkt der Liturgie und verraten damit ihr eigentliches Wesen.
Sakralität
Wir haben Angst vor diesem Worte, „sakral“, bekommen, als würde es den Ausschluß des Volkes Gottes bedeuten, um eine Elite von Menschen zu begünstigen. Nein. Sakrale Kunst, sakrale Musik bedeutet, daß sie dem Übernatürlichen geweiht ist und nicht auf einen weltlichen Gebrauch ausgerichtet wird.
Im Gegensatz zu dem, was manche gesagt haben, gibt es eine Musik, die der Liturgie geweiht ist, und nicht jede Musik kann liturgisch sein. Das liegt schon im Wesen der Musik selbst. Denn wenn es wahr ist, daß die Musik uns eine große Möglichkeit eröffnet, so ist ebenso wahr, daß sie uns Gefahren aussetzen kann – etwas, das übrigens bereits die Griechen und die Chinesen sehr wohl verstanden hatten.
Das bedeutet keineswegs, die Kultur abzulehnen, in die wir eingebettet sind. Es bedeutet vielmehr, diese Kultur in ihrer Tiefe zu verstehen, um das Gute daraus zu bewahren und das auszusondern, was nicht gut ist.
Dienst
Es stimmt: Der Dienst des Kirchenmusikers ist ein Dienst, den man der christlichen Gemeinschaft anbietet. Aber achtung: Es handelt sich um einen Dienst, der qualifiziertes Personal erfordert und der, wie uns die Soziallehre der Kirche lehrt, angemessen und ehrlich vergütet werden muß.
Wer sich ernsthaft mit Musik für die Liturgie beschäftigt, muß viele Jahre studieren und zahllose Stunden dem Studium und der Vorbereitung widmen.
Mit zunehmendem Alter habe ich gelernt, daß diejenigen, die mit salbungsvoller Stimme dazu auffordern, ihren Dienst unentgeltlich zu leisten, dies sehr häufig aus einer wirtschaftlich abgesicherten und stabilen Position heraus tun. Ihre Forderung ist daher auch heuchlerisch.
Gewiß darf man nicht der Gefahr der Habgier erliegen. Aber diese Schwäche kann den Kirchenmusiker ebenso treffen wie den Pfarrer oder den Professor für Theologie.
Anbetung
Die Musik in der Liturgie soll uns dabei helfen, Gott anzubeten und in unserem Inneren Raum dafür zu schaffen, daß eine Art klingende Stille sich in uns ausbreitet und unser ganzes Wesen erfüllt.
Wie schon bei den Menschen der Antike muß die Aufgabe des Kantors die eines Predigers sein: die Aufgabe dessen, der das Wort Gottes durch die Pracht und den Glanz der Klänge verkündet.
Wenn die Musik für die Liturgie uns nicht dabei hilft, Gott anzubeten, ist sie lediglich vergeudete Zeit.
*Aurelio Porfiri ist Komponist, Chorleiter, Musikerzieher und Buchautor. Sein schriftstellerisches Werk umfaßt 30 Bücher und mehr als 600 Artikel, die in verschiedenen Ländern und zahlreichen Medien veröffentlicht wurden.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
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