Die Suche nach dem neuen Chronisten des Papstes

die Begegnung Leos XIV. mit den Augustinern


Leo XIV. traf sich bei seinem Spanienbesuch mit Augustinern. Folgt er seinem Vorgänger Franziskus, der sich auf Reisen regelmäßig vor Ort mit den Jesuiten traf?
Leo XIV. traf sich bei seinem Spanienbesuch mit Augustinern. Folgt er seinem Vorgänger Franziskus, der sich auf Reisen regelmäßig vor Ort mit den Jesuiten traf?

Wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats pfleg­te Papst Fran­zis­kus, selbst Jesu­it, eine Gewohn­heit, die rasch zu einem festen Bestand­teil sei­ner Aus­lands­rei­sen wur­de: Wann immer er eine sol­che Rei­se unter­nahm, traf er sich vor Ort mit den dor­ti­gen Jesui­ten. Die­se Tref­fen stan­den zwar offi­zi­ell auf dem Pro­gramm, fan­den jedoch stets hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt. 

Die Gesprä­che waren nicht öffent­lich, ihre Inhal­te blie­ben zunächst unbe­kannt. Erst eini­ge Tage spä­ter wur­den sie regel­mä­ßig zusam­men­fas­send durch den Jesui­ten­pa­ter Anto­nio Spa­da­ro in der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà Cat­to­li­ca ver­öf­fent­licht, deren Schrift­lei­ter Spa­da­ro war. Die­ses Ver­fah­ren eta­blier­te sich über Jah­re hin­weg und bot gefil­ter­te Ein­blicke in die oft offe­nen und spon­ta­nen Gesprä­che des Pap­stes mit sei­nen Ordensbrüdern.

Dabei han­del­te es sich kei­nes­wegs um pri­va­te Mit­schrif­ten eines inter­es­sier­ten Beob­ach­ters. Spa­da­ro gehör­te zu den eng­sten Ver­trau­ten von Fran­zis­kus und galt über Jah­re hin­weg als einer sei­ner wich­tig­sten publi­zi­sti­schen Weg­ge­fähr­ten. Die Ver­öf­fent­li­chung der Gesprä­che war erkenn­bar vom Hei­li­gen Stuhl gewollt. Hin­zu kommt, daß sämt­li­che Bei­trä­ge der Civil­tà Cat­to­li­ca vor ihrer Ver­öf­fent­li­chung den zustän­di­gen vati­ka­ni­schen Stel­len vor­ge­legt wer­den müs­sen. Beson­ders bedeut­sa­me Tex­te wur­den von Fran­zis­kus selbst geprüft. Die ver­öf­fent­lich­ten Berich­te waren daher nicht nur jour­na­li­sti­sche Doku­men­ta­tio­nen, son­dern zugleich Aus­druck einer bewuß­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie des Pontifikats.

Papst Leo XIV. scheint nun einen ähn­li­chen Weg ein­zu­schla­gen. Wäh­rend sei­ner jüng­sten Rei­se nach Spa­ni­en traf er sich am Sonn­tag in der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur in Madrid mit Augu­sti­nern. Dabei han­del­te es sich aller­dings nicht nur um Mit­glie­der sei­nes Augu­sti­ner­or­dens, son­dern um Ver­tre­ter ver­schie­de­ner augu­sti­ni­scher Gemeinschaften.

Von die­ser Begeg­nung exi­stie­ren bis­lang ledig­lich eini­ge weni­ge offi­zi­el­le Infor­ma­tio­nen. Vati­can Media ver­öf­fent­lich­te vier Pho­to­gra­phien, Vati­can News eine kur­ze Zusam­men­fas­sung des Tref­fens. Dar­über hin­aus haben die Augu­sti­ner selbst einen Bericht mit zusätz­li­chen Bil­dern sowie einem Video ver­öf­fent­licht. Auf die­se Quel­len stüt­zen sich der­zeit auch die Mel­dun­gen ande­rer Medi­en. Über den eigent­li­chen Ver­lauf des Gesprächs und die Inhal­te des Aus­tau­sches ist jedoch kaum etwas bekannt.

Leo XIV. hat bereits bei sei­ner Afri­ka­rei­se erken­nen las­sen, daß ihm sei­ne augu­sti­ni­sche Her­kunft wich­tig ist. Daher ist zu erwar­ten, daß er bei sei­nen Aus­lands­rei­sen bewußt Augu­sti­ner­ge­mein­schaf­ten sowie histo­ri­sche Stät­ten mit Bezug zum hei­li­gen Augu­sti­nus in das Pro­gramm ein­be­zieht. Dazu dürf­ten auch Orte gehö­ren, die für die augu­sti­ni­sche Tra­di­ti­on von beson­de­rer Bedeu­tung sind, etwa bedeu­ten­de Augu­sti­nerzen­tren in Latein­ame­ri­ka und Asien.

Wird Leo XIV. dem Vor­bild sei­nes Vor­gän­gers Fran­zis­kus fol­gen und Besu­che bei sei­ner Ordens­ge­mein­schaft zu einem festen Pro­gramm­punkt sei­ner Aus­lands­rei­sen machen – nun aller­dings mit augu­sti­ni­schem statt jesui­ti­schem Schwer­punkt? Und wer über­nimmt in die­sem Pon­ti­fi­kat die Rol­le eines Pater Spa­da­ro: die eines engen Ver­trau­ten und zugleich maß­geb­li­chen Inter­pre­ten des Pap­stes? Gibt es jeman­den, der die Gesprä­che doku­men­tiert, zen­tra­le Gedan­ken fest­hält und sie spä­ter in einer aus­führ­li­che­ren, wenn auch kon­trol­lier­ten Form der Öffent­lich­keit vermittelt?

Die Fra­ge ist kei­nes­wegs neben­säch­lich. Sol­che Tref­fen boten auf­schluß­rei­che Ein­blicke in die Prio­ri­tä­ten, Über­zeu­gun­gen und den Füh­rungs­stil von Fran­zis­kus. Gera­de der direk­te Aus­tausch mit sei­nen Ordens­brü­dern lie­fer­te Hin­wei­se dar­auf, wie er sein Amt ver­stand und wel­che Akzen­te er für die Zukunft der Kir­che set­zen wollte.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)

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