Die Domus Paulus VI in Rom wird zum Luxushotel

Umstrittene Umwandlung einer traditionsreichen vatikanischen Priesterresidenz

Die Domus Paulus VI, eines der vatikanischen Gästehäuser, wird in ein Luxushotel umgewandelt.
Die Domus Paulus VI, eines der vatikanischen Gästehäuser, wird in ein Luxushotel umgewandelt.

Die histo­ri­sche Domus Inter­na­tio­na­lis Pau­lus VI im Her­zen Roms – nicht zu ver­wech­seln mit dem Hotel Resi­den­za Pao­lo VI beim Vati­kan – steht vor einem tief­grei­fen­den Wan­del: Aus der jahr­zehn­te­lang als Unter­kunft für Kar­di­nä­le, Bischö­fe und Prie­ster genutz­ten Resi­denz soll ein Vier-Ster­ne-Hotel wer­den. Die Ent­schei­dung mar­kiert einen wei­te­ren Schritt in der Immo­bi­li­en­stra­te­gie des Vati­kans, sorgt jedoch zugleich für erheb­li­chen Wider­stand inner­halb kirch­li­cher Kreise.

Bis zuletzt hat­ten ehe­ma­li­ge Nun­ti­en, eme­ri­tier­te Kar­di­nä­le und in der Domus leben­de Geist­li­che ver­sucht, die Umwand­lung zu ver­hin­dern. In Schrei­ben an das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at und sogar an Papst Leo XIV. baten sie dar­um, das Pro­jekt zu stop­pen. Ihre Ein­wän­de konn­ten die Ent­schei­dung jedoch nicht mehr aufhalten.

Mit dem Jah­res­be­richt 2025 der Güter­ver­wal­tung des Apo­sto­li­schen Stuhls wur­de die Umwand­lung nun offi­zi­ell bestä­tigt. Dar­in wird die „Trans­for­ma­ti­on in eine Hotel­struk­tur“ aus­drück­lich als stra­te­gi­sches Vor­ha­ben genannt. Die not­wen­di­gen Geneh­mi­gun­gen sei­en erteilt wor­den; nach der Aus­wahl eines künf­ti­gen Betrei­bers ste­he nun der Abschluß eines Vor­ver­trags bevor.

Ein Gebäude mit besonderer kirchlicher Geschichte

Die Domus Inter­na­tio­na­lis Pau­lus VI in der Via del­la Scro­fa gehört zu den tra­di­ti­ons­rei­chen Gebäu­den des vati­ka­ni­schen Immo­bi­li­en­be­sit­zes. Es grenzt im Nor­den an Kir­che und Klo­ster des Augu­sti­ner­or­dens, dem Leo XIV. vor sei­ner Wahl ange­hör­te, und im Nord­we­sten an die Päpst­li­che Uni­ver­si­tät San­ta Cro­ce des Opus Dei.

Der heu­ti­ge Bau enstand im 17. Jahr­hun­dert anstel­le älte­rer Vor­gän­ger­bau­ten aus dem 15. Jahr­hun­dert – mit spä­ter wei­te­ren Umbau­ten und Erwei­te­run­gen – als Col­le­gi­um Ger­ma­ni­cum des Jesui­ten­or­dens. Das Ger­ma­ni­cum war 1573 errich­tet wor­den und ziel­te auf die Gebie­te des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nati­on. Im Ger­ma­ni­cum wur­den Prie­ster aus­ge­bil­det für die Mis­si­on in den vom Pro­te­stan­tis­mus gefähr­de­ten Reichsgebieten.

Als Joseph II. es Stu­den­ten aus dem Habs­bur­ger­reich ver­bot, im Aus­land zu stu­die­ren und Rom eini­ge Jah­re spä­ter von fran­zö­si­schen Trup­pen besetzt wur­de, ende­te die Bestim­mung des Gebäu­des als Sitz des Deut­schen Kol­legs. Die­ses wur­de spä­ter wie­der­be­lebt, aber an einen neu­en Stand­ort verlegt. 

Nach der Napo­leo­ni­schen Ära wur­de das Palaz­zo Sitz des Kar­di­nal­vi­kars von Rom.

Im 19. Jahr­hun­dert wur­de unter Pius IX. dar­in das soge­nann­te Pia­ni­sche Semi­nar ein­ge­rich­tet und das Päpst­li­ches Insti­tut für Kir­chen­mu­sik unter­ge­bracht. Letz­te­res über­sie­del­te 1983 an einen neu­en Standort. 

Papst Paul VI. bestimm­te den Kom­plex 1976 dazu, Kar­di­nä­len, Bischö­fen und Prie­stern wäh­rend ihres Auf­ent­halts in Rom eine Unter­kunft zu bieten.

Beson­de­re Bekannt­heit erlang­te das Haus im März 2013 nach der Wahl von Fran­zis­kus. Der dama­li­ge Erz­bi­schof von Bue­nos Aires, Jor­ge Mario Kar­di­nal Berg­o­glio, hat­te vor Beginn des Kon­kla­ves in der Domus gewohnt. Nach sei­ner Wahl zum Papst kehr­te er per­sön­lich dort­hin zurück, um sei­ne Rech­nung für den Auf­ent­halt zu beglei­chen. Das Bild des neu­en Pon­ti­fex, der wie ein gewöhn­li­cher Gast an der Rezep­ti­on stand und mit Kre­dit­kar­te bezahl­te, ging welt­weit durch die Medi­en und wur­de zum Aus­gangs­punkt einer Image­bil­dung für das neue Pon­ti­fi­kat, die der neue Papst anstrebte.

Finanzielle Gründe für die Neuausrichtung

Die Ent­schei­dung zur Umwand­lung steht im Zusam­men­hang mit den finan­zi­el­len Her­aus­for­de­run­gen des Hei­li­gen Stuhls. Das Gebäu­de befin­det sich in einer beson­ders begehr­ten Lage zwi­schen der Via del­la Scro­fa, der Piaz­za Navo­na und dem Pan­the­on – mit­ten im histo­ri­schen Zen­trum Roms.

Nach Anga­ben der Ver­ant­wort­li­chen hät­te eine umfas­sen­de Sanie­rung des Hau­ses zwi­schen 50 und 60 Mil­lio­nen Euro geko­stet. Die­se Sum­me kön­ne der Vati­kan der­zeit nicht selbst auf­brin­gen. Des­halb soll das Gebäu­de für meh­re­re Jahr­zehn­te an einen pri­va­ten Betrei­ber ver­ge­ben wer­den, der die Reno­vie­rung über­nimmt und anschlie­ßend das Hotel führt.

Im Gegen­zug erwar­tet der Vati­kan regel­mä­ßi­ge Ein­nah­men. Nach den bis­he­ri­gen Anga­ben könn­te die Kon­zes­si­on über rund 30 Jah­re jähr­lich etwa fünf Mil­lio­nen Euro einbringen.

Kritik aus kirchlichen Kreisen

Der Wider­stand gegen das Pro­jekt ent­zün­de­te sich vor allem an der Fra­ge nach der ursprüng­li­chen Bestim­mung des Hau­ses. Nach­dem die Bewoh­ner auf­ge­for­dert wor­den waren, ihre Woh­nun­gen zu ver­las­sen, äußer­ten meh­re­re Kar­di­nä­le und Bischö­fe ihre Sor­ge, daß eine Ein­rich­tung, die für die Auf­nah­me von Geist­li­chen geschaf­fen wor­den war, ihren kirch­li­chen Cha­rak­ter ver­lie­ren könnte.

Beson­ders kon­tro­vers wur­de eine Aus­sa­ge wäh­rend einer Ver­samm­lung mit den Bewoh­nern auf­ge­nom­men. Der por­tu­gie­si­sche Geist­li­che Mario Rui Fer­nan­des Lei­te de Oli­vei­ra erklär­te, unter Papst Fran­zis­kus sei ent­schie­den wor­den, daß aus Grün­den der Glaub­wür­dig­keit kein Fünf-Ster­ne-Hotel ent­ste­hen sol­le. Am Ende wer­de es daher „nur“ ein Vier-Sterne-Hotel.

Teil einer größeren Immobilienstrategie

Die Umwand­lung der Domus Pau­lus VI ist Teil einer umfas­sen­de­ren Stra­te­gie der vati­ka­ni­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tung. Immo­bi­li­en, die nicht mehr als unmit­tel­bar not­wen­dig für die Auf­ga­ben der Kir­che gel­ten, sol­len wirt­schaft­lich genutzt oder neu aus­ge­rich­tet wer­den, um zusätz­li­che Ein­nah­men zu erzie­len und die finan­zi­el­le Sta­bi­li­tät des Hei­li­gen Stuhls zu verbessern.

Der Fall der Domus Pau­lus VI zeigt damit den schwie­ri­gen Balan­ce­akt zwi­schen wirt­schaft­li­cher Not­wen­dig­keit und kirch­li­cher Iden­ti­tät. Der Vati­kan steht vor der Her­aus­for­de­rung, sein umfang­rei­ches Immo­bi­li­en­ver­mö­gen effi­zi­ent zu nut­zen, ohne dabei Orte zu ver­lie­ren, die über Jahr­zehn­te hin­weg Teil der Geschich­te und des Lebens der Kir­che waren.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Goog­le Maps (Screen­shot)

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