In einem ausführlichen Interview mit Fernando Ortega warnte der ehemalige Bischof von Tyler in Texas, Msgr. Joseph Strickland, eindringlich vor einer Relativierung des katholischen Glaubens und rief zu größerer Treue gegenüber der kirchlichen Tradition auf. Der US-amerikanische Bischof sprach dabei in ungewöhnlich deutlicher Form über Wahrheit, Eucharistie, Moral und die gegenwärtige Krise der Kirche.
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen steht die Überzeugung, daß die Kirche nicht die Vollmacht habe, die göttliche Offenbarung nach den Maßstäben der jeweiligen Zeit umzuformen. Mit Nachdruck erklärt Msgr. Strickland, die Kirche sei berufen, „das Glaubensgut zu bewahren, das uns vom Herrn durch die Apostel, die Heiligen und die Märtyrer überliefert wurde“. Die Wahrheit des Glaubens sei nicht wandelbar, sondern bleibe „dieselbe gestern, heute und in Ewigkeit“.
Besonders scharf wandte sich Strickland gegen Versuche, die katholische Lehre an moderne gesellschaftliche Vorstellungen anzupassen. Christus habe „eine Kirche gegründet“, nämlich die katholische Kirche, welche die „Fülle der Wahrheit Christi“ bewahre. Deshalb dürfe der Glaube nicht relativiert oder auf bloße persönliche Meinungen reduziert werden.
Der Bischof betont, daß Wahrheit nicht lediglich ein abstrakter Begriff sei, sondern eine Person. Wörtlich sagte er: „Jesus Christus ist die menschgewordene Wahrheit.“ Daraus folge, daß jede Preisgabe der Wahrheit letztlich eine Preisgabe Christi selbst bedeute.
Mit großer Eindringlichkeit sprach Msgr. Strickland über die Eucharistie. Die Sakramente seien „nicht vom Menschen entwickelt“, sondern von Christus selbst eingesetzt worden. Entsprechend warnte er vor einem unwürdigen Empfang der heiligen Kommunion. Der Empfang der Eucharistie im Zustand schwerer unbereuter Sünde sei, so Bischof Strickland, „ein verheerendes Sakrileg“.
Auch zur katholischen Morallehre äußerte sich der US-amerikanische Bischof mit großer Klarheit. Die Ehe sei von Gott als lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau gestiftet worden. Jede sexuelle Aktivität außerhalb dieser Ordnung bezeichnete er als „schwer sündhaft“ und erklärte ausdrücklich, keine kirchliche Autorität könne etwas gutheißen, was dem göttlichen Gesetz widerspreche.
Ebenso wandte sich Msgr. Strickland gegen die moderne Gender-Ideologie. Der Mensch sei „als Mann oder Frau im Bild Gottes geschaffen“; deshalb müsse die Kirche den Menschen helfen, ihre wahre Identität in Gott zu erkennen, statt die natürliche Ordnung aufzulösen.
Immer wieder kehrt der Bischof auf die gegenwärtige Lage der Kirche zurück, die er als ernste geistliche Krise deutet. Er warnt vor Kräften innerhalb und außerhalb der Kirche, die versuchten, „die moralische Lehre zu verändern und die Kirche völlig umstrukturieren zu wollen“. Dabei äußerte er die Sorge, daß unter dem Schlagwort der „Synodalität“ unveränderliche Glaubenswahrheiten schrittweise relativiert würden.
Zugleich betonte der ehemalige Bischof, daß Treue zur Tradition keine Abkehr von der Kirche bedeute, wie es manche unterstellen würden. Das genaue Gegenteil sei der Fall: Wer an der immerwährenden Lehre festhalte, wolle „nicht die Kirche verlassen“, sondern gerade „wirklich katholisch bleiben“. Viele gläubige Katholiken würden heute zu Unrecht als spalterisch diskreditiert, obwohl sie lediglich am überlieferten Glauben festhalten wollten.
Sehr persönlich wurden seine Ausführungen, als er über seine priesterliche Berufung und seine Liebe zur überlieferten Liturgie sprach. Die Eucharistische Anbetung bezeichnete er als seine eigentliche Kraftquelle. Von seiner ersten Zelebration der traditionellen lateinischen Messe berichtet er mit sichtbarer Bewegung und erklärte, ihm hätten dabei beinahe „die Worte versagt“ vor Ehrfurcht gegenüber dem heiligen Geheimnis.
Trotz aller Warnungen, die der Bischof aussprach, blieb der Grundton seiner Aussagen von Hoffnung geprägt. Irrtümer würden vergehen, die Wahrheit Christi aber bleibe bestehen. Die Kirche könne sich nur dann erneuern, wenn sie ihre Identität nicht aus Anpassung an den Zeitgeist beziehe, sondern aus der Treue zu Christus, zur Eucharistie und zur apostolischen Überlieferung.
Msgr. Strickland deutet die gegenwärtige Situation der Kirche als geistlichen Kampf, weshalb er die Gläubigen zu Standhaftigkeit, Gebet und Treue gegenüber dem katholischen Glauben aufruft.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube (Screenshot)
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