Ein Ostergruß im Kugelhagel

Papstbotschaft erreicht den Süden des Libanon nur unter Lebensgefahr


Angriffe im Libanon
Angriffe im Libanon

Im Süden des Liba­non spre­chen die Waf­fen, wes­halb die Oster­bot­schaft aus Rom die Gläu­bi­gen ver­spä­tet, indi­rekt und unter den Bedin­gun­gen eines andau­ern­den Krie­ges erreich­te. Im Zen­trum steht das Dorf Debel, nahe der Gren­ze zu Isra­el, wo sich die Zivil­be­völ­ke­rung trotz mas­si­ver Gefähr­dung ent­schlos­sen hat, aus­zu­har­ren und das Oster­fest zu begehen.

Ein huma­ni­tä­rer Kon­voi unter Lei­tung des Apo­sto­li­schen Nun­ti­us Pao­lo Bor­gia war auf dem Wege dort­hin, um Hilfs­gü­ter sowie eine per­sön­li­che Bot­schaft von Papst Leo XIV. zu über­brin­gen. Doch der Ver­such schei­ter­te: Nach dem Pas­sie­ren der Stadt Tyros muß­te der Kon­voi auf­grund inten­si­ven Kreuz­feu­ers umkeh­ren. Stun­den­lan­ges War­ten süd­lich des Lita­ni-Flus­ses blieb ver­geb­lich. Die Lie­fe­rung wur­de aus Sicher­heits­grün­den abgebrochen.

Der Hin­ter­grund ist die eska­lie­ren­de mili­tä­ri­sche Lage im Grenz­ge­biet, wo israe­li­sche Streit­kräf­te ein­mar­schiert sind und die vom Iran unter­stütz­te Schii­ten-Miliz His­bol­lah angreift. Gan­ze Land­stri­che sind ver­wü­stet, Dör­fer weit­ge­hend zer­stört, die Zivil­be­völ­ke­rung, soweit nicht auf der Flucht, lebt unter Dau­er­be­schuß. Den­noch blei­ben vie­le Chri­sten – auch aus reli­giö­ser Ver­bun­den­heit – in ihrer Hei­mat und fei­er­ten unter Lebens­ge­fahr Ostern.

Gera­de an die­se Chri­sten rich­tet sich die päpst­li­che Bot­schaft, die schließ­lich auf impro­vi­sier­te Wege über­mit­telt wer­den konn­te. Unter­zeich­net von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin, bringt sie die geist­li­che Per­spek­ti­ve Roms in einer Situa­ti­on äußer­ster Bedräng­nis zum Ausdruck.

Der Papst ver­si­chert den Gläu­bi­gen sei­ne „Nähe und väter­li­che Zunei­gung“ und rich­tet sei­nen Blick über Debel hin­aus auf „alle Chri­sten im Süden des Liba­non und alle, die unter den Fol­gen des Krie­ges lei­den“. Die Oster­bot­schaft wird dabei bewußt in den Mit­tel­punkt gestellt: „Heu­te fei­ern wir die Auf­er­ste­hung des Herrn.“ Gera­de „inmit­ten von Schmerz, Angst und Trau­er“ sol­le eine tie­fe­re Freu­de erfahr­bar wer­den – jene, die aus dem Sie­ge Chri­sti über den Tod hervorgehe.

Auf­fäl­lig ist die Ver­bin­dung von theo­lo­gi­scher Deu­tung und kon­kre­ter Lei­dens­rea­li­tät. Die Betrof­fe­nen sei­en „in ihrem Lei­den, in der Unge­rech­tig­keit, die sie ertra­gen, und im Gefüh­le der Ver­las­sen­heit“ Chri­stus beson­ders nahe. Damit wird das gegen­wär­ti­ge Schick­sal der Chri­sten im Süd­li­ba­non in unmit­tel­ba­ren Bezug zum Pas­cha­my­ste­ri­um gesetzt: Ostern wird als Ver­hei­ßung inmit­ten der Kata­stro­phe präsentiert.

Zugleich ent­hält die Bot­schaft eine kla­re Ermu­ti­gung: „Laßt euch nicht ent­mu­ti­gen!“ Kei­ne ihrer Gebe­te, „kein Akt der Soli­da­ri­tät, kein Seuf­zer der Müdig­keit“ sei ver­geb­lich. In maria­ni­scher Per­spek­ti­ve wird hin­zu­ge­fügt, daß Unse­re Lie­be Frau vom Liba­non all dies in ihrem Her­zen bewah­re und ihrem Soh­ne darbringe.

Daß die­se Wor­te ihr Ziel nur unter größ­ten Schwie­rig­kei­ten errei­chen, ver­leiht ihnen ein beson­de­res Gewicht. Der geschei­ter­te Hilfs­kon­voi ist selbst ein Zei­chen der aktu­el­len Lage: Die Kir­che bemüht sich um kon­kre­te Hil­fe und geist­li­chen Bei­stand, stößt jedoch an die Gren­zen einer Rea­li­tät, die von Gewalt und Unsi­cher­heit bestimmt ist.

So wird die Oster­bot­schaft aus Rom zu einem Docu­ment dop­pel­ter Art: Sie ist Aus­druck pasto­ra­ler Nähe – und zugleich indi­rek­tes Zeug­nis der Ohn­macht ange­sichts eines Kon­flik­tes, der wei­ter­hin unver­min­dert Opfer for­dert. Gera­de dar­in aber liegt ihre eigent­li­che Aus­sa­ge­kraft: daß die Kir­che auch dort spricht, wo sie kaum noch han­deln kann – und daß sie gera­de im Schat­ten des Krie­ges an der Hoff­nung fest­hält, die sie an Ostern verkündet.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: You­tube (Screen­shot)

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