Die Ankündigung der Priesterbruderschaft St. Pius X., am 1. Juli 2026 in Ecône neue Bischöfe auch ohne Erlaubnis des Papstes zu weihen, hat die Spannungen mit dem Vatikan erneut verschärft. Im Interview mit Bernhard Müller vom Vatican Magazin (April-Ausgabe) äußert sich der Schweizer Benediktiner und emeritierte Weihbischof von Chur, Msgr. Marian Eleganti, kritisch und warnt eindringlich vor den kirchlichen Konsequenzen.
Persönliche Kontakte – und ein klarer Rat
Msgr. Eleganti bestätigt zunächst, daß er durchaus persönliche Kontakte zur Führung der Piusbruderschaft pflegt. So berichtet er von einem Treffen mit dem Generaloberen Pater Davide Pagliarani: „Es war eine sehr freundliche, ja fast freundschaftliche Begegnung … und wir haben da lang und breit … über eine mögliche Bischofsweihe gesprochen.“
Bereits damals habe er die Entwicklung vorausgesehen und deutlich abgeraten: „Ich habe es eben kommen sehen und ich habe ihnen damals meine Argumente vorgetragen und geraten, diesen Schritt nicht zu tun.“
Unerlaubte Weihen als schismatischer Akt
In der zentralen Frage widerspricht Msgr. Eleganti ausdrücklich der Position von Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana, der eine solche Weihe ausdrücklich nicht zwingend als Schisma bewertet. Eleganti hält dagegen: „Das Kirchenrecht ist eigentlich klar … eine unerlaubte Bischofsweihe [zieht] ipso facto … die Exkommunikation mit sich.“
Entscheidend sei für ihn das Ergebnis: „Für mich ist das Ergebnis entscheidend. Und das Ergebnis ist ganz klar … eine jurisdiktionelle Autonomie.“ Eine eigenständige Hierarchie außerhalb der päpstlichen Autorität bedeute faktisch Spaltung: „Es entsteht eine Gemeinschaft mit einer eigenen selbstermächtigten Jurisdiktion und Hierarchie.“
Einheit mit dem Papst als Wesenskern der Kirche
Auch das Argument, die Bruderschaft bete in jeder Heiligen Messe für den Papst, läßt Eleganti nicht gelten. Entscheidend sei nicht das Gebet, sondern die konkrete kirchliche Einheit: „Solange eine jurisdiktionelle Einheit nicht gegeben ist … gibt es keine Kirchenkommunion.“
Und weiter: „Die Einheit der Bischöfe mit dem Papst … ist unabdingbar. Diese kann aber nicht nur im Gebet gelebt werden, sondern muß sich im konkreten Gehorsam zeigen.“ Ohne diese Einheit entstehe eine vom Papst unabhängige Kirchenstruktur: „Sonst entsteht eine … unabhängige Hierarchie … die … gültige Sakramente unerlaubterweise spendet.“
Die innere Haltung der Bruderschaft und Konsequenzen für die Gläubigen
Msgr. Eleganti geht in dem Interview noch weiter und problematisiert mögliche theologische Grundhaltungen innerhalb der Piusbruderschaft: „Sollten sie … denken, daß diese Sakramente … defekt sind … dann entspricht das einem schismatischen Denkansatz.“
Dazu stellt er die zugespitzte Frage: „Wo lebt dann noch konkret die … Kirche Christi …? Etwa nur noch in der eigenen Fraktion (FSSPX)?“
Für Gläubige, die weiterhin die Sakramente der Bruderschaft empfangen, sieht der emeritierte Weihbischof von Chur eine wachsende Gewissensverantwortung: „Bis jetzt galten die Gläubigen … nicht als exkommuniziert. Auch empfangen sie gültige Sakramente.“
Doch langfristig sei eine Entscheidung notwendig: „Ohne konkret gelebte Einheit mit dem Papst kann man nicht als katholisch gelten.“
Tradition, Gehorsam und persönliche Gewissenskonflikte
Ein zentrales Argument der Piusbruderschaft – die Bewahrung der Tradition – weist Msgr. Eleganti im Einklang mit Kardinal Robert Sarah zurück: „Die Heiligen haben … immer gehorcht und nicht ihre eigene Ansicht … durchgesetzt.“ Als Beispiele nennt er Pater Pio und Ignatius von Loyola. Besonders Ignatius stehe für radikalen Gehorsam: „[Er] würde … eine halbe Stunde Zeit im Gebet verbringen, dann aber gehorchen.“
Msgr. Eleganti spricht auch offen über eigene Erfahrungen mit dem Spannungsfeld von Gehorsam und Gewissen: „Ich habe … in der Jugendzeit an dieser Frage sehr gelitten. Sie hat mich buchstäblich krank gemacht.“ Am Ende sei er zu einer klaren Überzeugung gelangt: „Ungehorsam führt zur Spaltung.“
Pessimismus hinsichtlich einer Einigung
Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich Msgr. Eleganti wenig optimistisch: „Ich bin eher pessimistisch und habe keine große Hoffnung, daß es eine Einigung geben wird.“
Gleichzeitig warnt er vor einem gefährlichen Präzedenzfall: „Wo kämen wir hin, wenn jeder Bischöfe weihen könnte, ohne Konsequenzen zu befürchten?“ Dann wäre die Spaltung unausweichlich – eine Entwicklung, die bereits der Apostel Paulus beklagte: „Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch … Ist denn Christus zerteilt?“ (1 Kor 1,10–13)
Als Gegenbild verweist Eleganti auf den Apostel Paulus, der trotz eigener Berufung die Einheit mit Petrus suchte: „Er hat sich diese Sendung nicht selbst gegeben. Sie kam … durch die Bestätigung der Kirche.“
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL/Miniatur aus dem „Buch der Wunder der Welt“ von Odorich von Pordenone (damals Patriarchat von Aquileia, einem Reichsfürstentum des Heiligen Römischen Reichs), in einer prächtigen illuminierten Handschrift, entstanden um 1410 in Paris
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