Personalwechsel im Vatikan: Kardinal Krajewski nach Lodsch versetzt

Neuer Päpstlicher Almosenier ernannt


Papst Leo XIV. mit dem neuen Päpstlichen Almosenier und Präfekten des Dikasteriums für die Nächstenliebe Msgr. Marín de San Martín
Papst Leo XIV. mit dem neuen Päpstlichen Almosenier und Präfekten des Dikasteriums für die Nächstenliebe Msgr. Marín de San Martín

Mit zwei Per­so­nal­ent­schei­dun­gen voll­zog der Hei­li­ge Stuhl am heu­ti­gen Tag einen Wech­sel an der Spit­ze des vati­ka­ni­schen Wohl­tä­tig­keits­dien­stes. Wie aus dem Tage­bul­le­tin des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes her­vor­geht, wur­de der bis­he­ri­ge Päpst­li­che Almo­se­ni­er, Kon­rad Kar­di­nal Kra­jew­ski, zum neu­en Metro­po­li­ten von Lodsch ernannt. Sein Nach­fol­ger als Almo­se­ni­er und Prä­fekt des Dik­aste­ri­ums für den Dienst der Näch­sten­lie­be, wie das Amt seit der Kuri­en­re­form von Papst Fran­zis­kus im Jahr 2022 heißt, ist der Augu­sti­ner Luis Marín de San Mar­tín, der bis­her als Unter­se­kre­tär im Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Bischofs­syn­ode tätig war.

Rückkehr nach Polen: Krajewski wird Erzbischof von Łódź

Der 62jährige Kar­di­nal Kra­jew­ski, der seit 2013 als Päpst­li­cher Almo­se­ni­er wirk­te und spä­ter auch Prä­fekt des neu geschaf­fe­nen Dik­aste­ri­ums für den Dienst der Näch­sten­lie­be wur­de, kehrt mit sei­ner Ernen­nung in sei­ne pol­ni­sche Hei­mat­stadt zurück. Die Ent­schei­dung sorgt für Auf­se­hen, da Kra­jew­ski in der berg­o­glia­ni­schen Ära über Jah­re hin­weg zu den sicht­bar­sten Figu­ren der sozia­len Initia­ti­ven des Pon­ti­fi­kats gehörte.

Der Almo­se­ni­er des Pap­stes ist tra­di­tio­nell für kari­ta­ti­ve Pro­jek­te im Namen des Pap­stes ver­ant­wort­lich. Unter Kra­jew­ski erhielt die­ses Amt ein betont öffent­li­ches Pro­fil. Immer wie­der sorg­ten spek­ta­ku­lä­re Aktio­nen für media­le Auf­merk­sam­keit – etwa direk­te Ein­sät­ze für Obdach­lo­se, per­sön­li­che Inter­ven­tio­nen in sozia­len Kon­flik­ten und ein beson­ders inten­si­ves Enga­ge­ment zugun­sten von Migranten.

Die­se Ent­wick­lung wur­de nicht nur posi­tiv bewer­tet. Wie­der­holt wur­de eine Ten­denz zur sym­bol­po­li­ti­schen Insze­nie­rung von Wohl­tä­tig­keit kri­ti­siert. Die Kri­tik lau­te­te, daß unter Fran­zis­kus kari­ta­ti­ve Aktio­nen gele­gent­lich stär­ker als media­le Zei­chen­hand­lun­gen erschie­nen, wäh­rend die geist­li­che Dimen­si­on der kirch­li­chen Cari­tas – also die Ver­bin­dung von Näch­sten­lie­be, Bekeh­rung und sakra­men­ta­lem Leben – in den Hin­ter­grund zu tre­ten schienen.

Auch sei­ne Nähe zu den sozia­len Prio­ri­tä­ten des berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kats mach­te den 2018 zum Kar­di­nal kre­ierten Kra­jew­ski zu einer umstrit­te­nen Figur inner­halb der Römi­schen Kurie. Wäh­rend Berg­o­glia­ner ihn als Ver­kör­pe­rung einer „Kir­che der Armen“ dar­stell­ten, sahen Kri­ti­ker eine Ver­schie­bung kirch­li­cher Akzen­te von der Glau­bens­leh­re hin zu sozi­al­po­li­ti­schen Gesten.

Die Ernen­nung zum Erz­bi­schof von Lodsch bedeu­tet nun eine Rück­kehr in die klas­si­sche pasto­ra­le Ver­ant­wor­tung einer Ortskirche.

Neuer Päpstlicher Almosenier: Luis Marín de San Martín

Inter­es­san­ter­wei­se war das Amt des Päpst­li­chen Almo­se­ni­ers unter Papst Fran­zis­kus das erste Lei­tungs­amt an der Römi­schen Kurie, das er kurz nach sei­ner Wahl im Som­mer 2013 neu besetz­te. Bene­dikt XVI. hat­te kurz vor sei­nem über­ra­schen­den Amts­ver­zicht Msgr. Gui­do Poz­zo, den Sekre­tär der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei zum Almo­se­ni­er ernannt. Fran­zis­kus mach­te die­se Ent­schei­dung neun Mona­te nach Msgr. Poz­zos Amts­an­tritt und vier­ein­halb Mona­te nach dem Kon­kla­ve wie­der rückgängig. 

Nun setzt auch Papst Leo XIV. gera­de hier einen per­so­nel­len Akzent. Zwar hat­te Leo XIV. zuvor bereits einen neu­en Prä­fek­ten für das Bischofs­dik­aste­ri­um ernannt. Die­ses Amt war jedoch vakant, da der amtie­ren­de Papst es vor sei­ner Wahl selbst inne­hat­te. Die Ernen­nung eines neu­en Päpst­li­chen Almo­se­ni­ers stellt daher den ersten Fall dar, in dem Leo XIV. einen noch amtie­ren­den Lei­ter eines römi­schen Dik­aste­ri­ums durch einen neu­en Amts­in­ha­ber ersetzt. 

Zum Nach­fol­ger im Amt des Päpst­li­chen Almo­se­ni­ers ernann­te der Papst den spa­ni­schen Augu­stin­er­bi­schof Luis Marín de San Mar­tín. Der bis­he­ri­ge Unter­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode erhält mit dem neu­en Amt zugleich die Wür­de eines Erzbischofs.

Msgr. Marín de San Mar­tín gehört dem Augu­sti­ner­or­den an, dem auch Leo selbst vor sei­ner Wahl ange­hör­te. Der neue Almo­se­ni­er war bis­lang vor allem in dem von Fran­zis­kus gewoll­ten syn­oda­len Pro­zeß der Welt­kir­che tätig. Sei­ne Ernen­nung wird daher auch als Signal gese­hen, daß der Papst offen­bar eine enge Ver­bin­dung zwi­schen den pasto­ra­len Reform­pro­zes­sen der Syn­ode und den sozia­len Initia­ti­ven des Vati­kans her­stel­len möchte.

Leo XIV. bestä­tigt damit, sei­nen Augu­sti­ner­or­den ver­stärkt für Posi­tio­nen im Vati­kan her­an­zu­zie­hen. Offen­bar ver­sucht das Kir­chen­ober­haupt ein per­sön­li­ches Ver­trau­ens­netz inner­halb kirch­li­cher Lei­tungs­struk­tu­ren zu schaffen.

Msgr. Marín de San Mar­tín ist als Prä­fekt sei­nes Dik­aste­ri­ums die Num­mer drei an der Römi­sche Kurie, da Fran­zis­kus die­ses Dik­aste­ri­um im Zuge der Kuri­en­re­form in sei­nem Rang aufwertete.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can Media

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