Kardinal Sfeir im 99. Lebensjahr verstorben

76. Patriarch der Maroniten

Nasrallah Boutros Kardinal Sfeir war von 1986 bis 2011 Patriarch der Syrisch-Maronitischen Kirche.

(Bei­rut) Gestern, Sonn­tag, ist Nas­ral­lah Bou­tros Kar­di­nal Sfeir, der eme­ri­tier­te syrisch-maro­ni­ti­sche Patri­arch von Antio­chi­en und des gan­zen Ori­ents, ver­stor­ben. Am 15. Mai wäre er 99 Jah­re alt gewor­den.

Im Liba­non gebo­ren wur­de er 1950 zum Prie­ster geweiht und war zunächst als Seel­sor­ger in sei­ner Hei­mat­ge­mein­de Rey­foun in der Epar­chie Sar­ba tätig. Zugleich hat­te er das Amt des Diö­ze­san­se­kre­tärs inne und unter­rich­te­te an der Mari­sten­schu­le von Jounieh. 1956 berief ihn der dama­li­ge maro­ni­ti­sche Patri­arch, Paul Bou­tros Meouchi (1955–1975), zu sei­nem per­sön­li­chen Sekre­tär und ernann­te ihn 1961 zum Patri­ar­cha­len Gene­ral­vi­kar und Titu­lar­bi­schof von Tar­sus der Maro­ni­ten.

Nach wei­te­ren Auf­ga­ben erfolg­te 1986 sei­ne Wahl zum 76. Patri­ar­chen der Maro­ni­ten. Als sol­cher führ­te er auch den Vor­sitz im Hei­li­gen Syn­od der Syrisch-Maro­ni­ti­schen Kir­che von Antio­chi­en. Die Wahl des Patri­ar­chen bedarf der Bestä­ti­gung des Pap­stes. Die Syrisch-Maro­ni­ti­sche Kir­che war im 7. Jahr­hun­dert als schis­ma­ti­sche Grup­pe aus der Kir­che her­vor­ge­gan­gen, kon­kret aus dem Patri­ar­chat von Antio­chi­en. Der Name Maro­ni­ten geht auf den hei­li­gen Mönch Maron zurück, der im 5. Jahr­hun­dert Grün­der einer Mönchs­ge­mein­schaft im Liba­non war, die spä­ter maß­geb­lich an der Grün­dung der maro­ni­ti­schen Kir­che betei­ligt war. Unter dem Islam wur­den sie aus den Städ­ten Syri­ens ver­drängt und zogen sich in das Liba­non­ge­bir­ge zurück.

Kon­tak­te zwi­schen den Maro­ni­ten und Rom ent­stan­den wäh­rend der Kreuz­zü­ge. Man ver­stand sich sofort als „Brü­der in Chri­stus“. Die dog­ma­ti­schen Schwie­rig­kei­ten, die einst zum Schis­ma geführt hat­ten, konn­ten schnell auf­ge­löst wer­den, da die Maro­ni­ten den Mono­the­letis­mus ableg­ten. Seit 1182 ist die syrisch-maro­ni­ti­sche Patri­ar­chats­kir­che mit Rom uniert. Mit dem Maro­ni­ti­schen Kol­leg ver­füg­te sie seit dem 16. Jahr­hun­dert über ein eige­nes Prie­ster­se­mi­nar in Rom und auch über eine Drucke­rei, in der christ­li­che Schrif­ten auf ara­bisch gedruckt wur­den, deren Ver­brei­tung im Nahen Osten nach­hal­ti­ge Wir­kung hat­te.

Als Patri­arch füg­te er, wie bei den maro­ni­ti­schen Patri­ar­chen üblich, sei­nem Namen den Namen Petrus hin­zu und nann­te sich Nas­ral­lah Bou­tros (Petrus). 1994 kre­ierte ihn Papst Johan­nes Paul II. zum Kar­di­nal. Wegen der Alters­be­gren­zung nahm er an kei­nem Kon­kla­ve teil. 2005, als Bene­dikt XVI. gewählt wur­de, war er bereits 84 Jah­re alt. 2011 trat er 91jährig von sei­nem Amt als Patri­arch zurück. Seit Papst Paul VI. 1965 mit Pau­lus Bou­tros Meouchi den ersten maro­ni­ti­schen Patri­ar­chen in den Kar­di­nal­s­rang erhob, wur­den alle amtie­ren­den maro­ni­ti­schen Patri­ar­chen zu Kar­di­nä­len kre­iert. Patri­arch Nas­ral­lah Bou­tros war der drit­te maro­ni­ti­sche Kar­di­nal der Geschich­te.

Sein Nach­fol­ger, Becha­ra Bou­tros Kar­di­nal Raï, bezeich­ne­te ihn gestern als „Säu­le der Nati­on“.

Die mit Rom unier­te Syrisch-Maro­ni­ti­sche Kir­che zählt welt­weit knapp 3,6 Mil­lio­nen Gläu­bi­ge. Ihr Sied­lungs­raum kon­zen­trier­te sich auf das Liba­non-Gebir­ge Syri­ens, das wegen der Maro­ni­ten Nach dem Ersten Welt­krieg zum selb­stän­di­gen, sou­ve­rä­nen Staat wur­de. Wegen der Kon­flik­te, Krie­ge und Bür­ger­krie­ge im Nahen Osten lebt heu­te nicht ein­mal mehr ein Drit­tel der Maro­ni­ten in ihrer Hei­mat. Die größ­te maro­ni­ti­sche Dia­spo­ra-Gemein­schaft fin­det sich mit über 750.000 Gläu­bi­gen in Argen­ti­ni­en. Die zweit­größ­te Dia­spo­ra-Gemein­schaft mit mehr als einer hal­ben Mil­li­on Gläu­bi­gen lebt in Bra­si­li­en.

Mit Kar­di­nal Sfeir starb der zweit­äl­te­ste Pur­pur­trä­ger der Kir­che. Der älte­ste Kir­chen­fürst ist wei­ter­hin der Kolum­bia­ner José de Jesús Kar­di­nal Pimi­en­to Rodri­guez, der am ver­gan­ge­nen 18. Febru­ar 100 Jah­re alt wur­de.

Der eme­ri­tier­te Patri­arch ist der drit­te Kar­di­nal, der 2019 ver­stor­ben ist. Kei­ner von ihnen wäre in einem Kon­kla­ve stimm­be­rech­tigt gewe­sen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­News

[Update 14.05.2019] Zwei Stel­len in der ursprüng­li­chen Fas­sung des Arti­kels wur­den kor­ri­giert. Der frü­he­re argen­ti­ni­sche Staats­prä­si­dent Car­los Menem (geb. 1930 in der argen­ti­ni­schen Pro­vinz La Rio­ja) ist kein Maro­nit. Car­los Menem ent­stammt einer sun­ni­ti­schen, mus­li­mi­schen Fami­lie, die aus Yab­rud in Syri­en, nahe der Gren­ze zum Liba­non, in Argen­ti­ni­en ein­ge­wan­dert ist. Er kon­ver­tier­te in jun­gen Jah­ren zur katho­li­schen Kir­che.
Die Maro­ni­ten beru­fen sich zwar auf einen namen­ge­ben­den Mönch, der laut Über­lie­fe­rung im 5. Jahr­hun­dert eine Mönchs­ge­mein­schaft grün­de­te, die spä­ter maß­geb­lich den Mono­the­letis­mus ver­trat und zur Ent­ste­hung der maro­ni­ti­schen Kir­che bei­trug, was aber erst im 7. Jahr­hun­dert geschah.
Ein Dank an die­ser Stel­le für die ent­spre­chen­den Leser­hin­wei­se.