Vom Heiligtum zur Ideologiebühne

Wie Kirchenräume von den kirchlichen Verantwortungsträgern für politische Zeitgeist-Propaganda geöffnet werden


Antichristliche "Sextremistin" und Politsöldnerin Inna Schewtschenko erhält in Wien Kirche als Bühne für ihre Show der politischen Korrektheit
Antichristliche "Sextremistin" und Politsöldnerin Inna Schewtschenko erhält in Wien Kirche als Bühne für ihre Show der politischen Korrektheit

Gedan­ken von Giu­sep­pe Nardi

Was sich der­zeit in öster­rei­chi­schen Kir­chen­räu­men abspielt, ist kein gewöhn­li­ches Kul­tur­pro­gramm. Unter dem Ban­ner von „Dia­log“, „Offen­heit“ und „zeit­ge­nös­si­scher Kunst“ – lee­ren Paro­len eines ent­leer­ten Kul­tur­be­triebs – wer­den Kir­chen zuneh­mend zu Büh­nen poli­ti­scher und ideo­lo­gi­scher Insze­nie­run­gen umfunk­tio­niert. Beson­ders augen­fäl­lig wur­de dies nun im Umfeld der Wie­ner Fest­wo­chen: Die laut Eigen­de­fi­ni­ti­on „sex­tre­mi­sti­sche“ FEMEN-Akti­vi­stin Inna Schewtschen­ko prä­sen­tier­te in der katho­li­schen St. Eli­sa­beths­kir­che eine als „alter­na­ti­ve Mes­se“ ange­kün­dig­te Per­for­mance, in der Reli­gi­on vor allem als Macht­in­stru­ment, Unter­drückungs­sy­stem und patri­ar­cha­le Struk­tur dis­kre­di­tiert wur­de. Beglei­tet wur­de dies von demon­stra­ti­ver Zustim­mung kirch­li­cher Ver­ant­wor­tungs­trä­ger und kul­tur­po­li­ti­scher Akteu­re, die dar­in ein Zei­chen pro­gres­si­ver Offen­heit sehen. Die Inter­net­platt­form der öster­rei­chi­schen Bischö­fe Katho​lisch​.at fei­er­te das üble Spek­ta­kel samt der lächer­li­chen Atte­stie­rung, Schewtschen­kos Kir­chen­kri­tik habe eine „fei­ne­re Klin­ge“ bekommen.

Der eigent­li­che Skan­dal liegt dabei nicht nur in der Pro­vo­ka­ti­on selbst, son­dern mehr noch als Ort des Gesche­hens und ihrer offi­zi­el­len Ermög­li­chung. Denn hier han­delt es sich nicht um einen Pro­test gegen die Kir­che von außen, son­dern um eine von oben akzep­tier­te, auto­ri­sier­te und insti­tu­tio­nell gedeck­te Selbst­be­schimp­fung des Sakra­len. Um einen kir­chen­feind­li­chen sado­ma­so­chi­sti­schen Aktio­nis­mus. Der Kir­chen­raum wird nicht mehr als hei­li­ger Ort ver­tei­digt, son­dern als frei ver­füg­ba­re Pro­jek­ti­ons­flä­che für den jeweils herr­schen­den poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Zeit­geist benutzt.

Gera­de dar­in offen­bart sich das Aus­maß der Schief­la­ge des gegen­wär­ti­gen kirch­li­chen Estab­lish­ments, der zustän­di­gen Hier­ar­chie und des sie umge­ben­den Kir­chen­ap­pa­rats. Gegen­über tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken, kon­ser­va­ti­ven Gläu­bi­gen tritt man seit Jah­ren mit bemer­kens­wer­ter Här­te auf – aktu­ell gera­de gegen­über der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Dort wird jede lit­ur­gi­sche Abwei­chung, jede Kri­tik am Zeit­geist, jede Bin­dung an Tra­di­ti­on sofort unter Gene­ral­ver­dacht gestellt: man­geln­de Kon­zils­loya­li­tät, „pro­ble­ma­ti­sche Nähe“, Gefahr für die Ein­heit. Die mora­li­sche Keu­le wird mit gro­ßem Ernst geschwun­gen, zumin­dest ein­sei­tig gegen jene Rich­tung, die sich der Über­lie­fe­rung ver­pflich­tet weiß.

Doch die­sel­ben kirch­li­chen Milieus zei­gen plötz­lich erstaun­li­che Groß­zü­gig­keit, sobald die Pro­vo­ka­ti­on aus der pro­gres­si­ven Rich­tung kommt. Eine Akti­vi­stin, die inter­na­tio­nal nur durch anti­christ­li­che Aktio­nen bekannt wur­de — etwa durch das Fäl­len eines Kreu­zes in Kiew mit der Motor­sä­ge als „Soli­da­ri­täts­ge­ste“ für Pus­sy Riot, einer eben­so reli­gi­ons­feind­li­chen rus­si­schen Band — erhält eine Büh­ne im katho­li­schen Kir­chen­raum und wird dort als Stim­me angeb­lich wich­ti­ger gesell­schaft­li­cher Fra­gen prä­sen­tiert. FEMEN agi­tier­te jah­re­lang gezielt gegen christ­li­che Sym­bo­lik und reli­giö­se Moral­vor­stel­lun­gen; aus­ge­rech­net das macht sie nun offen­bar zum geeig­ne­ten Gast für kirch­li­che Räu­me. Das west­li­che poli­ti­sche Estab­lish­ment, allen vor­an Emma­nu­el Macron, der sich soeben von Papst Leo XIV. in Audi­enz emp­fan­gen ließ, gewähr­te Schewtschen­ko poli­ti­sches Asyl, nach­dem sie die Kathe­dra­le Not­re Dame in Paris geschän­det hat­te und ließ sie zur Beloh­nung als neue „Mari­an­ne“ sti­li­sie­ren, einem Natio­nal­sym­bol der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on.

Das Abge­ho­be­ne und Heuch­le­ri­sche dar­an ist kaum zu über­se­hen. Denn die viel­be­schwo­re­ne „Dia­log­be­reit­schaft“ funk­tio­niert nur in eine Rich­tung. Die Unter­stüt­zung noto­ri­scher Kir­chen­fein­de ist eine schwer­wie­gen­de Schan­de. Sie gewährt einen abgrün­di­gen Ein­blick in das Kir­chen­ver­ständ­nis maß­geb­li­cher Tei­le des kirch­li­chen Estab­lish­ments, kon­kret jenes Öster­reichs. Nie wür­de man kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken ver­gleich­ba­re Räu­me im Kul­tur­be­trieb über­las­sen, um dort fun­da­men­ta­le Kri­tik an Abtrei­bung, Gen­der-Ideo­lo­gie oder der mora­li­schen Ver­fas­sung west­li­cher Gesell­schaf­ten zu for­mu­lie­ren. Geschwei­ge denn wür­de der Erz­bi­schof von Wien sei­ne Bischofs­kir­che zur Zele­bra­ti­on des über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus zur Ver­fü­gung stel­len (gewährt wur­de sie aber für Homo-Spek­ta­kel, für Coro­na-Impf­spek­ta­kel). Dort wäre sofort von „Grenz­über­schrei­tung“, „Fun­da­men­ta­lis­mus“ oder „poli­ti­scher Instru­men­ta­li­sie­rung“ die Rede. Wenn jedoch pro­gres­si­ve Akti­vi­sten Kir­chen­räu­me für kul­tur­kämp­fe­ri­sche Bot­schaf­ten nut­zen, indem sie sogar Kir­chen­schän­der ein­la­den, gilt das­sel­be plötz­lich als muti­ge Kunst und not­wen­di­ger Diskurs.

Beson­ders ent­lar­vend ist dabei die völ­li­ge Blind­heit gegen­über der eigent­li­chen Pro­fa­nie­rung. Jahr­zehn­te­lang wur­de, um beim aktu­el­len The­ma zu blei­ben, die Pius­bru­der­schaft als Pro­blem­fall behan­delt — wegen lit­ur­gi­scher Fra­gen, theo­lo­gi­scher Span­nun­gen und ihrer Kri­tik am nach­kon­zi­lia­ren Kurs. Gleich­zei­tig schweigt man weit­ge­hend zu einem all­täg­li­chen Miß­brauch von Kir­chen­räu­men für poli­ti­sche Sym­bol­hand­lun­gen, ideo­lo­gi­sche Kam­pa­gnen und säku­la­ri­sier­te Ersatz­lit­ur­gien. Mehr noch: Man ermög­licht und unter­stützt ihn aktiv.

So ent­steht der Ein­druck einer Kir­che, die Stren­ge fast nur noch gegen­über den eige­nen tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen oder kon­ser­va­ti­ven Gläu­bi­gen kennt, wäh­rend sie sich gegen­über aggres­si­ver Reli­gi­ons­kri­tik, kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­rer Sym­bo­lik und zeit­geist­kon­for­men Pro­vo­ka­tio­nen beschä­mend anpas­sungs­be­reit zeigt. Der Kir­chen­raum ver­liert dadurch sei­nen Cha­rak­ter als hei­li­ger Ort und wird zur Büh­ne wech­seln­der woker poli­ti­scher Mora­lis­men — heu­te „ukrai­ni­sche“ Geo­po­li­tik, mor­gen Kli­ma-Agen­da, über­mor­gen Gen­der-Lob­by­is­mus, noch über­mor­gen pseu­do­pan­de­mi­scher Coro­na-Nasen­ring und fast durch­ge­hend die Homo-Agenda.

Am Ende bleibt eine bit­te­re Iro­nie: Aus­ge­rech­net die Kir­che, die einst den legi­ti­men Anspruch hat­te, der Welt zu wider­spre­chen und ihr Maß­stä­be ent­ge­gen­zu­hal­ten, sucht heu­te ihre gesell­schaft­li­che Legi­ti­ma­ti­on gera­de dar­in, mög­lichst wider­spruchs­los mit den kul­tu­rel­len Refle­xen des welt­li­chen Estab­lish­ments mit­zu­schwin­gen. Die eigent­li­che Pro­vo­ka­ti­on besteht daher nicht nur in der Per­for­mance noto­ri­scher Kir­chen­fein­de und Polit-Söld­ner, son­dern mehr noch in der Bereit­schaft kirch­li­cher Ver­ant­wor­tungs­trä­ger, den Ver­lust des Sakra­len nicht nur hin­zu­neh­men, son­dern ihn als Fort­schritt zu feiern.

Bild: katho​lisch​.at (Screen­shot)

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