The Crazy Church of England

Minigolfen in der Kathedrale

Minigolf in der Kathedrale, die „großartige“ Idee der Kirche von England in Rochester.
Minigolf in der Kathedrale, die „großartige“ Idee der Kirche von England in Rochester.

(Lon­don) Die angli­ka­ni­sche Kathe­dra­le von Roche­ster wur­de in einen Mini­golf­platz umge­wan­delt. Im offen­bar unstill­ba­ren Drang Unter­hal­tung zu bie­ten, über­bie­ten sich lan­des­kirch­li­che Wür­den­trä­ger der Refor­ma­ti­on in einem unwür­di­gen Wett­lauf. Das Spek­ta­kel muß auch Katho­li­ken schmer­zen, da die Kathe­dra­le von Roche­ster die mei­ste Zeit ihres Bestehens eine katho­li­sche Kir­che war. Doch nicht nur das.

In der Tat haben sich eng­li­sche Katho­li­ken über das Vor­ge­hen der angli­ka­ni­schen Hier­ar­chie empört, die aus der alt­ehr­wür­di­gen Kathe­dra­le, deren Anfän­ge auf das Jahr 604 zurück­ge­hen, einen lächer­li­chen Spiel­platz gemacht haben.

„Die Angli­ka­ner sind schlim­mer“, lau­te­te lan­ge Zeit ein zwei­fel­haf­ter Trost, den sich eng­li­sche Katho­li­ken zuspra­chen, wenn sie über Ent­schei­dun­gen ihrer eige­nen Hier­ar­chie betrübt waren. Bis­her war es aller­dings so, daß mit Ver­spä­tung so man­che Fehl­ent­schei­dung pro­te­stan­ti­scher und angli­ka­ni­scher Lan­des­kir­chen auch von der katho­li­schen Hier­ar­chie über­nom­men wer­den. Eine Fort­set­zung die­ses Weges wäre fatal, denn die angli­ka­ni­sche Kir­che spielt in Eng­land, jen­seits pro­to­kol­la­ri­schen Pomps bei Zere­mo­nien des Königs­hau­ses und des Staa­tes, kei­ne Rol­le mehr. Sie ist schlicht­weg bedeu­tungs­los gewor­den. Wer das­sel­be für die katho­li­sche Kir­che anstrebt, ist reif für die Klapps­müh­le oder den Ker­ker der Engels­burg.

Auf Twit­ter bewarb die Roche­ster Cathe­dral die neue „Attrak­ti­on“, die am 27. Juli dem Publi­kum zugäng­lich gemacht wur­de:

„Jetzt geöff­net! For­dern Sie Ihre Freun­de und Fami­lie zu einer Run­de Adven­ture-Golf in unse­rer kosten­lo­sen Som­mer­ak­ti­vi­tät her­aus. Besu­chen Sie unse­re Web­site für wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Öff­nungs­zei­ten. Vie­len Dank an @RochesterBridge für die Erstel­lung des Par­cours.“

Adventure Golf in der Kathedrale
Adven­ture Golf in der Kathe­dra­le

Die Kathe­dra­le von Roche­ster ist mit ihrem Alter von über 1.400 Jah­ren die zweit­äl­te­ste Bischofs­kir­che Eng­lands. Die Empö­rung der Katho­li­ken hat auch damit zu tun, daß es sich um die Bischofs­kir­che des hei­li­gen John Fisher han­delt. Fisher war der ein­zi­ge Bischof Eng­lands, er den Mut hat­te, 1535 den Supre­mat­s­eid auf den von Rom abge­fal­le­nen König Hein­rich VIII. zu ver­wei­gern. Wie der ehe­ma­li­ge Lord­kanz­ler Tho­mas Morus wur­de er dafür in Lon­don hin­ge­rich­tet. Bei­de wur­den wegen ihres Mar­ty­ri­ums für den Glau­ben zu den Altä­ren erho­ben.

In Roche­ster gibt es neben Dom­her­ren auch Dom­frau­en wie Rachel Phil­lips, die vor Begei­ste­rung über die Umge­stal­tung der Kathe­dra­le zum Mini­golf­platz über­fließt. Es sei „groß­ar­tig“, denn dadurch kämen Leu­te, die „viel­leicht noch nie in die­sem Gebäu­de waren“. Rachel Phil­ipps ist an der Kathe­dra­le für „Mis­si­on und Wachs­tum“ (sic) zustän­dig.

Die Medi­en­auf­merk­sam­keit war in den ersten Tagen sehr groß. Die BBC-Schlag­zei­le lau­te­te:

„The cra­zy golf cour­se insi­de a cathe­dral.“

„Vielleicht kommen Leute, die noch nie in diesem Gebäude waren.“
„Viel­leicht kom­men Leu­te, die noch nie in die­sem Gebäu­de waren.“

Wer mit einer Kir­che nichts Bes­se­res anzu­fan­gen weiß, kann nach Roche­ster zum Mini­gol­fen. Der Par­cours ist an allen Werk­ta­gen von 9.45 bis 16.15 Uhr geöff­net. An Sonn­ta­gen immer­hin von 12.30 bis 14.15 Uhr, denn ein biß­chen Lit­ur­gie muß ja auch noch sein. Dafür steht der Chor­raum hin­ter dem Lett­ner zur Ver­fü­gung.

Das Mini­golf-Thea­ter wird bis zum 1. Sep­tem­ber fort­ge­setzt.

Der Jour­na­list Giu­lio Meot­ti schrieb in der Tages­zei­tung Il Foglio in Abwand­lung einer lite­ra­ri­schen Anlei­he:

„‚Auf die­se Art geht die Welt zugrund: Nicht mit einem Knall: mit Gewim­mer‘, schrieb T.S. Eli­ot in sei­nem bekann­te­sten Werk ‚Mord im Dom‘. Heu­te müß­te Tho­mas Becket in der Kathe­dra­le von Roche­ster, der zweit­äl­te­sten Eng­lands (gegrün­det 604), Mini­golf spie­len. Auf die­se Art geht der Westen zugrund: Nicht mit einem Knall, nicht mit Gewim­mer, son­dern beim neun­ten Loch.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: rochestercathedral.org (Screen­shots)

2 Kommentare

  1. Die Church of Eng­land ver­wirk­licht als Staats­kir­che die „Agen­da“ des sozio-kul­tu­rel­len Main­streams: so kämpft sie gegen „trans­pho­bes und bipho­bi­sches Mob­bing“ und ver­tritt die Auf­fas­sung, dass Jugend­li­che frei sein soll­ten, „her­aus­zu­fin­den, wer sie sein könn­ten, das schlie­sse die Fra­ge nach der Geschlechts­iden­ti­tät ein“ (https://www.journalistenwatch.com/2017/11/15/die-kirche-jubelt-dreijaehrige-wissen-nicht-mehr-ob-sie-jungen-oder-maedchen-sind). Bereits 2014 wur­de ein sog. „Leit­fa­den gegen Homo­pho­bie in Schu­len“ (https://www.deutschlandfunkkultur.de/anglikanische-kirche-veroeffentlicht-leitfaden-gegen.265.de.html?drn:news_id=357085) ver­öf­fent­licht, in wel­chem u.a. emp­foh­len wird, dass „die Schü­ler über die ver­schie­de­nen sexu­el­len Ori­en­tie­run­gen“ auf­ge­klärt wer­den sol­len. Auch beim „zivil­ge­sell­schaft­li­chen“ The­ma „Kli­ma­wan­del“ agiert die Church of Eng­land emsig mit, wie ein Spre­cher mit­teil­te, müs­se „die Kir­che eine füh­ren­de Rol­le in der drin­gen­den Fra­ge des Kli­ma­wan­dels spie­len“ (https://www.domradio.de/themen/weltkirche/2018–07-09/kirche-von-england-will-klimafreundlich-investieren.

    Das Pro­fa­nie­ren von Kir­chen wird da wenig über­ra­schen…

  2. Die­se Pro­fa­ni­sie­run­gen sind natür­lich nicht so toll, aber haben ihren Grund im Schreckenskon­zil.
    Als Fol­ge der Lit­ur­gie­zer­stö­rung kommt kei­ner mehr in die Kir­che.
    Nun ist man unter sich und fei­ert von Mensch zu Mensch ein Mahl des Dan­kes (wofür eigent­lich, denn alles wofür Jesus Chri­stus steht wird ja ver­wor­fen).
    So lang­sam ster­ben die Kon­zils­zer­stö­rer auch in den Pfar­rei­en aus und weil es kei­nen „Nach­wuchs“ auf bei­den Sei­ten gibt, ste­hen die Kir­chen leer.
    Man könn­te sie gegen Gebühr den tra­di­tio­nel­len Gemein­schaf­ten über­las­sen, aber die dür­fen da nicht rein und haben sich in Kapel­len in die Pro­vinz zurück­zu­zie­hen (Bei­spiel FSSPX)
    Dann ver­kauft man die Kir­chen lie­ber, das bringt ja auch schö­nes Geld.
    Passt doch !

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