Don Nicola Bux: „Dubia der Kardinäle zu Amoris laetitia legitim und normal“ — Beispiel Liturgiereform 1969

(Rom) Das Schrei­ben von vier Kar­di­nä­len an Papst Fran­zis­kus, mit dem sie eine Klä­rung umstrit­te­ner Stel­len im nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia for­dern, sei „eine nor­ma­le Pra­xis in der Kir­che“.

Das sag­te der bekann­te Lit­ur­gi­ker, Don Nico­la Bux, der bereits vor eini­gen Tagen die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner in Schutz genom­men hat­te. Zwei Neo­kar­di­nä­le hat­ten sie öffent­lich ange­grif­fen, ein eme­ri­tier­ter grie­chi­scher Bischof sie sogar der „Häre­sie“ bezich­tigt, weil sie es wagen, vom Papst Klar­heit zu ver­lan­gen.

Dubia „legitim und normal“

Die Kar­di­nä­le for­mu­lier­ten fünf Dubia (Zwei­fel), ein­fa­che, an den Papst gerich­te­te Fra­gen zu Kern­the­men der kirch­li­chen Leh­re und Sakra­men­ten­ord­nung. Die Beant­wor­tung soll Klar­heit schaf­fen, nach­dem es seit der Ver­öf­fent­li­chung von Amo­ris lae­ti­tia am 8. April zu unter­schied­li­chen, teils gegen­sätz­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen gekom­men ist. Im Mit­tel­punkt steht die Fra­ge, ob wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen sind oder nicht. Nach über­lie­fer­te Leh­re und Pra­xis sind sie davon aus­ge­schlos­sen. Es ist jedoch ein offe­nes Geheim­nis, daß Papst Fran­zis­kus mit der For­de­rung von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per sym­pa­thi­siert, sie zuzu­las­sen. Ein sol­cher Schritt ist mit der kirch­li­chen Leh­re aber nicht ver­ein­bar. Von ver­schie­de­ner Sei­te wur­de der Papst auf­ge­for­dert, eine Klä­rung her­bei­zu­füh­ren. Die Wei­ge­rung von Fran­zis­kus, eine sol­che zu voll­zie­hen, erhöh­te die Sor­ge in der Kir­che, daß halb aus­ge­spro­chen, halb ver­schwie­gen, durch Amo­ris lae­ti­tia die kirch­li­che Pra­xis geän­dert wer­den soll, und damit in einem zwei­ten Schritt auch die Glau­bens­leh­re.

Die vier Kar­di­nä­le haben den Papst mit ihren Dubia in die Enge getrie­ben. Die Fra­gen sind mit Klar­heit for­mu­liert, daß der Papst durch ihre Beant­wor­tung Far­be beken­nen müß­te. Als nach zwei Mona­ten noch kei­ne Ant­wort vor­lag, mach­ten die Kar­di­nä­le ihre Zwei­fel öffent­lich. Mit jedem Tag, den Fran­zis­kus ver­strei­chen läßt, ohne auf die Fra­gen zu ant­wor­ten, nährt er neue Zwei­fel und wirft bedrücken­de Fra­gen auf.

Don Bux: „ähnlicher“ Fall bei der Liturgiereform

Don Nicola Bux bei der Buchvorstellung in Neapel
Don Nico­la Bux bei der Buch­vor­stel­lung in Nea­pel

Was die vier Kar­di­nä­le getan haben, das sei „ganz nor­mal“, bestä­tig­te der bekann­te Lit­ur­gi­ker Don Bux. Es gehe dar­um, das Recht der Rede­frei­heit zu nüt­zen, wozu der Papst mehr­fach auf­ge­for­dert habe.

Don Bux, ein enger Ver­trau­ter des vor­ma­li­gen Pap­stes Bene­dikt XVI., gab der ita­lie­ni­schen Zeit­schrift Roma ein Inter­view. Anlaß war die Vor­stel­lung der neu­en Aus­ga­be sei­nes Best­sel­lers mit dem pro­vo­kan­ten Titel „Wie man zur Mes­se geht, ohne den Glau­ben zu ver­lie­ren“ (Come anda­re a Mes­sa sen­za per­de­re la fede).

An der Buch­vor­stel­lung nah­men auch Miguel Ayu­so, der Vor­sit­zen­de der Inter­na­tio­na­le Ver­ei­ni­gung katho­li­scher Juri­sten, und der Phi­lo­soph Gui­do Vignel­li teil.

Don Bux erin­ner­te an einen nicht direkt ver­gleich­ba­ren, aber doch „ähn­li­chen“ Fall in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, als Kar­di­nä­le Ein­wän­de gegen die beab­sich­tig­te Lit­ur­gie­re­form vor­brach­ten. Das habe zu einer Ver­zö­ge­rung des ursprüng­li­chen Zeit­pla­nes geführt und Papst Paul VI. ver­an­laßt, Kor­rek­tu­ren vor­zu­neh­men und man­che Reform nicht oder nicht in der beab­sich­tig­ten Form umzu­set­zen.

„Als man die Lit­ur­gie­re­form pro­du­zier­te, vor allem die Reform des Mis­sa­le, haben eini­ge Kar­di­nä­le Paul VI. geschrie­ben, weil sie Ein­wän­de gegen die Prae­notan­da des Mis­sa­le Roma­num hat­ten, die 1968/1969 ver­öf­fent­licht wor­den waren. Der Papst ließ die­ses Doku­ment zurück­zie­hen. Er setz­te es in den Punk­ten in Kraft, in denen er eine Ände­rung für mög­lich hielt, und ließ es fast ein Jahr spä­ter neu ver­öf­fent­li­chen.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

3 Kommentare

  1. „Was die vier Kar­di­nä­le getan haben, das sei „ganz nor­mal“, bestä­tig­te der bekann­te Lit­ur­gi­ker Don Bux. Es gehe dar­um, das Recht der Rede­frei­heit zu nüt­zen, wozu der Papst mehr­fach auf­ge­for­dert habe.“
    Wenn unser Papst zur Rede­frei­heit auf­for­dert dann will ich das gleich­mal nut­zen.
    Es besteht für mich kei­ner­lei Zwei­fel das man mit Hil­fe der Mut­ter Got­tes fro­hen Mut­tes und aller Gelas­sen­heit mit vie­ren gegen zwei­hun­dert antre­ten kann. Ach was sage ich. Man kann mit ihr sogar mit vie­ren gegen zwei­tau­send antre­ten und das sind immer noch zu weni­ge.
    „Wie man zur Mes­se geht, ohne den Glau­ben zu ver­lie­ren“.
    Ja die­se Fra­ge ist hoch­in­ter­es­sant denn man muß schon auf­pas­sen wenn man zur Hei­li­gen Mes­se gehen will und lan­det statt­des­sen in einem öku­me­ni­schen Got­tes­dienst ( ist mir schon pas­siert ). Ich wür­de sagen die­se Fra­ge ist mehr als berech­tigt. Ich kom­me mir in der Kon­zils­kir­che lang­sam vor als wäre ich im Stra­ßen­ver­kehr. Steht die Ampel noch auf grün oder ist sie schon rot? Man muß höl­lisch auf­pas­sen.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  2. Das ist der berühm­te Arti­kel 7, in der die Mes­se eine de fac­to pro­te­stan­ti­sche Defi­ni­ti­on bekam. Die­ser wur­de ver­bes­sert. Unter sol­chen Vor­zei­chen hät­te sogar ein an sich gül­ti­ger Ritus von vorn­her­ein ungül­tig wer­den kön­nen.

    Die­sen Ein­wand hat Paul VI. ver­mut­lich vor­her­ge­se­hen. Lei­der blieb das Buch anson­sten im wesent­li­chen unver­än­dert.

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