1516: Utopia des heiligen Thomas Morus

"Utopia" von St. Thomas Morus (1516)
"Utopia" von St. Thomas Morus (1516)

von Amand Tim­mer­mans

Vor exakt 500 Jah­ren erschien in Löwen ( heu­te Bel­gi­en) das berühm­te­ste Werk des hei­li­gen Tho­mas Morus: Libel­lus vere aure­us nec minus salu­taris quam festi­vus de opti­mo rei­pu­bli­cae sta­tu deque nova insu­la Uto­pia (Wirk­lich gol­de­nes und nicht weni­ger heil­sa­mes als auch fest­li­ches Büch­lein über den aller­be­sten Zustand des Staats­we­sens und über die neue Insel Uto­pia), kurz Uto­pia genannt.

Es ist eine Schrift von recht klei­nem Umfang. Sie besteht aus drei Tei­len.

Das Vor­wort, gestal­tet als Geleit­brief von St. Tho­mas Morus an sei­nen und Eras­mus‘ Freund Petrus (Pie­ter) Gil­lis (1483–1533), Stadt­se­kre­tär von Ant­wer­pen.

Eine län­ge­re Ein­lei­tung (1. Buch) mit Bezug auf die neu­ent­deck­ten Kon­ti­nen­te, auf exo­ti­sche Län­der und frem­de Völ­ker mit ande­ren Sit­ten, mit Bezug auf Bekann­te und gro­ße Gelehr­te und auf die in der Renais­sance fast bis ins Abnor­me gestei­ger­te Begei­ste­rung für das Alt­grie­chi­sche und das Latein. hier wird die Bekannt­schaft mit Rapha­el Hyth­lo­dae­us gemacht (nach dem aus dem Buch Tobit der Bibel bekann­ten Rei­se­be­glei­ten­gel Rapha­el und im zwei­ten Lem­ma als „Ver­brei­ter von blo­ßen Mär­chen“). Rapha­el Hyth­lo­dae­us ist als Schiffs­ka­pi­tän gera­de von einer Welt­rei­se zurück­ge­kom­men und erzählt sehr breit und detail­liert von dem neu­ent­deck­ten Land Uto­pia (aus alt­grie­chisch ou „nicht“ und topos „Platz, Stel­le“ — also: nir­gend­wo).

In dem 2. Buch wer­den dann das Staats­we­sen, die Wirt­schaft, die Kul­tur und die Sit­ten der Uto­pier beschrie­ben: ein Gegen­bild zu der dama­li­gen Gesell­schaft, ohne Pri­vat­ei­gen­tum, ohne Geld­wirt­schaft und ohne Hier­ar­chien (sic Dio­ge­nes Ver­lag), basie­rend auf Huma­nis­mus und gesun­dem Men­schen­ver­stand. Die beson­de­re Attrak­ti­vi­tät von Uto­pia besteht übri­gens nicht zuletzt dar­in, daß es ein wirt­schaft­lich und poli­tisch beson­ders gut gelin­gen­des Staats- und Gesell­schafts­mo­dell dar­stellt, und als sol­ches eine ech­te und anstre­bens­wer­te Alter­na­ti­ve zur dama­li­gen rea­len Welt bil­de­te.

Thomas Morus (von Hans Holbein 1527).
Tho­mas Morus (von Hans Hol­bein dem Jün­ge­ren) 1527.

Das klei­ne Werk ist nicht umfang­reich — in der Dio­ge­nes-Aus­ga­be zählt der eigent­li­che Text 177 recht groß gedruck­te Taschen­buch­sei­ten. Tho­mas Morus wid­me­te dem klei­nen Werk sehr viel Auf­merk­sam­keit: Schon 1515 kon­sul­tier­te der Hei­li­ge Eras­mus von Rot­ter­dam auf der Such nach einem guten Drucker. Es ging ihm um eine schö­ne Typo­gra­phie und einen anspre­chen­den Druck mit schö­nen Holz­schnit­ten. In Eng­land sei dies nicht mög­lich.

So wur­de das Werk bei Dirk Mar­tens van Aalst gedruckt, dem „Typo­gra­phen der Ehr­wür­di­gen Uni­ver­si­tät Löwen“. Dirk Mar­tens hat­te 1478 auch das erste Buch der Nie­der­lan­de gedruckt — das Spe­cu­lum pec­ca­torum von Dio­ny­si­us dem Kar­täu­ser.

Als Autor wird „der berühm­te Tho­mas More, Bür­ger der glor­rei­chen Stadt Lon­don und Vize-she­riff“ genannt. Peter Gil­lis von Ant­wer­pen wird im Vor­wort als Adres­sat ange­führt.

Die Uto­pia liest sich leicht. Die Spra­che ist äusserst gewählt, höf­lich und leicht for­mu­liert: ein Para­de­bei­spiel für huma­ni­sti­sche Mei­ster­schaft im Umgang mit den alten Spra­chen.

Frap­pie­rend ist der mil­de und zugleich tie­fe Humor, der wie mit gol­de­nem Licht das gan­ze Buch durch­tränkt. Nicht nur die Sit­ten und die Grob­hei­ten und Greu­el­ta­ten der dama­li­gen Gesell­schaft wer­den tadelnd beschrie­ben und durch Para­do­xen in ihrer Unzu­läng­lich­keit dar­ge­stellt. St. Tho­mas Morus nimmt auch sich selbst, sei­ne Fami­lie, sei­ne Freun­de und die Huma­ni­sten im All­ge­mei­nen ver­schmitzt auf die Schip­pe.

Familie des Heiligen Thomas Morus (Skizze von Hans Holbein)
Fami­lie des Hei­li­gen Tho­mas Morus (Skiz­ze von Hans Hol­bein)

Der Humor fängt schon auf der ersten Sei­te des Vor­worts an, wo Morus bei Peter Gil­lis (der den auf­wen­di­gen Druck des Büch­leins in Löwen betreu­te) wegen der lan­gen Ent­ste­hungs­zeit des Werks um Nach­sicht bit­tet und dabei sei­ne eige­ne Arbeit baga­tel­li­siert und sei­ne Intel­li­genz demon­stra­tiv unter dem Schef­fel stellt. Hyth­lo­dae­us spricht viel bes­ser Alt­grie­chisch als Latein und St. Tho­mas Morus gibt eine leut­se­li­ge Beschrei­bung sei­nes Fami­li­en­le­bens mit Ehe­frau, Kin­dern, Dienst­bo­ten, mit Essen und Schla­fen, und nicht zuletzt mit aus­führ­li­chen Beschrei­bun­gen des damals beson­ders in Eng­land hohen Kom­forts des täg­li­chen Lebens (was gera­de Eras­mus stets wie­der beein­druck­te).

Rüh­rend ist die Beschrei­bung eines Gastes der Fami­lie, „from­mer Mann und Theo­lo­ge von Beruf, der dar­auf brennt, Uto­pia auf­zu­su­chen, nicht aus eit­ler Neu­gier oder Sen­sa­ti­ons­lust — er möch­te viel­mehr unsern Glau­ben, der dort glück­lich Wur­zel geschla­gen hat, hegen und för­dern. Damit das in bester Ord­nung gesche­he, beschloß er, vor­her dar­um ein­zu­kom­men, daß er vom Papst aus­ge­sandt, ja zum Bischof der Uto­pier ernannt wer­de. Davon hält ihn auch das Beden­ken nicht zurück, daß er um die­ses Amt bitt­wei­se anhal­ten muß; denn er glaubt, eine Bewer­bung sei gestat­tet, wenn sie nicht aus Ehr- oder Gewinn­sucht, son­dern im Dien­ste der Reli­gi­on erfolgt.“

Eine fein­sin­ni­ge­re bio­gra­phi­sche Skiz­zie­rung von Eras­mus von Rot­ter­dam läßt sich kaum fin­den: ein Theo­lo­ge und from­mer Mann, der einer­seits, geprägt von armen Jugend­jah­ren und nach einer sehr lan­gen Zeit unsi­che­rer finan­zi­el­ler Ver­hält­nis­se, sehr ger­ne Pfrün­de und Pen­sio­nen sam­mel­te, ande­rer­seits gegen die Ver­welt­li­chung der Kir­che pro­te­stier­te, einer­seits gegen hier­ar­chi­sche Aus­wüch­se pro­te­stier­te und Papst Juli­us II. per­si­flier­te, ande­rer­seits aber beim Papst um ein Mono­pol sei­nes Novum Instru­men­tum vor­sprach.

Auch die eige­ne Fami­lie wird nicht gespart: Der jun­ge Die­ner John Cle­ment (1495–1572) wird mit sei­nem Grie­chischspleen humo­ri­stisch erwähnt (er war dann immer­hin schon 21 Jah­re). Cle­ment hei­ra­te­te spä­ter die Adop­tiv­toch­ter von St. Tho­mas Morus, wur­de ein berühm­ter Arzt und muß­te dann in der Katho­li­ken­ver­fol­gung in die süd­li­che Nie­der­lan­de flüch­ten, wo er  starb.

Karte von Utopia der Erstausgabe
Kar­te von Uto­pia der Erst­aus­ga­be

Die Fami­lie Morus war sehr tier­freund­lich, um nicht zu sagen tier­ver­ses­sen: Eras­mus hat die­se Tier­lie­be schon in sei­ner bio­gra­phi­schen Skiz­ze an Ulrich von Hutten beschrie­ben, und der gro­ße deut­sche Maler Hol­bein hat meh­re­re Fami­li­en­mit­glie­der mit ihrem Haus­tier abge­bil­det. So wird in der Uto­pia natür­lich der bekann­te Affe refe­riert, der ein­mal mut­wil­lig da und dort ein paar Sei­ten aus einem Buch von Theo­phrastos (über Pflan­zen — medi­zi­nisch beson­ders inter­es­sant für J. Cle­ment) geris­sen hat.

Das Ver­narrt­sein der Huma­ni­sten in schö­ne Bücher wur­de eben­falls lustig beschrie­ben: Die Uto­pier waren bei einem zwei­ten Besuch von Rapha­el Hyth­lo­dae­us ent­zückt über eine Sopho­kles­aus­ga­be des berühm­ten vene­zia­ni­schen Druckers Aldus Manu­ti­us „mit den klei­nen aldi­ni­schen Typen“. Das ist ein lusti­ger Wink auf Eras­mus, der schon in Okto­ber 1508 von „den herr­li­chen klei­nen Druck­ty­pen, beson­ders den ganz klei­nen Let­ter­chen“ von Manu­ti­us geschwärmt hat­te.

Die Uto­pia spie­gelt auch den damals neue­sten Stand der Wis­sen­schaft wider: Die Uto­pier benut­zen das damals frisch gedruck­te grie­chi­sche Dia­lekt­wör­ter­buch von Hesychi­us und die Gram­ma­tik von Las­ka­ris. Bei der Aus­wahl der grie­chi­schen Lieb­lings­au­toren der Uto­pier fin­den sich die dama­li­gen huma­ni­sti­schen Schwer­punk­te Ari­sto­pha­nes, Homer, Euri­pi­des, Sopho­kles, Thu­ky­d­i­des und Hero­dot. Die klei­nen per­ti­nen­ten Schrif­ten von Plut­arch und die wit­zi­ge Geschich­ten von Luki­an wer­den extra erwähnt.

Die Bibel und die Kir­chen­vä­ter wer­den nir­gends erwähnt, weil nicht pas­send zu dem nicht sel­ten def­ti­gen Humor der Erzäh­lung und weil nicht kor­re­spon­die­rend mit den Sit­ten der Uto­pier. Das Büch­lein ist kei­ne Rea­li­sie­rung der Schrift De imi­ta­tio­ne Chri­sti von St. Tho­mas a Kem­pis und hat auch kei­nen bekeh­ren­den Cha­rak­ter.

Wirk­lich frap­pie­rend und derb-humo­ri­stisch wird es, wenn Morus die Ehe­an­bah­nung und die Ehe­sit­ten beschreibt. Da wird bei den Uto­pi­ern vor der Ehe­schlie­ßung die ehe­wil­li­ge Frau unter den Augen einer alten Auf­pas­se­rin tex­til­los dem künf­ti­gen Ehe­mann gezeigt, und vice­ver­sa der Braut­jun­ker im Adams­ko­stüm der künf­ti­gen Ehe­frau vor­ge­führt, damit die künf­ti­gen Ehe­leu­te  einen gedie­ge­nen Ein­druck von­ein­an­der bekom­men kön­nen.

Damals stutz­ten vie­le Leser bei die­sem Pas­sus. Merk­wür­dig ist, daß, obwohl in der west­lich-säku­la­ri­sier­ten Welt inzwi­schen bei brei­ten Bevöl­ke­rungs­schich­ten alle Hem­mun­gen der Moral und alle Kla­mot­ten gefal­len sind, durch den Zuzug von ori­en­ta­li­schen Völ­kern mit ande­ren Sit­ten und mora­li­schen Vor­stel­lun­gen jene Braut­leu­tede­mon­strie­rung genau­so sper­rig dasteht wie vor 500 Jah­ren.
Nil novi sub sole.

Ausgabe des Diogenes Verlages
Aus­ga­be des Dio­ge­nes Ver­la­ges

Genau­so humo­ri­stisch ist der Begeg­nungs­ort von Tho­mas Morus und Peter Gil­les mit dem Kapi­tän Rapha­el Hyth­lo­dae­us. In Ant­wer­pen, vor der Lieb­frau­en­ka­the­dra­le — risi­bi­le dic­tu die Bischofs­kir­che des Ant­wer­pe­ner Bischofs Johan Bon­ny, der in den letz­ten Jah­ren durch eini­ge häre­ti­sche und ande­re, sehr homo­freund­li­che Aus­sa­gen und Papie­re auf­ge­fal­len ist.

Als Pasti­che auf Eras­mus‘ an Tho­mas Morus auf­ge­tra­ge­nes klei­nes Werk Enco­mi­un moriae/Laus Stul­ti­tia (Das Lob der Tor­heit) von 1511, konn­te man den Pas­sus auch als Amo­ris Stul­ti­tia beschrei­ben.

Die Uto­pia erleb­te sofort einen gro­ßen Erfolg. Die Huma­ni­sten, die gelehr­ten Bür­ger, die Für­sten und der Adel lasen sie mit gro­ßem Inter­es­se. Vie­le such­ten mit dem Büch­lein nach einem ande­ren, bes­se­ren Gesell­schafts­sy­stem — nicht sel­ten um Schiff­bruch zu erlei­den.

Die Uto­pia wur­de das wich­tig­ste Buch des christ­li­chen Huma­nis­mus der eng­li­schen Renais­sance mit wich­ti­gen Per­so­nen wie Tho­mas Colet,  St. John Fisher, Richard Foxe und Wil­liam War­ham, die die frü­he katho­li­sche, inner­kirch­li­che Reform um Eras­mus maß­geb­lich präg­ten.

Im Som­mer 1516 besuch­te Eras­mus kurz Eng­land und gastier­te bei St. Tho­mas Morus. Wenig spä­ter erschien Eras­mus‘ Novum Instru­men­tum, die erste gedruck­te, kri­ti­sche Aus­ga­be der Vul­ga­ta, neben einem grie­chi­schen „Ur„text.

1517 posier­ten Eras­mus und Peter Gil­les bei dem flä­mi­schen Maler Quen­tin Mas­sys für ein berühm­tes Dop­pel­por­trät, als Geschenk für St. Tho­mas Morus gedacht.

In den fol­gen­den Jah­ren for­mier­te sich in Eng­land der Wider­stand gegen die luthe­ri­schen The­sen und Aktio­nen. Obwohl John Colet 1519 starb, wur­de die Treue zum Glau­ben bewahrt und ver­tei­digt durch St. John Fisher, Wil­liam War­ham und durch St. Tho­mas Morus, übri­gens unter­stützt und hoch­ge­schätzt vom eng­li­schen König Hein­rich VIII. ( die­ser wur­de dafür vom Papst mit dem Titel Fidei defen­sor aus­ge­zeich­net).

1526 möch­te König Hein­rich VIII. sei­ne Ehe mit Katha­ri­na von Ara­gon lösen. In den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren bricht der eng­li­sche König mit der katho­li­schen Kir­che und mit dem Papst. Die treu­ka­tho­li­schen Füh­rer wer­den ver­haf­tet und ein­ge­ker­kert.

Ende Juni 1535 wird St. John Fisher, der treu an dem Alten Glau­ben fest­hielt, geköpft.

In Juli 1535 besteigt St. Tho­mas Morus 57-jäh­rig das Scha­fott und bezeugt durch sein Blut die Unver­letz­lich­keit des katho­li­schen Ehe­sa­kra­ments. Stark geschwächt durch lan­ge Ein­ker­ke­rung und Fol­te­rung stol­pert St. Tho­mas Morus auf der Lei­ter auf­wärts und es wird ihm respekt­voll vom Hen­ker gehol­fen. Humo­ri­stisch und stil­voll bis zum Ende, bedankt sich St. Tho­mas Morus höf­lich beim Hen­ker und sagt: „Vie­len Dank, mein Freund. Nach unten wird es leich­ter gehen“.

Soviel Tat, Weis­heit, Esprit und Gedan­ken, und trotz­dem soviel Glau­ben, Demut und Humor bis zum Ende.

Gera­de in Zei­ten, wo das katho­li­sche Ehe­ver­ständ­nis durch unkla­re Schrif­ten, Fuß­no­ten und Umin­ter­pre­ta­tio­nen aus allen Her­ren Län­dern unter Druck gesetzt wird, ist das tap­fe­re Bei­spiel von St. Tho­mas Morus und St. John Fisher  ein leuch­ten­des Vor­bild.

Im Som­mer 1519 hat­te Eras­mus in einem berühm­ten Brief an Ulrich von Hutten St. Tho­mas Morus por­trä­tiert. Zum Ende hin beschrieb Eras­mus dann Morus als „einen Chri­sten am Hofe“.
Das ist rich­tig, aber nicht ganz voll­stän­dig: Tho­mas Morus war ein Mär­ty­rer, ein Hei­li­ger — als sol­cher wur­de er auch unter Papst Pius XII. kano­ni­siert.
Er ist ein leuch­ten­des Vor­bild für unse­re Zeit.

Justi epu­len­tur.

Tho­mas Morus: Uto­pia,  Dio­ge­nes Ver­lag, Zürich 2009 (mit einem Por­trät des Autors von Eras­mus von Rot­ter­dam).

Text: Amand Tim­mer­mans
Bild: Wiki­com­mons

3 Kommentare

  1. Die Staats­idee selbst ist die größ­te Uto­pie. Und je strin­gen­ter sie zu ver­wirk­li­chen gesucht wur­de, desto dys­to­pi­scher wur­de die mani­fe­ste grau­sa­me Wirk­lich­keit der uto­pi­schen Idee.
    Es ist weni­ger die Uto­pie, die durch­aus zu lei­ten ver­mag, als die Unver­söhn­lich­keit mit der ursünd­haf­ten Natur des mensch­li­chen Daseins, die hier Scha­den birgt. Und es ist mehr die Fan­ta­sie eines Staa­tes, eines men­schen­ge­mach­ten Got­tes, der als per­fek­te Orga­ni­sa­ti­on zu schaf­fen ver­mö­gens sein mag, was der jüdi­sche Gott sei­nem Volk nicht sein konn­te.
    Die Uto­pie eines Über­got­tes ist der Wahn der Moder­ne — und es ist der Huma­nis­mus, der die­sen Wahn in sich trägt, gebo­ren aus einem Chri­sten­tum, dem der Gott der Väter nicht mehr genug war.
    Daher die post­mo­der­ne Ambi­va­lenz gegen­über dem Islam, die plötz­li­che Umwer­tung aller Wer­te selbst durch Kon­ser­va­ti­ve, die heu­te sogar die Erschei­nung west­li­cher Deka­denz — und sei es eine Deka­denz christ­li­cher Näch­sten­lie­be — zuneh­mend offen­siv ver­tre­ten. Denn der Islam steht für den alten Gott — und er steht gegen die moder­ne Uto­pie des moder­nen, im Grun­de bloß frei­heit­lich ange­stri­che­nen Staa­tes. Der nun — schlicht und eben — Mas­sen­phä­no­men sehn­süch­ti­ger Pro­jek­ti­on einer Ega­li­sie­rung ganz per­sön­li­cher Schuld ist. Im Staat drücken wir uns um die per­sön­lich zu lei­sten­de Süh­ne und las­sen ande­re bezah­len, die wir euphe­mi­stisch ein­ver­neh­men.
    Letzt­end­lich liegt der Islam falsch und eben­so die Juden. Doch auch wir haben uns furcht­bar ver­rannt.
    Wir haben Sein Opfer immer noch nicht wirk­lich ange­nom­men. In Jesus Christ ist gesühnt, was wir selbst auch nur aus­zu­spre­chen, nie imstan­de sind. Er ist Herr. Neh­men wir Ihn an, brau­chen wir kein Uto­pia.

    • Frag­men­te des­sen, was Sie sagen, kann ich gram­ma­ti­ka­lisch-syn­tak­tisch erfas­sen, aber was Sie ins­ge­samt sagen wol­len, könn­te ich nicht in eige­nen Wor­ten wie­der­ge­ben. Sie mögen tie­fe Gedan­ken ver­fol­gen, aber Sie kön­nen sie nicht nach­voll­zieh­bar arti­ku­lie­ren. So weiß man nicht, ob man Ihnen bei­pflich­ten oder wider­spre­chen soll. Bedau­er­lich. Viel­leicht nen­nen Sie sich aber gera­de des­halb MisterX, weil Ihre „Aus­sa­ge“ die gro­ße Unbe­kann­te ist.

  2. „Die Uto­pie eines Über­got­tes ist der Wahn der Moder­ne – und es ist der Huma­nis­mus, der die­sen Wahn in sich trägt, gebo­ren aus einem Chri­sten­tum, dem der Gott der Väter nicht mehr genug war.“

    Ist das nicht die Befind­lich­keits- und Zustands­be­schrei­bung, wel­che auch zur Ten­denz des kirch­li­chen Moder­nis­mus-Phä­no­mens führ­te, wel­ches Heu­te viru­len­ter den je in den Vor­der­grund rückt.

    Auch Euro­pa scheint mir als Staats­idee mehr und mehr in jenes Uto­pia zu glei­ten, wel­ches: ein „Mas­sen­phä­no­men sehn­süch­ti­ger Pro­jek­ti­on einer Ega­li­sie­rung ganz per­sön­li­cher Schuld ist. Im Staat drücken wir uns um die per­sön­lich zu lei­sten­de Süh­ne und las­sen ande­re bezah­len, die wir euphe­mi­stisch ein­ver­neh­men.“ Und schei­tern „idea­le Staats­for­men“ nicht auf­grund der Unver­söhn­lich­keit mit der ursünd­haf­ten Natur des mensch­li­chen Daseins?

    „Doch auch wir haben uns furcht­bar ver­rannt.
    Wir haben Sein Opfer immer noch nicht wirk­lich ange­nom­men. In Jesus Christ ist gesühnt, was wir selbst auch nur aus­zu­spre­chen, nie imstan­de sind“

    Passt nicht die­se Aus­sa­ge von Kar­di­nal Marx genau in die­ses Denk­sche­ma?

    Kar­di­nal Marx: „Wir wol­len die Schutz­macht sein für das gemein­sa­me Haus aller Men­schen“

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