Kardinal Walter Kasper: Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene? „Ja und Punkt“

Kardinal Walter Kasper als Deuter der Papst-Worte in "Amoris Laetitia". Dürfen wiederverheiratet Geschiedene zur Kommunion? "Ja und Punkt!"

Von Giu­sep­pe Nar­di*

(Rom) Das Ergeb­nis der bei­den Bischofs­syn­oden über die Fami­lie ist umstrit­ten. Nie­mand weiß so recht, was genau das Ergeb­nis ist. Das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris Lae­ti­tia von Papst Fran­zis­kus  im Umfang von 200–300 Sei­ten, je nach Druck, brach­te auch kei­ne Klar­heit. Oder doch? Kar­di­nal Kas­per ver­sucht als Deu­ter der Papst­wor­te, etwas nach­zu­hel­fen.

Papst Franziskus: „Ich könnte sagen Ja und Punkt, aber …“

Am 16. April wur­de Papst Fran­zis­kus auf dem Rück­flug von der Insel Les­bos gefragt, ob zivil­recht­lich wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nun zur Kom­mu­ni­on gehen dürf­ten oder nicht. Der Papst ant­wor­te­te: „Ich könn­te sagen Ja und Punkt, aber das wäre eine zu knap­pe Ant­wort.“ Eine kla­re Ant­wort und doch kei­ne kla­re Ant­wort. Der Kon­junk­tiv, ein „aber“ und der Ver­weis auf eine sie­ben Sei­ten lan­ge Prä­sen­ta­ti­on von Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born als „authen­ti­sche“ Inter­pre­ta­ti­on.

Kardinal Kasper: „Ja und Punkt“

"Stimmen der Zeit": Kardinal Kasper als Papst-Deuter
„Stim­men der Zeit“: Kar­di­nal Kas­per als Papst-Deu­ter

Kar­di­nal Wal­ter Kas­per lie­fer­te in der deut­schen Jesui­ten­zeit­schrift Stim­men der Zeit  die Inter­pre­ta­ti­on der Inter­pre­ta­ti­on der Inter­pre­ta­ti­on. Kas­per selbst schreibt vom Streit um die Deu­tungs­ho­heit. Amo­ris Lae­ti­tia, so der Kar­di­nal, erlau­be wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen die sakra­men­ta­le Kom­mu­ni­on „und Punkt“. Ein „neu­er rea­li­sti­scher, bibli­scher und pasto­ra­ler Ton“ kom­me in Amo­ris Lae­ti­tia zum Aus­druck. Die Fra­ge, ob Amo­ris Lae­ti­tia „Bruch oder Auf­bruch“ sei, beant­wor­tet der Kar­di­nal auf kla­re Wei­se. Es sei natür­lich kein Bruch, son­dern ein Auf­bruch, ja sogar ein Auf­bruch zur Wie­der­ent­deckung des hei­li­gen Tho­mas von Aquin.

Kas­per darf in die­ser Sache durch­aus als authen­ti­scher Papst-Inter­pret gel­ten. Er war es schließ­lich, der die gan­ze Fra­ge ins Rol­len gebracht hat­te. Die schritt­wei­se Ent­hül­lung der päpst­li­chen Absich­ten wie beim Schä­len einer Zwie­bel ist dabei Teil der Stra­te­gie.

Hören und sehen

Wer näm­lich hören und sehen woll­te, der ver­stand die Signa­le spä­te­stens am 20. Febru­ar 2014, als Kar­di­nal Wal­ter Kas­per im Auf­trag des Pap­stes vor dem Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um die Zulas­sung der zivil­recht­lich wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on for­der­te. Von da lie­ßen sich die Spu­ren bis zum ersten Ange­lus von Fran­zis­kus nach sei­ner Wahl zurück­ver­fol­gen, bei dem er Kar­di­nal Kas­per nament­lich her­vor­hob.

Als sich am 20. Febru­ar 2014 eine Rei­he von Kar­di­nä­len über Kas­pers Vor­schlag empör­ten, eil­te ihm Fran­zis­kus zu Hil­fe. Am Mor­gen dar­auf trat der Papst selbst vor das Kon­si­sto­ri­um und lob­te Kas­per über­schweng­lich für des­sen Wor­te: „Dan­ke, dan­ke“, sag­te der Papst vor den erstaun­ten Kar­di­nä­len, das sei wah­re „Theo­lo­gie auf den Knien“.

Strategie und viel Taktik

Der Rest seit­her ist eine kla­re Stra­te­gie mit viel Tak­tik, um den Wider­stand mög­lichst klein­zu­hal­ten und die Geg­ner der „neu­en Barm­her­zig­keit“, eben­falls eine Ein­flü­ste­rung von Kar­di­nal Kas­per, zu spal­ten in sol­che, die das Spiel durch­schaut haben und offen Wider­stand lei­sten, und sol­che, die auf den ulti­ma­ti­ven Beweis war­ten, daß der Papst tat­säch­lich das „Uner­hör­te“ will, näm­lich den Bruch mit der über­lie­fer­ten Leh­re über das Ehe­sa­kra­ment und die Unauf­lös­lich­keit der Ehe. Was aber, wenn die­ser norm­set­zen­de Beweis nie erbracht wird, wäh­rend die „Lebens­wirk­lich­keit“ längst ganz ande­re Bäche berg­ab schwimmt?

Die­sen „ulti­ma­ti­ven“ Beweis ver­mei­det Fran­zis­kus offen­sicht­lich und ver­än­dert wäh­rend­des­sen durch die Macht des Fak­ti­schen das Den­ken und die Pra­xis in der katho­li­schen Kir­che. Er scheut die direk­te Kon­fron­ta­ti­on, weil er befürch­tet, damit zu schei­tern. Es gibt auch ande­re Wege, wie er seit­her unter Beweis stellt. Den Weg des Sagens und des Nicht-Sagens. Einen Meter vor­wärts, einen Meter zurück. Bei­de gro­ßen Flü­gel der Kir­che kön­nen sich auf den Papst beru­fen. Eine „wun­der­ba­re“ Form der Neu­tra­li­sie­rung. Ent­schei­dend ist jedoch: Wer folgt, der folgt.

Dynamik des Fortschritts

Fran­zis­kus setzt auf jene, die ihm fol­gen. Er geht von einer Dyna­mik des Fort­schritts aus, die zwangs­läu­fig Ver­än­de­rung bringt. Er will kei­ne Spal­tung der Kir­che, son­dern die gan­ze Kir­che in sei­nem Sinn umbau­en, durch vie­le grö­ße­re und klei­ne­re Schrit­te, durch die Behin­de­rung der Tra­di­ti­on außer­halb des Eccle­sia-Dei-Gehe­ges (Abset­zung von tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Bischö­fen, kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung für die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta) und die För­de­rung pro­gres­si­ver, aber nicht zu radi­ka­ler Kräf­te (Msgr. Galan­ti­no, Msgr. Cup­ich, Kar­di­nal Kas­per).

Markt­schreie­ri­sche Moder­ni­sten mag er min­de­stens eben­so­we­nig wie „pela­gia­ni­sche“ Tra­di­tio­na­li­sten. Daß Letz­te­re weit­ge­hend das Pro­dukt eines Denk­feh­lers sind, könn­te dem Papst inzwi­schen bewußt gewor­den sein. Kor­ri­gie­ren läßt sich der Denk­feh­ler den­noch nicht so schnell, weil er mit einer Aver­si­on auf emo­tio­na­ler Ebe­ne ver­bun­den ist. Die Grün­de dafür sind nicht leicht aus­zu­ma­chen. Sie kön­nen auf ganz per­sön­li­che, schon län­ge­re Zeit zurück­lie­gen­de Erleb­nis­se oder Beein­flus­sun­gen zurück­ge­hen, oder auf die Erwar­tung des von Papst Johan­nes XXIII. 1963 ver­spro­che­nen „neu­en Früh­lings“ wider die „Unheils­pro­phe­ten“, die „nichts aus der Geschich­te gelernt“ hät­ten und daher das anbre­chen­de neue Zeit­al­ter nicht erken­nen wür­den. Eine stän­di­ge Erwar­tung, die nicht in Erfül­lung gehen will, von der man aber nicht mehr ablas­sen kann, ohne ein lebens­prä­gen­des Den­ken in Fra­ge zu stel­len.

Fatima und Luther

Fran­zis­kus will kei­ne äußer­li­che Revo­lu­ti­on, son­dern einen syste­ma­ti­schen Umbau der Kir­che. Eine revo­lu­tio­nie­ren­de Evo­lu­ti­on dürf­te sei­nem Den­ken ent­spre­chen. Er will Fati­ma und Luther. Als Pro­gres­si­ven zieht es ihn des­halb weni­ger nach Fati­ma, weil er Fati­ma bereits hat, dafür um so mehr zu Luther, weil das Neu­land ist. An Theo­lo­gie und Dog­men ziem­lich des­in­ter­es­siert, fühlt er sich mehr durch den Augen­blick gefor­dert und sucht nach der Ad-hoc-Lösung. Das nennt sich „pasto­ral“ und indi­vi­du­ell“. Bei­de Aspek­te fügen sich schmieg­sam in das vor­herr­schen­de Den­ken der Welt ein, das jede nor­ma­ti­ve reli­giö­se Leh­re unter Gene­ral­ver­dacht stellt.

Fatima, Luther und Papst Franziskus
Fati­ma, Luther und Papst Fran­zis­kus

Dar­aus ergibt sich der päpst­li­che Hang zum impro­vi­sier­ten Wort, das größt­mög­li­chen Spiel­raum läßt.

Damit hat auch die stän­di­ge Wie­der­ho­lung von Ankla­gen zu tun, wie jene vom ver­gan­ge­nen Mon­tag,  als Fran­zis­kus einen eigen­wil­lig beton­ten Gegen­satz in ein Bibel­wort hin­ein­in­ter­pre­tier­te:

Bei der mor­gend­li­chen Pre­digt in San­ta Mar­ta klag­te er die „Stren­ge der Heuch­ler“ an. Die Men­schen dürf­ten „nie Skla­ven des Geset­zes“ wer­den, wobei — wohl­ge­merkt — das gött­li­che Gesetz gemeint ist. Die „Stren­ge“ sei eine „Krank­heit“. Dahin­ter „ver­ber­ge“ sich „immer“ etwas. „Die Stren­ge ist nicht von Gott.“ Auch der älte­re Bru­der, Papst Fran­zis­kus nennt ihn den „guten“ Sohn, im Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn, den Fran­zis­kus den „schlech­ten Sohn“ nennt, ent­pup­pe sich als „Heuch­ler“. Der Papst wört­lich: „Er gibt zu erken­nen, was hin­ter sei­ner Güte steckt“, näm­lich „der Hoch­mut, zu glau­ben, gerecht zu sein“. Das sei, so Fran­zis­kus, die Hal­tung des „Heuch­lers: hin­ter dem das Gute tun steckt Hoch­mut“. Der ver­lo­re­ne Sohn wuß­te, trotz aller Laster und Ver­stö­ße „gegen das Gesetz“, im „dun­kel­sten Moment sei­nes Lebens“ einen Vater zu haben, und er „ging zum Vater“. Der „gute“ Sohn aber, der laut Fran­zis­kus von sich selbst behaup­tet habe, „so gut zu sein“, der habe nur ver­stan­den, einen „Herrn“ zu haben, aber „nie“ einen Vater: „Er war streng, er befolg­te das Gesetz mit Stren­ge“.

Päpstliches Privileg kaum offen kritisiert zu werden

Wenn er es nicht schon vor­her wuß­te, konn­te er nach sei­ner Papst-Wahl schnell fest­stel­len, daß die Welt auf die Macht von Gesten, von Bil­dern und dem gespro­che­nen Wort weit mehr reagiert als auf das gedruck­te Wort. Weni­ge lesen es nach und ana­ly­sie­ren. Das Pri­vi­leg, als Papst inner­kirch­lich kaum der offe­nen Kri­tik aus­ge­setzt zu sein, erlaubt ihm auch wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen ohne ernst­haf­te Kon­se­quen­zen. Das schafft den nöti­gen Frei­raum, situa­ti­ons­spe­zi­fisch auf den jewei­lig momen­ta­nen Adres­sa­ten ein­ge­hen zu kön­nen.

Den Umbau aber betreibt der ehe­ma­li­ge Erz­bi­schof von Bue­nos Aires über Per­so­nal­ent­schei­dun­gen: Abset­zun­gen, Ernen­nun­gen, Beför­de­run­gen. Zudem bestimmt er das Tem­po, das er sich auch nicht durch unduld­sa­me Pro­gres­si­ve dik­tie­ren läßt. Mehr Ein­druck scheint dem Kir­chen­ober­haupt der Wider­stand der „Stren­gen“ zu machen, die an der Leh­re und an den Sakra­men­ten fest­hal­ten. Damit hat­te er in sei­ner anfäng­li­chen Eupho­rie nicht gerech­net. Im Herbst 2014 erklär­te er am Vor­abend zur ersten Bischofs­syn­ode noch allen Ern­stes, die Syn­oda­len soll­ten „den Schrei des Vol­kes“ hören, der als Schrei für pro­gres­si­ve Ände­run­gen zu ver­ste­hen war.

Der zwei­te Hebel zur Umset­zung der päpst­li­chen Agen­da ist die Eröff­nung immer neu­er Bau­stel­len. Sie sol­len Kräf­te bin­den, Unru­he stif­ten, ihrer Viel­zahl wegen zur Resi­gna­ti­on ver­lei­ten. Fran­zis­kus scheint selbst gar nicht ernst­haft dar­an zu den­ken, in allen den ange­sto­ße­nen Punk­ten Ergeb­nis­se zu erzie­len. Es geht ihm auch dar­um, die Kir­che auf­zu­schrecken und auf­zu­rüt­teln. Dar­in ist ihm durch­aus zu fol­gen, wenn damit neu­er mis­sio­na­ri­scher und apo­sto­li­scher Eifer gemeint ist. Ob er es auf ziel­füh­ren­de Wei­se tut, darf hin­ge­gen bezwei­felt wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Chiesaepostconcilio/SMM (Screen­shots)

23 Kommentare

  1. Was ich nicht begrei­fe:
    war­um gehen die­se Leu­te dann nicht zum evan­ge­li­schen Abendmahl,wenn die Konfessionen,ja selbst ande­re Reli­gio­nen nun so gut wie gleich sind !?
    Ist es kin­di­scher Trotz wie das Erzwin­gen der Hand­kom­mu­ni­on oder mehr !?

  2. Feig­lin­ge… dass der Papst den Kas­per-Vor­schlag haben woll­te, war ja anhand der Per­so­nal­po­li­tik rund um die zwei Syn­oden klar. Aber dass er dann nicht den Mumm hat (in ARG wür­de man vllt cojo­nes sagen), das auch expli­zit in AL rein­zu­schrei­ben, son­dern es in eine Fuss­no­te rein­in­ter­pre­tier­bar macht, an die er sich nicht mehr erin­nern kön­nen will, das ist fei­ge, unehr­lich und auch eine Belei­di­gung für jeden, der noch grad­aus den­ken kann…

    • Feig­lin­ge? Ist es nicht eher hin­ter­li­sti­ge Tak­tik, die u.a. gezielt-gewollt Ver­wir­rung und Streit unter die Gläu­bi­gen zu brin­gen beab­sich­tigt?

  3. Kom­mu­ni­on für Wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne wider­spricht der kirch­li­chen Leh­re, zum gefühl­ten 100. Mal ist das jetzt zu erwäh­nen.
    Wenn man sich im Ehe­bruch, der schwe­ren Sün­de fort­wäh­rend befin­det, ist Kom­mu­nion­emp­fang nicht mög­lich. Punkt.
    Man darf sich nur nicht auf die pseu­do­phi­lo­so­phi­schen Gedan­ken­gän­ge eines Theo­lo­gen Kas­per ein­las­sen, denn der ver­steht es zu gut, mehr zu ver­wir­ren als Klar­heit zu schaf­fen.
    Mitt­ler­wei­le weiß man doch schon, dass der Papst darf sehr wohl kri­ti­siert wer­den darf. Man weiß auch, war­um Kom­mu­ni­on für Ehe­bre­cher nicht kir­chen­recht­lich mög­lich ist. Und den­noch wird wei­ter­dis­ku­tiert. Ich ver­ste­he das nicht. Wenn in Rom wirk­lich intel­li­gen­te, ein­sich­ti­ge Geist­li­che am Werk wären, wäre die­se gan­ze Dis­kus­si­on schon längst abge­dreht oder gar nicht erst ermög­licht wor­den.
    Denn so klug und gescheit(hypothetisch betrach­tet) kann kein Geist­li­cher die­ser Erde sein, dass er des­we­gen ein Recht hät­te, die katho­li­sche Glau­bens­leh­re zu ändern, und damit der Hei­li­gen Schrift zu wider­spre­chen. Es wäre Häre­sie, wür­de jemand das tun.

    • Häre­sie, das ist doch genau die Ant­wort, wes­halb alles so ver­steckt geschieht. Die Füh­rung in Rom möch­te die Leh­re ver­än­dern, darf es offi­zi­ell jedoch nicht. So stellt man durch eine „pasto­ra­le Lösung“ die katho­li­sche Welt vor Tat­sa­chen, die nicht mehr rück­gän­gig zu machen sind, wie Volks­al­tar, Hand­kom­mu­ni­on etc.
      Der Papst weiss ganz genau, dass die Häre­sie die ein­zi­ge Mög­lich­keit wäre, ihn in sei­nem Umbau der Kir­che zu stop­pen. Und die­se Häre­sie umgeht er so geschickt als mög­lich. Natür­lich könn­te der Papst Klar­text spre­chen wenn er woll­te, das ist ein abge­kar­te­tes Spiel auf jeg­li­cher Ebe­ne das da zur Zeit in Rom läuft.
      Der Papst gibt einen Steil­pass, Hel­fer hat er genü­gen­de die dann aus­füh­ren.

    • Sie aßen und tran­ken und hei­ra­te­ten.
      Hm, die­se Wor­te könn­ten auch auf die Kir­che bezo­gen sein, denn die Katho­li­ken ken­nen nor­ma­ler­wei­se nur die Kom­mu­ni­on. In die­sen Wor­ten fin­den sich genau die The­men wie­der, die aktu­ell sind, wie in einem Brenn­glas.

  4. AL hat nichts Posti­ves im Glau­ben bewirkt. Ent­ge­gen der Pro­kla­ma­tio­nen durch Bischö­fe wie Koch, Zollitsch und Leh­mann ist die Zahl der Kir­chen­be­su­cher nicht gestie­gen. Glau­be nicht gestie­gen, Moral gesun­ken.

  5. Tja, sie wol­len doch immer modern und in der Welt sein. Jedes Füh­rungs­per­so­nal wird an sei­nen Zah­len gemes­sen. So ein­fach ist das… Wenn die Zah­len nicht stim­men, geht der Dau­men nach unten. Da gibt es kei­ne fau­len Aus­re­den. Die Zah­len stei­gen dort, wo Leu­te wie Kar­di­nal Sarah das Sagen haben. Also muss man sich nach denen rich­ten. Eigent­lich ganz ein­fach. Die moder­ne Kir­che will immer mün­di­ge Gläu­bi­ge, also wäh­len wir die „Erfolg­lo­sen“ ein­fach ab, oder wen­den wir uns ganz ein­fach ab.…

  6. Ja, die­ses The­ma kocht immer wie­der neu hoch. Wenn man all die­se Berich­te und die ver­schie­de­nen Per­so­nen nie­der­schrei­ben wür­de, so glau­be ich, erkennt man lang­sam eine stra­te­gi­sche Aus­rich­tung, die ent­spre­chen­de Zie­le ver­folgt. Nach einem sol­chen län­ge­ren „Mar­ke­ting“ lässt sich das durch­aus ver­mu­ten, was auch für vie­le ande­re The­men gilt. Es scheint der Weg zu der „Ein­heits­kir­che“ zu sein. Frei­mau­rer?

    Da fällt mir nur das Zitat vom hl. Pfar­rer von Ars ein: „Ihr wer­det gede­mü­tigt? Das ist gut so, dann seid ihr auf dem Wege zu Hei­lig­keit“.

    In einem sol­chen Hoch­mut und Stolz hat Kar­di­nal Döpf­ner damals mit den Hand­kom­mu­ni­on gehan­delt. Wen es inter­es­siert, der suche nach „arme See­le Kar­di­nal Döpf­ner“.

  7. Nun zeigt sich, dass die Jesui­ten noch nie die­je­ni­gen waren, für die man sie immer gehal­ten hat: die Hüter des wah­ren Glau­bens. Das Jesui­ti­sche liegt in einer nahe­zu unbe­grenz­ten Fle­xi­bi­li­tät, die das Poli­ti­sche ein­schließt. So wur­de aus dem Kampf für den Glau­ben die blo­ße Aus­ge­stal­tung der inner­kirch­li­chen Macht. Tak­tik ist das Wesen der ver­ab­so­lu­tier­ten Macht. Die Leh­re wird auf ein blo­ßes Anhäng­sel redu­ziert, die dem neu­en Men­schen­bild des jesui­ti­schen Pro­gres­sis­mus nicht mehr ent­spricht. Da man weiß, dass mit einer offe­nen Rela­ti­vie­rung der Leh­re die Mas­ke fal­len wür­de, erklärt man die Leh­re eben zur Neben­sa­che. Ist erst ein­mal die Ver­bin­dung von Pasto­ral und Leh­re gelöst, ist der „Krea­ti­vi­tät“ des jesui­ti­schen Zeit­gei­stes kei­ne Gren­ze mehr gesetzt.

  8. Die Ant­wort von Abbé Clau­de Bar­t­he zu AL:
    Das alles läßt sich nicht in Ein­klang brin­gen mit der natür­li­chen und der christ­li­chen Moral. Per­so­nen, die Kennt­nis von der mora­li­schen Norm haben, die sie sub gra­vi ver­pflich­tet (das gött­li­che Gebot, das Unzucht und Ehe­bruch ver­bie­tet), deren Sün­de kann nicht ent­schul­digt wer­den, und des­halb kann von ihnen auch nicht gesagt wer­den, daß sie sich im Stand der Gna­de befin­den. Der hei­li­ge Tho­mas von Aquin sagt in einer Quae­stio der Sum­ma theo­lo­gi­ca,…, in der Quae­stio 19 von IA und IIÆ: Es ist die Güte eines Objekts, das sich unse­rem Stre­ben stellt, die eine Wil­lens­hand­lung gut macht und nicht die Umstän­de der Hand­lung (Art. 2), und auch wenn es stimmt, daß die mensch­li­che Ver­nunft sich irren kann und eine schlech­te Hand­lung für gut hal­ten kann (Art. 5), sind eini­ge Feh­ler nicht ent­schuld­bar, beson­ders nicht jener, der miß­ach­tet, daß man sich nicht der Frau eines ande­ren nähern darf, da dies direkt vom Gesetz Got­tes ange­ord­net ist (Art. 6).
    An ande­rer Stel­le,…, im Quod­li­bet IX, Quae­stio 7, Art. 2 erklärt der hei­li­ge Tho­mas, daß die Umstän­de nicht den Wert einer Hand­lung ändern kön­nen, aber sei­ne Natur: die Tötung oder die Bestra­fung eines Straf­tä­ters gehört zur Gerech­tig­keit oder der legi­ti­men Ver­tei­di­gung. Es han­delt sich in die­sem Fall nicht um unge­rech­te Gewalt, son­dern um eine tugend­haf­te Hand­lung. Dem­ge­gen­über betont er, daß mit eini­gen Hand­lun­gen die Schlech­tig­keit untrenn­bar ver­bun­den ist, so bei der Unzucht, dem Ehe­bruch und ande­ren ver­gleich­ba­ren Hand­lun­gen. Sie kön­nen nie­mals gut wer­den.
    Ein Kind, das den Kate­chis­mus liest, ver­steht das, sag­te Pius XII. in einer Rede vom 18. April 1952, mit der er die Situa­ti­ons­ethik ver­ur­teil­te, die sich nicht auf das uni­ver­sa­le Moral­ge­setz stützt, wie die Zehn Gebo­te, son­dern „auf rea­le und kon­kre­te Bedingt­hei­ten und Umstän­de, unter denen man han­deln muß, und denen gemäß das indi­vi­du­el­le Gewis­sen urtei­len und ent­schei­den muß“.
    Pius XII. erin­ner­te dar­an, daß eine gute Absicht nie abzu­leh­nen­de Mit­tel recht-fer­ti­gen kann, und daß es Situa­tio­nen gibt, in denen der Mensch, und beson­ders der Christ, alles opfern muß, sogar sein Leben, um sei­ne See­le zu ret­ten. Das­sel­be wie­der­hol­te die Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor von Johan­nes Paul II., wenn sie sagt, daß die Umstän­de oder die Absich­ten eine in sich unehr­li­che Hand­lung wegen ihres Objekts nie in eine sub­jek­tiv ehr­li­che Hand­lung ver­wan­deln kön­nen. Er zitier­te dabei den hei­li­gen Augu­sti­nus (Con­tra men­da­ci­um): Unzucht, Flü­che, usw. blei­ben, auch wenn sie aus guten Grün­den began­gen wur­den, immer Sün­de.

    Kar­di­nal Kas­per ist nicht in der Wahr­heit und das gilt für sei­ne Ver­bün­de­ten eben­so.

  9. Zu all die­sem ein wich­ti­ges Zitat von Pater Pio an eine sei­ner gei­sti­gen Töch­ter:

    „Nicht ver­ges­sen, mei­ne Toch­ter, Stand­fe­stig­keit und Beharr­lich­keit im Glau­ben unse­rer Väter“ und wie­der­hol­te noch ein­mal mit Nach­druck:
    „Im Glau­ben unse­rer Väter!“

    Zum The­ma der Jesui­ten äußert sich auch Kan­di­nal Döpf­ner als arme See­le. Ich will es hier nicht schrei­ben, jedoch kann jeder selbst danach suchen. Nach dem wie es Sua­rez schreibt, ver­ste­he ich nun auch die Aus­sa­ge von Döpf­ner. Dan­ke Sua­rez.

    • „die Aus­sa­ge“
      Wenn ich mich recht erin­ne­re, wird in der Bibel die Zwei-Zeu­gen-Regel erwähnt. Einer kann vie­le fin­den, die ihm glau­ben, was er behaup­tet, ver­nom­men zu haben. Einen zwei­ten Mit­hö­rer wird er wohl nur schwer­lich fin­den. Des­we­gen befrem­det mich, daß hier von Aus­sa­ge geschrie­ben wird, obwohl kei­ner gespro­chen hat. Inter­net und Über­zeu­gung machts mög­lich.

  10. Kas­per ist nicht nur ein Luther-Fan, son­dern der Luther unse­rer Zeit. Durch sei­ne ein­sei­ti­ge Barm­her­zig­keits­theo­lo­gie schiebt er Sün­de und Reue bei­sei­te, wodurch der Mensch auto­ma­tisch geret­tet ist. Die­se Theo­lo­gie ist Luthers Sola-gra­tia in neu­em Gewand. Kir­che als Gna­den­ver­mitt­ler ist nicht mehr erfor­der­lich. Die Auf­lö­sung der katho­li­schen Kir­che erfolgt jetzt syste­ma­tisch.

  11. Wenn ich ande­re der Stren­ge bezich­ti­ge, ohne dif­fe­ren­ziert ihre guten Moti­ve für die ver­meint­li­che Stren­ge zu wenig­stens zu ach­ten und zu respek­tie­ren, so bin ich sel­ber streng.
    Im Übri­gen wäre ich längst sel­ber pro­gres­si­ver Katho­lik, wenn ich posi­ti­ve Früch­te des Pro­gres­sis­mus erken­nen könn­te. An ihren Früch­ten wer­det Ihr sie erken­nen heißt es. Was sind die Früch­te des nun­mehr 50jährigen Pro­gres­sis­mus in Deutsch­land? Leer­ge­feg­te diö­ze­sa­ne Prie­ster­se­mi­na­re und reli­giö­ser Analpha­be­tis­mus in wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung mit der logi­schen Kon­se­quenz, dass sich immer mehr Men­schen von der Kir­che abwen­den. Sonn­täg­li­che Kirch­be­su­cher­zah­len, die sie kon­ti­nu­ier­lich den noch nied­ri­ge­ren Wer­ten der evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen annä­hern. Wo sind die Früch­te? Es gibt sie schlicht nicht und jetzt wird das Boll­werk Rom auch noch geschleift. Die Kir­che wird nicht unter­ge­hen, sie wird irgend­wann wie­der neu erblü­hen, aber ich wer­de es nicht mehr mit­er­le­ben. Übri­gens: ich bin 50 Jah­re alt.

    • Da bin ich aber viel opti­mi­sti­scher: Wir alle, die wir hier (in die­sem Forum) ver­sam­melt sind, wer­den in naher Zukunft den Tri­umph des Unbe­fleck­ten Her­zens Mari­ens erle­ben und damit in eine Blü­te­zeit der Kir­che ein­tre­ten wie es sie noch nie vor­her gab. „So wie ihr glaubt, so wird euch gesche­hen!“

      • So den­ke ich auch @Pia: das Fati­ma­ju­bi­lä­ums­jahr hat am 14.10.2016 bereits begon­nen und wird sei­nen Höhe­punkt haben vom 13.5.2017 bis zum 13.10.2017.
        Aber wir müs­sen beten und auf­op­fern. Je mehr, desto grö­ßer wird auch der Tri­umpf des Unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens sein. Es wird das ent­schei­den­de Jahr wer­den. Man sieht den Ver­fall und das Unheil ja nicht allein in der Kir­che, son­dern in Poli­tik, Wirt­schaft und allen Lebens­be­rei­chen.

      • Vor­her müs­sen wir aber noch die 42 Mona­te wäh­ren­de Schreckens­herr­schaft des Anti­chri­sten über­ste­hen! Nie­mand von uns weiß, wer es „über­ste­hen“ wird; es ist eher anzu­neh­men, daß vie­le von uns ech­ten und wah­ren rk Chri­sten mit dem Mar­ty­ri­um bezah­len wer­den, und das in der eng­sten Nach­fol­ge JESU CHRISTI. Übri­gens ist auf die Bücher von Josef Pie­per „Über die Tap­fer­keit“, „Das christ­li­che Men­schen­bild“ sowie „Über das Ende der Zeit“ hin­zu­wei­sen.

        Anson­sten wird doch immer mehr deut­lich, wo der Weg Roms lang geht, inkl. Kar­di­nal Kas­per. Ich hof­fe aber immer noch auf Kar­di­nä­le wie Kard. Sarah, Kard. Bur­ke und (Weih-)Bischöfe wie Bischof Atha­na­si­us Schnei­der.

        Wir soll­ten dem Wort JESU CHRISTI ver­trau­en, der sag­te, daß die Pfor­ten der Unterwelt/Hölle die rk Kir­che nicht zer­stö­ren wird bis ans Ende der Welt.

  12. Mit AL hat sich noch etwas geän­dert, nun gilt: Man soll päpst­li­cher als der Papst sein. Jeden­falls als die­ser.

  13. Die Destruk­ti­on von Glau­ben und Kir­che hat nun­mehr System — und sie wird system­im­ma­nent. Die 68er Kon­zils­theo­lo­gen wie Kas­par et al. sehen sich kurz vor ihrem Ende am Ziel ihres Wer­kes.
    Die Auf­lö­sung beschleu­nigt sich. Da der Nie­der­gang der letz­ten Jahr­zehn­ten offen­kun­dig und nicht zu ver­drän­gen und ver­leug­nen ist, kann nicht mehr von Fahr­läs­sig­keit die­ser Leu­te aus­ge­gan­gen wer­den.

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