„Die Reform der nachkonziliaren Liturgiereform wird stattfinden“ — Das neue Buch von Kardinal Robert Sarah

Kardinal Sarah: Die Reform der nachkonziliaren Liturgiereform wird kommen, denn es geht um die Zukunft der Kirche.
Kardinal Sarah: Die Reform der nachkonziliaren Liturgiereform wird kommen, denn es geht um die Zukunft der Kirche.

(Rom) Die „Reform der Reform“ der Lit­ur­gie wird es geben. „Das hat Papst Fran­zis­kus pri­vat zu Kar­di­nal Sarah gesagt, um dann alles mit einer Pres­se­klä­rung abzu­leug­nen“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Doch der Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung läßt nicht locker. Er bekräf­tig­te sei­ne For­de­rung und kün­digt die Reform der nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form erneut in sei­nem neue­sten Buch „La For­ce du silence“ (Die Kraft der Stil­le) an, das heu­te in Frank­reich erschie­nen ist.

„Mit Kar­di­nal Robert Sarah unter­hält Papst Fran­zis­kus ein janus­köp­fi­ges Ver­hält­nis. Wohl­wol­lend aus der Nähe, feind­se­lig aus der Fer­ne“, so Magi­ster.

Kar­di­nal Sarah scheint einer jener Kir­chen­män­ner mit einem „Herz aus Stein“ zu sein, folgt man jeden­falls der päpst­li­chen Logik. Gegen die­se Kir­chen­ver­tre­ter greift der Papst ger­ne nach Stei­nen, um sie gegen die­se zu schleu­dern. In sei­ner Schluß­an­spra­che zum Abschluß der Bischofs­syn­ode am 24. Okto­ber 2015 fand das Kir­chen­ober­haupt beson­ders har­te Wor­te, weil die Kas­pe­ria­ner mit ihrer „neu­en Barm­her­zig­keit“ geschei­tert waren. In sei­ner Anspra­che ver­schaff­te Fran­zis­kus sei­nem Ärger Luft.

Kardinal Sarah als Zielscheibe eines demütigenden, vom Papst gewollten Angriffs

Am 14. Juli 2016 wur­de Kar­di­nal Sarah per­sön­lich, mit Nen­nung sei­nes Namens und in sei­ner Funk­ti­on als Prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on, zur Ziel­schei­be des päpst­li­chen Zor­nes. Fran­zis­kus ließ vom Pres­se­amt des Vati­kans eine demü­ti­gen­de Erklä­rung von unge­ahn­ter Här­te ver­öf­fent­lich­ten, die sich gegen die Absicht einer „Reform der Reform“ der Lit­ur­gie rich­te­te.

Die Stim­mung gegen Kar­di­nal Sarah ist in der Entou­ra­ge des Pap­stes schlecht. Im Hof­staat hei­ße es, so Magi­ster: „Wer kann ihn ver­ja­gen? Er ist Afri­ka­ner und genießt gro­ße Popu­la­ri­tät.“

Der Kar­di­nal ist 71 Jah­re alt, stammt aus Gui­nea und ist eine her­aus­ra­gen­de Gestalt der Kir­che. Zu sei­nem inter­na­tio­na­len Ruf trug nicht zuletzt sein ver­gan­ge­nes Jahr vor­ge­leg­tes Buch „Gott oder nichts“ bei, das bis­her in 13 Spra­chen erschie­nen ist.

Hoffnungsträger einer nachbergoglianischen Kirche

La Force du silence (Die Kraft der Stille), das neue Buch von Kardinal Robert Sarah
La For­ce du silence (Die Kraft der Stil­le), das neue Buch von Kar­di­nal Robert Sarah

Seit­her gilt er als Papa­bi­le und Hoff­nungs­trä­ger einer nach­ber­go­glia­ni­schen Kir­che. „Der Papst aus Schwarz­afri­ka“, titel­te San­dro Magi­ster bereits im April 2015.

Nun tritt Kar­di­nal Sarah mit einem neu­en Buch an die Öffent­lich­keit: „La For­ce du silence“ (Die Kraft der Stil­le). Her­aus­ge­ge­ben wur­de es erneut von Nico­las Diat und schließt mit einem „berü­hen­den Gespräch zwi­schen dem Kar­di­nal und dem Pri­or der Gro­ßen Kar­tau­se in den fran­zö­si­schen Alpen, Dom Dys­mas de Las­sus“.

Das Buch ist heu­te, dem Fest des hei­li­ge Bru­no von Köln, dem Grün­der des Kar­täu­ser­or­dens, des streng­sten Ordens der Kir­che über­haupt, in den Buch­han­del gekom­men. Dem­nächst wird auch die­ses Buch in wei­te­ren Spra­chen erschei­nen.

„Nur die Stille erlaubt es, die Musik Gottes zu hören“

„Cont­re la dic­ta­tu­re du bruit“, lau­tet der Unter­ti­tel: Gegen die Dik­ta­tur des Lärms. „In der Tat ist der ohren­be­täu­ben­de Lärm, der moder­nen Gesell­schaft, der auch in die Kir­che ein­ge­drun­gen ist, die Film­mu­sik jenes ‚Nichts‘, jener Gott­ver­ges­sen­heit, die der Kar­di­nal im vor­her­ge­hen­den Buch brand­markt“, so Magi­ster. „Im Gegen­satz dazu erlaubt nur die Stil­le, ‚die Musik Got­tes zu hören‘.“

Die Gedan­ken von Kar­di­nal Sarah berüh­ren das Leben der Kir­che in ihrer gan­zen Tie­fe. Immer wie­der kommt er auf die Hei­li­ge Lit­ur­gie zu spre­chen und stellt Bezü­ge zu ihr her und auch zu den unge­ord­ne­ten For­men und der Unru­he mit der sie heu­te oft zele­briert wird.

Der Kar­di­nal übt Kri­tik und unter­brei­tet Vor­schlä­ge. Das Buch macht vor allem deut­lich, daß Kar­di­nal Sarah kei­nes­wegs wil­lens ist, nach­zu­ge­ben oder auf­zu­ge­ben, weil ihm von allen Sei­ten so vie­le Hin­der­nis­se in den Weg gelegt wer­den, auch in Rom.

Liturgie: „Es geht um die Zukunft der Kirche“

Mit gro­ßer Ent­schlos­sen­heit bekräf­tigt er im neu­en Buch, daß es zur Reform der Lit­ur­gie­re­form kom­men wird, die Papst Fran­zis­kus im ver­gan­ge­nen Som­mer demen­tie­ren ließ. Die Ent­schie­den­heit des Kar­di­nals hat mit der Bedeu­tung der Lit­ur­gie zu tun, denn es „geht um die Zukunft der Kir­che“.

Im per­sön­li­chen Gespräch hat­te Papst Fran­zis­kus Kar­di­nal Sarah nahe­ge­legt, mit die­ser „Reform der Reform“ wei­ter­zu­ma­chen. Das war im ver­gan­ge­nen April, als er ihn — wie immer warm­her­zig — in Audi­enz emp­fing, wie der Kar­di­nal spä­ter im Rah­men einer Tagung in Lon­don berich­te­te.

„Dann aber, auf Distanz, und zwei Tage nach einer wei­te­ren freund­schaft­li­chen Audi­enz folg­te das Veto“ mit jener Pres­se­er­klä­rung vom Juli. Man weiß nicht, von wem sie stammt. fest steht aber, daß sie von San­ta Mar­ta gut­ge­hei­ßen und gewollt wur­de.

„Als Mann des Glau­bens, bekennt Kar­di­nal Sarah dem Papst sei­nen Gehor­sam“, so Magi­ster. „Oder zumin­dest dem ersten der bei­den Fran­zis­kus­se“, jenem, der ihm per­sön­lich gegen­über­steht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Fayard/

2 Kommentare

  1. Ohne eine Reform der Reform der der­zei­ti­gen lit­ur­gi­schen Pra­xis fährt die Kir­che an die Wand. Und zwar sehr bald. Dies hat Kar­di­nal Sarah längst erkannt.

  2. Ich den­ke, es hängt nicht allein an der Lit­ur­gie. Man muß da wohl auch die grö­ße­ren Zusam­men­hän­ge beach­ten und da kommt man kaum noch umhin fest­zu­stel­len, daß das 2. Vat. Kon­zil im all­ge­mei­nen letzt­lich geschei­tert ist. Es müß­te fast eine Neu­grün­dung der Kir­che geben, aber die kann nur der Herr und Erlö­ser, mit Maria, selbst bewerk­stel­li­gen.

Kommentare sind deaktiviert.