Vernebelung als „ökumenische Gemeinsamkeiten“ bei der Rechtfertigungslehre (I)

Bulle, mit der die Lehre Martin Luthers von Papst Leo X. verurteilt wurde
Bulle, mit der zahlreiche irrige Lehrthesen Martin Luthers von Papst Leo X. verurteilt wurden

Zwi­schen Luthers ver­ab­so­lu­tier­ter Recht­fer­ti­gungs­leh­re – aus­ge­drückt im „sola gra­tia“ – und der ent­spre­chen­den katho­li­schen Leh­re, die auf dem Kon­zil von Tri­ent zusam­men­fas­send und abgren­zend for­mu­liert wor­den ist, gibt es kei­nen gemein­sa­men Nen­ner, es sei denn, man ver­ne­belt die kla­ren Kon­zils­aus­sa­gen mit dem Hin­ter­sinn von unkla­ren Intentionen.

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Papst Fran­zis­kus wur­de bei der „flie­gen­den Pres­se­kon­fe­renz“ auf sei­nem Arme­ni­en­rück­flug nach sei­ner öku­me­ni­schen Per­spek­ti­ve zum luthe­ri­schen Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um gefragt. Er ant­wor­te­te dar­auf unter anderem:

… Heu­te ist der Dia­log sehr gut. Und jenes Doku­ment zur Recht­fer­ti­gungs­leh­re ist, so glau­be ich, eines der reich­sten öku­me­ni­schen Doku­men­te, eines der reich­sten und tief­sten. Sind Sie einverstanden?

Ob der anfra­gen­de ARD-Jour­na­list Til­mann Klein­jung mit die­ser päpst­li­chen Mei­nung ein­ver­stan­den war, ist nicht über­lie­fert. Sicher ist, dass 250 pro­te­stan­ti­sche Hoch­schul­leh­rer gegen das Doku­ment zur Recht­fer­ti­gungs­leh­re von 1999 mit ihrer Unter­schrift pro­te­stier­ten. Auch von katho­li­scher Sei­te gab es zahl­rei­chen kri­ti­sche Ein­wän­de gegen das Kon­sens­pa­pier von Augsburg.

Am 31. 10. 1999 hat­ten Ver­tre­ter des Luthe­ri­schen Welt­bun­des und der Katho­li­schen Kir­che eine Gemein­sa­me Offi­zi­el­le Fest­stel­lung unter­zeich­net. Ins­ge­samt fünf Doku­men­te wur­den mit der Unter­schrift „in ihrer Gesamt­heit bestä­tigt“. In die­se For­mel waren die Vor­be­hal­te jeder Sei­te zu dem erreich­ten Kon­sens ein­ge­schlos­sen. Inso­fern war die Bewer­tung eines pro­te­stan­ti­schen Theo­lo­gen vom „fau­len For­mel­kom­pro­mis­ses“ ver­ständ­lich. Prof. Leo Scheff­c­zyk titel­te: „Einig im Uneins-Sein“. Dage­gen lob­ten die Bischö­fe Leh­mann und Kas­per die Papie­re als Mei­len­stein auf dem Weg der Öku­me­ne“.

Ange­sichts der wider­sprüch­li­chen Mei­nungs­be­wer­tun­gen ist eine sach­li­che Gegen­über­stel­lung der bei­den zugrun­de lie­gen­den Recht­fer­ti­gungs­leh­ren sinn­voll, damit sich jeder selbst ein Urteil bil­den kann:

Luthers Rechtfertigungslehre

Mar­tin Luther ging von einem extrem nega­ti­ven Men­schen­bild aus. Die Natur des Men­schen sei durch die Erb­sün­de „total ver­derbt“. Selbst wenn er woll­te, könn­te der Mensch von sich aus nie­mals irgend­et­was Gutes tun. Er habe  „kei­nen frei­en Wil­len“ oder wer­de durch­gän­gig „vom Teu­fel gerit­ten, falls er sich nicht Gott als Reit­tier zuwen­de. Auch die Tau­fe ände­re nichts an die­ser gott­wid­ri­gen Ver­derbt­heit des Men­schen: Die alten Sün­den wür­den durch die (Erwach­se­nen-) Tau­fe – ähn­lich wie bei der Beich­te – nicht getilgt, nur zuge­deckt. Die Tauf­gna­de bewir­ke kei­ne Erneue­rung des alten Adam, zu guten Wer­ken sei auch der Getauf­te nicht fähig.

Luther über­stei­ger­te die Erb­sün­de zur blei­ben­den Ver­derbt­heit des Men­schen, um auf der ande­ren Sei­te die gött­li­che Gna­de zu verabsolutieren.

Luther auf dem Reichstag zu Worms, wie ihn des Protestantismus gerne sieht: doch was bewegte Luther und was lehrte er?
Luther auf dem Reichs­tag zu Worms, wie ihn des Pro­te­stan­tis­mus ger­ne sieht: doch was beweg­te Luther und was lehr­te er?

Es sei allein die Gna­de Got­tes, die den Men­schen als blei­ben­den Sün­der recht­fer­ti­ge und ihm so Heil und ewi­ges Leben eröff­ne. Jesus Chri­stus habe in sei­nem Lei­den und Ster­ben alle Sün­den der Men­schen auf sich gezo­gen. Nur wenn ein Christ dar­an glau­be, dass sei­ne Sün­den auf Chri­stus über­tra­gen sei­en, kön­ne er heils­ge­wiss sein. Luther behaup­te­te in sei­ner Hebrä­er­brief-Vor­le­sung 1517/18: „Kei­ner erlangt Gna­de durch Los­spre­chung oder Tau­fe, Kom­mu­ni­on oder Sal­bung, son­dern weil er glaubt, dass er, indem er so absol­viert, getauft, kom­mu­ni­ziert oder gesalbt wird, Gna­de erlangt“. Paul Hacker hat die­sen Glau­ben an den eige­nen Glau­ben refle­xiv genannt, auf sich selbst bezo­gen: Der Mensch wird gerecht­fer­tigt, wenn und weil er glaubt, dass er gerecht­fer­tigt ist. Dabei ist es irrele­vant, ob ein Mensch viel oder wenig sün­digt. Des­halb kann Luther sagen: „Sün­di­ge tap­fer, doch tap­fe­rer glau­be und freue dich in Chri­stus, der Herr ist über Sün­de, Tod und Teu­fel“. Der Ver­bre­cher und der Hei­li­ge sind nach Luther vor Gott die glei­chen Sün­der: „Je ver­bre­che­ri­scher Du bist, desto schnel­ler gießt dir Gott die Gna­de ein“.

Die katholische Rechtfertigungslehre des Konzils von Trient

Das Kon­zil von Tri­ent hat in 16 Lehr­ka­pi­teln die katho­li­sche Recht­fer­ti­gungs­leh­re ent­wickelt. Dar­auf auf­bau­end wer­den in Cano­nes Irr­tü­mer zu die­sen The­men benannt und ver­ur­teilt, dar­un­ter The­sen mit pela­gia­ni­schem Cha­rak­ter sowie luthe­ri­sche und cal­vi­ni­sti­sche Lehraussagen.

Das Kon­zil unter­schei­det mit Augu­sti­nus die täti­ge Sün­de von dem Habi­tus der Begehr­lich­keit (Kon­ku­pis­zenz). Durch die Erb­sün­de ist der Mensch in sei­ner gut geschaf­fe­nen Schöp­fungs­na­tur beschä­digt, zur Sün­de geneigt, inso­fern erlö­sungs­be­dürf­tig, aber mit sei­nem frei­en Wil­len auch zu guten Taten fähig. Heil, Erlö­sung und Him­mel kann der Mensch unter der Knecht­schaft der Sün­de Adams jedoch nicht errei­chen. Erst mit der Tau­fe auf den Tod Chri­sti wird der Mensch von sei­nen Sün­den befreit, in sei­nem Inne­ren zur Hei­li­gung erneu­ert und in den Stand der Gna­de auf­ge­nom­men durch den zwei­ten Adam, unse­ren Erlö­ser Jesus Chri­stus. Die Initia­ti­ve für die Bekeh­rung des Men­schen geht von Gott aus (gra­tia prae­vens – zuvor­kom­men­de Gna­de): Erweckt durch die gött­li­che Gna­de, öff­net sich der Mensch in frei­er Selbst­be­stim­mung dem Glau­ben an Jesus Christus.

Als Glau­be gilt die Zustim­mung zur Offen­ba­rung, wie im Cre­do for­mu­liert. Der refle­xi­ve Glau­be wird ver­ur­teilt. Das Kon­zil lehnt auch die For­mel „sola fide“ ab, also den von Wer­ken getrenn­ten luthe­ri­schen Glau­ben. Es spricht von „fides cari­ta­te for­ma­ta“, also dem von Got­tes- und Näch­sten­lie­be geform­ten Glau­ben.  Zum Glau­ben müs­sen also Hoff­nung und Lie­be hin­zu­kom­men, wenn er heils­wirk­sam wer­den soll. Denn der Glau­ben ohne Wer­ke ist tot und müßig, wie der Jako­bus­brief lehrt.

Nach luthe­ri­scher Auf­fas­sung wird der sün­di­ge Mensch durch Gott nur „begna­digt“, nach katho­li­scher Leh­re dage­gen „begna­det“ mit der hei­lig­ma­chen­den Gna­de, die den Getauf­ten inner­lich erneu­ert. Sie bestärkt ihn in sei­nen guten Wer­ken, die ihm als Ver­dien­ste ange­rech­net wer­den. Der Lohn dafür im Him­mel ist also zugleich Geschenk Got­tes und mensch­li­ches Verdienst.

Bei Ver­lust der Recht­fer­ti­gungs­gna­de durch schwe­re Sün­de ist das Buß­sa­kra­ment uner­läss­lich. Luther hat­te die drei mensch­li­chen Vor­lei­stun­gen der Beich­te, näm­lich Reue, Sün­den­be­kennt­nis und Genug­tu­ung, als unnütz und sogar ver­mes­sen eben­so abge­lehnt wie die wirk­li­che Abso­lu­ti­on der Sün­den. Allein der Glau­be an die Ver­ge­bung der Sün­de decke die­se zu. Die­se Sät­ze ver­ur­teil­te Papst Leo X. in der Bann­bul­le von 1521. Das Kon­zil beton­te die Ver­ge­bung der Sün­den in der Beich­te und damit die Wie­der­erlan­gung des Gnadenstandes.

Das Tri­en­ter Kon­zil beschreibt in sei­ner Recht­fer­ti­gungs­leh­re drei Stufen:

  • die erste Recht­fer­ti­gung als Bekeh­rung des Ungläu­bi­gen (als Tauf­be­wer­ber) und sein Ein­tre­ten in die Gemein­schaft mit Chri­stus in der Kirche;
  • dann folgt der Blick auf Wachs­tum und Bewah­rung der Recht­fer­ti­gungs­gna­de durch den lie­be­durch­form­ten Glau­ben und gute Werke.
  • Schließ­lich geht es um deren even­tu­el­le Wie­der­ge­win­nung in der Beich­te. In allen drei Sta­di­en zeigt sich die gött­li­che Initia­ti­ve, die sich dem Men­schen aus frei­er Lie­be zuwen­det, aber auch die not­wen­di­ge, freie mensch­li­che Mit­wir­kung an sei­nem eige­nen Heil.

Kein Konsens in den Hauptpunkten der Rechtfertigungslehre

Wenn sich pro­te­stan­ti­sche Theo­lo­gen ernst­haft mit der triden­ti­ni­schen Recht­fer­ti­gungs­leh­re befas­sen, sind sie von dem theo­lo­gisch klu­gen Trak­tat (Karl Barth) über­rascht, das so vor­treff­lich aus­ge­ar­bei­tet sei (Adolph von Har­nack). Vor­ein­ge­nom­men durch die ein­sei­ti­ge Hin­wen­dung des frü­hen Luther auf eine skru­po­lö­se Werk­ge­rech­tig­keit, glau­ben pro­te­stan­ti­sche Theo­lo­gen viel­fach, die katho­li­sche Kir­che wür­de pela­gia­ni­sche Irr­leh­ren ver­brei­ten. In Wirk­lich­keit hat­te die Kir­che seit Augu­sti­nus und erneu­ert durch Tho­mas von Aquin immer schon die zuvor­kom­men­de Gna­de und schen­ken­de Gerech­tig­keit Got­tes gelehrt, wie oben gezeigt. Das wur­de in den triden­ti­ni­schen Kon­zils­do­ku­men­ten zusam­men­fas­send for­mu­liert. In die­sem Punkt hat­te Luther nichts Neu­es leh­ren können.

Indem aber der Refor­ma­tor  sich von sei­ner frü­hen ein­sei­ti­gen Wer­ke-Fixie­rung auf eine eben­so ein­sei­ti­ge Glau­bens- und Gna­den­leh­re (sola fide et gra­tia) fest­leg­te, ver­än­der­te er den gesam­ten Lehr­kor­pus der kirch­li­chen Tra­di­ti­on: Der Glau­be wird abge­trennt von Lie­be und Hoff­nung, das Zusam­men­wir­ken von Natur und Gna­de gekappt, die Heils­wir­kung der Sakra­men­te Tau­fe und Beich­te ent­wer­tet. Luther mach­te den Teu­fel und die Sün­de über­mäch­tig, dem Men­schen aber sprach er jede natür­li­che Wür­de und Fähig­keit zum Guten ab.

Wie kann aus die­sen ver­ein­sei­tig­ten luthe­ri­schen Leh­ren ein Kon­sens mit der katho­li­schen Leh­re gefer­tigt wer­den, wenn man deren jewei­li­ge Aus­sa­gen und Sinn­ge­hal­te ernstnimmt?

Verschwommene ‚Anliegen’ statt Wahrheitssuche

Josef Ratz­in­ger schrieb 1966 in sei­nem Vor­wort zum Werk von Paul Hacker über Das Ich im Glau­ben bei Mar­tin Luther: „Im Bemü­hen um die Ein­heit der Chri­sten geht es um die Wahr­heit. Von einem Öku­me­nis­mus der Resi­gna­ti­on“ hät­te man nichts zu erwar­ten, weil ein Frie­de, der auf dem Ver­zicht auf Wahr­heit beruht, zugleich den Fried­hof des Glau­bens dar­stel­len wür­de. Der katho­li­sche Kir­chen­ge­schicht­ler und Luther­for­scher Joseph Lortz sah nach den Wor­ten sei­ner Schü­lers Erwin Iser­loh „in der Aus­zeh­rung der Glau­bens­sub­stanz und der weit aus­wu­chern­den theo­lo­gi­schen Ver­schwom­men­heit ein schwe­re Bela­stung der öku­me­ni­schen Gespräche“.

"Gemeinsame Erklärung" zur Rechtfertigungslehre: Landesbischof Christian Krause (l.) und Kardinal Edward Cassidy in Augsburg
„Gemein­sa­me Erklä­rung“ zur Recht­fer­ti­gungs­leh­re: Lan­des­bi­schof Chri­sti­an Krau­se (l.) und Kar­di­nal Edward Cassidy in Augsburg

Die­se War­nun­gen vor dem Nach­las­sen der Wahr­heits­be­mü­hung durch theo­lo­gi­sche Ver­schwom­men­heit war schon vor 60 Jah­ren aktu­ell: In sei­ner Dis­ser­ta­ti­on aus dem Jah­re 1957 ver­gleicht Hans Küng die Recht­fer­ti­gungs­leh­re des Triden­ti­nums mit der von Karl Barth, der die Theo­lo­gie der Refor­ma­to­ren bis aufs Äußer­ste zuge­spitzt hat­te. Küng kommt zu dem Ergeb­nis, dass zwi­schen Barth und dem Triden­ti­num eine grund­sätz­li­che Über­ein­stim­mung bestehe. Die­ses Urteil ist eine unred­li­che Ver­all­ge­mei­ne­rung. Denn Barth und Tri­ent sind sich nur in einem Neben­aspekt einig, dass bei­de gemein­sam den Pela­gia­nis­mus ableh­nen. Aber in den ent­schei­den­den Kon­tro­vers­punk­ten gibt es kei­ne Gemeinsamkeiten.

Mit einer ähn­li­chen Metho­de der Ablen­kung und Ver­schwom­men­heit arbei­tet der katho­li­sche Theo­lo­ge Otto Her­mann Pesch. In sei­ner Dis­ser­ta­ti­on von 1967 ver­gleicht er die Recht­fer­ti­gungs­leh­re von Tho­mas von Aquin und Mar­tin Luther. Pesch kommt als Resü­mee sei­ner Arbeit zu der wun­der­sa­men The­se: Tho­mas von Aquin und Mar­tin Luther hät­ten eigent­lich das Glei­che gelehrt. Denn sie wür­den das­sel­be Anlie­gen ver­tre­ten, dass näm­lich Gott dem Men­schen nahe kom­men wol­le. Bei die­sem theo­lo­gi­schen Anlie­gen hät­te sie sich nur unter­schied­li­cher Aus­drucks­wei­sen bedient.

Das ver­schwom­me­ne und wol­ki­ge Wort „Anlie­gen“ hat seit­her Schu­le gemacht.  Auch in dem neu­en Luther­buch von Kar­di­nal Kas­per ist es ein Schlüs­sel­wort. Es ent­spricht in etwa dem Aus­druck ‚Geist des Kon­zils’ als das, was das Kon­zil „eigent­lich“ hät­te ansto­ßen wol­len. Mit sol­chen Wor­ten der Meta-Inter­pre­ta­ti­on von nicht fass­ba­rem Gemein­ten hin­ter den fass­ba­ren Wor­ten kann man sich leicht über die kon­kre­ten Aus­sa­gen von Kon­zils­leh­ren hin­weg­zu­set­zen. Auch Pesch will von den unver­rück­ba­ren dog­ma­ti­schen Sät­zen des Triden­ti­num weg­kom­men, um dann dif­fu­se dahin­ter­ste­hen­de Inten­tio­nen zu konstruieren.

Mit sol­chen Metho­den könn­te sich die Kir­che mit belie­bi­gen Part­nern über jedes The­ma auf irgend­ei­nen gemein­sa­men Nen­ner eini­gen – aller­dings um den Preis der Ver­un­kla­rung durch rhe­to­ri­schen Nebelschwaden.

Blauer Dunst der „Tintenfischökumenik“

Den blau­en Dunst der „Tin­ten­fi­schö­ku­me­nik“ (Jörg Baur) fin­det man auch in einem ein­fluss­rei­chen Bei­trag von Karl Leh­mann und Wolf­hart Pan­nen­berg mit dem Titel: „Lehr­ver­ur­tei­lun­gen – kir­chen­tren­nend?“ Das 1986 her­aus­ge­kom­me­ne Buch hat wohl auch Pate gestan­den für das Öku­me­ne-Doku­ment „Gemein­sa­me Erklä­rung“ von 1997. Die zen­tra­le Aus­sa­ge der bei­den Autoren ist: Es gäbe zwi­schen Luther und dem Triden­ti­num gemein­sa­me „Anlie­gen“, auch wenn die bei­den Sei­ten sich nicht der Denk- und Sprech­wei­se des ande­ren anzu­schlie­ßen ver­möch­ten. Die Unter­schie­de sei­en zwar vor­han­den, aber kei­ne sub­stan­ti­el­len Ent­schei­dungs­fra­gen, wel­che die Kir­chen­ein­heit ver­un­mög­li­chen würde.

Die­ses Öku­me­ne-Modell ver­zich­tet auf das gemein­sa­me Bekennt­nis der voll­stän­di­gen Wahr­heit im Glau­ben. Es ist ein Öku­me­nis­mus der Resi­gna­ti­on, der die har­te Arbeit um die Wahr­heit zugun­sten ver­schwom­me­ner Anlie­gen auf­gibt oder zumin­dest zurück­stellt. Sol­che Bei­trä­ge mit ober­fläch­li­chen Gemein­sam­keits­per­spek­ti­ven gehö­ren des­halb bestimmt nicht zu den reich­sten und tief­sten öku­me­ni­schen Doku­men­te, wie Papst Fran­zis­kus meinte.

Lite­ra­tur: Prof. Dr. Man­fred Hau­ke, Luga­no: Ist Luthers Leh­re von der Recht­fer­ti­gung katho­lisch? Anmer­kun­gen zur öku­me­ni­schen Dis­kus­si­on über die Recht­fer­ti­gungs­leh­re, in: Theo­lo­gi­sches. Katho­li­sche Monats­zeit­schrift, Nr. 03/04 2016, S. 249–274

Text: Hubert Hecker
Bild: Wikicommons

1 Kommentar

  1. Luther hat­te das Anlie­gen, wegen sei­ner eige­nen per­sön­li­chen Pro­ble­me und Unver­ständ­nis­se, den wah­ren Glau­ben zu defor­mie­ren und zu ver­nich­ten. Man muß das so deut­lich sagen. Sei­ne schlech­ten Ideen sind aber eigent­lich nichts Neu­es, hat­ten sie doch nach­weis­lich schon etwa 1000 Jah­re vor­her im ara­bi­schen Raum Fuß fas­sen kön­nen. Luthe­ris­mus und Pro­te­stan­tis­mus sind eine Vor­stu­fe des­sen, was sich Islam bezeich­net. Und so ist auch die Mas­sen­in­va­si­on von Mos­lems mit tat­kräf­ti­ger Unter­stüt­zung von pro­te­stan­ti­schen Füh­rungs­kräf­ten in Deutsch­land wie auch Skan­di­na­vi­ens soz. nicht vom Him­mel gefal­len- neben­bei gesagt.

    Die „theo­lo­gi­sche“ Recht­fer­ti­gung bzw. die Glau­bens­leh­re von Luther und sei­ner Nach­fol­ger ist unehr­lich und an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. Für sie ist das nur ein Vehi­kel, um die Kir­che Chri­sti zu bekämp­fen und dar­auf soll­te man als Katho­lik nicht her­ein­fal­len: Dis­kus­sio­nen oder Gesprä­che auf offi­zi­el­ler Ebe­ne mit Pro­te­stan­ten soll­ten abso­lut ver­mie­den wer­den m.Er.: man wer­tet sie damit nur auf und das ist auch das Ergeb­nis des öku­me­ni­schen Dia­logs seit Jahr­zehn­ten wie man das heu­te fest­stel­len kann und muß. Denn die Pro­te­stan­ten mei­nen es nicht wirk­lich ehr­lich. Wäre es ehr­lich gemeint, wür­den sie ihre Irr­leh­ren nicht ver­brei­ten- und katho­lisch wer­den. Denn der katho­li­sche Glau­be ist der ein­zi­ge und ver­nünf­tig und jedem ein­sicht­bar; auch Protestanten.

    Mei­ne klei­ne Mei­nung zu all­dem: sowohl bei der Isla­mi­sie­rung wie der euro­päi­schen Pro­te­stan­ti­sie­rung gehts wesent­lich um Geld/Macht und Sex. Sowohl Luther als auch Moham­med waren kei­ne Lust­ver­äch­ter und stell­ten sich selbst einen Frei­brief aus für sexu­el­les Tun- und konn­ten und kön­nen sie punk­ten bei sehr vie­len. Aber auch ins­be­son­de­re Geld und Macht sind sowohl im Islam als auch im Pro­te­stan­tis­mus die bestim­men­den Fak­to­ren. Alles ande­re, das Theologische/Glaubensmäßige, ist Bei­werk dazu und dient m.Er. allein zur eige­nen Ver­wir­rung und der­je­ni­ge der Katholiken.

Kommentare sind deaktiviert.