Kein Papst-Besuch in Kolumbien: „Alles hängt davon ab, was das Volk [zum Friedensabkommen] sagt“

Papst Franziskus mit Vatikansprecher Greg Burke
Papst Franziskus mit Vatikansprecher Greg Burke

(Rom) Papst Fran­zis­kus wird Kolum­bi­en im kom­men­den Jahr  nicht besu­chen. Das Kir­chen­ober­haupt kop­pel­te sei­ne Pasto­ral­rei­se an die Ent­schei­dung des kolum­bia­ni­schen Vol­kes zum Frie­dens­ab­kom­men zwi­schen der Regie­rung und der mar­xi­sti­schen Gue­ril­la­or­ga­ni­sa­ti­on FARC. Am Sonn­tag waren die Bür­ger zu einer Volks­ab­stim­mung auf­ge­ru­fen.

Ver­gan­ge­ne Woche war über einen Papst­be­such im süd­ame­ri­ka­ni­schen Land spe­ku­liert wor­den. Einen sol­chen hat­te der rechts­li­be­ra­le Staats­prä­si­dent Juan Manu­el San­tos für das „erste Tri­me­ster 2017“ bekannt­ge­ge­ben, wäh­rend er von Vati­kan­spre­cher Greg Bur­ke demen­tiert wur­de.

Auf sei­nem Flug in die Kau­ka­sus-Repu­bli­ken Geor­gi­en und Aser­bai­dschan wur­de Fran­zis­kus gestern auf die­se wider­sprüch­li­chen Anga­ben ange­spro­chen. Das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt sag­te, daß alles davon abhän­ge, wie sich das kolum­bia­ni­sche Wahl­volk zum Frie­dens­ab­kom­men stel­le:

„Alles hängt davon ab, was das Volk sagt, das der Sou­ve­rän ist.“

Erst am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat­te der Vor­sit­zen­de der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz die­se Kop­pe­lung des Papst-Besu­ches an das Ergeb­nis der Volks­ab­stim­mung demen­tiert. Erz­bi­schof Luis Augu­sto Castro von Tun­ja ver­si­cher­te gegen­über NCRa­dio:

„Der Besuch des Pap­stes hat nichts mit einem Ja oder Nein zu tun. Es gibt kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen sei­nem Besuch und die­sem wich­ti­gen poli­ti­schen Ereig­nis.“

Wie inzwi­schen bekannt ist, wur­de das Frie­dens­ab­kom­men von einer knap­pen Mehr­heit der Kolum­bia­ner abge­lehnt. 50,2 Pro­zent stimm­ten gegen das Abkom­men, das nach 50 Jah­ren die Abrü­stung der mar­xi­sti­schen „Nar­co­gue­ril­la“ und ihre Ein­glie­de­rung in die Zivil­ge­sell­schaft vor­sieht. Staats­prä­si­dent San­tos hat­te für die Annah­me des Frie­dens­ab­kom­mens gewor­den, da Nach­ver­hand­lun­gen vom FARC abge­lehnt wer­den, der 1965 offi­zi­ell als bewaff­ne­ter Arm der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Kolum­bi­ens gegrün­det wur­de. Der Gue­ril­la­kampf des FARC koste­te mehr als 200.000 Men­schen­le­ben.

Papst Fran­zis­kus sprach gestern auf dem Flug auch davon, daß Demo­kra­tie und Volks­sou­ve­rä­ni­tät über­ein­stim­men müß­ten. Es kön­ne nicht sein, daß die Demo­kra­tie über der Sou­ve­rä­ni­tät des Vol­kes ste­he, so der Papst. Als Bei­spiel nann­te das Kir­chen­ober­haupt „bestimm­te Län­der“ mit Man­dats­be­schrän­kung, in denen Staats­ober­häup­ter wäh­rend der zwei­ten Amts­zeit die Ver­fas­sung zu ändern ver­such­ten, um sich ein drit­tes Man­dat zu sichern.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: SMM (Screen­shot)

 

1 Kommentar

  1. Mit Mar­xi­sten kann es kei­nen wirk­li­chen Frie­den geben. Inso­fern hat also eine knap­pe Mehr­heit der Men­schen in Kolum­bi­en kla­ren Kopf bewahrt, denn eine „Inte­gra­ti­on“ ist schwer­lich mög­lich; höch­stens auf dem Papier.
    Gera­de aber nun bräuch­ten die Katho­li­ken einen geist­li­chen Füh­rer, der sie stärkt und klu­ger­wei­se haben die Bischö­fe Kolum­bi­ens für einen Papst­be­such kei­nen Zusam­men­hang mit der poli­ti­schen Situa­ti­on her­ge­stellt. Trotz­dem also eine Absa­ge. Papst Fran­zis­kus drückt sich (weil er den Mar­xis­mus nicht ver­ur­tei­len will?) und läßt somit die Katho­li­ken Kolum­bi­ens im Stich.

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