40 Jahre Handkommunion in Spanien — „Ein unglücklicher Jahrestag“

Mundkommunion: Seit 40 Jahren Handkommunion in Spanien - ein "unglücklicher Jahrestag"
Mundkommunion: Seit 40 Jahren Handkommunion in Spanien - ein "unglücklicher Jahrestag"

(Madrid) Vor 40 Jah­ren wur­de in Spa­ni­en die Hand­kom­mu­ni­on erlaubt. Am 18. März 1976 ver­öf­fent­lich­te das Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Spa­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz eine Pres­se­er­klä­rung. Dar­in wur­de bekannt­ge­ge­ben, daß der Hei­li­ge Stuhl, damals regier­te Papst Paul VI., einer Peti­ti­on der Bischofs­kon­fe­renz statt­ge­ge­ben hat­te. Der Bischofs­kon­fe­renz wur­de die Mög­lich­keit ein­räumt, neben der ordent­li­chen Form des Kom­mu­nion­emp­fangs, der knien­den Mund­kom­mu­ni­on, in Spa­ni­en auch die Hand­kom­mu­ni­on zu erlau­ben.

Wört­lich hieß es:

“Der Hei­li­ge Stuhl gewährt Spa­ni­en mit Dekret der Hei­li­gen Kon­gre­ga­ti­on für die Sakra­men­te und den Got­tes­dienst, erlas­sen am 12. Febru­ar 1976, die Pra­xis der Kom­mu­ni­ons­pen­dung auf die Hand. Die Erlaub­nis wur­de auf Antrag Sei­ner Emi­nenz Kar­di­nal Vin­cen­te Enri­que y Taran­cón, Erz­bi­schof von Madrid und Vor­sit­zen­der der Spa­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, gege­ben, der die­sen mit Schrei­ben vom 23. Janu­ar in Über­ein­stim­mung mit der in der XXIII. Voll­ver­samm­lung der Spa­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, die vom ver­gan­ge­nen 15. bis 20. Dezem­ber in Los Negra­les statt­fand, getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung, an die Hei­li­ge Kon­gre­ga­ti­on für die Sakra­men­te und den Got­tes­dienst gerich­tet hat­te.
Die Bewil­li­gung erfolg­te gemäß den Nor­men des Schrei­bens der Hei­li­gen Kon­gre­ga­ti­on an die Vor­sit­zen­den der Bischofs­kon­fe­ren­zen, in deren Prä­am­bel es heißt: ‚Jeder Bischof kann nach sei­ner Klug­heit und sei­nem Gewis­sen in sei­ner Diö­ze­se die Ein­füh­rung die­ser Art der Kom­mu­ni­ons­pen­dung erlau­ben‘.
Die Bewil­li­gung ver­drängt nicht die Gepflo­gen­heit, die Hei­li­ge Gestalt in den Mund zu emp­fan­gen, son­dern führt zusätz­lich zur bestehen­den eine neue Art ein. Künf­tig kön­nen die Gläu­bi­gen, die zur Kom­mu­ni­on gehen, sich frei ent­schei­den, die Kom­mu­ni­on in den Mund zu emp­fan­gen, wie bis­her, oder auf die Hand.“

Im Wei­te­ren beton­te die Bischofs­kon­fe­renz, daß Papst Paul VI. mit der Instruk­ti­on Memo­ria­le Domi­ni über die Art der Kom­mu­ni­ons­pen­dung vom 28. Mai 1969 fest­leg­te, daß der „jahr­hun­der­te­al­te Brauch“ der Mund­kom­mu­ni­on nicht geän­dert wird. „Gleich­zei­tig gewähr­te er den Bischofs­kon­fe­ren­zen aber die Mög­lich­keit, zu prü­fen, ob es auf­grund eini­ger beson­de­rer Umstän­de ange­bracht sei, zusätz­lich die Hand­kom­mu­ni­on zu spen­den“, so die Spa­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz, die 1976 von die­ser „Mög­lich­keit“ Gebrauch mach­te.

„Ein unglück­li­cher Jah­res­tag für Spa­ni­en“, schrieb Secre­te­um meum mihi unter Ver­weis auf die Glau­bens­kri­se, die mit der Ein­füh­rung der Hand­kom­mu­ni­on ein­her­ging. Anders als von Papst Paul VI. betont, kam es zu einer syste­ma­ti­schen Ver­drän­gung der knien­den Mund­kom­mu­ni­on. Seit Jahr­zehn­ten wird dem weit­aus größ­ten Teil aller Erst­kom­mu­ni­kan­ten die Hand­kom­mu­ni­on auf­ge­drängt. Nur sel­ten wird die ordent­li­che Form des Kom­mu­nion­emp­fangs, die Mund­kom­mu­ni­on, über­haupt erwähnt. Dabei könn­te die Hand­kom­mu­ni­on jeder­zeit abge­schafft, ja sogar ver­bo­ten wer­den, nicht aber die Mund­kom­mu­ni­on. De fac­to ent­stand in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten jedoch der gegen­tei­li­ge Ein­druck.

Königin Sophia beim Kommunionempfang 2010 in Barcelona
Köni­gin Sophia beim Kom­mu­nion­emp­fang 2010 in Bar­ce­lo­na

Sophia Mar­ga­ri­ta Vic­to­ria Frie­de­ri­ka von Schles­wig-Hol­stein-Son­der­burg-Glücks­burg und Han­no­ver, Her­zo­gin von Braun­schweig-Lüne­burg, Prin­zes­sin von Grie­chen­land und Däne­mark, von den Spa­ni­ern kurz Sophia von Grie­chen­land genannt, seit 1975 Köni­gin von Spa­ni­en — ihren Titel behielt sie auch nach der Abdan­kung ihres Man­nes König Juan Car­los I. bei -, ertrotz­te am 7. Novem­ber 2010 auch von Papst Bene­dikt XVI. die Hand­kom­mu­ni­on, obwohl die­se Pra­xis 2008 bei Papst­mes­sen abge­schafft wor­den war. In der Hei­li­gen Mes­sen in der Sagra­da Fami­lia von Bar­ce­lo­na war für die Gläu­bi­gen eine Knie­bank auf­ge­stellt, um die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on kniend und in den Mund emp­fan­gen zu kön­nen. Die Köni­gin war offen­sicht­lich von ande­rer Sen­si­bi­li­tät als der Papst. Das Ver­hal­ten einer Köni­gin fin­det nicht nur in ihrem Land Medi­en­auf­merk­sam­keit, sie eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur mit Vor­bild­cha­rak­ter sein soll­te. Erstaun­lich war der Umstand auch wegen der Her­kunft der Köni­gin. Bis zu ihrer Ehe­schlie­ßung mit dem spa­ni­schen Thron­fol­ger gehör­te sie, wie ihre Fami­lie, der grie­chisch-ortho­do­xen Kir­che an, die aus­schließ­lich die Mund­kom­mu­ni­on kennt.

Die Zahl der Gläu­bi­gen, die die Mund­kom­mu­ni­on wün­schen, nahm in den ver­gan­ge­nen Jahr wie­der zu. Nicht über­all ist dies erwünscht. Man­chen­orts wird ihnen die Kom­mu­ni­on ver­wei­gert, oder sie wer­den von Prie­stern ange­faucht, so gesche­hen sogar beim Requi­em für Bischof Kurt Krenn im Febru­ar 2014 in der Kathe­dra­le von St. Pöl­ten.

Gläu­bi­ge, die zum Kom­mu­nion­emp­fang nie­der­knien, wür­den einen flie­ßen­den Kom­mu­nion­emp­fang stö­ren und Zeit kosten, heißt es. Die Spen­dung und der Emp­fang des Lei­bes Chri­sti als Neben­säch­lich­keit und Zeit­räu­ber bestä­ti­ge, so Kri­ti­ker, daß mit der „Mahl-Theo­lo­gie“ im „Geist des Kon­zils“ nicht nur ein Entsa­kra­li­sie­rung Ein­zug hielt, son­dern der Glau­ben an die Real­prä­senz schwe­rer Scha­den zuge­fügt wur­de.

Ange­regt vom Vor­bild Bene­dikts XVI. brach ein spa­ni­scher Prie­ster das Tabu Mund­kom­mu­ni­on und wider­leg­te die All­ge­mein­pät­ze, die knien­de Mund­kom­mu­ni­on sei „über­holt“  und inter­es­sie­re „nie­man­den“ mehr. Er stell­te in sei­ner Pfar­rei eine Gleich­ran­gig­keit zwi­schen bei­den For­men des Kom­mu­ni­ons­emp­fangs her. Da die Gläu­bi­gen sich in Zwei­er­rei­hen für die Hand­kom­mu­ni­on anstell­ten, stell­te er für eine Rei­he eine Kom­mu­ni­on­bank auf. Er erklär­te den Gläu­bi­gen sein Vor­ha­ben. Die­se kön­nen sich seit­her, jeder nach sei­ner Sen­si­bi­li­tät, in die ent­spre­chen­de Rei­he stel­len. Inner­halb kur­zer Zeit zeig­te sich, daß gut die Hälf­te der Besu­cher der Sonn­tags­mes­sen den knien­den Emp­fang der Mund­kom­mu­ni­on bevor­zug­te. Auf die­se Hälf­te war in den Jah­ren zuvor  kei­ne Rück­sicht mehr genom­men wor­den. In den Werk­tags­mes­sen gilt seit­her fast aus­nahms­los der Emp­fang der Mund­kom­mu­ni­on.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: parrocchie.it/Youtube (Screen­shot)

4 Kommentare

  1. Das ein­zi­ge Nach­teil der Mund­kom­mu­ni­on fin­de ich dass es oft ste­hend und ohne Pate­ne emp­fan­gen wird und dass dann die Hostie oef­ters am Boden faellt!Im Aus­land (Rom und Kra­kau) ist das bes­ser organisiert,mit Kom­mu­ni­ons­bank und Patene.Ich lebe nor­ma­ler­wei­se in der Niederlanden,wo es all­ge­mein Hand­kom­mu­ni­on gibt.

  2. Zeit, (außer­halb der Hl. Mes­se ger­ne laut) auf das Recht auf Mund­kom­mu­ni­on zu bestehen, falls die into­le­ran­ten Pseu­do-Fort­schritt­li­chen mal wie­der aus­gren­zen und dis­kri­mi­nie­ren wol­len. Mei­nung und Hal­tung zei­gen wirkt, wie man täg­lich sieht. Schluss mit der Lei­se­tre­te­rei!

    • .…und auch unbe­dingt auf das Recht zu bestehen, die Hl. Kom­mu­ni­on nur aus den Hän­den von ordent­li­chen Kom­mu­ni­ons­pen­dern emp­fan­gen zu wol­len / dür­fen!

  3. Letz­ten Sonn­tag bei der Amts­ein­füh­rung des Lim­bur­ger Bischofs sahen mei­ne Augen NUR Hand­kom­mu­nio­nen. Egal wer es war, ob Kle­ri­ker oder Lai­en, alle nah­men sie die Hostie in die Hand.
    Ich den­ke aber, wenn es wirk­lich der Leib Chri­sti ist, wor­an wir glau­ben, dann ist Nie­der­knien und nicht Berüh­ren ange­sagt, als äuße­res Zei­chen der Ehr­furcht und Demut Gott gegen­über. Und auf Zei­chen und Gesten legt doch der amtie­ren­de Papst so gro­ßen Wert oder etwa nicht?

    Und der Hir­ten­stab sah gar nicht bischofs­ty­pisch son­dern wirk­lich hir­ten­ty­pisch aus(wäre sofort als Hir­ten­stab ein­setz­bar), was wohl die neue Lim­bur­ger Beschei­den­heit sym­bo­li­sie­ren soll.

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