Pater Gabriele Amorth, der Hauptexorzist von Rom, ist tot — 30 Jahre im Kampf gegen den Teufel

Pater Gabriele Amorth (1925-2016)
Pater Gabriele Amorth (1925-2016)

(Rom) Der bekann­te­ste Exor­zist der Welt, der Prie­ster und Exor­zist der Diö­ze­se Rom, Pater Gabrie­le Amor­th, ist im Alter von 91 Jah­ren gestor­ben. 2010 beklag­te er, daß es auch im Vati­kan „Anhän­ger sata­ni­sti­scher Sek­ten“ gebe.

Vom habsburgischen Hofapotheker zum katholischen Partisanen

Pater Amor­th wur­de am 1. Mai 1925 in eine gläu­bi­ge katho­li­sche Fami­lie der Stadt Mode­na in der Emi­lia gebo­ren. Sei­ne Vor­fah­ren stamm­ten aus Tirol und waren 1814 als her­zog­li­che Hof­apo­the­ker mit den Habs­bur­gern in die Stadt gekommen.

Nach dem Sturz Mus­so­li­nis und der deut­schen Beset­zung Ita­li­ens schloß sich Gabrie­le Amor­th den katho­li­schen Par­ti­sa­nen an und wur­de 1945 im Rang eines Haupt­manns Platz­kom­man­dant von Mode­na. Nach dem Krieg mit der Tap­fer­keits­me­dail­le und ande­ren Ehrun­gen aus­ge­zeich­net, trat er in die Christ­de­mo­kra­ti­sche Par­tei (DC) ein und wur­de zum Stell­ver­tre­ter des ersten Vor­sit­zen­den der christ­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­ju­gend und spä­te­ren Mini­ster­prä­si­den­ten Giu­lio Andreot­ti. Poli­tisch stand Amor­th damals dem lin­ken Par­tei­flü­gel um Giu­sep­pe Dos­set­ti nahe, der spä­ter als Prie­ster eine zwei­fel­haf­te Rol­le beim Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil spie­len sollte.

Amor­th stu­dier­te Rechts­wis­sen­schaf­ten. Nach sei­nem erfolg­rei­chen Stu­di­en­ab­schluß ver­spür­te er die Beru­fung zum Prie­ster­tum und trat in die Gesell­schaft vom Hei­li­gen Pau­lus (Socie­tas a Sanc­to Pau­lo Apo­sto­lo, SSP) ein, die 1914 vom seli­gen Gia­co­mo Alber­io­ne gegrün­det wor­den war. 1954 wur­de er zum Prie­ster geweiht.

Ganz dem Cha­ris­ma sei­nes Ordens ver­pflich­tet, trat Pater Amor­th vor allem publi­zi­stisch in Erschei­nung. Sein Inter­es­se für Mario­lo­gie führ­te ihn dazu, die Lei­tung der Monats­zeit­schrift Madre di Dio (Mut­ter­got­tes) zu über­neh­men. Spä­ter wur­de er zum Mit­glied der Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Päpst­li­chen Aka­de­mie ernannt.

Schüler des Exorzisten Candido Amantini

Bekannt wur­de Pater Amor­th vor allem als Exor­zist. 1986 erfolg­te unter der Lei­tung von Pater Can­di­do Aman­ti­ni sei­ne offi­zi­el­le Ernen­nung zum Exor­zi­sten der Diö­ze­se Rom. Ein Amt, das er 30 Jah­re bis zu sei­nem Tod ausübte.

Pater Gabriele Amorth war 30 Jahre Erster Exorzist der Diözese Rom
Pater Gabrie­le Amor­th war 30 Jah­re Erster Exor­zist der Diö­ze­se Rom

Pater Aman­ti­ni gehör­te dem Pas­sio­ni­sten­or­den an. Von 1961 bis zu sei­nem Tod 1992 war er als Exor­zist an der Hei­li­gen Stie­ge am Late­ran tätig, wo die Exor­zis­men in der Sakri­stei statt­fin­den. Durch Ernen­nung von Kar­di­nal Ugo Polet­ti, dem dama­li­gen Kar­di­nal­vi­kar von Rom, wur­de Pater Amor­th zum Schü­ler von Pater Aman­ti­ni. Als die­ser starb, folg­te ihm Pater Amor­th in der Auf­ga­be als Erster Exor­zist der Diö­ze­se des Papstes.

2012 wur­de das Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Pater Aman­ti­ni ein­ge­lei­tet. „Ihm habe ich als Exor­zist alles zu ver­dan­ken“, so Pater Amor­th über sei­nen Lehrmeister.

1986 führ­te Pater Amor­th unter der Anlei­tung von Pater Aman­ti­ni sei­nen ersten Exor­zis­mus durch. Im Jahr 2000 sag­te er in einem Inter­view mit dem bri­ti­schen Sunday Tele­graph, 50.000 Exor­zis­men durch­ge­führt zu haben. 2007 nann­te die ita­lie­ni­sche Tages­zei­tung Libe­ra­zio­ne die Zahl von 70.000 Exor­zis­men. Ein Groß­teil daue­re nur „weni­ge Minu­ten“, ande­re „meh­re­re Stun­den“. Ins­ge­samt sei er in sei­nem Leben in rund hun­dert Fäl­len ech­ter Beses­sen­heit gegen­über­ge­stan­den. In der Regel habe es sich um „dämo­ni­sche Stö­run­gen“ oder For­men von Gei­stes­krank­heit gehandelt.

„Auch im Vatikan gibt es Mitglieder satanistischer Sekten“

Immer wie­der sorg­te Pater Amor­th für Auf­se­hen, so am 25. Febru­ar 2010 in einem Inter­view mit der Tages­zei­tung Il Foglio.

„Ja, auch im Vati­kan gibt es Mit­glie­der sata­ni­scher Sek­ten. Es sind Prie­ster, Mon­si­gno­ri und auch Kar­di­nä­le! Es wur­de mehr­fach vom Teu­fel wäh­rend eines Exor­zis­mus gestanden.“

Auf die Fra­ge, ob der Papst dar­über infor­miert sei, ant­wor­te­te Pater Amorth:

„Natür­lich ist er [Papst Bene­dikt XVI.] infor­miert wor­den! Er macht, was er kann. Es ist eine erschüt­tern­de Sache. Beden­ken Sie, daß Bene­dikt XVI. ein deut­scher Papst ist. Er kommt von einem Volk, das sol­che Din­ge ent­schie­den ablehnt. In Deutsch­land gibt es daher prak­tisch kaum Exor­zi­sten, und den­noch glaubt der Papst dar­an. Ich hat­te drei­mal Gele­gen­heit mit ihm zu spre­chen, als er noch Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on war. Und wie er dar­an glaubt! Er sprach meh­re­re Male öffent­lich dar­über. Er emp­fing uns als Ver­ei­ni­gung von Exor­zi­sten und hielt uns auch einen schö­nen Vor­trag, in dem er uns ermu­tig­te und unser Apo­sto­lat lob­te. Und ver­ges­sen wir nicht, daß auch Johan­nes Paul II. über den Teu­fel sprach und sehr häu­fig über den Exorzismus.“

Dämonen treiben die Verdammenten in die Hölle, Ausschnitt aus Michelangelos "Jüngstem Gericht", Sixtinische Kapelle, Vatikan
Dämo­nen trei­ben die Ver­damm­ten in die Höl­le, Aus­schnitt aus Michel­an­ge­los „Jüng­stem Gericht“, Six­ti­ni­sche Kapel­le, Vatikan

Auf die Fra­ge, ob es stim­me, was Papst Paul VI. sag­te, daß „der Rauch Satans in die Kir­che ein­ge­drun­gen“ sei, mein­te der bekann­te Exorzist:

„Es ist lei­der wahr, denn auch in der Kir­che gibt es Adep­ten sata­ni­scher Sek­ten. Jene beson­de­re Aus­sa­ge über den ‚Rauch Satans‘ sag­te Paul VI. am 28. Juni 1972. Da die­ser Satz einen enor­men Skan­dal aus­lö­ste, wid­me­te er am 15. Novem­ber dem Teu­fel eine gan­ze Mitt­wochs-Gene­ral­au­di­enz mit sehr star­ken Sät­zen. Er brach damit das Eis und lüf­te­te den Schlei­er des Schwei­gens und der Zen­sur, die seit zu lan­ger Zeit herrsch­ten, doch es hat­te kei­ne prak­ti­schen Fol­gen. Es brauch­te einen wie mich, der nichts zähl­te, um Alarm zu schla­gen und prak­ti­sche Kon­se­quen­zen zu erreichen.“

Pater Amor­th weiter:

„Es gibt lei­der sehr vie­le Prie­ster und vie­le Bischö­fe, die nicht an die Exi­stenz des Teu­fels glau­ben. Es gibt gan­ze Län­der ohne offi­zi­ell ernann­te Exor­zi­sten: Deutsch­land, Öster­reich, Schweiz, Spa­ni­en, Por­tu­gal. Vie­le Bischö­fe glau­ben nicht an die Exi­stenz des Teu­fels und gehen sogar soweit öffent­lich zu sagen, die Höl­le exi­stiert nicht, der Teu­fel exi­stiert nicht. Jesus aber spricht im Evan­ge­li­um mehr­fach davon, so daß man sich fra­gen könn­te, ob sie das Evan­ge­li­um nie gele­sen haben oder wirk­lich nicht dar­an glauben!“

Freimaurerei und Abtreibung

In einem Fern­seh­in­ter­view vom April 2015 sag­te Pater Amor­th zur Freimaurerei:

„Die Frei­mau­re­rei wur­de ursprüng­lich von einem angli­ka­ni­schen Pastor gegrün­det, anfangs aus huma­ni­tä­ren Grün­den. Dann wur­de jedoch etwas ande­res dar­aus. Es geht um Macht und Geld. Um Macht und Geld. Das sind zwei Ein­falls­to­re des Bösen. Heu­te bestimmt die Frei­mau­re­rei auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne die Politik.“

Und zur Abtreibung:

„Der Teu­fel ist der Ver­wir­rer schlecht­hin. Er ver­dreht die Din­ge. Er ist der Vater der Lüge. Es ist kei­ne Wahr­heit in ihm. Je weni­ger an sei­ne Exi­stenz glau­ben, desto mehr bewuß­te oder unbe­wuß­te Werk­zeu­ge fin­det er unter den Men­schen. Neh­men wir das Bei­spiel Abtrei­bung. Da wird ein unschul­di­ges Kind getö­tet, ein Mensch getö­tet. Sie wol­len uns aber glau­ben machen, daß es sich um einen Fort­schritt han­delt. Um einen Fort­schritt! Einen Men­schen zu töten, soll ein Fort­schritt sein? Das muß man sich vor­stel­len. Es ist kaum zu glauben.“

Gründer der Internationalen Vereinigung der Exorzisten

Pater Amor­th grün­de­te 1990 die Inter­na­tio­na­le Ver­ei­ni­gung der Exor­zi­sten (AIE) mit Sitz in Rom. Ihr gehö­ren Prie­ster an, die offi­zi­ell von einem Diö­ze­san­bi­schof mit dem Amt des Exor­zi­sten beauf­tragt sind. 2014 wur­de die Ver­ei­ni­gung mit Dekret der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on kir­chen­recht­lich vom Hei­li­gen Stuhl anerkannt.

Pater Amor­th führ­te von 1994 – 2000, bis zu sei­nem 75. Geburts­tag den Vor­sitz und war seit­her deren Ehren­vor­sit­zen­der. Der­zei­ti­ger Vor­sit­zen­der ist Pater Fran­ces­co Bamon­te von den Die­nern des Unbe­fleck­ten Her­zens Mari­ens, einer 1991 vom dama­li­gen Abt der Ter­ri­to­ri­al­ab­tei Sub­ia­co und Titu­lar­bi­schof von Vaza­ri, Beni­to Sta­nis­lao Andreot­ti OSB, errich­te­ten Ordensgemeinschaft.

Radio Maria Ita­li­en strahl­te die Sen­dung „Erzäh­lun­gen eines Exor­zi­sten“ aus. Der Titel der Sen­dung war einem von Pater Amor­ths bekann­te­sten Büchern ent­lehnt. Ein­mal im Monat sprach Amor­th im Sen­der über Dämo­no­lo­gie, berich­te­te über sei­ne Arbeit und beant­wor­te­te Höreranrufe.

2011 ant­wor­te­te er auf eine Hörerfra­ge, daß vie­le Gefah­ren unter­schätzt wür­den. „Har­ry Pot­ter führt zur Magie, und damit zum Bösen.“ Den Kin­dern wer­de ein fal­sches Vor­bild gege­ben, das sie in Gefahr brin­gen kann. „Auch die wei­ße Magie hängt mit Satan zusam­men.“ Gleich­zei­tig warn­te der Exor­zist vor Yoga, einer ande­ren „unter­schwel­li­gen Gefahr“. Die­se Übungs­tech­nik ver­mitt­le den Ein­druck zur Ent­span­nung zu füh­ren. „Ver­steckt und unter­schwel­lig“ füh­re sie jedoch zum Hin­du­is­mus. „Alle öst­li­chen Reli­gio­nen grün­den auf dem Irr­glau­ben der Reinkar­na­ti­on“ und sei­en daher zu meiden.

Unerbittlich gegen die Sünde, nicht gegen den Sünder

Pater Amor­th wehr­te sich gegen mensch­li­che Uner­bitt­lich­keit. Der Böse ver­lei­te zu „schreck­li­chen Taten“. Es gebe aber kei­nen Men­schen, was auch immer er getan haben mag, der nicht durch Got­tes Gna­de geret­tet wer­den könn­te, des­halb habe die Kir­che immer gelehrt, uner­bitt­lich gegen die Sün­de zu sein, aber nicht gegen den Sünder.

2013 ent­stand unter sei­ner Mit­wir­kung der Doku­men­tar­film „Amor­th — Der Exor­zist“, der sei­ner Tätig­keit als Exor­zist gewid­met ist. Meh­re­re sei­ner zahl­rei­chen Bücher sind auch in deut­scher Über­set­zung erschienen.

Am Frei­tag, den 16. Sep­tem­ber starb Pater Amor­th nach kur­zer, schwe­rer Krank­heit im römi­schen Kran­ken­haus San­ta Lucia.

Requie­scat in pace

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons/MiL

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