Scheitert Donald Trump an den katholischen Wählern?

Präsidentschaftswahlen in den USA: von zentraler Bedeutung für die ganze Welt - Wie wählen die Katholiken?
Präsidentschaftswahlen in den USA: von zentraler Bedeutung für die ganze Welt - Wie wählen die Katholiken?

(Washing­ton) Donald Trump, der Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei, hat ein gro­ßes Pro­blem: die katho­li­sche Wäh­ler­schaft. Obwohl Hil­la­ry Clin­ton, Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin der Demo­kra­ti­schen Par­tei, eine ent­schie­den anti­ka­tho­li­sche Posi­ti­on ver­tritt, will die Mehr­heit der Katho­li­ken für sie stim­men, beson­ders unter der stark wach­sen­de Grup­pe der latein­ame­rik­an­schen Katho­li­ken.

Das Wahl­ver­hal­ten der Katho­li­ken brach­te Barack Oba­ma vor acht Jah­ren ins Wei­ße Haus und sicher­te ihm vor vier Jah­ren die zwei­te Amts­zeit. Zwar votier­ten 2012 weni­ger Katho­li­ken für den ersten „schwar­zen“ Prä­si­den­ten mit mus­li­mi­schem Vor­na­men, als bei sei­nem ersten Antre­ten 2008. Es war aber immer noch eine knap­pe Mehr­heit.

28 Prozent der Wähler sind Katholiken

Die Katho­li­ken bil­den die weit­aus größ­te Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der USA. Laut dem Pew Rese­arch Cen­ter (PEW) sind 24 Pro­zent der US-Bür­ger Katho­li­ken. Rech­net man die ehe­ma­li­gen Katho­li­ken noch hin­zu, liegt der Katho­li­ken­an­teil bei einem Drit­tel der Gesamt­be­völ­ke­rung. In 33 von 50 Staa­ten ist die katho­li­sche Kir­che die Mehr­heits­re­li­gi­on. Nach ersten Schät­zun­gen wer­den die Katho­li­ken unter den Wäh­lern, die sich regi­strie­ren haben las­sen und im kom­men­den Novem­ber über die poli­ti­sche Zukunft des Lan­des abstim­men, sogar 28 Pro­zent aus­ma­chen.

Bei Wah­len legen sie ihr Gewicht aber nicht „katho­lisch“ in die Waag­scha­le. Ihr Wahl­ver­hal­ten ist dif­fe­ren­ziert so wie die poli­ti­schen Mei­nun­gen. Die Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit spielt im Zwei­fel bei der Stimm­ab­ga­be nicht die ent­schei­den­de Rol­le. Das hat histo­ri­sche und vor allem eth­ni­sche Grün­de.

Bis in die Ära Ronald Rea­gan gal­ten die Repu­bli­ka­ner als Par­tei der vor­herr­schen­den Schicht, und die war weiß, unio­ni­stisch, pro­te­stan­tisch und anti­ka­tho­lisch. Die Demo­kra­ti­sche Par­tei galt als Par­tei der „Min­der­hei­ten“, der Katho­li­ken, der Juden und des Südens. Aus die­sem Grund gab es in der bald 230jährigen Geschich­te der USA mit John F. Ken­ne­dy erst einen katho­li­schen Prä­si­den­ten, und die­ser muß­te im Wahl­kampf erklä­ren, daß sei­ne Kon­fes­si­ons­zu­ge­hö­rig­keit für die Aus­übung sei­nes Amtes kei­ne Rol­le spie­len wer­de.

Kennedys Wahl und der Siegeszug des Relativismus

Der ehe­ma­li­ge slo­wa­ki­sche Innen­mi­ni­ster und Christ­de­mo­krat Vla­di­mir Pal­ko sieht in die­ser Distan­zie­rung Ken­ne­dys von sei­nem Glau­ben, den Start­schuß zum Sie­ges­zug des Rela­ti­vis­mus, der sich schnell auf Euro­pa aus­brei­te­te, und dort die Christ­de­mo­kra­tie als Aus­druck des poli­ti­schen Katho­li­zis­mus weit­ge­hend zer­setz­te. Eine Ent­wick­lung, die heu­te ihrem Höhe­punkt zustrebt.

Seit Rea­gan hat sich die poli­ti­sche Land­schaft der USA grund­le­gend ver­än­dert. Das hat poli­ti­sche, mehr noch demo­gra­phi­sche und migra­to­ri­sche Grün­de. Der Süden wur­de repu­bli­ka­nisch, die West­kü­ste durch star­ke Bin­nen­mi­gra­ti­on demo­kra­tisch. Der Anteil der Wei­ßen schrumpft, wäh­rend der Anteil der Lati­nos durch Ein­wan­de­rung und Gebur­ten­ra­te wächst.

Die Demo­kra­ti­sche Par­tei rück­te wei­ter nach links. In Euro­pa wür­de sie einer klas­si­schen Links­par­tei ent­spre­chen. Sie for­dert mehr Staat,mehr Abtrei­bung, mehr „Homo-Ehe“ und mehr Ein­wan­de­rung. Die welt­an­schau­li­che Band­brei­te der bei­den US-ame­ri­ka­ni­schen Par­la­ments­par­tei­en über­trifft aber nach wie vor alle euro­päi­schen Par­tei­en. Vor allem sind sich bei­de Par­tei­en in der Ver­tei­di­gung der natio­na­len Inter­es­sen der USA als „ein­zig ver­blie­be­ner Welt­macht“ einig. Ein aus­ge­präg­tes Sen­dungs­be­wußt­sein ist dabei nicht zu über­hö­ren. Die US-Inter­es­sen wer­den als Welt­in­ter­es­sen ver­stan­den. Aus die­sem Grund sind Prä­si­dent­schafts­wah­len in den USA von größ­ter Bedeu­tung für den Rest der Welt. Die USA kon­trol­lie­ren und bestim­men in den inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen. Dar­über kön­nen auch gele­gent­li­che Abstim­mungs­nie­der­la­gen zu ein­zel­nen Reso­lu­tio­nen, die sel­ten von kon­kre­ter poli­ti­scher Bedeu­tung sind, nicht hin­weg­täu­schen.

Demokratische Präsidenten machten Abtreibung und Gender-Ideologie zu internationalen Zielen

Durch die acht­jäh­ri­ge Amts­zeit des Demo­kra­ten Bill Clin­ton (1993–2001) wur­de die Abtrei­bung zur inter­na­tio­na­len Agen­da, durch die acht­jäh­ri­ge Amts­zeit des Demo­kra­ten Barack Oba­ma (2009–2017) auch die Gen­der-Ideo­lo­gie.

Im Par­la­ment der USA sind die Katho­li­ken mit 161 Man­da­ta­ren stär­ker denn je ver­tre­ten. Das sind mehr als 30 Pro­zent der Con­gress-Mit­glie­der. Das Wahl­ver­hal­ten schlägt sich in der Ver­tei­lung nach Par­tei­en nie­der: Bei den Demo­kra­ten waren in der aus­lau­fen­den Legis­la­tur­pe­ri­ode 36 Pro­zent Katho­li­ken, bei den Repu­bli­ka­nern 25 Pro­zent. Auch hier gelingt es kaum in Ansät­zen eine katho­lisch gepräg­te Poli­tik zu eta­blie­ren. Das poli­ti­sche Spek­trum ist aber hete­ro­gen und reicht von der abtrei­bungs­be­für­wor­ten­den, links­li­be­ra­len Nan­cy Pelo­si (D) bis zum Lebens­schüt­zer und Kon­ser­va­ti­ven Paul Ryan ®.

„Katholiken müssen bei Clinton-Sieg ums Überleben kämpfen“

Im vor kur­zem erschie­ne­nen Buch “The Poli­ti­cal­ly Incor­rect Gui­de to Catho­li­cism“ warnt John Zmi­rak: Soll­te Hil­la­ry Clin­ton näch­ste US-Prä­si­den­tin wer­den, dann wer­den die Katho­li­ken „um ihr Über­le­ben kämp­fen müs­sen“. Laut Zmi­rak ist vom „Catho­lic Moment“, von dem 1987 Richard John Neu­haus (1936–2009) unter dem Ein­druck der Ära Rea­gan geschrie­ben hat­te, nichts mehr übrig.

Eini­ge katho­li­sche Krei­se sind sich durch­aus bewußt, was bei der kom­men­den Prä­si­dent­schafts­wahl auf dem Spiel steht, soll­te die „anti­ka­tho­li­sche, anti­christ­li­che und letzt­lich staats- und men­schen­feind­li­che demo­kra­ti­sche Ära“ nicht unter­bro­chen wer­den. Bereits im Wahl­kampf 2008 hat­ten die dama­li­gen Kon­kur­ren­ten Clin­ton und Oba­ma dar­in gewett­ei­fert, wer die radi­ka­le­re Abtrei­bungs­po­si­ti­on ver­kör­pert.

Um zu ret­ten, was zu ret­ten ist, scha­ren sich hell­hö­ri­ge Katho­li­ken um Donald Trump, den sie zwar nicht für ihren Wunsch­kan­di­da­ten hal­ten, aber als ein­zi­ge Alter­na­ti­ve, um Hil­la­ry Clin­ton zu ver­hin­dern. Die Begei­ster­te­ren nen­nen sich Catho­lics for Trump. Jene, die vor allem einen zwei­ten Clin­ton im Wei­ßen Haus ver­hin­dern wol­len, haben sich in der Orga­ni­sa­ti­on Catho­lic Vote zusam­men­ge­fun­den. Das eigent­li­che Pro­blem ist jedoch, daß sie eine Min­der­heit dar­stel­len.

Katholiken retteten Obama eine zweite Amtszeit

Die Mehr­heit der Katho­li­ken, die zur Wahl gehen wol­len, scheint ent­schlos­sen, Hil­la­ry Clin­ton zu wäh­len, obwohl sie mehr oder weni­ge das Gegen­teil von allem ver­tritt, was katho­lisch ist. Lebens­schüt­zer beschimpf­te sie im August 2015 in Cleve­land (Ohio) als „Ter­ro­ri­sten“ und erklär­te im April 2015 im Lin­coln Cen­ter von Man­hat­tan der Reli­gi­on den Krieg. Im Novem­ber 2015 sag­te sie auf einer Pres­se­kon­fe­renz: „USA müs­sen welt­weit Abtrei­bung finan­zie­ren“.

Die Katho­li­ken sind nicht nur das Züng­lein an der Waa­ge, son­dern das gro­ße Pro­blem aller repu­bli­ka­ni­schen Kan­di­da­ten. Seit Kriegs­en­de konn­ten, laut Anga­ben des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Gallup, nur Richard Nixon 1972 (52 Pro­zent) und Ronald Rea­gan bei sei­ner Wie­der­wahl 1984 (61 Pro­zent) eine Mehr­heit der Katho­li­ken für sich gewin­nen.

Obwohl der katho­li­sche Epi­sko­pat 2012 deut­lich zu ver­ste­hen gab, daß eine Wie­der­wahl Oba­mas uner­wünscht sei, ret­te­ten ihm katho­li­sche Wäh­ler den Ver­bleib im Wei­ßen Haus. Die drei am stärk­sten gepräg­ten katho­li­schen Staa­ten votier­ten für Oba­ma. Wäh­rend die Min­der­heit der prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken repu­bli­ka­nisch wählt, schlägt sich die Mehr­heit der nicht prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken auf die Sei­te der demo­kra­ti­schen Kan­di­da­ten.

Dar­an änder­te auch 2012 nichts, daß der katho­li­sche Vize­prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Paul Ryan dar­an erin­ner­te, daß Oba­mas erste Amts­hand­lung 2008 die Wie­der­ein­füh­rung der staat­li­chen Finan­zie­rung der Abtrei­bungs­lob­by  war, und ankün­dig­te, daß sei­ne erste Amts­hand­lung für das Lebens­recht der unge­bo­re­nen Kin­der sein wer­de.

Trumps katholisches Problem

Auch für Donald Trump zeich­net sich das­sel­be „katho­li­sche“ Pro­blem ab, obwohl er sich red­lich um deren Stim­men bemüht und dazu jüngst sogar die am 4. Sep­tem­ber von Papst Fran­zis­kus hei­lig­ge­spro­che­ne Mut­ter Tere­sa von Kal­kut­ta zitier­te. Ein Durch­bruch will ihm nicht recht gelin­gen. Sei­ne Aus­sa­gen klin­gen in den Ohren vie­ler Katho­li­ken, vor allem der latein­ame­ri­ka­ni­schen zu unglaub­wür­dig und zu heuch­le­risch. Natür­lich gilt das­sel­be und noch aus­ge­präg­ter für Hil­la­ry Clin­ton, doch die Mehr­heit der Katho­li­ken scheint das nicht hören zu wol­len.

Trumps Bera­ter macht die­se Situa­ti­on zuse­hends ner­vös. Seit 1948 konn­te immer jener Kan­di­dat ins Wei­ße Haus ein­zie­hen, der von der Mehr­heit der Katho­li­ken gewählt wur­de. Die ein­zi­ge Aus­nah­me war 2000 Geor­ge W. Bush, obwohl 52 Pro­zent der Katho­li­ken den Neo­mal­thu­sia­ner Al Gore gewählt hat­ten.

Laut Natio­nal Review sei­en nicht die Katho­li­ken als Gan­zes, son­dern die 33 Pro­zent „gemä­ßig­ten Katho­li­ken“ das eigent­li­che Züng­lein an der Waa­ge. Wäh­rend die kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken immer repu­bli­ka­nisch und die libe­ra­len Katho­li­ken immer demo­kra­tisch wähl­ten, sei ihr Votum weni­ger bere­chen­bar. In die­sem Jahr wer­de aber gera­de die „gemä­ßig­te“ Wäh­ler­schaft von Trumps aggres­si­ver Rhe­to­rik abge­schreckt, wäh­rend sich unter der kon­ser­va­ti­ven Wäh­ler­schaft Zwei­fel breit­ma­chen, ob der New Yor­ker Mil­li­ar­där wirk­lich ein „authen­ti­scher“ Ver­tre­ter des ame­ri­ka­ni­schen Kon­ser­va­ti­vis­mus ist. Dabei ist in Rech­nung zu stel­len, daß die Natio­nal Review katho­lisch und kon­ser­va­tiv, aber gegen Trump ist. Ihre Ein­schät­zung wird aber auch von ande­ren geteilt.

Trump oder strukturelle Vorherrschaft der Linken

Kon­ser­va­ti­ve Ame­ri­ka­ner stel­len sich umge­kehrt die Fra­ge, ob sich die Katho­li­ken den Luxus über­haupt lei­sten kön­nen, auf Distanz zum teils als „pro­le­ten­haft“ wahr­ge­nom­me­nen Ver­hal­ten Trumps gehen zu kön­nen. Die Alter­na­ti­ve wäre der siche­re Sieg Clin­tons.

Die ame­ri­ka­ni­sche Lin­ke ver­folgt das Ziel, von Oba­ma offen aus­ge­spro­chen, die poli­ti­sche Ach­se struk­tu­rell so weit nach links zu ver­schie­ben, daß eine Umkehr unrea­li­stisch wird. Nach dem höchst­rich­ter­li­chen Urteil Roe gegen Wade 1973, mit dem die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der lega­li­siert wur­de, konn­te die Lin­ke mit dem Urteil zugun­sten der „Homo-Ehe“ 2015 einen wei­te­ren Etap­pen­sieg in die­se Rich­tung errin­gen, ohne daß es den Kon­ser­va­ti­ven in mehr als 40 Jah­ren gelun­gen ist, das Abtrei­bungs­ur­teil zu revi­die­ren.

Vor 25 Jah­ren sah alles noch ganz anders aus. Mit dem Schei­tern des „rea­len Sozia­lis­mus“ schien die poli­ti­sche Lin­ke völ­lig des­avou­iert. Die euro­päi­sche Lin­ke befürch­te­te damals ernst­haft, auf er neu­en poli­ti­schen Büh­ne kei­ne Rol­le mehr zu spie­len. Es war maß­geb­lich dem Wahl­sieg Bill Clin­tons zu ver­dan­ken, daß alles anders kam. Die euro­päi­sche Mehr­heits­lin­ke „demo­kra­ti­sier­te“ sich cha­mä­le­on­haft nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild und erleb­te unter dem trans­at­lan­ti­schen Schutz­man­tel eine erstaun­lich, schnel­le Wie­der­be­le­bung.

Einwanderungsfrage: der Schlüssel zu den Latinos

Die Lati­nos, die latein­ame­ri­ka­ni­schen Ein­wan­de­rer und deren Nach­fah­ren, sind seit eini­gen Jahr­zehn­ten die am schnell­sten wach­sen­de Bevöl­ke­rungs­grup­pe der USA, und sie sind in ihrer gro­ßen Mehr­heit Katho­li­ken. Sie stel­len bereits rund 40 Pro­zent der US-Katho­li­ken. In abseh­ba­rer Zeit wer­den sie deren Mehr­heit aus­ma­chen. Vor allem aber wäh­len die latein­ame­ri­ka­ni­schen Katho­li­ken in ihrer über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit demo­kra­tisch. Obwohl sich unter euro­päi­schen Katho­li­ken in den ver­gan­ge­nen 40 Jah­ren eine grund­le­gen­de Trend­um­kehr von den Demo­kra­ten zu Repu­bli­ka­ner voll­zo­gen hat, blieb das katho­li­sche Votum durch die Zunah­me der latein­ame­ri­ka­ni­schen Katho­li­ken in sei­ner Gesamt­heit demo­kra­tisch.

War­um ist dem aber so? Die Washing­ton Post ver­such­te jüngst eine Ana­ly­se und wider­leg­te dabei die gele­gent­lich behaup­te­te Annah­me, die latein­ame­ri­ka­ni­schen Katho­li­ken, die in den USA leben, sei­en ihrer Über­zeu­gung nach „libe­ral“, also links. Viel­mehr suche sich die­se Wäh­ler­grup­pe von Wahl zu Wahl ihren Kan­di­da­ten auf­grund ihrer Inter­es­sen aus. Die Ein­wan­de­rungs­fra­ge spielt dabei eine zen­tra­le Rol­le. Als Ein­wan­de­rer wol­len sie offe­ne Gren­zen, jeden­falls nach Latein­ame­ri­ka und die Lega­li­sie­rung der zahl­rei­chen ille­ga­len Ein­wan­de­rer von dort, unter denen sich viel­leicht Ver­wan­det, Bekann­te, jeden­falls „Lands­leu­te“ im wei­te­sten Sinn befin­den. Die Demo­kra­ten bedie­nen die­se „Offen­heit“ bes­ser, ver­gleich­bar der euro­päi­schen Lin­ken mit ihrem Refu­gee Wel­co­me-Slo­gan, den sie von der extre­men Lin­ken ent­lehn­te. Es geht beim Wahl­ver­hal­ten der Lati­nos also weni­ger um eine welt­an­schau­li­che Hal­tung, als viel­mehr um hand­fe­ste Inter­es­sen. Besorg­nis­er­re­gend wird ihre Wahl­ent­schei­dung dann, wenn sie aus dis­ku­ta­blen Grün­den nicht mit ihrem Glau­ben über­ein­stimmt.

Alfon­so Agui­l­ar, Katho­lik und Vor­sit­zen­der  der Lati­no Part­nership for Con­ser­va­ti­ve Princi­ples in Washing­ton, erklärt die­sen Zusam­men­hang: „Für die Lati­nos belei­digt Trump die lega­len Ein­wan­de­rer und berei­tet eine Poli­tik gegen die ille­ga­len vor. Die Ein­wan­de­rung stellt zwar nicht die wich­tig­ste poli­ti­sche Fra­ge dar, die den Lati­nos am Her­zen liegt, sie ist aber der Schlüs­sel zu ihrer Welt. Die Art, wie ein Kan­di­dat die Ein­wan­de­rungs­fra­ge behan­delt, bestimmt für sie letzt­lich den Ton für den gan­zen Rest. Wenn ein Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat sich in die­sem Punkt nicht als kon­struk­tiv erweist, wird er von den Lati­nos zu allen Fra­gen abge­lehnt, auch zu wich­ti­ge­ren The­men, bei denen sie inhalt­lich mit ihm über­ein­stim­men.“

Der „absurde Widerspruch“

„Ein absur­der Wider­spruch“, kom­men­tier­te dazu Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na mit kon­kre­ten Fol­gen, wie Agui­l­ar bestä­tigt. „Die Mehr­heit der Lati­nos ist für ein Abtrei­bungs­ver­bot, aber trau­ri­ger­wei­se betref­fen 22 Pro­zent aller Abtrei­bun­gen Lati­nos“, so der Vor­sit­zen­de von Lati­no Part­nership for Con­ser­va­ti­ve Princi­ples.

Laut Agui­l­ar sind die Lati­nos-Wäh­ler kei­nes­wegs links, son­dern ten­den­zi­ell repu­bli­ka­nisch gesinnt. Durch die Hal­tung der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei zur Ein­wan­de­rungs­fra­ge füh­len sie sich jedoch von die­ser abge­lehnt. Die Fol­ge ist eine Stimm­ab­ga­be für die Demo­kra­ten, obwohl sie mit einem Groß­teil von deren Poli­tik nicht über­ein­stim­men.

Bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len 2012 gab es Lati­nos-Zir­kel, die die Hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus besuch­ten, aber wegen der Ein­wan­de­rungs­fra­ge Wahl­kampf für Barack Oba­ma mach­ten. Der Kon­flikt zwi­schen Donald Trump und Papst Fran­zis­kus, der den jüdi­schen Sena­tor und demo­kra­ti­schen Links­au­ßen Ber­nie San­ders als Kan­di­da­ten bevor­zugt hät­te, dreh­te sich um die Ein­wan­de­rungs­fra­ge. Der Groß­teil der US-Lati­nos applau­dier­te dem Papst, der in die­sem Punkt ihre Mei­nung und die ganz Latein­ame­ri­kas per­so­ni­fi­zier­te.

Differenzierung oder Scheitern

Im nicht-lin­ken Spek­trum der USA gibt es zahl­rei­che Vor­be­hal­te gegen Donald Trump. Schei­tern könn­te er aber vor allem an den katho­li­schen Wäh­lern. Die Bemü­hun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re, die Lati­nos in die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei ein­zu­bin­den, wer­den durch Trumps undif­fe­ren­zier­tes Trom­meln kon­ter­ka­riert. Die ille­ga­le Ein­wan­de­rung und die damit ver­bun­de­ne Kri­mi­na­li­tät sind in vie­len Tei­len der USA eine Pla­ge. Trump hat­te den Mut zu die­sen The­men aus­zu­spre­chen, was die Poli­tik bis dahin gewagt, aber vie­le Bür­ger gedacht haben. Sei­nen Kampf kämpft er aller­dings auf selbst­schä­di­gen­de Wei­se. Aus einem legal ein­ge­wan­der­ten Lati­no wird nicht über Nacht ein wasch­ech­ter Nord­ame­ri­ka­ner, der die Gren­zen gegen wei­ter Ein­wan­de­rung sichern will. Wenn es Trump nicht gelingt, dar­in sind sich die Beob­ach­ter zuneh­mend einig, in der Ein­wan­de­rungs­fra­ge die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen, wird er schei­tern – und was noch schlim­mer ist: Hil­la­ry Clin­ton wird sie­gen.

Trumps Schei­tern wür­den vie­le Kon­ser­va­ti­ve für ver­kraft­bar hal­ten, den Sieg Clin­tons aber nicht. Zu spät stell­ten sich man­che die Fra­ge, wie das repu­bli­ka­ni­sche Estab­lish­ment es soweit kom­men las­sen konn­te, daß die Kluft zur Wäh­ler­ba­sis so groß wur­de, Trump an die Spit­ze zu spü­len. Nach acht Jah­ren Oba­ma sol­len die USA den Repu­bli­ka­nern wie eine rei­fe Frucht in den Schoß fal­len. Wenn das Gegen­teil der Fall ist, liegt das zu einem erheb­li­chen Teil an haus­ge­mach­ten Feh­lern.

Ent­schei­dend ist jedoch: Soll­te Hil­la­ry Clin­ton gewin­nen, könn­te es wirk­lich dazu kom­men, wie John Zmi­rak schreibt, daß die Katho­li­ken in den zen­tra­len Fra­gen der Reli­gi­ons- und Gewis­sens­frei­heit ums Über­le­ben kämp­fen müs­sen. Bereits 2012 hat­ten die Ame­ri­ka­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz eine eige­ne Inter­net­sei­te zur Reli­gi­ons­frei­heit ein­ge­rich­tet, weil ihr nach vier Jah­ren Oba­ma der Ernst der Lage bewußt gewor­den war.

Trump scheint im Ver­gleich dazu, mehr als nur ein klei­ne­res Übel zu sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Life­Si­teNews

2 Kommentare

  1. Hun­de, die bel­len, bei­ßen nicht — so lau­tet ein altes deut­sches Sprich­wort. Und es trifft sicher auch auf Trump zu. Tat­säch­lich ist die­ser Mann doch eher prag­ma­tisch und han­delt zwar mutig, doch auch mit Augen­maß. Und nur mit die­sen Eigen­schaf­ten wird sich die Ein­wan­de­rungs­fra­ge in den USA mög­lichst erfolg­reich behan­deln las­sen. Wäh­rend von allen ande­ren ledig­lich die x‑te Auf­la­ge ideo­lo­gisch moti­vier­ter Vor­schrif­ten zu erwar­ten ist, kann Trump jen­seits die­ser beid­sei­ti­gen Ver­här­tun­gen den­ken und han­deln. Das wird gera­de für die Katho­li­ken und die Ein­wan­de­rer unter ihnen nur gut sein, ja end­lich eine brauch­ba­re Bes­se­rung erge­ben.

  2. Ich bin kon­ver­tiert, und weiß nach wie vor, dass es kei­nen bes­se­ren Weg gibt!
    Aber ich weiß auch, dass die 68er in Deutsch­land aus dem ehe­mals katho­li­schen Westen kamen.
    In die­sen Zei­ten ist es rat­sam, sich die Län­der anzu­se­hen, die dem Satan vie­le Jahr­zehn­te, viel­leicht Jahr­hun­der­te in Zucht gege­ben wor­den sind, z.B. den Osten, so wohl Deutsch­lands, also auch die öst­li­chen Län­der wie Russ­land und Chi­na, oder auch Tei­le Afri­kas

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