Nikolaus Messmer SJ: Erster und einziger Bischof von Kirgisistan gestorben — Rußlanddeutsche

Bischof Nikolaus Messmer SJ (1954-2016)
Bischof Nikolaus Messmer SJ (1954-2016)

(Bisch­kek) Kurz vor einer Ope­ra­ti­on starb am Mon­tag im Alter von 61 Jah­ren der ein­zi­ge katho­li­sche Bischof in Kir­gi­si­stan, wie der Vati­kan und der Jesui­ten­or­den bekannt­ga­ben. Bischof Niko­laus Mess­mer stamm­te aus einer schwarz­meer­deut­schen Fami­lie. 1975 trat er in den Jesui­ten­or­den ein. Seit 2006 war er Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor von Kir­gi­si­stan.

Bischof Niko­laus Mess­mer wur­de 1954 in Kara­gan­da in Kasach­stan gebo­ren, wohin sei­ne Fami­lie 1941 unter Josef Sta­lin depor­tiert wor­den war. 1978 leg­te er sei­ne ewi­gen Gelüb­de ab und wur­de am 28. Mai 1989 zum Prie­ster geweiht. Von 1997 bis 2006 war er – unter­bro­chen von einem Pro­mo­ti­ons­stu­di­um an der Gre­go­ria­na in Rom – Rek­tor des Klei­nen Semi­nars in Nowo­si­birsk (Ruß­land). Am 18. März 2006 erfolg­te sei­ne Ernen­nung zum Bischof durch Papst Bene­dikt XVI. Die Bischofs­wei­he spen­de­te ihm am 2. Juni 2006 Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Ange­lo Soda­no.

Katholisches Leben im Kirgisistan der 60er Jahre
Katho­li­sches Leben im Kir­gi­si­stan der 60er Jah­re

Aus der Fami­lie Mess­mer sind ins­ge­samt drei Brü­der, neben Niko­laus Mess­mer auch sei­ne jün­ge­ren Brü­der Otto und Hie­ro­ny­mus, in den Jesui­ten­or­den ein­ge­tre­ten: Otto Mess­mer SJ wur­de am 27. Okto­ber 2008 in Mos­kau ermor­det. Er war zu die­sem Zeit­punkt Ordens­obe­rer in Ruß­land. Hie­ro­ny­mus Mess­mer SJ gehört der Deut­schen Pro­vinz des Jesui­ten­or­dens an.

Eine Stel­le im Nach­ruf auf Pater Otto Mess­mer gibt auch Aus­kunft über sei­nen Bru­der, Bischof Niko­laus Mess­mer:

„Sei­ne Eltern sind ein Zeug­nis dafür, wie Ruß­land­deut­sche unter den Sowjets im Unter­grund an ihrem Glau­ben fest­hiel­ten und ihn an ihre Kin­der wei­ter­ga­ben. Die Eltern stam­men aus Spey­er bzw. Kan­del im Schwarz­meer­ge­biet und wur­den nach dem Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges aus dem soge­nann­ten Wart­he­gau wie­der in die Sowjet­uni­on depor­tiert. Es gelang ihnen, sich bis nach Kara­gan­da durch­zu­schla­gen, dem Zen­trum der katho­li­schen Unter­grund­kir­che. Dort wur­den Otto und auch alle sei­ne 5 Brü­der und 3 Schwe­stern gebo­ren. Geprägt wur­de Otto durch den litaui­schen Jesui­ten­pa­ter Albi­nas, der nach sei­ner Zeit im Gefäng­nis in Sibi­ri­en von 1975 an auch in Kara­gan­da wirk­te. Pater Albi­nas grün­de­te das Novi­zi­at im Unter­grund, in das auch Otto ein­trat.“

Die deut­schen Kolo­nien bei Odes­sa am Schwar­zen Meer ent­stan­den ab 1803. Die Kolo­nie Kan­del wur­de 1808 gegrün­det. Die Kolo­nie Spey­er ent­stand im fol­gen­den Jahr 1809. Die Fami­lie Mess­mer sie­del­te nach dem Zusam­men­bruch der Sowjet­herr­schaft, wie vie­le Ruß­land­deut­schen, in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus.

In Kir­gi­si­stan leben der­zeit rund 1.500 Katho­li­ken. Dabei han­delt es sich vor allem um Nach­kom­men von Depor­tier­ten der Sowjet­herr­schaft, beson­ders Deut­sche und Polen. Bischof Mess­mer war der erste Diö­ze­san­bi­schof des zen­tral­asia­ti­schen Lan­des. 75 Pro­zent der mehr als fünf Mil­lio­nen Ein­woh­ner sind Mus­li­me, 20 Pro­zent Rus­sisch-Ortho­do­xe. Zum Rest gehö­ren auch die Katho­li­ken und ins­ge­samt die Nach­kom­men der Ruß­land­deut­schen, die teils katho­lisch, teils pro­te­stan­tisch sind.

Mit dem Tod von Bischof Mess­mer sind sechs Prie­ster in Kir­gi­si­stan tätig, vier Jesui­ten und zwei Diö­ze­san­prie­ster. Die mei­sten sind deut­scher und pol­ni­scher Her­kunft.

Text: Radio Vatikan/Giuseppe Nar­di
Bild: catholic-kyrgyzstan.org

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