Gänswein: „Gewißheit, daß Papst als Fels in der Brandung galt, ist ins Rutschen geraten“

(Rom) Ein neu­es Inter­view mit Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein ver­öf­fent­lich­te die Schwä­bi­sche Zei­tung. Das Inter­view mit dem per­sön­li­chen Sekre­tär von Bene­dikt XVI. und Prä­fek­ten des Päpst­li­chen Hau­ses von Papst Fran­zis­kus führ­te Chef­re­dak­teur Hen­drik Groth in Rom.

Der lang­jäh­ri­ge Erste Sekre­tär von Papst Bene­dikt XVI. bestä­tig­te dabei, daß der ehe­ma­li­ge Papst gei­stig in bester Ver­fas­sung ist: „Der Kopf ist klar, hell, in Ord­nung. Die Bei­ne sind etwas müder gewor­den.“

Auch nach drei Jah­ren des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus wür­de Msgr. Gäns­wein die Aus­sa­ge, es pas­se „kein Blatt Papier“ zwi­schen die bei­den Nach­fol­ger des Petrus:

„Die Fra­ge habe ich mir auch schon gestellt; und ich beja­he sie nach wie vor nach all dem, was ich sehe, höre und wahr­neh­me. Hin­sicht­lich der Grund­li­ni­en ihrer theo­lo­gi­schen Über­zeu­gung gibt es auf jeden Fall eine Kon­ti­nui­tät. Natür­lich bin ich mir auch bewußt, daß durch die unter­schied­li­che Art und Wei­se der Dar­stel­lun­gen und For­mu­lie­run­gen gele­gent­lich dar­an Zwei­fel auf­kom­men könn­ten. Doch wenn ein Papst in der Leh­re etwas ändern will, dann muß er das deut­lich sagen, damit das auch ver­bind­lich ist. Wich­ti­ge Lehr­auf­fas­sun­gen las­sen sich nicht durch Halb­sät­ze oder etwas offen for­mu­lier­te Fuß­no­ten ver­än­dern. Die theo­lo­gi­sche Metho­den­leh­re hat dies­be­züg­lich ein­deu­ti­ge Kri­te­ri­en. Ein Gesetz, das in sich nicht klar ist, kann nicht ver­pflich­ten. Das Glei­che gilt für die Theo­lo­gie. Lehr­amt­li­che Aus­sa­gen müs­sen klar sein, damit sie ver­pflich­tend sind. Aus­sa­gen, die unter­schied­li­che Inter­pre­ta­tio­nen ermög­li­chen, sind eine ris­kan­te Sache.“

Zur mehr­fach kri­ti­sier­ten miß­ver­ständ­li­chen Spra­che von Papst Fran­zis­kus sag­te Gäns­wein:

„Daß er im Reden im Ver­gleich zu sei­nen Vor­gän­gern zuwei­len etwas unprä­zi­se, ja flap­sig ist, muß man ein­fach hin­neh­men. Jeder Papst hat sei­nen per­sön­li­chen Stil. Es ist sei­ne Art, so zu reden, auch auf die Gefahr hin, daß das Anlaß zu Miß­ver­ständ­nis­sen, mit­un­ter auch zu aben­teu­er­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen gibt. Er wird auch wei­ter­hin kein Blatt vor den Mund neh­men.“

Zur Bischofs­syn­ode über die Fami­lie mein­te der Kuri­en­erz­bi­schof:

„Der Wahr­heit hal­ber ist aber auch hin­zu­zu­fü­gen, daß eini­ge Bischö­fe wirk­lich Sor­ge haben, daß das Lehr­ge­bäu­de durch den Man­gel an glas­kla­rer Spra­che Ein­bu­ßen erlei­den könn­te.“

Zu den damit ver­bun­de­nen Span­nun­gen inner­halb der Kir­che und die Rich­tung, die Papst Fran­zis­kus sei­nem Pon­ti­fi­kat gibt:

„Die Gewiß­heit, daß der Papst als Fels in der Bran­dung, als letz­ter Anker galt, ist in der Tat ins Rut­schen gera­ten. Ob die­se Wahr­neh­mung der Rea­li­tät ent­spricht und das Bild von Papst Fran­zis­kus rich­tig wie­der­gibt, oder ob das mehr ein media­les Gemäl­de ist, kann ich nicht beur­tei­len. Unsi­cher­hei­ten, gele­gent­lich auch Kon­fu­sio­nen und ein Durch­ein­an­der sind aller­dings gewach­sen.“

Das voll­stän­di­ge Inter­view von Hen­drik Groth mit Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein auf schwäbisch.de

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: schwäbisch.de (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Das Wort „Kephas“ (= Fels) muss neu­er­dings mit „Latex“ oder „Gum­mi“ über­setzt wer­den!

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