Papst Franziskus und die Piusbruderschaft: Kleine Schritte Richtung Personalprälatur – Eine Chronologie

Bischof Fellay und Papst Franziskus
Bischof Fellay und Papst Franziskus

(Rom/Menzingen) Mit der Wahl von Kar­di­nal Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst schien eine Ver­söh­nung zwi­schen dem Vati­kan und der Pius­bru­der­schaft auf Jah­re hin­weg aus­ge­schlos­sen zu sein. Doch dann geschah das Uner­war­te­te. Ver­gan­ge­ne Woche war es nach vier Jah­ren erst­mals wie­der soweit, daß Gerüch­te die Run­de mach­ten, die kano­ni­sche Aner­ken­nung der Bru­der­schaft durch Rom sei spruch­reif. Dazu kam es zwar nicht, die Gesprä­che wer­den aber fort­ge­setzt. Wider Erwar­ten sieht man in der Pius­bru­der­schaft mit Papst Fran­zis­kus weit bes­se­re Aus­sich­ten auf eine Über­ein­kunft, als unter Bene­dikt XVI. Dabei ver­bin­det Fran­zis­kus und die Bru­der­schaft im Gegen­satz zu Bene­dikt XVI. ziem­lich wenig. Eine Chro­no­lo­gie der Ereig­nis­se seit der Wahl von Papst Fran­zis­kus.

Vor 40 Jah­ren, 1976, wur­den Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re und die Prie­ster der von ihm gegrün­de­ten Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) von Rom sus­pen­diert. 1988 erklär­te nach gül­ti­gen, aber uner­laub­ten Bischofs­wei­hen Rom die Exkom­mu­ni­ka­ti­on der betei­lig­ten Bischö­fe.

Als Reak­ti­on auf die Bischofs­wei­hen erließ Papst Johan­nes Paul II. 1988 das Motu pro­prio Eccle­sia Dei adflic­ta, mit dem er eine gewis­se Wie­der­zu­las­sung der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus erlaub­te, die mit der umstrit­te­nen nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form von 1969/1970 aus­ge­tilgt wer­den soll­te.

Eine der ersten Amts­hand­lun­gen von Papst Bene­dikt XVI. nach sei­ner Wahl war es, Bischof Ber­nard Fel­lay, den Gene­ral­obe­ren der Pius­bru­der­schaft, zu einem Gespräch zu sich zu rufen. Dar­aus ent­stan­den mehr­jäh­ri­ge Exper­ten­ge­sprä­che zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Bru­der­schaft.

2011 leg­te Rom einen Lösungs­vor­schlag vor: die Pius­bru­der­schaft wer­de kir­chen­recht­lich wie­der aner­kannt, wenn sie eine dok­tri­nel­le Prä­am­bel unter­zeich­ne. Die Bru­der­schaft lehn­te Tei­le der Prä­am­bel ab und leg­te Ände­rungs­vor­schlä­ge in der For­mu­lie­rung vor.

Im Mai 2012 schien eine Eini­gung spruch­reif zu sein. Mit­te des Monats befaß­te sich die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on mit dem erziel­ten Ergeb­nis. Dann über­schlu­gen sich die Ereig­nis­se. Die genau­en Details sind nach wie vor nicht bekannt. Bekannt ist nur, daß im Juni eine Dele­ga­ti­on der FSSPX in der Über­zeu­gung nach Rom rei­ste, eine Eini­gung erzie­len zu kön­nen durch Unter­zeich­nung der nach ihren Vor­schlä­gen geän­der­ten Prä­am­bel.

Statt­des­sen bekräf­tig­te Rom, daß die ursprüng­lich vor­ge­leg­te Prä­am­bel zu unter­zeich­nen sei, was Bischof Fel­lay ver­wei­ger­te. Die Eini­gung platz­te. Ein klei­ner Teil der Pius­bru­der­schaft, der grund­sätz­lich gegen jede Eini­gung mit Rom war, dar­un­ter aller­dings auch einer der vier Bischö­fe, Richard Wil­liam­son, wur­de aus­ge­schlos­sen oder ver­ließ die Bru­der­schaft aus Pro­test. Die Gesprä­che schie­nen wie­der auf Jah­re hin­weg auf Eis gelegt zu sein. Die Ereig­nis­se wäh­rend des Pon­ti­fi­kats von Bene­dikt XVI. fin­den sich zusam­men­ge­faßt in Gesprä­che zwi­schen Pius­bru­der­schaft und Rom – Die Chro­no­lo­gie der Ereig­nis­se.

Am 13. März 2013 wur­de Kar­di­nal Jor­ge Mario Ber­go­glio zum neu­en Papst Fran­zis­kus gewählt. Die ersten Mona­te sei­nes Pon­ti­fi­kats lie­ßen es nicht ver­mu­ten, daß die Gesprä­che mit der Pius­bru­der­schaft wie­der auf­ge­nom­men wer­den könn­ten. Doch es kam anders, wie eine kur­ze Chro­no­lo­gie zei­gen soll.

März 2013

Zwei Tage nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus gab der Disk­trik­t­o­be­re der Pius­bru­der­schaft für Ame­ri­ka, Pater Chri­sti­an Bouch­a­court, bekannt, daß er von Jor­ge Mario Ber­go­glio, den Erz­bi­schof von Bue­nos Aires und Pri­mas von Argen­ti­ni­en, „fünf oder sechs Mal“ freund­lich emp­fan­gen wor­den war, und der Kar­di­nal ihm nach Mög­lich­keit zu geben ver­such­te, wor­um er ihn bat, „ohne auf Hin­der­nis­se zu sto­ßen“.

Kon­kret ging es dabei um Visa für Semi­na­ri­sten. In Argen­ti­ni­en befin­det sich das Prie­ster­se­mi­nar der Pius­bru­der­schaft für den spa­nisch­spra­chi­gen Raum.

Dezember 2013

Erzbischof Marcel Lefebvre
Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re

Im Gäste­haus San­ta Mar­ta des Vati­kans, in dem Papst Fran­zis­kus sei­ne Resi­denz hat, kam es am 13. Dezem­ber zu einer ersten kur­zen Begeg­nung zwi­schen Papst Fran­zis­kus und Bischof Fel­lay, den Gene­ral­obe­ren der Pius­bru­der­schaft. Publik wur­de die Begeg­nung erst am 10. Mai 2014 durch die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Inter­net­sei­te Rora­te Cae­li. Am 11. Mai ergänz­te I.Media, daß Bischof Fel­lay zusam­men mit sei­nen bei­den Assi­sten­ten, Pater Niklaus Pflu­ger und Pater Alain-Marc Nély an der mor­gend­li­chen Mes­se des Pap­stes teil­ge­nom­men habe. Der Grund des Besuchs im Vati­kan war ein Tref­fen mit dem Sekre­tär der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, Kuri­en­erz­bi­schof Gui­do Poz­zo, und dem bei­geord­ne­ten Sekre­tär der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kuri­en­erz­bi­schof Joseph Augu­sti­ne Di Noia OP. Die Begeg­nung mit dem Papst, habe sich „auf weni­ge Sekun­den“ beschränkt, bei der ihn das Kir­chen­ober­haupt gebe­ten habe, für ihn zu beten.

September 2014

Am 23. Sep­tem­ber kam es uner­war­tet zu einem Tref­fen zwi­schen Bischof Fel­lay und Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, dem Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Zu sei­ner Zeit als Diö­ze­san­bi­schof von Regens­burg galt das Ver­hält­nis zwi­schen ihm und der Pius­bru­der­schaft als gespannt. In der Diö­ze­se Regens­burg befin­det sich das Prie­ster­se­mi­nar der Bru­der­schaft für den deut­schen Sprach­raum und angren­zen­de Gebie­te.
Nach dem Tref­fen in  „herz­li­cher Atmo­sphä­re“ gab der Pres­se­dienst der FSSPX bekannt: „Im Lau­fe des Gesprächs wur­den die lehr­mä­ßi­gen und kano­ni­schen Schwie­rig­kei­ten aus­ein­an­der­ge­legt und die aktu­el­le Situa­ti­on der Kir­che erör­tert.“ Auf­grund des „gegen­sei­ti­gen Wun­sches“, „wur­de beschlos­sen, den gemein­sa­men Aus­tausch auf­recht zu erhal­ten, um bestehen­de aus­ein­an­der­wei­chen­de Punk­te zu klä­ren.“

Oktober 2014

In einem Inter­view mit der fran­zö­si­schen Zeit­schrift Famil­le Chré­ti­en­ne sag­te Kuri­en­erz­bi­schof Gui­do Poz­zo: Der Hei­li­ge Stuhl set­ze die Gesprä­che mit der FSSPX gera­de des­halb fort, um die noch exi­stie­ren­den „Schwie­rig­kei­ten dok­tri­nel­ler Natur“ zu über­win­den. Die Fra­ge sei „eng“ mit der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ver­bun­den, und der Vor­sit­zen­de der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei „ist der Glau­bens­prä­fekt selbst“.

Dezember 2014

Kar­di­nal Wal­ter Brand­mül­ler besuch­te am 5. Dezem­ber das Prie­ster­se­mi­nar der Bru­der­schaft in Zaitz­ko­fen (Bis­tum Regens­burg) und sprach dort über die lehr­amt­li­che Auto­ri­tät des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils.

Januar 2015

Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der, der Weih­bi­schof des Erz­bis­tums Asta­na in Kasach­stan besuch­te am 16. Janu­ar das Prie­ster­se­mi­nar der Bru­der­schaft für den fran­zö­si­schen Sprach­raum in Fla­vi­gny-sur-Oze­r­ain in Frank­reich.

Februar 2015

Bischof Schnei­der besuch­te am 11. Febru­ar das Prie­ster­se­mi­nar der Bru­der­schaft für den eng­lisch­spra­chi­gen Raum in Wino­na in den USA. Der Besuch fiel mit dem jähr­li­chen Prie­ster­tref­fen zusam­men, sodaß sich 80 Prie­ster des US-Distrikts im Semi­nar befan­den. Bei bei­den Besu­chen von Msgr. Schnei­der sei es um die Lit­ur­gie­re­form von Paul VI. gegan­gen und die dok­tri­nel­len Grund­la­gen des Novus Ordo Mis­sae.

April 2015

Mit Unter­stüt­zung von Kar­di­nal Mario Poli, dem Nach­fol­ger von Kar­di­nal Ber­go­glio als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires, erlang­te die Pius­bru­der­schaft am 14. April 2015 die Aner­ken­nung durch den argen­ti­ni­schen Staat. Wie selbst der Pres­se­dienst der FSSPX berich­te­te, sei die Aner­ken­nung „wahr­schein­lich nicht ohne Zustim­mung von Papst Fran­zis­kus“ zustan­de gekom­men.

Juni 2015

Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ernann­te Bischof Fel­lay am 5. Juni 2015 zum Rich­ter ersten Gra­des in einem kir­chen­recht­li­chen Ver­fah­ren gegen einen Prie­ster der Pius­bru­der­schaft. Bischof Fel­lay bemerk­te nicht ohne Iro­nie:

„Ich wur­de von Rom ernannt, Urtei­le nach dem kano­ni­schen Recht über eini­ge Prie­ster zu fäl­len, die zu einer Grup­pe gehö­ren, die für den Hei­li­gen Stuhl gar nicht exi­stiert.“

August 2015

In einem Inter­view mit der spa­nisch­spra­chi­gen, katho­li­schen Inter­net­platt­form Adel­an­te la fe sag­te Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der als Emp­feh­lung an Rom: „Pius­bru­der­schaft soll­te aner­kannt wer­den, so wie sie ist“. Das sei das Ergeb­nis sei­ner Besu­che in Prie­ster­se­mi­na­ren der Pius­bru­der­schaft.

1. September 2015

FSSPX
FSSPX

Am 1. Sep­tem­ber auto­ri­sier­te Papst Fran­zis­kus die Prie­ster der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. wäh­rend des von ihm aus­ge­ru­fe­nen Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit allen Gläu­bi­gen die Beich­te abneh­men und die Abso­lu­ti­on ertei­len zu kön­nen. Im Schrei­ben, mit dem er zum außer­or­dent­li­chen Jubel­jahr der Barm­her­zig­keit einen Ablaß gewähr­te, heißt es:

„Eine abschlie­ßen­de Über­le­gung gilt den Gläu­bi­gen, die aus ver­schie­de­nen Grün­den die von den Prie­stern der Bru­der­schaft St. Pius X. betreu­ten Kir­chen besu­chen. Die­ses Jubi­lä­ums­jahr der Barm­her­zig­keit schließt nie­man­den aus. Von ver­schie­de­ner Sei­te haben mir eini­ge bischöf­li­che Mit­brü­der vom guten Glau­ben und der guten sakra­men­ta­len Pra­xis die­ser Gläu­bi­gen berich­tet, aller­dings ver­bun­den mit dem Unbe­ha­gen, in einer pasto­ral schwie­ri­gen Situa­ti­on zu leben. Ich ver­traue dar­auf, dass in naher Zukunft Lösun­gen gefun­den wer­den kön­nen, um die vol­le Ein­heit mit den Prie­stern und Obe­ren der Bru­der­schaft wie­der­zu­ge­win­nen. Bewegt von der Not­wen­dig­keit, dem Wohl die­ser Gläu­bi­gen zu ent­spre­chen, bestim­me ich in der Zwi­schen­zeit in eige­ner Ver­fü­gung, dass die­je­ni­gen, die wäh­rend des Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit das Sakra­ment der Ver­söh­nung bei den Prie­stern der Bru­der­schaft St. Pius X. emp­fan­gen, gül­tig und erlaubt die Los­spre­chung von ihren Sün­den erlan­gen.“

22. September 2015

Der Erz­bi­schof von Raven­na in Ita­li­en sprach gegen­über der Pius­bru­der­schaft die Ein­la­dung aus, regel­mä­ßig in einer Pfar­rei des Erz­bis­tums die Hei­li­ge Mes­se in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zu zele­brie­ren. Damit reagier­te der Erz­bi­schof auf die Bit­te von Gläu­bi­gen der Gegend nach einer Meß­ze­le­bra­ti­on in der außer­or­dent­li­chen Form, wie es im Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum heißt.

Die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Sei­te Mes­sa in Lati­no schrieb dazu: „Nach der Ankün­di­gung des Pap­stes, daß die Prie­ster der FSSPX recht­mä­ßig die Beich­te hören kön­nen, ist der ita­lie­ni­sche Epi­sko­pat nicht lang­sam, sich auf Linie zu brin­gen. Das war gestern noch undenk­bar.“

November 2015

Am 19. Novem­ber bestä­tig­te der Regens des Prie­ster­se­mi­nars Zaitz­ko­fen der Pius­bru­der­schaft, der ehe­ma­li­ge Gene­ral­obe­re Pater Franz Schmid­ber­ger, gegen­über Gloria.tv, daß Rom der Bru­der­schaft einen neu­en Vor­schlag unter­brei­tet hat. Eine Bestä­ti­gung erfolgt am sel­ben Tag auch durch den Distrik­t­o­be­ren der Schweiz. Dem Ver­neh­men nach wur­de die kano­ni­sche Aner­ken­nung als Per­so­nal­prä­la­tur ange­bo­ten. Die­se Rechts­form hat bis­her nur das Opus Dei.
Eine unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Eini­gung wur­de von Pater Schmid­ber­ger demen­tiert: Da gebe es „noch viel zu klä­ren“.

17. Januar 2016

Bei einem Vor­trag in Bail­ly bei Ver­sailles sag­te Alfon­so de Galar­re­ta, einer der drei Bischö­fe der Pius­bru­der­schaft, im Zusam­men­hang mit einer Aner­ken­nung der FSSPX durch den Hei­li­gen Stuhl:

„Ich den­ke, der Papst schlägt die Rich­tung einer ein­sei­ti­gen Aner­ken­nung ein.“

21. Januar 2016

Am Tag vor dem Marsch für das Leben 2016 in Washing­ton D.C. nahm Bischof Fel­lay an einer Tagung über die Fami­lie teil. Dabei sprach er über die Abtrei­bung, aber auch über den Zustand der Kir­che und die Bezie­hun­gen zu Rom und zu Papst Fran­zis­kus.
Über die Juris­dik­ti­on der Prie­ster der Bru­der­schaft:

„Es ist kei­ne Dele­ga­ti­on; es ist die ordent­li­che Gewalt, Beich­ten zu hören. Nor­ma­ler­wei­se wird die­se Gewalt einem Prie­ster vom Bischof ver­lie­hen. Wir haben sie direkt vom Papst über die Bischö­fe hin­weg. Das ist sehr sel­ten, aber er kann es tun … . Wenn man logisch ist, muß man fest­stel­len, daß die­se Tat­sa­che, allen Prie­ster der Bru­der­schaft die ordent­li­che Gewalt zu geben, die Beich­te zu hören und zu absol­vie­ren, gleich­zei­tig bedeu­tet, daß er [der Papst] jede Art von Sank­tio­nen besei­tigt hat. Bei­des kann nicht zusam­men­ge­hen.“

Über die Bezie­hun­gen zu Rom:

„Es besteht abso­lut kein Zwei­fel dar­an, daß er sich sehr per­sön­lich um unse­ren Fall küm­mert. Er kennt uns aus der Nähe. Und die Art, wie er sich ver­hält, ver­pflich­tet uns zu glau­ben, daß er Sym­pa­thie für uns hat …, was im Wider­spruch steht zu den Vor­wür­fen. Ich kann nicht mehr als das erklä­ren. Ich erwar­te­te wirk­lich eine Ver­ur­tei­lung und dann geschieht das Gegen­teil.“

Über Papst Fran­zis­kus und die FSSPX:

„Er erhielt die Bio­gra­phie von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re und er las sie zwei­mal! Das tun Sie nicht, wenn Sie kein Inter­es­se dar­an haben.
Er sagt, daß die Kir­che ‚nicht unter sich blei­ben darf, daß sie nicht selbst­zu­frie­den sein darf, daß sie sich um die Peri­phe­rie sor­gen muß‘ und so wei­ter und er sieht, daß wir das tun. Wir bewe­gen viel um uns her­um, wir lau­fen den See­len nach, wir ver­su­chen ihnen zu hel­fen und ich bin mir ziem­lich sicher, daß er damit zufrie­den ist. Viel­leicht nicht glück­lich mit allem, aber jeden­falls zufrie­den mit die­ser Tat­sa­che, daß wir aktiv sind in der Sor­ge für die See­len.“

Über die kir­chen­recht­li­che Aner­ken­nung der Pius­bru­der­schaft:

„Es ist unmög­lich zu sagen, was mor­gen pas­sie­ren wird. Wer­den wir aner­kannt, ja oder nein? Ehr­lich gesagt, habe ich kei­ne Ahnung. Und war­um? Auf­grund der Lage der Kir­che! Denn auch in Rom gibt es Per­so­nen, die unse­ren Tod wol­len, die unse­re Ver­ur­tei­lung wol­len! Wer wird gewin­nen, der Papst oder die Ande­ren? Lei­der muß ich sagen: Ich weiß es nicht.“

Februar 2016

In einem Inter­view mit dem Pres­se­dienst Zenit sprach der Sekre­tär der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, Kuri­en­erz­bi­schof Poz­zo, der im Vati­kan mit den Kon­tak­ten zur Pius­bru­der­schaft beauf­tragt ist, am 25. Febru­ar von einer „kla­ren Wil­lens­be­kun­dung des Pap­stes, die kano­ni­sche Aner­ken­nung der Pius­bru­der­schaft zu för­dern“.

März 2016

Am 18. März ver­öf­fent­lich­te der deut­sche Pres­se­dienst der Pius­bru­der­schaft ein Inter­view mit Bischof Fel­lay. Dar­in sag­te er, daß die FSSPX aus dem Jahr 2012 „eini­ge Leh­ren gezo­gen“ habe. Alle Schrit­te, die mit den Gesprä­chen mit Rom zu tun haben, wür­den in enger Abstim­mung mit den „Mit­brü­dern, in erster Linie den Obe­ren“ statt­fin­den.

Zum neu­en von Rom unter­brei­te­ten Vor­schlag sag­te er:

„Es muß unbe­dingt jedes Zuge­ständ­nis ver­mie­den wer­den, ‚Zuge­ständ­nis‘ in dop­pel­tem Wort­sinn. Im Sin­ne von Kom­pro­miss, bei dem jede Sei­te etwas auf­gibt, um sich etwas ande­res zu sichern. Von Anfang an habe ich Rom gesagt: ‚Ich will kei­ne Zwei­deu­tig­kei­ten. Wenn Sie zu einem Kon­sens über einen Text gelan­gen wol­len, den jede Sei­te auf ver­schie­de­ne Wei­se ver­steht, dann ergä­be das kurz danach ein Cha­os.‘ Das muß also in jedem Fall ver­mie­den wer­den. Es ist fast offen­sicht­lich, zu Beginn, daß in der augen­blick­li­chen Lage ange­sichts der Diver­gen­zen ein Text eine sol­che Ten­denz zur Zwei­deu­tig­keit hät­te. Und das wol­len wir nicht.“

Er habe Rom daher klar gesagt, daß es nur einen Weg der Aner­ken­nung geben kön­ne, daß „wir so akzep­tiert wer­den, wie wir sind, ohne Zwei­deu­tig­kei­ten und ohne Kom­pro­mis­se“.

1. April 2016

Papst Fran­zis­kus emp­fing Bischof Fel­lay und des­sen Assi­sten­ten, Pater Pflu­ger und Pater Nély, in San­ta Mar­ta im Vati­kan. Das Tref­fen, das auf Wunsch des Pap­stes zustan­de­kam, dau­er­te 40 Minu­ten und „ver­lief in einem herz­li­chen Kli­ma“, wie der Pres­se­dienst der Pius­bru­der­schaft bekannt­gab. „Am Ende des Gesprächs wur­de ent­schie­den, den lau­fen­den Aus­tausch fort­zu­set­zen. Über den kir­chen­recht­li­chen Sta­tus der Prie­ster­bru­der­schaft wur­de nicht direkt gespro­chen; Papst Fran­zis­kus und Bischof Fel­lay sind der Ansicht, daß der gegen­sei­ti­ge Aus­tausch ohne Über­ei­lung fort­ge­setzt wer­den soll.“

2. April 2016

Am Tag nach dem Tref­fen mit dem Papst folg­te eine Begeg­nung mit dem Sekre­tär der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, Mgr. Gui­do Poz­zo. Die­ser sag­te anschlie­ßend über den Besuch der FSSPX-Dele­ga­ti­on bei Papst Fran­zis­kus: die­ser sei „sehr herz­lich und kon­struk­tiv“ ver­lau­fen und sei „ein wei­te­rer Schritt auf dem Weg der Ver­söh­nung, die wir wün­schen“.

10. April 2016

Kurienerzbischof Guido Pozzo
Kuri­en­erz­bi­schof Gui­do Poz­zo

Bei sei­ner Pre­digt am Mari­en­wall­fahrts­ort Le Puy in der fran­zö­si­schen Auver­gne berich­te­te Bischof Fel­lay von der Begeg­nung mit Papst Fran­zis­kus. Die­ser habe ihm und sei­nen Assi­sten­ten erklärt, daß unter Bene­dikt XVI., am Ende von des­sen Pon­ti­fi­kat, eine Frist gesetzt wor­den sei: Wenn die Pius­bru­der­schaft inner­halb der gesetz­ten Frist den römi­schen Vor­schlag nicht unter­schreibt, so wur­de beschlos­sen, wer­de sie exkom­mu­ni­ziert. Fran­zis­kus habe dazu gemeint, es sei wahr­schein­lich der Hei­li­ge Geist gewe­sen, der Bene­dikt XVI. dazu beweg­te, kurz vor sei­nem Amts­ver­zicht, das Ulti­ma­tum auf­zu­he­ben, um, wie er sag­te, die Ange­le­gen­heit sei­nem Nach­fol­ger zu über­las­sen. Dem neu­ge­wähl­ten Papst sei dann von den­sel­ben Leu­ten auch vor­ge­schla­gen wor­den, die beab­sich­tig­te Exkom­mu­ni­ka­ti­on durch­zu­füh­ren. Es sei ja nur das Datum zu ändern und die Unter­schrift dar­un­ter­zu­set­zen. Fran­zis­kus habe aber gesagt: „Nein, ich wer­de nicht exkom­mu­ni­zie­ren, ich wer­de nicht ver­ur­tei­len.“

Der Papst gab zu ver­ste­hen, daß er den Prie­stern der Bru­der­schaft auch nach dem Hei­li­gen Jahr der Barm­her­zig­keit die Spen­dung des Buß­sa­kra­ments erlau­ben will. „Ich habe zu ihm gesagt: ‚War­um nicht auch die ande­ren Sakra­men­te?‘ Er war ganz offen. Wir wer­den sehen, wie sich die Din­ge ent­wickeln.“

Erz­bi­schof Poz­zo habe ihm bestä­tigt, daß die Bru­der­schaft „das Recht“ habe, ihre Auf­fas­sung von der Reli­gi­ons­frei­heit, über den Öku­me­nis­mus und die Bezie­hun­gen zu den ande­ren Reli­gio­nen zu ver­tei­di­gen. Der Gene­ral­obe­re füg­te hin­zu, daß die Bru­der­schaft ja nichts ande­res ver­tre­te als die Leh­re der Päp­ste.

Schließ­lich gab Bischof Fel­lay noch bekannt, daß Papst Fran­zis­kus nicht nur erklärt habe, daß für ihn die Pius­bru­der­schaft „katho­lisch“ ist, son­dern ihn ermu­tigt habe, auch in Ita­li­en ein Prie­ster­se­mi­nar der Pius­bru­der­schaft zu grün­den.

11. April 2016

In einem Inter­view mit dem Pres­se­dienst Zenit sag­te Kuri­en­erz­bi­schof Poz­zo (Eccle­sia Dei), daß der Pius­bru­der­schaft „im geeig­ne­ten Moment“ eine „dok­tri­nä­re Erklä­rung“ unter­brei­tet wer­de, die alle „wesent­li­chen und not­wen­di­gen Punk­te“ ent­hal­ten wer­de. Als sol­che Punk­te nann­te Poz­zo: „die Zustim­mung zum Glau­bens­be­kennt­nis, die sakra­men­ta­le Bin­dung und die hier­ar­chi­sche Gemein­schaft mit dem römi­schen Papst, dem Ober­haupt des mit ihm ver­ein­ten Bischofs­kol­le­gi­ums“.
Der Ver­ant­wort­li­che von Eccle­sia Dei beton­te dabei, daß auch „nach der kano­ni­schen Aner­ken­nung“ über die Kon­zils­do­ku­men­te dis­ku­tiert wer­den kön­ne. Das Ziel der „Dis­kus­sio­nen, Ver­tie­fun­gen“ müs­se die „Ver­mei­dung jeg­li­cher Miß­ver­ständ­nis­se und Wider­sprü­che“ sein, die „unse­res Wis­sens gegen­wär­tig im kirch­li­chen Bereich ver­brei­tet sind“.

21. Juni 2016

Die Salz­bur­ger Nach­rich­ten ver­öf­fent­lich­ten ein Inter­view mit Bischof Fel­lay. Dar­in gab sich die­ser ver­söhn­lich gegen­über Rom. Wört­lich sag­te er: „Kein Bischof darf Anspruch auf Teil­ha­be an der Lei­tung der Kir­che erhe­ben, wenn er nicht mit dem Papst ist und unter dem Papst steht.“ Die Pius­bru­der­schaft habe „immer den Pri­mat des Pap­stes aner­kannt“ und habe nie „um nichts in der Welt eine Tren­nung von Rom“ gewollt.

22. Juni 2016

Der Bischof von Regens­burg, Rudolf Voder­hol­zer, in des­sen Bis­tum sich ein Prie­ster­se­mi­nar der Pius­bru­der­schaft befin­det, kün­dig­te mit Blick auf die tra­di­tio­nell Ende Juni/Anfang Juli statt­fin­den­den Prie­ster­wei­hen an, daß die­se von Rom für „unbe­denk­lich“ erklärt wur­den und daher „gedul­det und ohne Stra­fe akzep­tiert“ wer­den. Das sei ein ein­sei­ti­ges Zuge­ständ­nis Roms mit Blick auf die erwar­te­te Ver­söh­nung mit der Bru­der­schaft.

29. Juni 2016

Ende Juni wur­den die Obe­ren der Pius­bru­der­schaft über den aktu­el­len Stand der Gesprä­che mit Rom infor­miert und die ein­zu­neh­men­de Hal­tung geklärt. Im Vor­feld war über eine unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Eini­gung mit Rom spe­ku­liert wor­den. Rom habe der Pius­bru­der­schaft den Sta­tus einer Per­so­nal­prä­la­tur ange­bo­ten mit Rech­ten, die über jene des Opus Dei (der ein­zi­gen in der Kir­che bestehen­den Per­so­nal­prä­la­tur) hin­aus­gin­gen.

In der offi­zi­el­len Erklä­rung hieß es dann aber:

„Der augen­blick­li­che Zustand des schwe­ren Not­stan­des gibt der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. das Recht und die Pflicht, allen See­len, die sich an sie wen­den, geist­li­che Hil­fe zu gewäh­ren. Des­halb sucht sie nicht in erster Linie die kano­ni­sche Aner­ken­nung, auf die sie – als ein katho­li­sches Werk – ein Anrecht hat. Sie hat nur ein Bestre­ben: Das zwei­tau­send­jäh­ri­ge Licht der Tra­di­ti­on sowohl inner­halb der Gesell­schaft wie auch der Kir­che treu wei­ter zu tra­gen. Das ist der ein­zi­ge Weg, dem es in die­ser Epo­che der Fin­ster­nis zu fol­gen gilt, wo der Kult des Men­schen sich an die Stel­le der Got­tes­ver­eh­rung gesetzt hat.“

Für Auf­se­hen sorg­te vor allem Kri­tik an Papst Fran­zis­kus:

„In der gro­ßen und schmerz­haf­ten Ver­wir­rung, die augen­blick­lich in der Kir­che herrscht, erfor­dert die Ver­kün­di­gung der katho­li­schen Leh­re die Ankla­ge der Irr­tü­mer, die – unse­li­ger­wei­se begün­stigt durch eine gro­ßen Zahl von Hir­ten, bis hin zum Papst selbst – in ihren Schoß ein­ge­drun­gen sind.“

30. Juni 2016

Kuri­en­erz­bi­schof Poz­zo, im Vati­kan mit den Kon­tak­ten zur Pius­bru­der­schaft betraut, war am Tag danach um Beru­hi­gung bemüht und wie­gel­te ab: Was die Pius­bru­der­schaft in ihrer Pres­se­er­klä­rung gesagt habe, sei zum Teil das, was sie schon bis­her sag­te. Die Kri­tik am Papst müs­se auf das umstrit­te­ne nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia bezo­gen sein. Die Erklä­rung gehe nicht auf Details der Fra­gen ein, die aktu­el­ler Gegen­stand der Gesprä­che sind und über die noch zu spre­chen sei. Jeden­falls wür­den die Gesprä­che nach dem Som­mer fort­ge­setzt wer­den.

Juli 2016

Auch Bischof Fel­lay bestä­tig­te am 2. Juli in sei­ner Pre­digt anläß­lich der Prie­ster­wei­hen in Zaitz­ko­fen, daß die Gesprä­che mit Rom nach der Som­mer­pau­se wei­ter­ge­führt wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Dogmadafe/FSSPX/MiL

1 Kommentar

  1. Wel­chen Wert hat eine kano­ni­sche Aner­ken­nung von einer Auto­ri­tät, die sel­ber nur mehr im Grau­be­reich der Katho­li­zi­tät wan­delt (manch­mal auch außer­halb) und somit nicht mehr der Garant der katho­li­schen Leh­re ist? Bereits 1987 sag­te S.E. Lef­eb­v­re, dass man Rom nicht mehr trau­en kön­ne, weil sie vom Glau­ben abge­fal­len sind!

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