Kardinal Sarah: Aufruf an Priester, ab Erstem Adventssonntag 2016 wieder Richtung Osten zu zelebrieren

Kardinal Sarah Zelebrationsrichtung ab November wieder Richtung Osten ad Deum
Kardinal Sarah Zelebrationsrichtung ab November wieder Richtung Osten ad Deum

(Lon­don) Kar­di­nal Robert Sarah, der Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, wie­der­hol­te sei­ne Auf­for­de­rung an alle Prie­ster, die Hei­li­ge Mes­se wie­der Rich­tung Osten zu zele­brie­ren, wie es bis zur Lit­ur­gie­re­form nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil der Fall war. Bei einer Tagung in Lon­don nann­te der Kar­di­nal gestern erst­mals auch einen kon­kre­ten Ter­min dafür: ab dem Ersten Advents­sonn­tag 2016. Der bri­ti­sche Catho­lic Herald spricht von der größ­ten lit­ur­gi­schen Ankün­di­gung seit dem Motu Pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum im Som­mer 2007 durch Papst Bene­dikt XVI.

Die Wie­der­an­knüp­fung an die Zele­bra­ti­ons­pra­xis, die fast 2000 Jah­re in der Kir­che gegol­ten hat­te, sei „etwas Gutes für die Kir­che und etwas Gutes für die Gläu­bi­gen“.

Gerede vom Priester, der dem Volk den Rücken zuwende, sei eine falsche Sichtweise

Bereits im ver­gan­ge­nen Mai bezeich­ne­te es Kar­di­nal Sarah in einem Inter­view mit der fran­zö­si­schen Zeit­schrift Famil­le Chré­ti­en­ne als

„essen­ti­ell, daß der Prie­ster und die Gläu­bi­gen gemein­sam nach Osten blicken. Das ent­spricht exakt dem, was die Kon­zils­vä­ter wünsch­ten“.

Der Kar­di­nal wider­sprach gleich­zei­tig der in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten kol­por­tier­ten Behaup­tung, der nach Osten zele­brie­ren­de Prie­ster wür­de den Gläu­bi­gen „den Rücken zukeh­ren“. Das sei eine fal­sche Sicht­wei­se, denn der Prie­ster ste­he stell­ver­tre­tend für alle Gläu­bi­gen vor Gott und damit in der Zele­bra­ti­on an der Spit­ze der Gläu­bi­gen, die sich ver­trau­ens­voll an Gott wen­den. Das kom­me durch die gemein­sa­me Zele­bra­ti­ons- und Gebets­rich­tung von Prie­ster und Gläu­bi­gen zum Aus­druck.

„Prie­ster und Gläu­bi­ge schau­en gemein­sam in die­sel­be Rich­tung, auf den wie­der­keh­ren­den Herrn, den sie erwar­ten.“

Kardinal Robert Sarah
Kar­di­nal Robert Sarah

In den Rubri­ken für die Meß­fei­er sei genau ange­ge­ben, wann der Prie­ster sich dem Volk zuwen­det. Daher sei es ange­mes­sen, daß „wäh­rend des Buß­ak­tes, dem Glo­ria, den Gebe­ten und dem eucha­ri­sti­schen Hoch­ge­bet, die gan­ze Welt, Prie­ster und Gläu­bi­ge sich Rich­tung Osten wen­den, um damit ihre Absicht zum Aus­druck zu brin­gen, an der Kult­hand­lung und an der von Chri­stus gewirk­ten Erlö­sung teil­zu­ha­ben.“

Aus die­sem Grund haben die alten Kathe­dra­len durch die Ostung eine ein­deu­ti­ge Aus­rich­tung, die ins­ge­samt „für das lit­ur­gi­sche Leben vor­bild­haft sein muß“, so der Kar­di­nal.

Sacra Liturgia UK 2016

Gestern wur­de in Lon­don die Tagung Sacra Lit­ur­gia UK 2016 eröff­net. Refe­ren­ten sind neben Kar­di­nal Sarah unter ande­ren Erz­bi­schof Sal­va­to­re Cor­di­leo­ne von San Fran­cis­co, Bischof Domi­ni­que Rey von Fre­jus-Tou­lon und Bischof Alan Hopes von East Anglia.

In sei­nem Vor­trag sag­te Kar­di­nal­prä­fekt Sarah: „It is very important that we return as soon as pos­si­ble to a com­mon ori­en­ta­ti­on, of prie­sts and the faith­ful tur­ned tog­e­ther in the same direc­tion – east­wards or at least towards the apse – to the Lord who comes“.

„Es ist sehr wich­tig, daß wir so bald wie mög­lich zu einer gemein­sa­men Gebets­rich­tung von Gläu­bi­gen und Prie­stern zurück­keh­ren – Rich­tung Osten oder wenig­stens Rich­tung Apsis – zum wie­der­kom­men­den Herrn hin.“

Er for­der­te dazu auf, die Zele­bra­ti­ons­rich­tung ad ori­en­tem, „wo immer mög­lich“, ein­zu­füh­ren.

Die Prie­ster sol­len Ver­trau­en haben, daß die­se Ände­rung „etwas Gutes für die Kir­che und etwas Gutes für die Gläu­bi­gen ist“.

Wann und wie die Ände­rung statt­fin­de, sei zwar eine Fra­ge der „pasto­ra­len Klug­heit“, der Kar­di­nal nann­te aber einen kon­kre­ten Zeit­punkt, den 27. Novem­ber 2016, den Ersten Advents­sonn­tag des kom­men­den Kir­chen­jah­res.

„Größte liturgische Ankündigung seit Summorum Pontificum 2007“

Der bri­ti­sche Catho­lic Herald spricht von der größ­ten lit­ur­gi­schen Ankün­di­gung seit dem Motu Pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum im Som­mer 2007 durch Papst Bene­dikt XVI.

Die Zele­bra­ti­ons­rich­tung ver­sus popu­lum war erst­mals 1536 durch die Pro­te­stan­ten im Straß­bur­ger Mün­ster ein­ge­führt wor­den, nach­dem sie das Wei­he­sa­kra­ment und damit das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum ver­wor­fen hat­ten. Mit der Dre­hung der Zele­bra­ti­ons­rich­tung fand eine Abwen­dung von Gott statt. Mit der umstrit­te­nen Lit­ur­gie­re­form ahm­te die katho­li­sche Kir­che den pro­te­stan­ti­schen Para­dig­men­wech­sel mehr als 400 Jah­re spä­ter nach. Die Umdre­hung der Zele­bra­ti­ons­rich­tung führ­te zur Auf­ga­be der Hoch­al­tä­re, die durch die Ein­füh­rung eines wei­te­ren Altars, der soge­nann­ten „Volks­al­tä­re“, ersetzt wur­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Catho­lic Herald/Liturgia Sacra

3 Kommentare

  1. Theo­re­tisch eine tol­le Neu­ig­keit, der aller­dings — so sagt es mir mein Gefühl — im deutsch­spra­chi­gen Raum kei­ne prak­ti­sche Bedeu­tung zukom­men wird. Der Kle­rus in den Diö­ze­sen wird hier wohl in den aller­mei­sten Fäl­len nicht fol­gen. Den­noch ein muti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung!

    Vie­len Dank an Kar­di­nal Sarah!

  2. Wer hat Freu­de dar­an, alles Hei­li­ge zu per­ver­tie­ren, also ins Gegen­teil zu ver­keh­ren, wenn nicht der Geg­ner GOTTES selbst? Des­halb wird es höch­ste Zeit, dass die­ser unse­li­ge Miss­stand des Volks­al­tars, der schon Jahr­zehn­te andau­ert, end­lich beho­ben wird! Kar­di­nal Sarah ist ein wirk­lich erleuch­te­ter und vor allem sehr muti­ger Mann GOTTES, wenn nicht gar ein PROPHET, der die nahe Paru­sie CHRISTI ahnt?

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