Papst Franziskus emeritiert traditionsfreundlichsten Bischof Italiens

Papst Franziskus mit Don Zappella
Papst Franziskus mit Don Zappella, dem Caritas-Direktor der Diözese Albenga-Imperia

(Rom) Bischö­fe, die zu tra­di­ti­ons­ver­bun­den sind, oder in ihren Diö­ze­sen die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus in einem Maß för­dern, das über ein Nischen­da­sein hin­aus­geht, haben es unter Papst Fran­zis­kus nicht leicht.

Das bekam Bischof Mario Oli­ve­ri von Alben­ga-Impe­ria an der ita­lie­ni­schen Rivie­ra bereits zu spü­ren. Trotz sei­ner über­durch­schnitt­li­chen Ver­dien­ste in sei­ner Diö­ze­se wur­de er im Janu­ar 2015 von Papst Fran­zis­kus ent­mach­tet. Der Papst ernann­te den Bischof von Pitiglia­no-Sova­na-Orbe­tel­lo, Msgr. Guglie­mo Bor­ghet­ti, zum Bischof-Koad­ju­tor von Alben­ga-Impe­ria, obwohl Bischof Oli­ve­ri bei guter Gesund­heit ist und damals erst 70 Jah­re alt war.

Der Koad­ju­tor erhielt mit sofor­ti­ger Wir­kung sämt­li­che Voll­mach­ten als Diö­ze­san­bi­schof. Bischof Oli­ve­ri ist seit­her fak­tisch nur mehr „Dekor“.

Im ver­gan­ge­nen April zitier­te Papst Fran­zis­kus Bischof und Koad­ju­tor getrennt und im Eil­weg nach Rom. Wie Savo­na News berich­te­te, ver­lang­te der Papst von Bischof Oli­ve­ri, abzu­tre­ten. Im August soll die Eme­ri­tie­rung erfol­gen.

Die Abset­zung erfolgt noch nicht im Rah­men des neu­en Motu pro­prio Wie eine lie­ben­de Mut­ter, das erst am kom­men­den 5. Sep­tem­ber in Kraft tre­ten wird.

Bischof Oliveri zelebrierte 2008 im Dom von Imperia das Christkönigsfest im Alten Ritus und nahm die ewigen Gelübde von sieben Franziskanerinnen der Immakulata ab
Bischof Oli­ve­ri zele­brier­te im Dom von Impe­ria das Christ­kö­nigs­fest im Alten Ritus und nahm die ewi­gen Gelüb­de von sie­ben Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta ent­ge­gen. Das war 2008. Seit­her hat sich für den Bischof, sei­ne Diö­ze­se und den Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta eini­ges geän­dert.

Die Medi­en wis­sen von angeb­li­chen Grün­den für die Umbe­set­zung an der Diö­ze­san­spit­ze zu berich­ten. Grün­de, die jedoch mit Vor­sicht zu betrach­ten sind. Genannt wer­den Pro­ble­me mit zwei Prie­stern der Diö­ze­se. Don Fran­ces­co Zap­pel­la sei in Fäl­le von sexu­el­lem Miß­brauch ver­wickelt, Don Ange­lo Chiz­zo­li­ni sei „aus­län­der­feind­lich“. So behaup­ten es jeden­falls eini­ge Medi­en und setz­ten bei­de Prie­ster im ver­gan­ge­nen Jahr media­len Kam­pa­gnen aus.

Die Anschul­di­gun­gen müs­sen erst geklärt wer­den und tau­gen daher nicht für die prä­ven­ti­ve Amts­ent­he­bung eine Bischofs, son­dern vor­erst nur für eine unstatt­haf­te Vor­ver­ur­tei­lung. Sie tau­gen auch des­halb nicht, weil dann auch der Koad­ju­tor zurück­tre­ten müß­te, der seit über einem Jahr die Ver­ant­wor­tung für die bei­den Prie­ster trägt, und die kon­kre­ten Fäl­le bereits des­sen Amts­zeit betref­fen.

Im Augen­blick steht ledig­lich fest, daß mit Hil­fe der Medi­en ein dich­ter Nebel an Ver­däch­ti­gun­gen und Anschul­di­gun­gen gestreut wur­de, und die Kir­che in der Öffent­lich­keit unter Ankla­ge steht. Wer aus siche­rer Deckung Schmutz schleu­dert, rech­net damit, daß etwas hän­gen bleibt.

Bischof Oli­ve­ri scheint das Bau­ern­op­fer zu sein, um dem Koad­ju­tor einen „Neu­be­ginn“ zu ermög­li­chen. Wahr­schein­li­cher ist, daß Bischof Oli­ve­ri als tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Ober­hir­te stör­te und in einem wenig tra­di­ti­ons­ge­wo­ge­nen Kli­ma mit leich­ter Hand ent­fernt wird.

Der „vergewaltigende“ Priester

Die plötz­li­che Eile kam zustan­de, weil in Uru­gu­ay ein Ver­fah­ren gegen Don Zap­pel­la wegen sexu­el­len Miß­brauchs ein­ge­lei­tet wur­de. Der Prie­ster war bis 2004 in Uru­gu­ay in der Mis­si­on tätig. Unter ande­rem bau­te er dort ein Wai­sen­haus und ein Heim für schwer­erzieh­ba­re Kin­der und Jugend­li­che auf. Der ihm zur Last geleg­te Vor­fall habe sich 2005 in der Mis­si­on ereig­net.

In Uru­gu­ay rollt der­zeit eine Skan­dal­wel­le über die Kir­che hin­weg. Meh­re­ren Prie­stern wird sexu­el­ler Miß­brauch von Min­der­jäh­ri­gen vor­ge­wor­fen. Wie­viel davon wahr ist, muß sich erst klä­ren. Den Scha­den hat die Kir­che durch die media­le Vor­ver­ur­tei­lung bereits jetzt. Dabei wird auch der Name Zap­pel­las genannt, was die Sache zum inter­na­tio­na­len Fall macht, der wie­der­um Papst Fran­zis­kus per­sön­lich ein­schrei­ten ließ.

Don Zap­pel­la selbst ging an die Öffent­lich­keit und wies alle Anschul­di­gun­gen von sich. Er soll damals einen 29jährigen Bra­si­lia­ner „ver­ge­wal­tigt“ haben. Don Zap­pel­la sagt, das sei die Retour­kut­sche, weil er den Mann aus einer Unter­kunft in Alben­ga ver­wie­sen und zurück nach Bra­si­li­en geschickt habe, nach­dem die­ser eine Toch­ter der Gast­ge­be­rin belä­stigt habe. Er selbst sei seit 2004 nicht mehr in der Mis­si­on tätig, son­dern besu­che seit­her nur ein­mal im Jahr kurz sei­ne Mis­si­ons­sta­ti­on.

Ein ita­lie­ni­scher Opfer­ver­ein ließ 2015 den Bra­si­lia­ner auf Ver­eins­ko­sten nach Ita­li­en kom­men und vom Staats­an­walt ver­neh­men, um gegen Don Zap­pel­la Ankla­ge zu erhe­ben. Zuvor bereits hat­te der Ver­ein den Prie­ster in der Sache durch die Medi­en gezerrt. Das Ver­fah­ren wur­de Ende 2015 wegen Ver­jäh­rung archi­viert. Dar­auf prä­sen­tier­te der Ver­ein im Früh­jahr einen neu­en Fall, die­ses Mal einen psy­chisch labi­len jun­gen Mann, den Don Zap­pel­la zu einem Zeit­punkt sexu­ell belä­stigt habe, der noch nicht ver­jährt wäre.

Mit dem Opfer­ver­ein arbei­tet in der Sache ein Prie­ster der Diö­ze­se zusam­men. Dar­in sieht Don Zap­pel­la den Grund für die „Kam­pa­gne“ gegen ihn: Die­ser Prie­ster „nei­de“ es ihm, daß Bischof-Koad­ju­tor Bor­ghet­ti ihn zum neu­en Cari­tas-Direk­tor der Diö­ze­se ernannt hat.

Der „ausländerfeindliche“ Priester

Don Chizzolini assistierte dem Generalvikar des Bistums als Subdiakon bei der Zelebration der Hl. Messe im überlieferten Ritus
Don Chiz­zo­li­ni (rechts) assi­stier­te dem Gene­ral­vi­kar des Bis­tums als Sub­dia­kon bei der Zele­bra­ti­on der Hl. Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus

Don Ange­lo Chiz­zo­li­ni kam hin­ge­gen als angeb­li­cher „Anti-Ein­wan­de­rer-Prie­ster“ in die Schlag­zei­len. In einer Sen­dung eines ita­lie­ni­schen Pri­vat­fern­seh­sen­ders wur­de er als „Aus­län­der­feind“ dar­ge­stellt. Er habe die Auf­nah­me von Asyl­wer­bern in sei­nem Pfarr­haus ver­wei­gert und sich eben­so gewei­gert, eine tote Mus­li­min zu seg­nen. Letz­te­res war die Initi­al­zün­dung für das nega­ti­ve Medi­en­in­ter­es­se an dem Prie­ster.

Bei einem Unglück explo­dier­te im Früh­jahr 2015 in einem Wohn­haus eine Gas­fla­sche. Dabei kamen meh­re­re Men­schen ums Leben, dar­un­ter auch eine Mus­li­min. Requi­em und Begräb­nis fand in der Pfar­rei statt. Unter Beru­fung auf das Kir­chen­recht mach­te der Orts­pfar­rer Don Chiz­zo­li­ni dabei jedoch einen Unter­schied zwi­schen den getauf­ten Katho­li­ken und der Mus­li­min. Dafür zeig­ten eini­ge ganz und gar kein Ver­ständ­nis und empör­ten sich dar­über bei der Lokal­pres­se. Von dort gelang­te der Fall in die natio­na­le Pres­se, die den nicht gewähr­ten Segen im Zuge der Refu­gee-Wel­co­me-Hype zum „uner­hör­ten Skan­dal“ auf­blies.

Ange­sichts die­ser Vor­ge­schich­te war es nicht schwer, den­sel­ben Prie­ster im Herbst 2015 zum „Aus­län­der­feind“ zu stem­peln, weil er sich gewei­gert habe, Asy­lan­ten im Pfarr­haus unter­zu­brin­gen. Eine Anschul­di­gung, die der Betrof­fe­ne zurück­wies: „Es gibt schlicht und ein­fach kei­nen Platz im Pfarr­haus.“

Der Bru­der der ums Leben gekom­me­nen Mus­li­min habe dem Pfar­rer gedroht und ihn beschul­digt „Teil des Has­ses“ zu sein. Der Prie­ster erstat­te­te gegen anony­me Flug­blät­ter mit belei­di­gen­den Schmäh­pa­ro­len Anzei­ge. Die Ermitt­lun­gen sind noch im Gan­ge.

Don Chiz­zo­li­ni gehört zu jenen Prie­stern des Bis­tums, die in bei­den For­men des Römi­schen Ritus zele­brie­ren.

Kurz nach­dem der Bischof-Koad­ju­tor vom Besuch bei Papst Fran­zis­kus zurück­kehr­te, muß­te Don Chiz­zo­li­ni die drei Pfar­rei­en abge­ben, die er betreu­te. Über eine neue Auf­ga­be, „wer­de er in Ruhe ent­schei­den“, so der Koad­ju­tor. Don Chiz­zo­li­ni wur­de Schwei­gen zur Sache auf­er­legt. Es sol­le Ruhe in die Sache kom­men, heißt es im Ordi­na­ri­at.

Auch Bischof Oli­ve­ri scheint nun im Zuge einer vom Papst per­sön­lich gewünsch­ten „Beru­hi­gungs­ak­ti­on“ abtre­ten zu müs­sen, obwohl ihn per­sön­lich weder im einen noch im ande­ren Fall eine per­sön­li­che Schuld trifft. „Was für ein Zufall, daß es sich dabei genau um den tra­di­ti­ons­freund­lich­sten Diö­ze­san­bi­schof Ita­li­ens han­delt“, so Mes­sa in Lati­no.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: IVG (Screen­shot)

1 Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.