Franziskus II., Johannes Paul III. oder Benedikt XVII. – Wie sieht die Nachfolge von Papst Franziskus aus

Kardinal Robert Sarah
Kardinal Robert Sarah gehört zu den "papabili" des nächsten Konklaves

(Rom) In einem hal­ben Jahr wird Papst Fran­zis­kus 80 Jah­re alt. Man­che beschäf­tig­ten sich teils hin­ter den Kulis­sen, teils offen bereits mit sei­ner Nach­fol­ge. Eini­ge Stim­men, vor allem in Krei­sen, die dem amtie­ren­den Papst nahe­ste­hen, sehen im Erz­bi­schof von Mani­la, Luis Anto­nio Kar­di­nal Tag­le, den „idea­len“ Nach­fol­ger als Papst Fran­zis­kus II. Das US-ame­ri­ka­ni­sche Inter­net­por­tal Crux stellt ihm mit Robert Kar­di­nal Sarah einen star­ken Gegen­kan­di­da­ten gegen­über.

Kardinal Luis Antonio Tagle

Kar­di­nal Tag­le wäre der erste asia­ti­sche Papst, der nicht aus dem Gebiet des ein­sti­gen Römi­schen Rei­ches stammt. Er käme aus dem ein­zi­gen mehr­heit­lich katho­li­schen Land des größ­ten Kon­ti­nents, wenn man vom klei­nen Ost­ti­mor absieht, das erst vor weni­gen Jah­ren die Unab­hän­gig­keit erlang­te. Mit sei­nen 59 Jah­ren, der Kar­di­nal hat­te gestern Geburts­tag, gehört er zu den jüng­sten Kir­chen­für­sten.

Papst Bene­dikt XVI. leg­te Wert dar­auf, den phil­ip­pi­ni­schen Theo­lo­gen noch schnell vor sei­nem Rück­tritt in einem uner­war­te­ten Eil-Kon­si­sto­ri­um zum Kar­di­nal zu kre­ieren und ihm damit die Teil­nah­me am Kon­kla­ve zu ermög­li­chen. Die genau­en Grün­den sind eben­so­we­nig bekannt wie jene, war­um der deut­sche Papst genau so sein Amt zurück­leg­te, daß Kar­di­nal Wal­ter Kas­per gera­de noch am Kon­kla­ve teil­neh­men konn­te. Dort wur­de er sogar zum maß­geb­li­chen Akteur für die Papst­wahl und das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus.

Tag­les inner­kirch­li­che Visi­ten­kar­te ist die Zuge­hö­rig­keit zur pro­gres­si­ven „Schu­le von Bolo­gna“, die eine Her­me­neu­tik des Bru­ches ver­tritt. Die­sem zufol­ge stellt das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil einen Bruch mit der gesam­ten vor­he­ri­gen Kir­chen­ge­schich­te und einen völ­li­gen Neu­be­ginn dar.

Früh­zei­tig fand Kar­di­nal Tag­le Zugang zu Papst Fran­zis­kus, der dem jun­gen Kar­di­nal Anfang 2015 durch einen Besuch auf den Phil­ip­pi­nen sei­ne Gunst erwies. Damals und erneut 2016 im Zusam­men­hang mit der zwie­lich­ti­gen WHO-Behaup­tung eines Zusam­men­hangs mit einem erhöh­ten Enze­pha­li­tis-Risi­ko bei unge­bo­re­nen Kin­dern unter­stütz­te Fran­zis­kus den Kurs­wech­sel der phil­ip­pi­ni­schen Bischö­fe in Sachen Sexu­al­mo­ral. Lei­ste­ten sie unter Bene­dikt XVI. eiser­nen Wider­stand gegen die von der UNO ver­lang­ten Regie­rungs­plä­ne zur Lega­li­sie­rung von Ver­hü­tung und Abtrei­bung, voll­zo­gen sie unter Papst Fran­zis­kus bereits eine hal­be 180-Grad-Wen­de. Ein Pro­zeß, der noch nicht abge­schlos­sen scheint.

Für ihn schei­nen die Manö­ver hin­ter den Kulis­sen mit Blick auf das näch­ste Kon­kla­ve bereits begon­nen zu haben.

Kardinal Robert Sarah

Kardinal Sarah mit Weihbischof Athanasius Schneider
Kar­di­nal Sarah mit Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der

Im Gegen­satz dazu kri­stal­li­siert sich Kuri­en­kar­di­nal Robert Sarah, der Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung als mög­li­cher Gegen­spie­ler Tag­les her­aus. Der 71 Jah­re alte frü­he­re Erz­bi­schof von Cona­kry im afri­ka­ni­schen Gui­nea, wur­de 2001 von Papst Johan­nes Paul II. an die Römi­sche Kurie beru­fen, wo er ver­schie­de­ne Ämter beklei­de­te. Wie Tag­le kann er durch sei­ne außer­eu­ro­päi­sche und nicht-west­li­che Her­kunft punk­ten. Afri­ka ist der Erd­teil, wo die katho­li­sche Kir­che am schnell­sten wächst und drauf und dran ist, den Wett­lauf mit dem Islam um die Kon­trol­le des Kon­ti­nents zu gewin­nen. Mit ein Grund, wes­halb isla­mi­sche Mili­zen im Über­gangs­raum zum christ­li­chen Afri­ka zum Dschi­had rufen und mit bru­ta­ler Gewalt reagie­ren.

Kar­di­nal Sarah ist ein inti­mer Ken­ner Afri­kas, er kennt den Islam und bestand bereits die Her­aus­for­de­rung einer kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur in sei­nem Hei­mat­land. Die afri­ka­ni­schen Syn­oda­len bil­de­ten bei der dop­pel­ten Bischofs­syn­ode über die Fami­lie die kom­pak­te­ste Grup­pe zur Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Ehe- und Moral­leh­re. Nach­dem Papst Fran­zis­kus den Wort­füh­rer gegen die Kas­per-Agen­da bei der Bischofs­syn­ode 2014, den US-ame­ri­ka­ni­schen Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke, abge­straft und aus der Römi­schen Kurie ent­fernt hat­te, über­nahm Kar­di­nal Sarah bei der Bischofs­syn­ode 2015 die­sen Part.

Die impli­zit von Kar­di­nal Kas­per ver­tre­te­ne Tren­nung von Leh­re und Pasto­ral bezeich­ne­te Kar­di­nal Sarah als „Häre­sie und Schi­zo­phre­nie“.

Seit andert­halb Jah­ren Kar­di­nal­prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on wuchs der Kar­di­nal schnell in sei­ne neue Auf­ga­be hin­ein und über sich hin­aus. Heu­te zählt er zu den pro­fi­lier­te­sten Kir­chen­ver­tre­tern der Welt­kir­che. Maß­geb­li­chen Auf­takt dazu bil­det sein im Febru­ar 2015 erschie­ne­nes Buch „Gott oder nichts“, das im Gegen­satz zu Tag­les Buch über ein Chri­sten­tum in einer „glo­ba­li­sier­ten Welt“ zu einem Best­sel­ler wur­de. Der Kar­di­nal erwies sich durch das Buch und ver­schie­de­ne Stel­lung­nah­me als Ver­tre­ter eines tra­di­tio­nel­len Kir­chen­ver­ständ­nis­ses, als ern­ster und vor allem uner­schrocke­ner Ver­fech­ter der katho­li­schen Leh­re und Ord­nung gegen zeit­gei­sti­ge Zwi­schen­ru­fe.

Crux über den „afrikanischen Johannes Paul II.“

"Afrikanischer Johannes Paul II."
„Afri­ka­ni­scher Johan­nes Paul II.“

Das US-ame­ri­ka­ni­sche Inter­net­por­tal Crux wid­me­te ihm nun ein Por­trät, das bio­gra­phi­sche „Par­al­le­len“ zu Papst Johan­nes Paul II. auf­zeigt, um zur eigent­li­chen Aus­sa­ge zu gelan­gen, daß Kar­di­nal Sarah zu den „papa­bi­li“ des näch­sten Kon­kla­ves gehört. Der Prie­ster Dwight Lon­gen­ecker sieht den Kar­di­nal nach der Lek­tü­re von des­sen Buch „Gott oder nichts“ als einen „afri­ka­ni­schen Johan­nes Paul  II.“.

Karol Woj­ty­la und Robert Sarah haben eine mar­xi­sti­sche Dik­ta­tur über­stan­den. Wenn sie über die Armen, die Unter­drück­ten und Ver­folg­ten spre­chen, dann tun sie es mit gro­ßem Bedacht und gro­ßer Klar­heit. Der Kar­di­nal pflegt per­sön­lich eine gro­ße Aske­se und ist von stren­ger Ernst­haf­tig­keit.

Er unter­stütz­te die Bemü­hun­gen von Papst Bene­dikt XVI. die Sakra­li­tät wie­der­zu­ge­win­nen und des­sen Reform der Lit­ur­gie­re­form. Eine Posi­ti­on, die er jüngst durch zwei Auf­for­de­run­gen auch unter Papst Fran­zis­kus bekräf­tig­te. Er rief die Prie­ster dazu auf, die hei­li­ge Mes­se ad Deum zu zele­brie­ren und sprach dabei expli­zit von der Zele­bra­ti­ons­rich­tung Osten. Die Lesun­gen erfol­gen von Ange­sicht zu Ange­sicht zum Volk hin, die Eucha­ri­stie­fei­er erfol­ge von Ange­sicht zu Ange­sicht zu Gott hin durch den Prie­ster der in per­so­na Chri­sti han­delt.

Zudem bekräf­tig­te er, daß die Wand­lungs­wor­te „für vie­le“ und nicht „für alle“ lau­ten. Eine Aus­sa­ge, die er mit der Erwar­tung ver­knüpf­te, daß die säu­mi­gen Bischofs­kon­fe­ren­zen, die den Anwei­sun­gen Bene­dikts XVI. in die­ser Sache noch nicht gefolgt sind, dies bald nach­ho­len wer­den.

Gender-Ideologie, Abtreibung, islamischer Fanatismus „größte Bedrohungen der Menschheit“

Kardinal Sarah mit Kardinal Burke
Kar­di­nal Sarah mit Kar­di­nal Bur­ke

Wäh­rend man­che Kir­chen­ver­tre­ter es kaum erwar­ten kön­nen, vor dem Zeit­geist mit sei­ner Homo­se­xua­li­sie­rung die wei­ße Fah­ne zu his­sen und zu kapi­tu­lie­ren, gehört Kar­di­nal Sarah zu jenen, die frank und frei Wider­stand gegen die LGBT-Agen­da lei­sten. Als UNO-Gene­ral­se­kre­tär Ban Ki-moon 2012 die afri­ka­ni­schen Staa­ten auf­for­der­te, ihre Gesetz­ge­bung in Sachen Homo­se­xua­li­tät zu ändern, sprach Kar­di­nal Sarah von einer „dum­men“ Rede und bezich­tig­te die UNO, die afri­ka­ni­schen Natio­nen zu erpres­sen, weil Wirt­schafts­hil­fe mit inak­zep­ta­blen poli­ti­schen Auf­la­gen ver­knüpft wer­den.

„Es ist unmög­lich und inak­zep­ta­bel, den Armen die­se Art von euro­päi­scher Men­ta­li­tät auf­zu­zwin­gen“, so Sarah, der von einem „ideo­lo­gi­schen Impe­ria­lis­mus“ sprach, der von den inter­na­tio­na­len Gre­mi­en betrie­ben wer­de.

In einer Wort­mel­dung vor der Syn­oden­voll­ver­samm­lung bezeich­ne­te der Kar­di­nal ohne Umschwei­fe die „Gen­der-Ideo­lo­gie, die Abtrei­bung und den isla­mi­schen Fana­tis­mus“ als die aktu­ell größ­ten Bedro­hun­gen der Mensch­heit. In ihren Aus­wir­kun­gen sei­en sie nicht weni­ger ver­hee­rend als „Natio­nal­so­zia­lis­mus und Kom­mu­nis­mus“. Sie sei­en „wie apo­ka­lyp­ti­sche Besti­en“ dämo­ni­schen Ursprungs.

Kardinal Sarah, Jg. 1945, Guinea
Kar­di­nal Sarah, Jg. 1945, Gui­nea

Die­se all­ge­mein­ver­ständ­li­che und deut­li­che Spra­che wer­de, so Crux, den Kar­di­nal weder den Isla­mi­sten noch den west­li­chen Rela­ti­vi­sten beson­ders sym­pa­thisch machen. Dwight Lon­gen­ecker fragt sich, was Kar­di­nal Sarah die Kraft ver­lei­he, mit sol­cher Uner­schrocken­heit auf­zu­tre­ten und zu spre­chen. Sei­ne Ant­wort lau­tet, auch dar­in glaubt er eine Par­al­le­le zu Johan­nes Paul II. zu erken­nen, weil er nichts hat, was er ver­lie­ren könn­te, weil er bereits alles ver­lo­ren hat — durch Selbst­ent­blö­ßung. Er über­leb­te größ­te Armut, war ein Wai­se, über­stand Dik­ta­tu­ren mit Tod und Ver­fol­gung. Das alles habe sein Leben und sei­nen Glau­ben zutiefst geprägt und sei­nen Blick auf das Wesent­li­che geschärft. Dar­aus wie­der­um erklä­re sich sei­ne Ent­schlos­sen­heit in einem Leben, das zutiefst durch Gebet und Fasten, durch Aske­se und Genüg­sam­keit, durch einen Lebens­wan­del per­sön­li­cher Stren­ge fern jeder Bür­ger­lich­keit, durch innig­ste Lie­be zu Jesus und sei­ner Mut­ter Maria und eine tie­fe Ver­eh­rung und Anbe­tung Got­tes in der hei­lig­sten Eucha­ri­stie geprägt ist.

Neben den mehr oder weni­ger aus­ge­präg­ten bio­gra­phi­schen Par­al­le­len, die Lon­gen­ecker zwi­schen Johan­nes Paul II. und Robert Kar­di­nal Sarah, aus­fin­dig mach­te, wird der Pur­pur­trä­ger aus Gui­nea auch in einem Atem­zug mit Bene­dikt XVI. genannt, des­sen Kir­chen­ver­ständ­nis er noch näher scheint. Auf­grund des aktu­el­len Kli­mas und der schwe­ren Anfein­dun­gen, denen das Pon­ti­fi­kat Bene­dikts XVI. aus­ge­setzt war, scheint es klü­ger und sym­pa­thi­scher, in Kar­di­nal Sarah einen mög­li­chen Johan­nes Paul III. zu sehen. In der Sache wäre er wohl mehr ein Bene­dikt XVII.

Den Namen wählt sich jedoch jeder Papst selbst und ver­knüpft damit sein ganz eige­nes Pro­gramm.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: InfoVaticana/Crux/OnePeterFive/Archiv (teils Screen­shots)

7 Kommentare

    • Die­se Zei­ten sind längst vor­bei! Inzwi­schen ist es Teil des Kon­kla­ve, sich im Vor­feld gal­li­zi­stisch zu orga­ni­sie­ren!

  1. Nach­fol­ge.
    Irgend­wie fin­de ich im gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt eine Nach­fol­ge­dis­kus­si­on zu einem mög­li­chen drit­ten Papst, wo wir doch schon “ zwei haben“, respekt­los.

    • Ja Bayernmichel,da haben Sie Recht.Aber ver­bo­ten um zu spe­ku­lie­ren ist es nicht.Einfache Glae­u­bi­gen duer­fen nicht mitwaehlen,das weiss ich,ich will aber doch ger­ne sagen dass mein Wunsch­kan­di­dat Kar­di­nal Dzi­wisz ist.

  2. Dan­ke für die­sen Arti­kel!

    Wer hät­te im deut­schen Sprach­raum noch vor einer Genera­ti­on gedacht, daß die Erneue­rung der Kir­che aus Afri­ka kom­men könn­te — zumin­dest wesent­li­che Anre­gun­gen dazu? Kar­di­nal Sarah hat dem Ver­neh­men nach vor am 13. Juni in Preß­burg (Bra­tis­la­va) vor etwa 300 Katho­li­ken einen aus­ge­zeich­ne­ten Ein­druck hin­ter­las­sen.

    Um eine im Forum auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge zu beant­wor­ten: Der Papst wird von den Kar­di­nä­len gewählt.
    In wel­cher Wei­se der Hl. Geist hier mit­wirkt, hängt davon ab, wie­weit die Elek­to­ren den Hl. Geist mit­wir­ken las­sen. Die Mei­nung, daß der Hl. Geist den Papst wäh­le, hat sich ange­sichts des letz­ten Kon­kla­ves als lee­res Gere­de erwie­sen. Hier macht sich eine fidei­sti­sche Hal­tung gel­tend, die auf die rea­len Pro­ble­me nicht rich­tig reagie­ren kann.
    Das sieht man in katho­li­schen Medi­en­pro­duk­ten, ob online oder gedruckt,ob kom­merz­ori­en­tiert oder nicht, die sich einem unkri­ti­schen Papa­lis­mus ver­schrie­ben haben und theo­lo­gisch mehr oder weni­ger inkom­pe­tent sind.

    Die Beschäf­ti­gung mit dem hl. Karl Lwan­ga und den Mär­ty­rern von Ugan­da (im Jahr 1886) eröff­ne­te mir jüngst eine neue Sicht­wei­se auf die spi­ri­tu­el­len Schät­ze der afri­ka­ni­schen Katho­li­ken. Im Hin­blick auf einen papa­blen Kar­di­nal Sarah wür­de sich eine wei­te­re Ver­brei­tung von deren Glau­bens­zeug­nis durch­aus loh­nen.

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