Brüssels Erzbischof wirft Priesterbruderschaft der Heiligen Apostel raus — Zu viele Berufungen?

Bruderschaft der Heiligen Apostel
Bruderschaft der Heiligen Apostel, Internetseite

(Brüs­sel) Der neue Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel, Msgr. Jozef De Kesel, der jüngst dem Vor­schlag „total“ applau­dier­te, an jeder katho­li­schen Schu­le einen isla­mi­schen Gebets­raum ein­zu­rich­ten, wirft gleich­zei­tig, die von sei­nem Vor­gän­ger gegrün­de­te Prie­ster­bru­der­schaft der Hei­li­gen Apo­stel aus dem Erz­bis­tum hinaus.

Die Ent­schei­dung De Kesels sorgt nicht nur für Auf­se­hen unter den Gläu­bi­gen, son­dern „tut ein neu­es pro­ble­ma­ti­sches Kapi­tel in der Lei­tung der Diö­ze­se auf“, so das Wochen­ma­ga­zin Tem­pi.

Bruderschaft widerlegt Berufungskrise

Der Vor­gän­ger De Kesels war Msgr. André-Joseph Léo­nard, der auf Ernen­nung von Papst Bene­dikt XVI. von 2010–2015 Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel war. Die Fra­ter­ni­té des Saints Apà´tres/Broe­der­schap van de Hei­li­ge Apo­ste­len wur­de am 7. April 2013 von ihm gegrün­det und kano­nisch errich­tet. Die Idee dazu stamm­te von Michel-Marie Zanot­ti-Sor­ki­ne, einem bekann­ten Prie­ster des Erz­bis­tums Mar­seil­le mit star­kem Charisma.

Erz­bi­schof Léo­nard erlaub­te der Bru­der­schaft die Prie­ster­aus­bil­dung und über­trug ihr die bei­den Pfar­rei­en Sain­te-Cathe­ri­ne/S­int-Kate­li­j­nekerk in Brüs­sel und Saint-Joseph in der frü­her flä­mi­schen, heu­te fast ganz fran­zö­sisch­spra­chi­gen Gemein­de Ucclé (Ukkel) im Süden von Brüssel.

Erzbischof Léonard spendete 2015 zuletzt Angehörigen der Bruderschaft das Weihesakrament
Erz­bi­schof Léo­nard spen­de­te 2015 zuletzt Ange­hö­ri­gen der Bru­der­schaft das Weihesakrament

Fak­tisch bau­te Léo­nard, der in Bel­gi­en wegen sei­ner Glau­bens­treue von welt­li­chen Kräf­ten, aber auch kir­chen­in­tern stark ange­fein­det wur­de, eine par­al­le­le Prie­ster­aus­bil­dung außer­halb des diö­ze­sa­nen Prie­ster­se­mi­nars auf. Ähn­li­che Wege sind in der Ver­gan­gen­heit bereits ande­re Bischö­fe erfolg­reich gegan­gen. Im deut­schen Sprach­raum grün­de­te der Regens­bur­ger Bischof Rudolf Gra­ber (1962–1981) in Hei­li­gen­kreuz bei Wien ein zwei­tes Priesterseminar.

Die Intui­ti­on von Erz­bi­schof Léo­nard erwies sich als Erfolg. Die Bru­der­schaft konn­te das errei­chen, was die pro­gres­si­ven diö­ze­sa­nen Ein­rich­tun­gen nicht mehr konn­ten: jun­ge Män­ner zur „Schön­heit der Beru­fung und des Dien­stes als Diö­ze­san­prie­ster zu füh­ren“. Die Bru­der­schaft ist eine Gemein­schaft von Welt­prie­stern, die aber ein aus­ge­präg­tes Gemein­schafts­le­ben füh­ren. Sie sieht dar­in die Ant­wort auf die Kri­se des Welt­prie­ster­tums in West­eu­ro­pa. Die ihr anver­trau­ten Pfar­rei­en sind im Gegen­satz zu Nach­bar­pfar­rei­en leben­dig und wer­den von zahl­rei­chen jun­gen Men­schen besucht.

Obwohl die Gemein­schaft erst drei Jah­re alt ist, zählt sie bereits sechs Prie­ster und 21 Seminaristen.

„Aus Solidarität mit Frankreichs Bischöfen“ muß Bruderschaft Belgien verlassen

Damit soll­te eigent­lich alles zum Besten ste­hen. Dem ist aber nicht so, seit Papst Fran­zis­kus Erz­bi­schof Léo­nard ohne Kar­di­nal­s­wür­de eme­ri­tier­te und mit De Kesel den Wunsch­kan­di­da­ten des pro­gres­si­ven Vor­vor­gän­gers, Kar­di­nal God­fried Dan­neels, zum neu­en Pri­mas von Bel­gi­en mach­te. Dan­neels gehör­te zum Team Ber­go­glio und zum pro­gres­si­ven Geheim­zir­kel Sankt Gal­len, die 2005 die Wahl Bene­dikts XVI. zu ver­hin­dern ver­such­ten und 2013 die Wahl von Fran­zis­kus betrieben.

Michel-Marie Zanotti-Sorkine, der Ideengeber zur Bruderschaftsgründung
Michel-Marie Zanot­ti-Sor­ki­ne, der Ideen­ge­ber zur Bruderschaftsgründung

Der neue Erz­bi­schof ent­schied, daß die so bemer­kens­wert erfolg­rei­che Bru­der­schaft im Erz­bis­tum kei­ne Prie­ster mehr aus­bil­den darf und die Erz­diö­ze­se, und damit Bel­gi­en, zu ver­las­sen hat. Die Begrün­dung? Weil der Groß­teil der Semi­na­ri­sten aus Frank­reich stammt. „In vie­len Regio­nen Frank­reichs gibt es kei­ne Prie­ster […], wir wol­len es nicht an Soli­da­ri­tät mit unse­ren fran­zö­si­schen Nach­bar­bi­schö­fen feh­len las­sen“, ließ De Kesel in einer offi­zi­el­len Erklä­rung verlauten.

Die Ange­hö­ri­gen der Bru­der­schaft, die bereits zu Prie­stern geweiht wur­den, kön­nen in den Diö­ze­sank­le­rus inkar­di­niert wer­den und die ihnen anver­trau­ten Pfar­rei­en behal­ten. Die Semi­na­ri­sten haben die Mög­lich­keit in das Diö­ze­san­se­mi­nar ein­zu­tre­ten. Die Bru­der­schaft aber hat die Kof­fer zu packen, und wer in der Bru­der­schaft blei­ben will ebenso.

Die Ent­schei­dung ent­täuscht vie­le Gläu­bi­gen, die ohne­hin bereits durch De Kesels Plä­ne zur „Neu­or­ga­ni­sa­ti­on“ der Diö­ze­se beun­ru­higt sind. Der Plan sieht die Schlie­ßung von einem Drit­tel aller Kir­chen vor. Er geht bereits auf die Zeit unter Dan­neels zurück (bis 2010), wur­de jedoch von Erz­bi­schof Léo­nard zurück­ge­stellt, der statt­des­sen eine Wie­der­be­le­bung der Pfar­rei­en ver­such­te. Mit der Ernen­nung De Kesels wur­de der Dan­neels-Plan wie­der hervorgeholt.

„Ideologische Gründe“

Eine Grup­pe von Gläu­bi­gen der Pfar­rei St. Katha­ri­na, ange­führt von Ber­nard de la Croix, schrieb dem Erz­bis­tum Mecheln-Brüs­sel einen Brief: „Wir sind ver­blüfft dar­über, daß die Bru­der­schaft ein Opfer ihres Erfol­ges ist. Die Semi­na­ri­sten, die nach Bel­gi­en kom­men, schlie­ßen sich einem bestim­men Cha­ris­ma an, und es stimmt nicht, daß dadurch die Diö­ze­sen von Frank­reich ent­leert wer­den. Das Gegen­teil ist der Fall: Eini­ge wären viel­leicht nie ohne ein gemein­schaft­li­ches Leben wie dem der Bru­der­schaft der hei­li­gen Apo­stel in ein Semi­nar eingetreten.“

Die neugotische Katharinenkirche in Brüssel: eine der beiden Pfarreien der Bruderschaft
Die neu­go­ti­sche Katha­ri­nen­kir­che in Brüs­sel: eine der bei­den Pfar­rei­en der Bruderschaft

Die Gläu­bi­gen gehen dann in die Tie­fe: „Das Soli­da­ri­täts­prin­zip, auf das man sich beruft, klingt eher kuri­os. Auf 80 Semi­na­ri­sten, die bei­spiels­wei­se im Diö­ze­san­se­mi­nar von Namur aus­ge­bil­det wer­den, sind nur 25 Bel­gi­er. Wer­den die ande­ren alle in ihre Her­kunfts­län­der zurück­ge­schickt? Müs­sen alle afri­ka­ni­schen und pol­ni­schen Prie­ster, die uns dabei hel­fen, das Wort Got­tes in Bel­gi­en zu ver­kün­den, wie­der nach Hau­se geschickt? Ist die katho­li­sche Kir­che nicht mehr uni­ver­sal? Das Argu­ment hält einer Über­prü­fung nicht stand, und wir hof­fen, daß sich dahin­ter in Wirk­lich­keit nicht rein ideo­lo­gi­sche Grün­de verbergen.“

Die Anspie­lung ist kei­nes­wegs abwe­gig für jene, die mit den Brüs­se­ler Hin­ter­grün­den ver­traut sind. Erz­bi­schof De Kesel sprach sich erst vor kur­zem für die Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats aus, der nach sei­ner Vor­stel­lung kei­ne Vor­aus­set­zung mehr für die Zulas­sung zum Prie­ster­tum sein soll­te. Das müs­se, so der Erz­bi­schof, die not­wen­di­ge Ant­wort auf den „Prie­ster­man­gel“ sein. Gleich­zei­tig wirft er jene Gemein­schaft hin­aus, die dem Erz­bis­tum wie ein Got­tes­ge­schenk die mei­sten Prie­ster­be­ru­fun­gen bringt. Beru­fun­gen, die aller­dings kei­ne pro­gres­si­ve Agen­da ver­tre­ten und auch kei­ne Abschaf­fung des Zöli­bats fordern.

Im Schrei­ben wird auch auf die für Juni vor­ge­se­he­ne Dia­ko­nats­wei­he eines Ange­hö­ri­gen der Bru­der­schaft hin­ge­wie­sen, die von Erz­bi­schof De Kesel ohne Nen­nung eines Grun­des sine die ver­scho­ben wur­de. Es wäre die erste Wei­he eines Bru­der­schafts­mit­glie­des durch De Kesel gewe­sen. Ein Umstand, den der neue Ober­hir­te von Mecheln-Brüs­sel offen­sicht­lich mei­den will.

Tabula rasa machen

Die Gläu­bi­gen von St. Katha­ri­na ersuch­ten De Kesel um eine Aus­spra­che. Bis­her erhiel­ten sie weder eine Ant­wort auf ihren Brief noch einen Ter­min für eine Aussprache.

Ande­re spre­chen es deut­li­cher aus. Erz­bi­schof De Kesel wol­le „tabu­la rasa machen und die segens­rei­chen Arbeit von Erz­bi­schof Léo­nard aus­lö­schen“. In der Diö­ze­se hät­ten Kar­di­nal Dan­neels und Tei­le des pro­gres­si­ven Kle­rus „von Anfang an“ eine Abnei­gung gegen die so erfolg­reich Prie­ster­be­ru­fun­gen wecken­de Bru­der­schaft gehabt, die eine glau­bens­treue Linie ver­tre­te, die „mei­len­weit“ von der Hal­tung Dan­neels ent­fernt sei.

Jenen Tei­len der katho­li­schen Kir­che, die Ein­grif­fe in das Wei­he­sa­kra­ment for­dern und zur Begrün­dung auf den Prie­ster­man­gel ver­wei­sen (Abschaf­fung des Zöli­bats, Frau­en­dia­ko­nat, Frau­en­prie­ster­tum) fal­le es schwer, zu ertra­gen, daß die Beru­fungs­kri­se nicht zuletzt auf haus­ge­mach­te Ursa­chen zurück­geht, die über­wun­den wer­den kön­nen. Prie­ster­be­ru­fun­gen sei­en eine Gna­de Got­tes. Es sei damit auch ein Signal, wo und wem sie geschenkt werden.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: fraternitedessaintsapotres.com/broederschapvandeheiligeapostelen.com (Screen­hots)

5 Kommentare

  1. Wie hier schon öfters dar­ge­legt wur­de: Unse­re Geist­li­chen haben einen guten sen­sus fidei, nur einen umgekehrten.

    Dies bedeu­tet sie „rie­chen“ das Hei­li­ge 10 km gegen den Wind und ver­ab­scheu­en es. Denn ratio­nal ist doch die Hand­lung des Erz­bi­schofs von Brüs­sel nicht erklärbar:
    1) end­lich Priester,
    2) end­lich Priesterberufungen,
    3) end­lich Men­schen und jun­ge Men­schen in der Kirche

    das kann doch nicht so blei­ben. Wie kommt man an so einen umge­kehr­ten sen­sus fidei? Durch schwe­re Sünde.

    Eine der Fol­ge der schwe­ren Sün­de ist die Über­füh­rung in die Gewalt des Teu­fels (Den­zin­ger-Hüner­mann 1347, 1349, 1521, 1668) und zwar noch zu Lebzeiten.

    Wie die Exor­zi­sten sagen: jede Tod­sün­de ist ein klei­ner Teufelspakt.

    Wenn aber ein Prie­ster oder Bischof:
    a) im Kon­ku­bi­nat lebt oder anders gegen sein Zöli­bat sündigt,
    b) den Unglau­ben verbreitet,
    c) homo­se­xu­ell ist, im Sin­ne, dass er durch homo­se­xu­el­le Akte sündigt,
    d) Geheim­ge­sell­schaf­ten ange­hört, von denen sich vie­le in Brüs­sel, dem Sitz der EU befinden,
    e) ein Sata­nist ist (und man­che sind es leider),
    http://www.spiegel.de/panorama/uups-et-orbi-satanische-sekten-im-vatikan-a-527076.html

    dann sün­digt er schwer, denn frei­wil­lig, bewußt und in schwe­rer Materie.

    Dann bekommt er die „dämo­ni­schen Gei­stes­ga­ben“ und eine Inspi­ra­ti­on von unten. Die­ser Sumpf, den uns Andri­en Antoi­ne immer beschreibt, ist ja anders nicht erklär­bar und zwar nicht nur dadurch, dass gleich und gleich sich gern gesellt und ein­an­der deckt, son­dern man ist einer­seits auch straf­recht­lich erpress­bar, ande­rer­seits muss man in die­sen Geheim­ge­sell­schaf­ten immer dem Herr­scher die­ser Welt opfern und sozu­sa­gen täg­lich eine böse Tat begehen.

    Das Ziel: zuerst die spi­ri­tu­el­le Zer­stö­rung der Kir­che, dann die admi­ni­stra­ti­ve Zerstörung. 

    Sogar eine leer­ste­hen­de aber nicht ent­weih­te Kir­che strahlt die Hei­lig­keit der Jahr­hun­der­te, aller dort zele­brier­ten Mes­sen und Gebe­te aus. Es ist sozu­sa­gen eine posi­ti­ve Strah­lung, wel­che die­se Hier­ar­chen als nega­tiv wahr­neh­men, weil der Teu­fel es eben­so wahr­nimmt. Daher die­se Kir­chen­schlie­ßung, daher die­se Pro­pha­nie­run­gen durch die „Flücht­lin­ge“, die tan­zen­de Clowns­got­tes­dien­ste, Yoga im Kir­chen­raum etc. Es wird natür­lich anders erklärt und ver­packt, aber dar­um geht es.

    Und was hilft? Eine nach dem Ritua­le Roma­num geweih­te St. Bene­dik­tus-Medail­le (das lan­ge Gebet auf Latei­nisch) irgend­wie in den Räu­men anbrin­gen, wo er sich auf­hält und er wird sich dort ungern auf­hal­ten und weg­zie­hen. Auch Reli­qui­en wir­ken so, aber dafür sind sie doch zu schade.

    Empi­risch bewie­sen, auch bei einem pro­gres­si­ven Bischof. War­um? Weil beim Leben in Tod­sün­de ähn­li­che Sym­pto­me wie bei Besessn­heit auf­tre­ten und die­se Leu­te scheu­en und flie­hen alles Hei­li­ge. Sie­he die Anfangsthese.

    Wir erin­nern uns doch an die mit die ersten Wor­te von Papst Fran­zis­kus als man ihm sicher­lich geweih­te Pon­ti­fi­kal­ge­wän­der brach­te: „Neh­men Sie das weg. Kar­na­val ist vorbei!“

    • Das wird auch der ein­zi­ge Grund sein, war­um er die alt­ehr­wür­di­gen Papst­ge­mä­cher mei­det wie die Pest. Offen­sicht­lich ist die vom Weih­rauch geschwa­en­ger­te Luft in den durch­ge­be­te­ten und exor­zier­ten Räu­men doch nicht für jeden erträglich?
      In allen Bis­tü­mern zeich­net sich immer mehr ab, dass wir von der „Rau­te“ (= Geheim­ge­sell­schaf­ten) regiert werden.
      Alles läuft auf eine sich hor­rend zuspit­zen­de Chri­sten­ver­fol­gung inner­halb der eige­nen Rei­hen hinaus.
      Kyrie eleison!

  2. Eine sol­che natio­na­li­sti­sche „Argu­men­ta­ti­on“ ist tasäch­lich eines Katho­li­ken unwür­dig. Hät­ten wir kei­ne natio­na­len Bischofs­kon­fe­ren­zen, käme wohl kaum einer auf eine der­art welt­li­che Idee.

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