Tango argentino: Papst Franziskus & Friends desavouieren Staatspräsident Macri

Emilio Persico und Juan Grabois (rechts) bei Papst Franziskus in Santa Marta
Emilio Persico und Juan Grabois (rechts) bei Papst Franziskus in Santa Marta

(Bue­nos Aires) Vati­kan­spre­cher Lom­bar­di erklär­te, der Papst spre­che, wenn es um Argen­ti­ni­en gehe, „für sich selbst“ (sie­he Vati­kan­spre­cher: „Papst spricht für sich“ und bedarf kei­ner „Spre­cher“ und „Inter­pre­ten“). Der Hin­ter­grund? Die von Papst Fran­zis­kus gegrün­de­te Stif­tung Scho­las Occur­ren­tes lehn­te eine Zuwen­dung der argen­ti­ni­schen Regie­rung des des neu­en Staats­ober­haup­tes Mau­ricio Macri ab.

Am 11. Juni gab der Osser­va­to­re Roma­no offi­zi­ell bekannt:

„Der Papst hat Dr. Juan Gra­bo­is, Mit­be­grün­der des Movi­mi­en­to de Tra­ba­ja­do­res Exclu­i­dos (MTE, Bewe­gung der aus­ge­schlos­se­nen Arbei­ter) und der argen­ti­ni­schen Con­fe­der­ación de Tra­ba­ja­do­res de la Economà­a Popu­lar (CTEP, Kon­fö­de­ra­ti­on der Arbei­ter der Volks­wirt­schaft), Dozent der Staats­theo­rie und der Berufs­pra­xis an der Uni­ver­si­tät von Bue­nos Aires und der Katho­li­schen Univse­ri­tät Argen­ti­ni­en zum Con­sul­tor des Päpst­li­chen Rates für Gerech­tig­keit und Frie­den ernannt.“

Die linksradikalen Freunde des Papstes

Der 31 Jah­re alte Juan Gra­bo­is ist nicht irgend­wer. „Er gehört zum Kreis der Argen­ti­ni­er, die Jor­ge Mario Ber­go­glio am näch­sten ste­hen“, so der Vati­ka­nist San­dro Magister.

Wie bereits sein Vater Rober­to Gra­bo­is, gilt auch Juan Gra­bo­is als über­zeug­ter Mar­xist. Auf euro­päi­sche Ver­hält­nis­se umge­legt, ent­spricht er den neu­en links­ra­di­ka­len Bewe­gun­gen der Grie­chen Alexis Tsi­pras und Yanis Varou­fa­kis und der Spa­ni­er Pablo Igle­si­as und Juan Car­los Mone­dero von Pode­mos. Das gilt beson­ders für Varou­fa­kis und Monedero.

Scholas Occurrentes teilt der Regierung mit, die Spende abzulehnen
Scho­las Occur­ren­tes teilt der Regie­rung mit, die Spen­de abzulehnen

Juan Gra­bo­is war maß­geb­lich an der Orga­ni­sa­ti­on der bei­den inter­na­tio­na­len Tref­fen der „Volks­be­we­gun­gen“ betei­ligt, die auf Initia­ti­ve von Papst Fran­zis­kus im Okto­ber 2014 in Rom und im Juli 2015 im boli­via­ni­schen San­ta Cruz de la Sier­ra statt­fan­den. Die bei den bei­den Anläs­sen gehal­te­nen Reden des Pap­stes gel­ten als sein poli­ti­sches Manifest.

Erst vor weni­gen Tagen mach­te Gra­bo­is kein Geheim­nis aus sei­ner Nähe zu Papst Fran­zis­kus. Er inter­pre­tier­te das Den­ken des Pap­stes mit einer Selbst­si­cher­heit, die nur jemand besitzt, der sich eines Auf­tra­ges sicher scheint.

Regierung spendete für Papst-Stiftung

Grund für Gra­bo­is Auf­tre­ten war eine Nach­richt, die die inter­na­tio­na­le Stif­tung von Papst Fran­zis­kus Scho­las Occur­ren­tes betrifft. Die argen­ti­ni­sche Regie­rung des seit dem 10. Dezem­ber 2015 amtie­ren­den Staats­prä­si­den­ten hat­te bekannt­ge­ge­ben, der Stif­tung für ihre Bil­dungs­pro­gram­me für Schul­kin­der eine Spen­de von mehr als einer Mil­li­on Dol­lar zukom­men zu lassen.

Juan Grabois, vor einem Bild von Papst Franziskus und einem Halstuch der linksrevolutionären Montoneros
Juan Gra­bo­is, vor einem Bild von Papst Fran­zis­kus und einem Hals­tuch der links­re­vo­lu­tio­nä­ren Montoneros

„Als am 30. Mai die Nach­richt in den Vati­kan gelang­te, nahm sie der Papst, den mit dem Anti-Pero­ni­sten und Libe­ra­len Macri wirk­lich nichts ver­bin­det, sehr schlecht auf, laut dem, was sei­ne argen­ti­ni­schen Freun­de erklär­ten“, so der Vati­ka­nist San­dro Magister.

Gra­bo­is war einer der Deut­lich­sten: Am 1. Juni sag­te er der Tages­zei­tung Pagi­na 12:

Juan Grabois mit Papst Franziskus
Juan Gra­bo­is mit Papst Franziskus

„Wenn der Staat eine Orga­ni­sa­ti­on finan­ziert, dann muß es wegen der Fähig­keit von die­ser sein, die Wirk­lich­keit des Vol­kes der Nati­on zu ver­bes­sern. Scho­las Occur­ren­tes lei­stet eine enor­me Arbeit in Argen­ti­ni­en und auf der gan­zen Welt, und des­halb ver­dient sie die­se Unter­stüt­zung des Staa­tes. Die­se Unter­stüt­zung jedoch als Gefal­len für den Papst dar­zu­stel­len, ist eine Bar­ba­rei und in kei­ner Wei­se wür­de er sie unter die­sen Bedin­gun­gen akzep­tie­ren. Man sieht, daß sie Fran­zis­kus wirk­lich nicht kennen.“

In der Tat teil­te das Direk­to­ri­um von Scho­las Occur­ren­tes acht Tage spä­ter, am 9. Juni, der argen­ti­ni­schen Regie­rung mit einem Schrei­ben mit, daß sie die Zuwen­dung ablehnt.

Die Nach­richt wur­de am 11. Juni öffent­lich bekannt, dem­sel­ben Tag, an dem auch die Beför­de­rung von Juan Gra­bo­is zum Con­sul­tor in den Vati­kan bekannt­ge­ge­ben wur­de. Die wich­tig­sten argen­ti­ni­schen Tages­zei­tun­gen schrie­ben die Zurück­wei­sung der Spen­de direkt Papst Fran­zis­kus zu-

Die größ­te Tages­zei­tung Clarà­n schrieb von einer „har­ten Geste“ des Pap­stes „gegen die Regie­rung Macri“.

Papst Franziskus und der Linksperonismus

Roberto Grabois mit Peron
Rober­to Gra­bo­is mit Peron

Juan Gra­bo­is‘ Vater Rober­to gehört zu den argen­ti­ni­schen Link­s­pe­ro­ni­sten. Er grün­de­te in den 70er Jah­ren den Movi­mi­en­to de Bases Pero­ni­stas (MBP, Pero­ni­sti­sche Basis­be­we­gung) als eine der link­s­pe­ro­ni­sti­schen Jugend­be­we­gun­gen, die in einen har­ten Kon­flikt mit der der rechtspe­ro­ni­sti­schen Regie­rung und anschlie­ßend mit der Mili­tär­re­gie­rung tra­ten. Vor weni­gen Jah­ren wur­de eine gleich­na­mi­ge Bewe­gung gegrün­det, die nicht mehr von Gra­bo­is ange­führt wird.

Zu den Part­nern von Juan Gra­bo­is gehört Emi­lio Per­si­co, Unter­staats­se­kre­tär in der Regie­rung von Cri­sti­na Kirch­ner und Vor­sit­zen­der des Movi­mi­en­to Evi­ta (Frau­en­be­we­gung Evi­ta), die sich unter ande­rem für „die sexu­el­len und repro­duk­ti­ven Rech­te“ in Argen­ti­ni­en ein­setzt, mit ande­ren Wor­ten für die Lega­li­sie­rung und För­de­rung von Abtrei­bung, Ver­hü­tung und künst­li­cher Befruchtung.

Per­si­co war bei den Mon­to­n­e­ros aktiv, dem Movi­mi­en­to Pero­ni­sta Mon­to­ne­ro, einer links­ex­tre­men, pero­ni­sti­schen Bewe­gung , die in den 1970er Jah­ren eine links­re­vo­lu­tio­nä­re Stadt­gue­ril­la bil­de­te. Deren Sym­bol, die schwar­ze Hand auf einem roten Hals­tuch ist auf einem Bild von Juan Gra­bo­is zusam­men mit einem Foto von Papst Fran­zis­kus zu sehen. Die Mon­to­n­e­ros woll­ten Argen­ti­ni­en zum „Sozia­li­sti­schen Staat“ machen. Ihr Mot­to lau­te­te „Peron oder Tod“.

Der extre­men Lin­ken galt Per­si­co als Ver­rä­ter, weil er die revo­lu­tio­nä­re Bewe­gung zugun­sten einer Zusam­men­ar­beit mit der link­s­pe­ro­ni­sti­schen Regie­rung des Ehe­paars Kirch­ner ver­ließ. Seit dem Wahl­sieg Macris sind die ver­schie­de­nen lin­ken Strö­mun­gen Argen­ti­ni­ens wie­der dich­ter zusammengerückt.

Sowohl Per­si­co als auch Gab­rois unter­stütz­ten, wie eben­so Papst Fran­zis­kus, bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len im Herbst 2015 den pero­ni­sti­schen Gegen­kan­di­da­ten von Mau­rico Macri.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cato­li­cos alerta/Clarà­n/La poli­ti­ca online/Misiones para todos (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Ein Papst, der mit äußerst links und damit zwangs­läu­fig anti­christ­lich gesinn­ten Per­so­nen zusam­men­ar­bei­tet, liest sich wie ein schlech­ter Witz, ist aber wohl bit­te­re Realität.

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