Details zum lutherisch-katholischen Reformationsgedenken mit Papst Franziskus

Reformationsgedenken 2016 in Lund Papst Franziskus
Reformationsgedenken 2016 mit Papst Franziskus in Lund

(Rom) Der Vati­kan gab erste Details des 500-Jah­re-Refor­ma­ti­ons­ge­den­kens bekannt, an dem Papst Fran­zis­kus teil­neh­men wird.

Im heu­ti­gen Tages­bul­le­tin des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes heißt es, daß bei den Luther-Fei­ern „mit der Teil­nah­me von Papst Fran­zis­kus gerech­net“ wer­de.

Programmerweiterung: Heilige Messe mit Skandinaviens Katholiken

Der päpst­li­che Besuch im schwe­di­schen Lund und Mal­mö sah ursprüng­lich nur einen Tag vor. Am 31. Okto­ber wird die Teil­nah­me an der luthe­risch-katho­li­schen Gedenk­fei­er statt­fin­den. Nun wur­de das Pro­gramm erwei­tert. Laut heu­ti­ger Bekannt­ga­be wird die Rei­se um einen Tag aus­ge­wei­tet. Am 1. Novem­ber, dem Fest Aller­hei­li­gen, wird Papst Fran­zis­kus „mit der katho­li­schen Gemein­schaft“ die hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren.

Mit der Pro­gramm­än­de­rung scheint der Vati­kan auf Kri­tik von katho­li­scher Sei­te zu reagie­ren. Öffent­lich wur­de der Wunsch der skan­di­na­vi­schen Katho­li­ken geäu­ßert, der Papst möge sich auch mit ihnen tref­fen und nicht nur zu den Luthe­ra­nern rei­sen. Im ver­gan­ge­nen April äußer­te bei­spiels­wei­se der katho­li­sche Bischof Bernt Ivar Eids­vig von Oslo gegen­über dem Norway’s Vart Land, die Hoff­nung, der Papst wer­de auch die Katho­li­ken besu­chen.

Hin­ter den Kulis­sen wur­den Ent­täu­schung und Unmut dar­über laut, daß der Papst an einem Luther-Geden­ken teil­neh­me, aber kei­ne Zeit für die Katho­li­ken habe.

Lund — gemeinsames Gebet nach „gemeinsamer liturgische Ordnung“?

Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt gab eine gemein­sa­me Erklä­rung des Luthe­ri­schen Welt­bun­des und des Päpst­li­chen Rates zur För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten bekannt. Dar­in ist von einem „gemein­sa­men, öku­me­ni­schen, luthe­risch-katho­li­schen Geden­ken zum 500. Jah­res­tag der Refor­ma­ti­on“ die Rede.

Um genau zu sein, fin­det das gemein­sa­me Geden­ken am 499. Jah­res­tag der Refor­ma­ti­on statt, deren Beginn mit dem 31. Okto­ber 1517 ange­setzt wird. Das wur­de von katho­li­scher Sei­te damit begrün­det, daß Luther am 31. Okto­ber 1516 noch katho­lisch war. Ein wei­te­rer Grund dafür, das gemein­sa­me Geden­ken an den Beginn des Luther-Jah­res zu set­zen, dürf­te es sein, daß Papst Fran­zis­kus damit ein Signal an die luthe­ri­sche Welt aus­sen­den will, das bereits in das bevor­ste­hen­de Gedenk­jahr ein­wir­ken soll.

Im schwe­di­schen Lund wird ein gemein­sa­mes Gebet statt­fin­den, das auf der vor kur­zem vom Luthe­ri­schen Welt­bund und dem Päpst­li­chen Ein­heits­rat ver­öf­fent­li­chen katho­lisch-luthe­ri­schen lit­ur­gi­schen Hand­rei­che beru­hen wird.  Die bei­den Her­aus­ge­ber „laden dazu ein, künf­tig Got­tes­dien­ste nach einer gemein­sa­men lit­ur­gi­schen Ord­nung zu fei­ern“. Ein ent­spre­chen­des Schrei­ben vom Gene­ral­se­kre­tär des Luthe­ri­schen Welt­bun­des und  vom Vor­sit­zen­den des Päpst­li­chen Ein­heits­ra­tes, Kuri­en­kar­di­nal Kurt Koch, war zu Jah­res­be­ginn an die luthe­ri­schen Kir­chen und die katho­li­schen Bischofs­kon­fe­ren­zen ver­schickt wor­den.

Nach die­ser „gemein­sa­men lit­ur­gi­schen Ord­nung“, dem „Gemein­sa­men Gebet“ (Com­mon Pray­er) soll das luthe­risch-katho­li­schen Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken statt­fin­den. Das „Beson­de­re“ dar­an wird betont, denn es sei die erste, „gemein­sam ent­wickel­te Lit­ur­gie von Luthe­ra­nern und Katho­li­ken“.

Die Gebets­fei­er wird von Papst Fran­zis­kus, dem luthe­ri­schen Bischof Munib Youn­an und Pastor Mar­tin Jun­ge gelei­tet. Youn­an ist der Vor­sit­zen­de, Jun­ge der Gene­ral­se­kre­tär des Luthe­ri­schen Welt­bun­des.

Die Fra­ge, wie das „Gemein­sa­me“, das kon­trä­re Eucharistie‑, Sakra­men­ten- und Kir­chen­ver­ständ­nis zwi­schen Luthe­ra­nern und Katho­li­ken über­brücken kön­ne, bleibt unbe­ant­wor­tet.

Malmö — lutherisch-katholische Zusammenarbeit: Flüchtlingshilfe, Friedensarbeit, Klimawandel

In Mal­mö, der zwei­ten Etap­pe des gemein­sa­men Refor­ma­ti­ons­ge­den­kens, wer­den dann die gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten von Luthe­ra­nern und Katho­li­ken in der gan­zen Welt gezeigt. Schwer­punkt dabei wer­de die gemein­sa­me Arbeit von Welt­bund und Cari­tas Inter­na­tio­na­lis in der Flücht­lings­hil­fe, der Frie­dens­ar­beit und dem Kli­ma­wan­del sein.

Kar­di­nal Koch sprach davon, daß bei einer „Kon­zen­tra­ti­on auf die Zen­tra­li­tät Got­tes und die Chri­sto­zen­trik, Luthe­ra­ner und Katho­li­ken gemein­sam der Refor­ma­ti­on geden­ken könn­ten, und zwar nicht nur auf rein prag­ma­ti­sche Art, son­dern mit einem tie­fen Emp­fin­den des Glau­bens an den gekreu­zig­ten und auf­er­stan­de­nen Chri­stus“.

Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, der Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, sieht das anders. Er schrieb in sei­nem jüng­sten Buch und beton­te mehr­fach, jüngst in Spa­ni­en, daß es für Katho­li­ken kei­nen Grund gebe, 500 Jah­re Refor­ma­ti­on zu fei­ern.

In der katho­li­schen Kir­che kon­zen­trie­ren sich man­che Krei­se mit Blick auf das Jahr 2017 auf die 100-Jahr­fei­ern der Mari­en­er­schei­nun­gen von Fati­ma und stel­len die­ses Geden­ken bewußt den pro­te­stan­ti­schen Refor­ma­ti­ons­fei­ern ent­ge­gen.

Genau Infor­ma­tio­nen zum öku­me­ni­schen Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken fin­den sich auf der eigens dafür ein­ge­rich­te­ten Inter­net­sei­te www.lund2016.net

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: lund2016.net (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Papst Leo X wird sich in senem Gra­be umdrehen.500 Jah­re ver­gan­gen und jetzt dieses.Wahrscheinlich auch Inter­kom­mu­ni­on dann?

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