Papst Franziskus und die Marginalisierung der Glaubenskongregation

(Rom) In sei­nem ersten Inter­view mit dem Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri, das am 1. Okto­ber 2013 in der Tages­zei­tung La Repub­bli­ca ver­öf­fent­licht wur­de, sag­te Papst Fran­zis­kus mit Blick auf eini­ge Mit­glie­der der Römi­schen Kurie: „Der Hof­staat ist die Lepra des Papst­tums“. Fran­zis­kus scheint aber „die Aus­sät­zi­gen und nicht den Aus­satz zu bekämp­fen“, so Secretum meum mihi. Die Tages­zei­tung Il Foglio titel­te in ihrer gest­ri­gen Aus­ga­be auf der ersten Sei­te: „Mül­ler bela­gert“.

Schönborn statt Müller

Die Distanz, die zwi­schen dem Papst und dem Glau­bens­prä­fek­ten Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler bestehe, sei „von allen“ zu erken­nen. „Die Käl­te wur­de offen­sicht­lich“ durch den Aus­schluß des deut­schen Pur­pur­trä­gers von der Prä­sen­ta­ti­on des nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris Lae­ti­tia, obwohl die gan­ze Dis­kus­si­on seit zwei­ein­halb Jah­ren sei­nen Arbeits­be­reich der Glau­bens­leh­re berührt. Papst Fran­zis­kus blieb zwar im deut­schen Sprach­raum, ließ die Exhor­ta­tio aber vom Wie­ner Erz­bi­schof, Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born, vor­stel­len.

Das war nicht nur eine Form der Zurück­set­zung, son­dern mehr noch eine Sicher­heits­maß­nah­me. Kar­di­nal Mül­ler hät­te Amo­ris Lae­ti­tia einen Stem­pel auf­ge­drückt, den der Papst nach all der lan­gen Mühe, die Schei­dung irgend­wie zu „katho­li­sie­ren“, nicht haben woll­te.

Da die ange­streb­ten „Öff­nun­gen“ ver­klau­su­liert in Fuß­no­ten ver­packt wur­den, war die Prä­sen­ta­ti­on für die Wir­kung ent­schei­dend. Im Vor­feld waren an alle Diö­ze­sen Emp­feh­lun­gen dazu ergan­gen. Damit stand fest, daß die wich­tig­ste, die römi­sche Prä­sen­ta­ti­on mit gro­ßer Sorg­falt vor­be­rei­tet wür­de.

Der Haupt­part dabei kam Wiens Erz­bi­schof zu, der die inhalt­li­che Bedeu­tung des Schrei­bens erläu­tern soll­te. Von Kar­di­nal Mül­ler war kei­ne Spur zu sehen. So war es bereits wäh­rend der Dop­pel-Syn­ode. Man den­ke an die Per­so­nal­po­li­tik bei den täg­li­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen. Die Ein­sei­tig­keit, mit der Kas­pe­ria­ner dazu gela­den wur­den, löste unter den Syn­oda­len nur mehr Kopf­schüt­teln aus.

Diametral entgegengesetzte Positionen

Obwohl die umstrit­te­nen Fra­gen zu Schei­dung, Zweit­ehe und der Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne unmit­tel­bar die Glau­bens­leh­re betref­fen, blieb der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on bei allen medi­en­wirk­sa­men Momen­ten, jenen wo die Kir­che mit der Welt­öf­fent­lich­keit kom­mu­ni­zier­te, unbe­rück­sich­tigt.

„Tat­sa­che ist, daß der Kar­di­nal Fran­zis­kus dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setz­te Lini­en zum The­ma ver­tre­ten“, so Matteo Mat­zuz­zi in Il Foglio. Es genü­ge, „die Schrif­ten Mül­lers mit den Reden Ber­go­gli­os zu ver­glei­chen“. Wäh­rend Mül­ler die Not­wen­dig­keit betont, die „gesun­den“ Eck­punk­te der kirch­li­chen Leh­re zu bekräf­ti­gen, spricht Fran­zis­kus stän­dig von einer Barm­her­zig­keit, die über das Gesetz hin­aus­ge­he.

Die kon­trä­ren Posi­tio­nen wer­den im Para­gra­phen 311 von Amo­ris Lae­ti­tia deut­lich, wo Papst Fran­zis­kus schreibt:

„Es ist zum Bei­spiel wahr, dass die Barm­her­zig­keit die Gerech­tig­keit und die Wahr­heit nicht aus­schließt, vor allem aber müs­sen wir erklä­ren, dass die Barm­her­zig­keit die Fül­le der Gerech­tig­keit und die leuch­tend­ste Bekun­dung der Wahr­heit Got­tes ist. Dar­um soll­te man immer beden­ken, ‚dass alle theo­lo­gi­schen Begrif­fe unan­ge­mes­sen sind, die letzt­lich Got­tes All­macht selbst und ins­be­son­de­re sei­ne Barm­her­zig­keit infra­ge stel­len‘“.

Glau­bens­prä­fekt Mül­ler hat­te bereits im Herbst 2013 sei­ne Ant­wort in der Tages­post vor­weg­ge­nom­men, die am 23. Okto­ber des­sel­ben Jah­res vom Osser­va­to­re Roma­no über­nom­men wur­de:

„Denn die gan­ze sakra­men­ta­le Ord­nung ist ein Werk gött­li­cher Barm­her­zig­keit und kann nicht mit Beru­fung auf die­sel­be auf­ge­ho­ben wer­den. Durch die sach­lich fal­sche Beru­fung auf die Barm­her­zig­keit besteht zudem die Gefahr einer Bana­li­sie­rung des Got­tes­bil­des, wonach Gott nichts ande­res ver­mag, als zu ver­zei­hen. Zum Geheim­nis Got­tes gehö­ren neben der Barm­her­zig­keit auch sei­ne Hei­lig­keit und Gerech­tig­keit. Wenn man die­se Eigen­schaf­ten Got­tes unter­schlägt und die Sün­de nicht ernst nimmt, kann man den Men­schen letzt­lich auch nicht sei­ne Barm­her­zig­keit ver­mit­teln. Jesus begeg­ne­te der Ehe­bre­che­rin mit gro­ßem Erbar­men, sag­te ihr aber auch: ‚Geh und sün­di­ge von jetzt an nicht mehr‘ (Joh 8,11). Die Barm­her­zig­keit Got­tes ist kei­ne Dis­pens von den Gebo­ten Got­tes und den Wei­sun­gen der Kir­che. Sie ver­leiht viel­mehr die Kraft der Gna­de zu ihrer Erfül­lung, zum Wie­der­auf­ste­hen nach dem Fall und zu einem Leben in Voll­kom­men­heit nach dem Bild des himm­li­schen Vaters.“

Nichts davon fin­det sich in Amo­ris lae­ti­tia.

Korrekturen der Glaubenskongregation blieben unberücksichtigt

Papst Fran­zis­kus hat­te den Ent­wurf gemäß vati­ka­ni­scher Gepflo­gen­heit zwar der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zur Prü­fung zukom­men las­sen. Doch nur ein Teil der zahl­rei­chen unter Mül­lers Lei­tung aus­ge­ar­bei­te­ten Kor­rek­tur­vor­schlä­ge wur­de vom Papst berück­sich­tigt. Papst Fran­zis­kus beläßt die Struk­tu­ren und auch die Per­so­nen an ihrem Platz, läßt sie eif­rig arbei­ten, igno­riert sie dann aber. Eine effi­zi­en­te Form, auf unan­greif­ba­re Wei­se Gegen­spie­ler ein­zu­bin­den und gleich­zei­tig ins Lee­re lau­fen zu las­sen.

Die­se Mar­gi­na­li­sie­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on bei der Aus­ar­bei­tung und der Vor­stel­lung eines mit sol­cher Span­nung erwar­te­ten päpst­li­chen Doku­ments betrifft nicht nur das nach­syn­oda­le Schrei­ben.

„Das führt dazu, daß mehr als einer jen­seits des Tibers soweit geht, von einem mög­li­chen, wenn auch nicht unmit­tel­ba­ren Wech­sel an der Spit­ze der Kon­gre­ga­ti­on zu spre­chen“, so Mat­zuz­zi. Gerüch­te­wei­se sei zu hören, Mül­ler könn­te ange­sichts sei­ner Aus­gren­zung selbst das Feld räu­men.

Eine sol­che Flucht vor der Ver­ant­wor­tung, kann dem deut­schen Kar­di­nal nur zuschrei­ben, wer ihn nicht kennt. Mül­ler weiß, gera­de wegen sei­ner Aus­brem­sung, wie wich­tig sein Aus­har­ren im Vati­kan ist, um zu ver­hin­dern, daß der von Fran­zis­kus gebil­de­te Hof­staat, sich völ­lig der Kir­che bemäch­tigt.

Schönborn „ist ein großer Theologe“ — und Kasper „macht Theologie auf den Knien“

Beim Rück­flug von der Insel Les­bos sag­te es Fran­zis­kus in aller Offen­heit: Schön­born „ist ein gro­ßer Theo­lo­ge“. Zur Bestä­ti­gung die­ser Aus­sa­ge füg­te der Papst hin­zu: „Er ist Mit­glied der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on“.

Kar­di­nal Mül­ler ist nicht nur Mit­glied, son­dern der Lei­ter der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Doch für ihn hat­te Fran­zis­kus noch kein ver­gleich­ba­res Lob übrig. Ganz im Gegen­teil: Ein sol­ches Lob gab es bereits, aber für einen ande­ren deut­schen Kar­di­nal, für Ratz­in­gers alten Gegen­spie­ler Wal­ter Kas­per, der nach Mei­nung des Pap­stes eine „Theo­lo­gie auf den Knien“ mache. Kas­per und Schön­born ste­hen bei­de bereit, den wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Kom­mu­ni­on zu spen­den. In Wien sei das schon „seit 15 Jah­ren“ Pra­xis, hat­te der öster­rei­chi­sche Erz­bi­schof die Öffent­lich­keit bei der Vor­stel­lung von Amo­ris Lae­ti­tia in Rom wis­sen las­sen. Das erklärt, war­um Schön­born und nicht Mül­ler für die­se Auf­ga­be bestimmt wur­de.

Kar­di­nal Schön­born steht der­zeit beson­ders in der Gunst des Pap­stes. Eine Gunst, die je nach Bereich und Augen­blick schnell wech­seln kann. Den­noch darf sich Wiens Erz­bi­schof als Sie­ger der Bischofs­syn­ode sehen. Kar­di­nal Kas­per warf das Netz aus, Kar­di­nal Schön­born hol­te den Fisch an Land. Mit sei­nem diplo­ma­ti­schen Geschick half er Papst Fran­zis­kus in der End­pha­se der Bischofs­syn­ode aus der Klem­me, als er bei der Schluß­ab­stim­mung ris­kier­te, in die Min­der­heit ver­setzt zu wer­den. Eine öffent­li­che Des­avou­ie­rung, wie es sie in der Kir­chen­ge­schich­te, jeden­falls der jüng­sten, noch nicht gab.

Schön­born lie­fer­te den Kom­pro­miß, dem Kar­di­nal Mül­ler am Ende zwar zustimm­te, um eine Spal­tung der Kir­che zu ver­mei­den, aber sei­ne Zwei­fel über die zwei­deu­ti­gen For­mu­lie­run­gen nicht ver­hehl­te. Syn­oda­len regi­strier­ten die sicht­li­che Genug­tu­ung Kas­pers bei jeder Zustim­mung Mül­lers zu umstrit­te­nen Para­gra­phen.

Worauf läuft das Pontifikat von Franziskus eigentlich hinaus?

In sei­nem jüng­sten Buch leg­te Mül­ler sei­ne Posi­ti­on unmiß­ver­ständ­lich dar und wen­det sich damit direkt an Kle­ri­ker und Lai­en. Eine direk­te­re Form der Amts­aus­übung, da Papst Fran­zis­kus ihn in Rom ins Lee­re lau­fen läßt. Mül­ler nahm in sei­nem Buch mehr als nur eine wich­ti­ge Prä­zi­sie­rung vor. Eine davon lau­tet:

„Wir Katho­li­ken haben kei­nen Grund den 31. Okto­ber 1517 zu fei­ern.“

Obwohl Papst Fran­zis­kus nicht erwähnt wird, ist die Miß­bil­li­gung für die Hal­tung des Pap­stes an einer ande­ren Front unüber­hör­bar. Fran­zis­kus wird am kom­men­den 31. Okto­ber nach Stock­holm flie­gen, um an einem öku­me­ni­schen Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken teil­zu­neh­men.

Doch so anders ist die Front zwi­schen Refor­ma­ti­on und Schei­dung viel­leicht gar nicht. Das päpst­li­che Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken und der erste Schritt zur Aner­ken­nung der Schei­dung sind durch einen gemein­sa­men Faden ver­bun­den: den Pro­te­stan­tis­mus. Als Deut­scher ist Kar­di­nal Mül­ler dies­be­züg­lich beson­ders sen­si­bel und wird sich bereits die Fra­ge gestellt haben, wor­auf das eigent­lich hin­aus­lau­fen soll, was seit drei Jah­ren in Rom im Gan­ge ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/OR (Screen­shot)

13 Kommentare

  1. Es ist kei­ne Mar­gi­na­li­sie­rung, son­dern eine Anni­hi­li­sie­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Der Papst ver­öf­fent­licht Häre­si­en und sagt expres­sis ver­bis: „Wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne dür­fen zur Kom­mu­ni­on“ und Kar­di­nal Mül­ler schweigt. Was hat er schon zu ver­lie­ren? Er hat ja nichts ver­hin­dert! Es ist doch unmög­lich, dass Amo­ris lae­ti­tia ohne sei­ne Mit­hil­fe doch häre­ti­scher aus­ge­fal­len wäre. Die letz­ten Enzy­kli­ken wohl auch, aber die haben wir nicht gele­sen. Es ist wie in Sodom, der Ver­gleich ist bewußt gewählt, nicht ein­mal zehn Gerech­te fin­den sich unter den 5100 Bischö­fen und 214 Kar­di­nä­len. Eine Schan­de ist es!

    Wir schrei­ben heu­te dar­über aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve: https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/04/20/amoris-laetitia-oder-wie-fuhlt-sich-der-profanierte-christus/

    Müs­sen den pri­va­te Blog­ger die gan­ze Arbeit über­neh­men, weil die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Angst hat? Oder ist denen schon alles gleich? Mül­ler ist doch solch eine agres­si­ve Per­sön­lich­keit. War­um setzt er sie jetzt nicht ein?

    Es ist wirk­lich die Zer­stö­rung der Kir­che zuerst die­se Reform des Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­rens, wel­che eine Annu­lie­rung auf Wunsch erlaubt und jetzt noch Amo­ris lae­ti­tia.
    Aber:
    1. Bei denen, die eine „fran­zis­ka­ni­sche Annu­lie­rung“ erhal­ten bei denen aber kei­ne rich­ti­gen Grün­de für eine Annu­lie­rung vor­lie­gen, die sind wei­ter­hin ver­hei­ra­tet und die näch­ste, sogar kirch­lich geschlos­se­ne Ehe, ist eben­falls ein Ehe­bruch. Also sie leben wei­ter in Tod­sün­de mit kirch­lich-fran­zis­ka­ni­schem Segen.

    2. Die WvG leben in Ehe­bruch und kom­mu­ni­zie­ren in Ehe­bruch.

    Wir haben also bei 1. und bei 2. mit Ehe­bre­chern, schwe­ren Sün­dern zu tun und eben­son bei all denen, die das Ide­al der christ­li­chen Ehe in gra­du­el­len Schrit­ten nach Schön­born anstre­ben und errei­chen.

    Dies ist doch die theo­re­ti­sche und prak­ti­sche Auf­he­bung der Sün­de und der Gebo­te Chri­sti und der Zehn Gebo­te. Es ist gegen das gött­li­che Recht!! Und ein Papst beschließt das und alle Kar­di­nä­le schwei­gen!

    • @ Tra­di­ti­on und Glau­ben
      Das tie­fe­re Dra­ma voll­zieht sich doch in der sich immer wei­ter voll­zie­hen­den Ent­christ­li­chung unse­rer gesam­ten Lebens­wirk­lich­keit. Wo kei­ne Ehe im christ­li­chen Sin­ne gegrün­det wird, han­delt es sich nur noch um Schein. Die Lebens­ab­schnitts­part­ner­schaf­ten hal­ten ledig­lich am Brauch­tum fest, das Ja-Wort wird zur blo­ßen Flos­kel.

      Die Fra­ge ist in der Tat, wie man Men­schen begeg­net, die irgend­wann aus die­sem heid­ni­schen Dickicht zum christ­li­chen Glau­ben fin­den und dabei erken­nen, dass all ihr frü­he­res Tun auf Sand gebaut war, weil das Glau­bens­fun­da­ment fehl­te.

      Barm­her­zig­keit schlös­se hier ein, dass die zum Glau­ben Gelan­gen­den erken­nen, dass sie ein fal­sches Leben geführt haben. Dies anzu­neh­men ist die Grund­vor­aus­set­zung, um frei zu wer­den für die Wahr­heit. Inso­fern gehört Lei­den immer zum christ­li­chen Glau­ben. Lei­den beruht aber nicht not­wen­dig auf Stra­fe, son­dern ent­springt der Tra­gik des fal­schen Lebens. Die­se Tra­gik kann man nicht mit einer Zulas­sung zur Kom­mu­ni­on behe­ben, im Gegen­teil, der Lei­den­de wächst erst im Bewusst­sein der eige­nen Tra­gik. Nur wenn er die­se annimmt, wird er offen für die Wahr­heit.

      • @ Sua­rez

        Wer­ter Sua­rez,

        Ihre Bemer­kun­gen sind mei­stens der­ma­ßen fun­diert, dass es unhöf­lich wäre weni­ger fun­diert auf sie zu ant­wor­ten. Manch­mal reicht die Zeit hier auf katholisches.info ein­fach nicht, des­we­gen schau­en Sie auch bei unse­rem Blog vor­bei, Zwecks Aus­tausch, falls Sie mögen.

        Ich sehe hier aber die Schuld nicht bei der Welt, son­dern bei der Kir­che. Woher sol­len denn die Men­schen wis­sen, wie es gehen soll, wenn es ihnen nie­mand sagt?

        1. Es gibt kei­nen katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt in den Schu­len wenig­stens nicht seit 1975.
        2. Es gibt kei­nen katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt oder Kate­che­se in den Pfarr­ge­mein­den.
        3. Da die Eltern es auch nicht wis­sen, kön­nen sie ihren Kin­dern kein Glau­bens­wis­sen ver­mit­teln.
        4. Natür­lich von der Kan­zel wird auch kein Glau­bens­wis­sen ver­mit­telt.
        5. Geschwei­ge denn auf katho­li­schen Fakul­tä­ten
        6. oder in katho­li­schen Aka­de­mien und ande­ren katho­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen.

        Dies ist aber in Deutsch­land haus­ge­macht und so gewollt, wenig­stens seit 1965. Nie­mand soll es wis­sen oder erfah­ren und „Fun­da­men­ta­li­sten“ hält man sich vom Hals.

        Ich rede mit vie­len Men­schen, wel­chen sich gleich ganz neue Wel­ten eröff­nen, als die erfah­ren, dass sich hin­ter all die­sem „Glau­bens­ge­döns“ irgend­ein Sinn ver­birgt, der noch dazu logisch ist. Aber sie hören es von mir zum ersten Mal. Sie sind doch nicht schuld. Schuld sind die „Hir­ten“. Der Zustand der deut­schen Kir­che oder der Kir­chen im Westen, im Osten fängt es auch lang­sam an, da vie­le im Westen Stu­die­ren, ist doch das Werk der deut­schen Bischö­fe. Wer hat denn die Würz­bur­ger Erklä­rung bzw. Syn­ode ver­ab­schie­det? Vgl. https://www.katholisches.info/2016/04/11/das-versagen-des-schulischen-religionsunterrichts-eine-analyse/

        Es war doch nicht der Staat. Die Kon­kor­da­te sind wirk­lich mehr als groß­zü­gig auf dem Papier. Sogar der NS-Staat ließ die Kir­che gewäh­ren, was den Reli­gi­ons­un­ter­richt anbe­lang­te und Regie­rung-Mer­kel ist doch nicht schlim­mer. Hören wir end­lich auf alles auf die Welt, die Gesell­schaft und die Säku­la­ri­sie­rung abzu­wäl­zen. Die Säku­la­ri­sie­rung ist doch nach 1965 von der Kir­che aus­ge­gan­gen. „Dia­log mit der Welt“, „Inkul­tu­ra­ti­on“ etc. Das hat kei­ne Regie­rung den Kon­zils­vä­tern auf­ge­bür­det. Wir sind schuld, weil wir nicht ver­kün­den! Jeder auf sei­ne Art. Und in die­se Lee­re kommt der Islam, die Eso­te­rik oder was Ande­res.

        Aber die­se Ent­wick­lung war schon 1965 vor­aus­seh­bar. Roma­no Ame­rio hat es 1985, also 20 Jah­re nach dem Kon­zil, in sei­nem „Iota unum“ mehr als deut­lich geschrie­ben und präch­tig ana­ly­siert. Micha­el Davies auch. Es ist doch unmög­lich, dass die­se Wer­ke im Vati­kan nicht gele­sen wur­den. Bene­dikt XVI/Ratzinger hat sogar Davies gewür­digt. Aber man hat nicht unter­nom­men und jetzt haben wir Papst Fran­zis­kus. Die ein­zi­ge string­te Lösung ist die­se, dass die­sel­ben Men­schen im Hin­ter­grund ab 1962 wirk­ten und jetzt wir­ken ihre Schü­ler. Das Ziel ist das­sel­be: die Zer­stö­rung.

        Sie sagen es ja selbst seit vie­len Jah­ren: Die Kir­che in der Form, wie wir sie ken­nen, wird es nicht mehr geben. Wel­che wird es denn geben? Kei­ne.

        Es fing mit der Ekkle­sio­lo­gie an und zurecht. Zuerst die Auf­wei­chung der katho­li­schen Iden­ti­tät nach Hegel (sub­si­stit in) und jetzt die Auf­he­bung der katho­li­schen Iden­ti­tät nach Fran­zis­kus, obwohl ande­re es vor­be­rei­tet haben.

        Hören wir also auf von der Welt zu spre­chen.

      • Ver­ehr­ter @ Tra­di­ti­on und Glau­ben,
        wir leben in einer kon­kre­ten Lebens­wirk­lich­keit, die natür­lich auch Rück­wir­kun­gen auf den Glau­ben hat. Die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on hat bis heu­te einen tief­grei­fen­den Ein­fluss auf das Den­ken der Men­schen, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Fun­da­men­tie­rung des Säku­la­ris­mus und sei­ner Ideo­lo­gien. Die Auf­klä­rung — und das wird lei­der immer wie­der über­se­hen — bean­sprucht einen ver­ab­so­lu­tier­ten Wahr­heits­an­spruch selbst da, wo sie alles dem Rela­ti­vis­mus respek­ti­ve Posi­ti­vis­mus unter­wirft. Das Rela­ti­ve wird zum Abso­lu­ten und erzeugt so eine Tota­li­tät des Irra­tio­na­len. Der heu­ti­ge Mensch wird immer unfä­hi­ger zu hören, ihm eig­net ein selt­sa­mer Autis­mus, der ihn in ideo­lo­gi­schen Denk­mu­stern ver­schließt. Tau­ben kann man aber schlecht das Wort Got­tes näher­brin­gen. Damit möch­te ich Ihre Erfah­rung einer par­ti­el­len Bereit­schaft zu Hören, wenn man rich­tig erklärt, nicht infra­ge stel­len, jedoch bleibt die­ses Hören lei­der all­zu oft ein tem­po­rä­res Phä­no­men. Die Wahr­heit wird immer wie­der von neu­em ver­schüt­tet und an ihre Stel­le tritt dann wie­der die Ideo­lo­gie der Auf­klä­rung, die Sinn ins belie­big Setz­ba­re ver­legt. Die­ser Sub­jek­ti­vis­mus ver­sperrt sich von sei­nem Wesen her gegen jede kon­kre­te Bestim­mung und damit auch gegen eine Leh­re, die ein­deu­ti­ge Lehr­sät­ze hat und for­mu­liert. Die Ein­deu­tig­keit wird als Zwang ange­se­hen und so als Aus­übung von Herr­schaft dis­kre­di­tiert. Wer heu­te ein­mal auf­merk­sam die Dis­kus­sio­nen in der Kir­che ver­folgt, der kommt um die­sen Befund gar nicht her­um.

        Es wäre nun die Rea­li­tät ver­ken­nen, wenn man über­sieht, dass das Den­ken der Auf­klä­rung tief in die Lebens­wirk­lich­keit der Kir­che ein­ge­drun­gen ist und die theo­lo­gi­sche Refle­xi­on stark beein­flusst. Theo­lo­gen wie Kar­di­nal New­man haben früh erkannt, wel­che Gefah­ren von einem unbe­stimm­ten Den­ken, wie es von der Auf­klä­rung her­vor­ge­bracht wird, auch für den Glau­ben aus­ge­hen. In der Kir­che sehen wir nun zwei gegen­läu­fi­ge Ten­den­zen, die eine ver­sucht, die Leh­re dem aus der Auf­klä­rung ent­nom­me­nen Rela­ti­vis­mus zu unter­wer­fen und so Wahr­heit in sub­jek­ti­ve Set­zung auf­zu­lö­sen, die ande­re, an der Wahr­heit, wie sie vom Lehr­amt der Kir­che erkannt ist, fest­zu­hal­ten. Da der katho­li­sche Glau­be ohne eine feste Leh­re und ein auto­ri­sier­tes Lehr­amt undenk­bar ist, weil er sich dann ent­lee­ren wür­de, bin ich mir sicher, dass in fer­ne­rer Zukunft die der­zei­ti­ge rela­ti­vi­sti­sche Ten­denz in der Kir­che ins Lee­re lau­fen und kor­ri­giert wird. Wir dür­fen da nicht in zu klei­nen Zeit­ab­schnit­ten den­ken, Wahr­heit braucht zu ihrer Ent­fal­tung Zeit und die hat man in der Kir­che immer gehabt. Nicht sel­ten wur­de über Jahr­hun­der­te um einen Glau­bens­satz gerun­gen. Schon von daher ist die heu­ti­ge Sucht, Theo­lo­gie im Schnell­durch­gang zu betrei­ben, wie zum Bei­spiel Kar­di­nal Kas­per es vor­ex­er­ziert, eine Absur­di­tät.

        Mit all dem ist nicht gesagt, dass man den rela­ti­vi­sti­schen Ten­den­zen in der Kir­che nicht ent­schie­den ent­ge­gen tre­ten soll­te. Nur glau­be ich nicht, dass man Glau­ben­de erreicht, die noch nicht wirk­lich hören wol­len respek­ti­ve kön­nen. Der Fana­tis­mus der Sek­tie­rer, wie wir ihn immer wie­der in der Kir­che am Wer­ke sehen, ist eine star­ke Ver­su­chung und nicht weni­ge erlie­gen ihm. Die Poli­ti­sie­rung der Kir­che beför­dert den Glau­bens­ver­fall und macht so aus Hören­de Tau­be. Wir müs­sen also unse­ren Glau­ben, so wie er in der Kir­che als wahr erkannt und gelehrt wird, ver­kün­den und leben, ganz gleich­gül­tig wel­chen poli­ti­schen Moden ein Papst gera­de nach­hängt. Die Ein­heit der Kir­che ist eben immer auch eine Über­zeit­li­che, d.h. kein Papst kann sich gegen die ande­ren Päp­ste als Ein­heit stel­len und „sein Ding“ machen.

        Papst Fran­zis­kus ist doch schon heu­te in vie­ler­lei Hin­sicht geschei­tert. Sein Ein­tre­ten für die Armen ist längst zur Pose gewor­den, schon weil er die satu­rier­te deut­sche Staats­kir­che, wie sie von Kar­di­nä­len wie Marx reprä­sen­tiert wird, ein­fach unan­ge­ta­stet lässt. Das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus ist für mich schon heu­te ein Pon­ti­fi­kat des blo­ßen „schö­nen“ Schei­nes, das man beim besten Wil­len nicht ernst neh­men kann. Was der Papst da bei sei­nen „Inter­views“ in luf­ti­ger Höhe von sich gibt, ist auf einem Niveau, dass man es getrost unter Phra­se able­gen kann. Dass nicht alle Päp­ste Hei­li­ge waren, soll­te mitt­ler­wei­le All­ge­mein­gut sein, inso­fern also nichts Neu­es unter der Son­ne!

  2. Viel­leicht wird Kar­di­nal Mül­ler dem eme­ri­tier­ten und wah­ren Papst Bene­dikt XVI. bald Gesell­schaft lei­sten kön­nen oder müs­sen. Wie schon seit lan­gem in den deutsch­spra­chi­gen Län­dern üblich, wer­den offen­kun­dig auch in Rom die Treu­en immer mehr an den Rand gedrängt.
    Die Anti-Kir­che hat das Ruder zur Zeit fest in der Hand. Alle Vor­her­sa­gen sind dabei sich zu erfül­len.

    • Auf dem Foto oben sieht Kar­di­nal Mül­ler dem frü­he­ren Kar­di­nal Ratz­in­ger ver­blüf­fend ähn­lich: Die Haa­re, die Augenpartie.…ich muss­te wirk­lich zwei Mal hin­schau­en, um den Unter­schied zu erken­nen.
      Kar­di­nal Mül­ler sind die Hän­de gebun­den; wie soll­te er es wagen, den Papst oef­fent­lich zu kor­ri­gie­ren, da sich die­ser wie­der ein­mal nur sehr ver­schwom­men äußer­te?

  3. Eines lässt sich auch in gebüh­ren­der Ach­tung vor dem Papst sagen. Ber­go­lio ist kein sehr tief­schür­fen­der Theo­lo­ge.

    Wenn er sagt: „…dass alle theo­lo­gi­schen Begrif­fe unan­ge­mes­sen sind, die letzt­lich Got­tes All­macht selbst und ins­be­son­de­re sei­ne Barm­her­zig­keit infra­ge stel­len“, so fin­det sich hier eine Vor­stel­lung von All­macht und Barm­her­zig­keit, die man auch durch Will­kür erset­zen kann. Gera­de die katho­li­sche Glau­bens­leh­re hat aber immer dar­an fest­ge­hal­ten, dass Got­tes Lie­be gerecht ist, sie also gera­de nicht Will­kür ist. Manch­mal erken­nen wir Got­tes Lie­be nicht in ihrer gan­zen Tie­fe, was aber nicht heißt, dass sich die gött­li­che Wahr­heit wider­spre­chen könn­te. Die All­macht des sich Wider­spre­chens wäre die All­macht eines Demi­ur­gen und nicht die Got­tes. Barm­her­zig­keit hebt nicht auf, son­dern erfüllt — auch die Gerech­tig­keit!

    Betrach­tet man, was Papst Fran­zis­kus bei sei­nen skur­ri­len Pres­se­kon­fe­ren­zen in luf­ti­ger Höhe so sagt, dann gerät man zwangs­läu­fig ob der per­ma­nen­ten Ver­kür­zun­gen der theo­lo­gi­schen Refle­xi­on in eine doch recht unan­ge­neh­me Lage, denn beim besten Wil­len, kann man sol­che theo­lo­gi­schen Schlicht­hei­ten nicht als Glau­bens­stär­kun­gen anse­hen.

    In einem Auf­satz zu Theo­lo­gie und Lehr­amt schreibt Joseph Ratz­in­ger: „…Somit ist offen­sicht­lich, dass das Lehr­amt, das heißt die leben­di­ge Auto­ri­tät der leh­ren­den Kir­che, die grund­le­gen­de und unab­ding­ba­re Ebe­ne des Dia­logs der Gläu­bi­gen mit der Schrift ist; die Theo­lo­gie ist eine wesent­li­che Dimen­si­on die­ses mul­ti­di­men­sio­na­len Dia­logs der Kir­che mit Gott, der mit uns spricht.
    Die Neu­heit und die Beson­der­heit der Theo­lo­gie, ihr wah­res Wesen, grün­det in der ver­nünf­ti­gen und metho­do­lo­gi­schen Teil­ha­be am gro­ßen Dia­log zwi­schen dem Herrn und sei­ner Kir­che. Das »Ich« des Theo­lo­gen setzt das »Ich« der Kir­che vor­aus, von der er die Syn­chro­nie, die Gleich­zei­tig­keit mit der Schrift emp­fängt. Wenn die­ses »Ich« der Kir­che, ihre leben­di­ge, in der Stim­me des Lehr­amts kon­kre­ti­sier­te Stim­me nicht exi­stiert, fällt auch das eige­ne Wesen der Theo­lo­gie weg. Die Schrift wird, wie schon gesagt, eine will­kür­li­che Aus­wahl aus einer Lite­ra­tur der Ver­gan­gen­heit, und das Bemü­hen der Theo­lo­gie spal­tet sich in zwei unzu­sam­men­hän­gen­de Tei­le auf: in einen Histo­ri­zis­mus auf der einen Sei­te (die Exege­se wird Lite­ra­tur­ge­schich­te, han­delt von ver­gan­ge­nen Din­gen und unter­schei­det sich nicht mehr von der Exege­se eines Homer oder Ver­gil usw.) und in Sozio­lo­gie und Psy­cho­lo­gie der glau­ben­den Gemein­de und in eine Art Poli­to­lo­gie von Kon­struk­ti­ons­mo­del­len der Gemein­schaft auf der ande­ren Sei­te, und viel­leicht auch in Reli­gi­ons­phi­lo­so­phie und Moral­phi­lo­so­phie (Ethik). Dem Anschein nach wird die Theo­lo­gie frei, indem sie sich von der leben­di­gen Stim­me des Lehr­amts der Kir­che eman­zi­piert; in Wahr­heit ver­liert sie ihren epi­ste­mo­lo­gi­schen und metho­do­lo­gi­schen Gehalt und wird zu einem Behäl­ter ver­schie­de­ner Dis­zi­pli­nen, die unter­ein­an­der nicht zusam­men­hän­gen und größ­ten­teils kein prä­zi­ses metho­do­lo­gi­sches Fun­da­ment haben. “ (GS BD 9/1 Sei­te 714–715)

  4. Feig­heit, unter­wür­fi­ge Papst­hö­rig­keit und never cri­ti­ci­ze the Pope-poli­cy und Kom­p­ris­se mit Häre­ti­kern für eine vor­läu­fi­ge Ein­heit die in Spal­tung mün­det zu machen, zah­len sich nicht aus. Der Rück­grat­schwund ist bei den kon­ser­va­ti­ven Bischö­fe der­art fort­ge­schrit­ten, das man nur noch mit dem Kopf schüt­teln kann. Hät­ten die kon­ser­va­ti­ve Bischö­fe mehr Mumm Fran­zis­kus hät­te es nicht gewagt, sich wie die Axt im Wal­de auf­zu­füh­ren. Kar­di­nal Bur­ke ist beson­ders ent­täu­schend, da er noch Wider­stand gegen den Papst ver­sprach, wenn die­ser sich an die Leh­re ver­greift. Was macht er jetzt kri­ti­siert die Kri­ti­ker von Amo­ris lae­ti­tia und flüch­tet sich in die Aus­re­de, dass Amo­ris lae­ti­tia kein lehr­amt­li­ches Schrei­ben sei und über­haupt kei­ne Aus­wir­kung auf die Leh­re hät­te. Bloß nicht auf­ste­hen, Far­be beken­nen und HANDELN. Die ande­ren kon­ser­va­ti­ven Bischö­fe wie Mül­ler etc ver­har­ren im Schwei­gen. Die Leh­re und die gläu­bi­ge Her­de haben schein­bar kaum Hir­ten, die sie schüt­zen. Daher schau­en wir auf den guten Hir­ten Chri­stus und set­zen wir alle unser Hoff­nung auf ihn. Nur er kann uns aus die­sem Dilem­ma, in der uns Fran­zis­kus gestürzt hat, befrei­en.

    • Vom Bauch­ge­fühl her möch­te ich Ihnen recht geben. Aber was sol­len Mül­ler, Bur­ke etc. machen? Gro­sse Pres­se­kon­fe­renz, wo man AL als wider die Leh­re ein­stuft? Soll Mül­ler den Laden ein­fach hin­schmei­ßen, so dass Ber­go­glio dann ganz gemüt­lich einen Kas­pe­ria­ner zum Chef der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on macht? Sol­len sie Sedis­va­kanz erklä­ren? Wer wür­de Ihnen fol­gen?
      Ich fin­de die Reak­ti­on die­ser Kar­di­nä­le genau­so unbe­frie­di­gend wie sie, ins­be­son­de­re Bur­kes State­ment riecht ein wenig nach Taschen­spie­ler­trick. Mir ist aber auch noch nichts ein­ge­fal­len, was Mül­ler & Co. befrie­di­gen­der­wei­se machen könn­ten, was uns dann wei­ter­hilft…

    • Lie­be Zarah,
      Sie soll­ten Ihren Sprach­duk­tus über­den­ken! Ein Kar­di­nal Sarah ist alles ande­re als fei­ge und hat sich auch in kla­rer Wei­se zur Gül­tig­keit der Leh­re der Kir­che geäu­ßert. Ihre Vor­stel­lung, dass er bewaff­net in den Vati­kan stürmt und den Papst für abge­setzt erklärt, ent­spricht nicht theo­lo­gi­schem Den­ken son­dern einer bestimm­ten Form poli­ti­scher Pra­xis. Damit ste­hen Sie den Den­ken z.B. der Befrei­ungs­theo­lo­gie viel näher, als Sie wahr­ha­ben möch­ten. Manch­mal habe ich den Ein­druck, als kor­re­spon­dier­ten hier Strö­mun­gen in der Kir­che, die bei­de kon­se­quent am Glau­ben vor­bei­ge­hen. Die Kir­che ist kei­ne poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on!

  5. Hoch­ver­ehr­ter @ Sua­rez!

    Sie sagen oben mit Recht: „Ber­go­lio ist kein sehr tief­schür­fen­der Theo­lo­ge“.
    Um die Bedeu­tung die­ses Defi­zits zu erfas­sen, haben Sie für die Mit­le­ser Joseph Ratzinger/Papst Bene­dikt zitiert, der unter ande­rem in wei­ser Vor­aus­sicht gesagt hat:

    „Die Neu­heit und die Beson­der­heit der Theo­lo­gie, ihr wah­res Wesen, grün­det in der ver­nünf­ti­gen und metho­do­lo­gi­schen Teil­ha­be am gro­ßen Dia­log zwi­schen dem Herrn und sei­ner Kir­che. Das »Ich« des Theo­lo­gen setzt das »Ich« der Kir­che vor­aus, von der er die Syn­chro­nie, die Gleich­zei­tig­keit mit der Schrift emp­fängt. Wenn die­ses »Ich« der Kir­che, ihre leben­di­ge, in der Stim­me des Lehr­amts kon­kre­ti­sier­te Stim­me nicht existiert,.…..“(GS BD 9/1 Sei­te 714–715)

    Ja, was ist dann?
    Dann, haben wohl eini­ge pro­gres­si­ve Kar­di­nä­le gehofft, hät­ten sie leich­tes Spiel und könn­ten sich das redu­zier­te theo­lo­gi­sche „Ich“ des neu­en Pap­stes und damit gleich­zei­tig das „Ich“ der in der Stim­me des Lehr­amts kon­kre­ti­sier­ten Stim­me der Kir­che zugun­sten von ihren pro­gres­si­sti­schen Vor­stel­lun­gen über Kir­chen­re­for­men zu eigen machen.

    Doch mit dem beson­de­ren „Ich“ der Per­son ihres argen­ti­ni­schen Favo­ri­ten ist offen­bar nicht gerech­net wor­den. Dazu hat am 21.10.2013 eine mexi­ka­ni­sche Mathe­ma­ti­ke­rin, Mut­ter von 9 Kin­dern, einen per­sön­li­chen Sor­ge-Brief an Papst Fran­zis­kus gerich­tet, der in die­sem Forum ein­ge­stellt und ein Jahr spä­ter wie­der­holt wor­den ist. Soll­ten Ihnen die­ser Brief und die ins­ge­samt fast 160 Kom­men­ta­re dazu nicht bekannt sein, emp­feh­le ich „Nach­le­se“.

    https://www.katholisches.info/2013/10/21/er-liebt-es-von-allen-geliebt-zu-werden-dramatischer-brief-einer-katholikin-an-papst-franziskus/

    https://www.katholisches.info/2014/10/21/er-liebt-es-von-allen-geliebt-zu-werden-vor-einem-jahr-schrieb-lucrecia-rego-de-planas-an-papst-franziskus/

  6. Hoch­ver­ehr­ter @ Sophus,
    besten Dank für die Erin­ne­rung an die­sen, aus heu­ti­ger Sicht noch beklem­men­de­ren Brief einer Katho­li­kin an den Papst.

    Mir berei­tet heu­te nicht die größ­te Sor­ge, dass Papst Fran­zis­kus die kirch­li­che Leh­re ändern könn­te, son­dern dass er ihre Bedeu­tung suk­zes­si­ve tri­via­li­siert und damit Katho­li­zi­tät auf ein Niveau redu­ziert, wo sie sich ein­fach auf­löst. Der Glau­be wird durch Tri­via­li­sie­rung nicht gestärkt, son­dern geschwächt, weil der zu gehen­de Weg für den Glau­ben­den immer undeut­li­cher zu erken­nen ist. Die Auf­ga­be eines Pap­stes besteht aber nicht dar­in, die ihm anver­trau­ten Scha­fe ins Dun­kel des Unbe­stimm­ten zu füh­ren, son­dern ans kla­re Licht des Glau­bens der Kir­che, wie er zu allen Zei­ten die Fin­ster­nis­se der Welt erhellt hat.

    Es mag sein, dass Ber­go­lio berech­tigt Über­zeich­nun­gen des Lit­ur­gi­schen für ein Übel hält, dem man durch eine gewis­se Gelas­sen­heit begeg­nen soll­te, das kann aber doch nicht dazu füh­ren, dass der Sinn des Lit­ur­gi­schen ins Bana­le auf­ge­löst wird und alles mit allem gleich­ge­setzt wird.

    Was mich der­zeit in der Kir­che abstößt, sind die absur­den Super­la­ti­ve pro­gres­siv gestimm­ter Bischö­fe wie Kar­di­nal Kas­per. Wenn die­ser über „Amo­ris Lae­ti­tia“ sagt, es han­de­le sich um das wich­tig­ste Schrei­ben in der Kir­che seit 1000(!) Jah­ren, dann müss­te man ob sol­che Ein­schät­zung eigent­lich nur kopf­schüt­telnd lächeln, denn Kar­di­nal Kas­per meint offen­bar, das „Amo­ris Lae­ti­tia“ die Schrif­ten von Tho­mas von Aquin, Duns Sco­tus und Bona­ven­tu­ra, um nur die­se zu nen­nen, über­flüg­le. Und wenn Papst Fran­zis­kus Kar­di­nal Kas­pers The­sen als „Theo­lo­gie auf Knien“ bezeich­net, so kann man über die­se Ein­schät­zung theo­lo­gi­scher Schlicht­hei­ten eben­falls nur den Kopf schüt­teln.

    Die Erman­ge­lung des Ern­stes in Tei­len der Kir­che, die Hybris, den Rela­ti­vis­mus als Erfül­lung der Theo­lo­gie anzu­se­hen, führt eben zur oben schon ange­spro­che­nen Tri­via­li­sie­rung des Glau­bens. Der Hang zum Tri­via­len ist ein Wesens­merk­mal unse­rer Zeit, das sieht man auch in der Poli­tik, ja selbst in der Kunst, in der die Albern­heit zum prä­gen­den Stil­merk­mal avan­ciert. Inso­fern steht die­ses Pon­ti­fi­kat für Moder­ni­tät, wobei damit eben kein Qua­li­täts­merk­mal ver­bun­den ist. Modern sein heißt nichts ande­res als der momen­ta­nen Mode ent­spre­chen. Die Mode ist aber das jeder­zeit Aus­tausch­ba­re und belie­big Ersetz­ba­re, denn der im Tri­via­len ver­wur­zel­te Geschmack kennt kei­ne über­zeit­lich gül­ti­gen Qua­li­täts­maß­stä­be.

    Wo aber die Mode in den Glau­ben Ein­zug hält, wird sie zur Furie des Ver­schwin­dens, zur Ver­ber­ge­rin der Wahr­heit.

  7. Hoch­ver­ehr­ter @Suarez!
    Haben Sie noch ein­mal Dank für Ihre her­vor­ra­gen­den Kom­men­ta­re, die kei­ner Ergän­zung bedürf­ten.
    Den­noch möch­te ich auf einen Pre­digt­an­fang Kar­di­nal Brand­mül­lers aus dem Jahr 2012 hin­wei­sen, der mir histo­ri­sche Par­al­le­len in der Refor­ma­ti­ons­zeit auf­schei­nen lie­ßen:
    „Lee­re Kir­chen, vie­le Kin­der, die nicht gebo­ren, gebo­re­ne, die nicht getauft wer­den, Ehen, die nicht geschlos­sen und geschlos­se­ne, die nahe­zu zur Hälf­te geschie­den wer­den, Sakra­men­te – ich den­ke vor allem an die Beich­te und die Kran­ken­sal­bung -, auf die vie­le Katho­li­ken kei­nen Wert mehr legen, und zu alle­dem Hun­der­te von Prie­stern, die den Glau­ben und die Ord­nung der Kir­che gera­de­zu bekämp­fen, und nicht zuletzt die erschüt­tern­de reli­giö­se Unwis­sen­heit selbst vie­ler Gebil­de­ter, die zwi­schen Wahr und Falsch nicht zu unter­schei­den wis­sen – dann kann man nur noch von einer exi­stenz­be­dro­hen­den Kri­se des Glau­bens spre­chen, wie die Kir­che sie seit der Refor­ma­ti­on des 16. Jahr­hun­derts nicht mehr erlebt hat. Und die­ser Kri­se schau­en nicht weni­ge von denen, die Ver­ant­wor­tung tra­gen, resi­gniert, ver­un­si­chert, taten­los zu… Es gilt die Fun­da­men­te zu erneu­ern, zu sichern, damit der Bau selbst nicht ein­stürzt. Das Fun­da­ment, auf dem alles ruht, ist der Glau­be“.

    Mit die­ser Zustands­be­schrei­bung der gegen­wär­ti­gen Kir­che hat der Kir­chen­hi­sto­ri­ker Wal­ter Kar­di­nal Brand­mül­ler am 29.4.2012 eine Pre­digt in Rom ein­ge­lei­tet und sich dabei auf ver­gleich­ba­re Glau­bens­zu­stän­de zur Zeit der Refor­ma­ti­on bezo­gen und damit die heu­ti­ge Kri­se des Glau­bens mit der Kri­se des 16. Jahr­hun­derts in Ver­bin­dung gebracht.

    Deren Urgrund ist m.E. weni­ger in den Kir­chen­zu­stän­den der Zeit zu suchen, als viel­mehr in der Indi­vi­dua­li­sie­rung der römi­schen Glau­bens­leh­re durch die Refor­ma­to­ren Luther, Zwing­li und Cal­vin, die alle­samt pri­mär kei­ne Theo­lo­gen waren und ver­ges­sen hat­ten, dass es nicht Auf­ga­be von Ein­zel­nen, schon gar nicht von Lai­en sein kann, den Glau­ben ver­bind­lich aus­zu­le­gen.
    Die Kir­che hat­te in den 1400 Jah­ren vor Luther & Co. der indi­vi­du­el­len Exege­se sehr enge Gren­zen gesetzt, denn sie wuss­te, dass die Aus­le­gung bibli­scher Tex­te auch bei Befug­ten davon abhängt, wel­chen Stand­punkt er ein­nimmt. Zum Glau­ben der Kir­che gehör­te seit Anbe­ginn, dass die Aus­le­gung des Glau­bens nicht aus dem sub­jek­ti­ven Mei­nen des Ein­zel­nen, son­dern aus dem gan­zen Glau­ben der Kir­che erwächst. Daher hat die Kir­che sub­jek­ti­vi­sti­schen Inter­pre­ta­tio­nen immer miss­traut und Häre­si­en ent­schie­den aus­ge­son­dert.

    Die Frei­ga­be der Lai­en­ex­ege­se durch Luther geschah in der Absicht, von der Bevor­mun­dung der Kir­che zu befrei­en. Aber die­se „Befrei­ung“ von brei­ten bür­ger­li­chen Krei­sen zum frei­en Bibel­stu­di­um hat­te eine Kehr­sei­te, die dar­in bestand, dass pro­te­stan­ti­sche Gläu­bi­ge zwar die Bibel in ihrer Mut­ter­spra­che lesen konn­ten, aber mit einem Schlag von der in latei­ni­scher und grie­chi­scher Spra­che abge­fass­ten 1400 jäh­ri­gen Bibel­ex­eg­se der Kir­che abge­schnit­ten und weit­ge­hend sich selbst über­las­sen waren – mit der Fol­ge, dass sie für ihre Fra­gen immer frei­mü­ti­ge­re Ant­wor­ten fan­den, so dass mit der Indi­vi­dua­li­sie­rung der 1400 Jah­re alten kirch­li­chen Leh­re ihre Tri­via­li­sie­rung ein­her­ging, bis der Glau­be ver­lo­ren war.

    Wie noch zu Luthers Zei­ten, die indi­vi­dua­li­sti­sche Exege­se und die ein­her­ge­hen­de Tri­via­li­sie­rung des Glau­bens zum Glau­bens­ab­fall füh­ren konn­te, zeig­te der hl. Petrus Faber SJ (1506–1546, der noch zu Leb­zei­ten Mar­tin Luthers die Gefah­ren einer sub­jek­ti­vi­sti­schen Lai­en­ex­ege­se erkannt hat­te. Unter Punkt 218 sei­nes Memo­ria­le schreibt er:
    „ Hier ver­merk­te und erkann­te ich, wie jene, die von der Kir­che abfal­len, zuerst in jenen Wer­ken und Übun­gen erlah­men, die Got­tes Gna­de und sei­nen « ver­schie­de­nen Gei­stes­ga­ben» (Röm I 2, 6) ent­stam­men; so dass sie in der Fol­ge all das gering­zu­schät­zen und abzu­tun begin­nen, was sie nicht als Erwerb aus eige­ner Ein­sicht ver­tei­di­gen.
    So fan­gen sie an, Ver­nunft­grün­de für ihren Glau­ben und ihre Hoff­nung zu suchen und zie­hen dabei alles in Zwei­fel – und so ver­schüt­ten sie, was ihnen der Hei­li­ge Geist ein­ge­gos­sen, und gehen des ech­ten Glau­bens ver­lu­stig, der im Glau­ben der Kir­che und in der Gemein­schaft der Hei­li­gen grün­det.
    Ist das alles ver­schüt­tet, dann fan­gen sie an, einen eige­nen Glau­ben nach eige­nem Gut­dün­ken auf­zu­stel­len und zu suchen: Jeder sucht sich Glau­bens­grün­de zusam­men und beur­teilt sie; er sucht sich Schrift­stel­len, sucht ihre Aus­le­gung, urteilt dar­über – und so suchen sie sich ihren Glau­ben oder bes­ser: ihre Pri­vat­mei­nun­gen und Irr­tü­mer selbst zusam­men“.

Kommentare sind deaktiviert.