Rom und die Piusbruderschaft: „Das Treffen war gut“ — „Es geht in Richtung Personalprälatur“

"'Das Treffen war gut', wie Il Foglio von vatikanischen Quellen erfahren konnte.
"'Das Treffen war gut', wie Il Foglio von vatikanischen Quellen erfahren konnte.

(Rom) Matteo Mat­zuz­zi, der Vati­ka­nist der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Il Foglio, berich­te­te am Mon­tag als erster, daß Bischof Ber­nard Fel­lay, der Gene­ral­obe­re der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., am ver­gan­ge­nen Frei­tag von Papst Fran­zis­kus in Pri­vat­au­di­enz emp­fan­gen wur­de. Hier Mat­zuz­zis Arti­kel:

Der Papst hat Bernard Fellay, das Oberhaupt der Lefebvrianer, getroffen

Der Papst hat am Sams­tag ((In Wirk­lich­keit fand die Pri­vat­au­di­enz bereits am Frei­tag, dem 1. April statt, wie DICI, der Pres­se­dienst der FSSPX, berich­te­te.)) Ber­nard Fel­lay emp­fan­gen, den Gene­ral­obe­ren und direk­ten Nach­fol­ger ((Direk­ter Nach­fol­ger von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re als zwei­ter Gene­ral­obe­rer war von 1982–1994 Pater Franz Schmid­ber­ger.)) von Mon­si­gno­re Mar­cel Lef­eb­v­re an der Spit­ze der Bru­der­schaft St. Pius X. Das Gespräch „war posi­tiv“, wie Il Foglio von vati­ka­ni­schen Quel­len erfah­ren konn­te. Zwi­schen Fran­zis­kus und Fel­lay „ist das Ein­ver­neh­men gut“.

Es han­delt sich um einen wei­te­ren Schritt in Rich­tung kano­ni­scher Aner­ken­nung der Bru­der­schaft durch den Hei­li­gen Stuhl in Form einer ad hoc errich­te­ten Prä­la­tur nach dem Vor­bild des Opus Dei, also mit weit­rei­chen­der und nicht nur orga­ni­sa­to­ri­scher Auto­no­mie.

In einem vor kur­zem in fünf Spra­chen über­setz­ten und auf der Inter­net­sei­te der Bru­der­schaft ver­öf­fent­lich­ten Inter­view zeig­te sich Fel­lay sehr dia­log­be­reit, indem er mehr­fach sei­ne Wert­schät­zung für den regie­ren­den Papst beton­te:

„Es wür­de mich nicht wei­ter erstau­nen, wenn er uns als einen jener Rän­der ansieht, denen er ganz offen­bar den Vor­zug gibt. Und in eben die­ser Sicht­wei­se gebraucht er den Aus­druck: „ein Stück Wegs zurück­le­gen“ mit den Men­schen an der Peri­phe­rie, in der Hoff­nung, so die Din­ge ver­bes­sern zu kön­nen. Es han­delt sich also nicht um einen festen Wil­len, unmit­tel­bar zum Ziel zu kom­men, einen Weg zu gehen, so oder so…, aber Haupt­sa­che man ist recht fried­lich, nett, ohne all­zu genau zu wis­sen, wo das endet. Wahr­schein­lich ist das einer der tie­fe­ren Grün­de.“

Bereits gegen Ende 2013 hat­te es, wie die Inter­net­sei­te Rora­te Cae­li ans Licht brach­te, eine erste Begeg­nung in San­ta Mar­ta gege­ben. Es han­del­te sich aller­dings nicht um ein Gespräch, son­dern um eine mehr zufäl­li­ge Begeg­nung.

Im Inter­view merk­te Fel­lay noch einen ande­ren Aspekt an, der erken­nen läßt, wie weit der Weg zur Ver­söh­nung bereits fort­ge­schrit­ten ist:

„Sehr über­ra­schend, denn es ist klar, dass Papst Fran­zis­kus uns leben und über­le­ben las­sen will. Jedem, der es hören will, sagt er, dass er der Prie­ster­bru­der­schaft nie­mals etwas Böses antun wird. Er hat auch gesagt, dass wir katho­lisch sind. Er hat sich gewei­gert, uns als Schis­ma­ti­ker ver­ur­tei­len zu las­sen, er sag­te: ‚Sie sind nicht schis­ma­tisch, sie sind katho­lisch‘, auch wenn er danach ein etwas rät­sel­haf­tes Wort gebrauch­te, als er sag­te, wir sei­en auf dem Weg zur vol­len Gemein­schaft. Für die­sen Aus­druck ‚vol­le Gemein­schaft‘ hät­ten wir gern eine kla­re Defi­ni­ti­on, denn man sieht ja, dass er nichts Prä­zi­sem ent­spricht. Das ist ein Gefühl… man weiß nicht genau, was es ist.“

Eine Ent­schei­dung, die in Eco­ne, wo die Bru­der­schaft ihren Sitz hat ((Das Gene­ral­haus der Pius­bru­der­schaft befin­det sich in Men­zin­gen (Kan­ton Zug). In Eco­ne (Kan­ton Wal­lis), befin­det sich hin­ge­gen das Prie­ster­se­mi­nar für die fran­ko­pho­nen Semi­na­ri­sten.)), beson­ders geschätzt wur­de, betrifft die vom Papst den Katho­li­ken gewähr­te Erlaub­nis, bei den Lef­eb­vria­ni­schen Prie­stern beich­ten zu kön­nen. Der Papst erklär­te das im Schrei­ben vom ver­gan­ge­nen 1. Sep­tem­ber, mit dem er zum Hei­li­gen Jahr einen Ablaß gewähr­te:

„Eine abschlie­ßen­de Über­le­gung gilt den Gläu­bi­gen, die aus ver­schie­de­nen Grün­den die von den Prie­stern der Bru­der­schaft St. Pius X. betreu­ten Kir­chen besu­chen. Die­ses Jubi­lä­ums­jahr der Barm­her­zig­keit schließt nie­man­den aus. Von ver­schie­de­ner Sei­te haben mir eini­ge bischöf­li­che Mit­brü­der vom guten Glau­ben und der guten sakra­men­ta­len Pra­xis die­ser Gläu­bi­gen berich­tet, aller­dings ver­bun­den mit dem Unbe­ha­gen, in einer pasto­ral schwie­ri­gen Situa­ti­on zu leben. Ich ver­traue dar­auf, dass in naher Zukunft Lösun­gen gefun­den wer­den kön­nen, um die vol­le Ein­heit mit den Prie­stern und Obe­ren der Bru­der­schaft wie­der­zu­ge­win­nen. Bewegt von der Not­wen­dig­keit, dem Wohl die­ser Gläu­bi­gen zu ent­spre­chen, bestim­me ich in der Zwi­schen­zeit in eige­ner Ver­fü­gung, dass die­je­ni­gen, die wäh­rend des Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit das Sakra­ment der Ver­söh­nung bei den Prie­stern der Bru­der­schaft St. Pius X. emp­fan­gen, gül­tig und erlaubt die Los­spre­chung von ihren Sün­den erlan­gen.“

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Il Foglio (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Wird schwie­rig zu begrün­den, war­um eine Abso­lu­ti­on nur in einem befri­ste­ten Zeit­raum gül­tig sein soll und noch dazu — Ach­tung Sar­kas­mus — bei die­ser «Spal­ter­trup­pe» (Zitat eines kath.net-Stammkommentators)

Kommentare sind deaktiviert.