Kritik am Papst von den Rändern, der den Umbau des US-Episkopats beschleunigen will

Papst Franziskus beim Treffen mit den Bischöfen in der Kathedrale von Mexiko-Stadt

(Rom) Der Papst, der vom Ende der Welt kam, wird von der alten Mit­te umju­belt, aber gera­de von den Rän­dern ein­ge­bremst. Nor­ber­to Kar­di­nal Rive­ra Car­re­ra, der Pri­mas von Mexi­ko, fällt ein ein­deu­tig nega­ti­ves Urteil über die Rede von Papst Fran­zis­kus an die mexi­ka­ni­schen Bischö­fe: „Impro­vi­sier­te Wor­te und schlecht bera­ten“. Die Kri­tik Rive­ras löste im Vati­kan „ein Pan­dä­mo­ni­um“ aus, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Der „schlech­te Rat­ge­ber“ für Mexi­ko wird von Papst Fran­zis­kus sogar auf eine Schlüs­sel­po­si­ti­on nach Washing­ton beför­dert. Dort soll er den US-Epi­sko­pat auf Ber­go­glio-Kurs brin­gen.

Kardinal Riveras Ärger über die Papst-Rüge

Der Leit­ar­ti­kel in der Kir­chen­zei­tung Des­de la fe des Erz­bis­tums ist nament­lich nicht gekenn­zeich­net. Den­noch ist die Autoren­schaft auf den Erz­bi­schof von Mexi­ko-Stadt, Nor­ber­to Kar­di­nal Rive­ra Car­re­ra, den Pri­mas des zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des zurück­zu­füh­ren. Die nicht gezeich­ne­ten Leit­ar­ti­kel stam­men in der Regel immer vom Erz­bi­schof. Kar­di­nal Rive­ra greift dar­in Papst Fran­zis­kus fron­tal an wegen des­sen drei Wochen zuvor in der Kathe­dra­le der mexi­ka­ni­schen Haupt­stadt gehal­te­ne Anspra­che an die Bischö­fe des Lan­des. Der Leit­ar­ti­kel wur­de auch auf der Inter­net­sei­te der Wochen­zei­tung und jener des Erz­bis­tums ver­öf­fent­licht.

Beson­ders kri­tisch ins Feld geht der Kar­di­nal mit jenen Pas­sa­gen, in denen der Papst die aus­ge­ar­bei­te­te Rede­vor­la­ge links lie­gen­ließ und frei und impro­vi­siert sprach. Beson­de­ren Anstoß erreg­te die Ermah­nung, die Bischö­fe hät­ten die Pflicht, „die Ein­heit des bischöf­li­chen Gemein­schaft zu bewah­ren“.

Wört­lich sag­te der Papst: „Wenn Ihr strei­ten müßt, strei­tet. Wenn Ihr Euch etwas zu sagen habt, dann sagt es. Tut es aber als Män­ner, ins Gesicht, und als Män­ner Got­tes, die dann zusam­men beten gehen und gemein­sam zu unter­schei­den ver­su­chen. Und wenn ihre die Gren­ze über­schrit­ten habt, dann bit­tet um Ver­ge­bung.“ Zusam­men­fas­send mein­te der Papst: „Gemein­schaft und Ein­heit unter Euch: Die Gemein­schaft ist die leben­di­ge Form der Kir­che und die Ein­heit ihrer Hir­ten ist der Beweis ihrer Wahr­haf­tig­keit. Es braucht kei­ne Prin­zi­pi­en, son­dern eine Gemein­schaft von Zeu­gen des Herrn.“

Implizierte Kritik an Kardinal Maradiagas Einfluß in Rom

Norberto Kardinal Rivera Carrera, Erzbischof von Mexiko-Stadt und Primas von Mexiko
Nor­ber­to Kar­di­nal Rive­ra Car­re­ra, Erz­bi­schof von Mexi­ko-Stadt und Pri­mas von Mexi­ko

Kar­di­nal Rive­ra war­te­te drei Wochen, doch mit der Ermah­nung kann er sich nicht anfreun­den und repli­zier­te nun offen­bar nach reif­li­cher Über­le­gung: „Hat der Papst irgend­ei­nen Grund die mexi­ka­ni­schen Bischö­fe so zu rügen? Was der Papst weiß, und das weiß er genau, ist, daß die Kir­che in Mexi­ko im Ver­gleich mit den ande­ren ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten einen aty­pi­schen Fall dar­stellt. Erstens zah­len­mä­ßig: Unser Land hat mit 81 Pro­zent [93 Mil­lio­nen] den höch­sten Katho­li­ken­an­teil, und genau auf­grund die­ser brei­ten und gefe­stig­ten katho­li­schen Prä­senz unter­schei­den wir uns von den ande­ren Staa­ten des Kon­ti­nents.“

Unüber­hör­bar klingt in den Wor­ten von Kar­di­nal Rive­ra nicht nur ein Ver­weis auf ande­re latein­ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten durch, son­dern ein Sei­ten­hieb gegen Kar­di­nal Oscar Rodri­guez Mara­dia­ga, den Erz­bi­schof von Tegu­cig­al­pa, der unter Papst Fran­zis­kus in Rom gro­ßes Anse­hen genießt und Koor­di­na­tor des C9-Kar­di­nal­s­ra­tes zur Bera­tung des Pap­stes ist. Mara­dia­ga ver­tritt im Kar­di­nal­s­rat durch päpst­li­che Ernen­nung Mit­tel­ame­ri­ka und damit auch Mexi­ko. In Hon­du­ras ging der Katho­li­ken­an­teil wäh­ren der Amts­zeit von Kar­di­nal Mara­dia­ga von inner­halb von 20 Jah­ren von 76 auf 47 Pro­zent zurück.

Aber auch und gera­de im Argen­ti­ni­en des ehe­ma­li­gen Pri­mas Jor­ge Mario Ber­go­glio ist ein mas­si­ver Katho­li­kenschwund im Gan­ge.

Ein Bericht des Stu­di­en­zen­trums Lati­no­ba­ro­me­tro vor zwei Jah­ren hob her­vor, daß es bis­her nur zwei Aus­nah­men in Latein­ame­ri­ka gibt, die der Ero­si­on des Katho­li­zis­mus in Rich­tung Frei­kir­chen nach US-ame­ri­ka­ni­schem Modell stand­hal­ten: Mexi­ko und die Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik.

„Keineswegs uneigennützige Ratgeber“

Kar­di­nal Rive­ra beton­te im Leit­ar­ti­kel: „Die Vor­stel­lung wäre absurd, daß Sei­ne Hei­lig­keit den gro­ßen Wider­stand igno­riert, den die katho­li­sche Kir­che in Mexi­ko der Expan­si­on der pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten cha­ris­ma­ti­scher und pflingstle­ri­scher Prä­gung ent­ge­gen­ge­setzt hat, die sich in ande­ren Län­dern unge­hin­dert aus­brei­ten.“

Daher stell­te sich der Leit­ar­tik­ler die Fra­ge: „Sind die impro­vi­sier­ten Wor­te des Hei­li­gen Vaters nicht etwa die Fol­ge eines schlech­ten Rates, der ihm von jemand gege­ben wur­de, der ihm nahe­steht? Wer hat den Papst schlecht bera­ten?“ Und noch ein­mal: „War­um ver­sucht man das Wir­ken der mexi­ka­ni­schen Bischö­fe her­ab­zu­set­zen? Zum Glück kennt das Volk sei­ne Hir­ten und geht mit ihnen bei der Errich­tung des Reichs Got­tes, was auch immer der Preis dafür ist, wie die Geschich­te die­ses Lan­des zeigt.“

Daß es kei­nes­wegs unei­gen­nüt­zi­ge Rat­ge­ber geben kann, läßt Kar­di­nal Rive­ra am Ende des Leit­ar­ti­kels durch­blicken. „Die Hand der Zwie­tracht“ beab­sich­tigt den Ein­druck zu erwecken, daß „die Ver­su­chun­gen ein Übel des Epi­sko­pats sind“.

Die Rügen und Ermah­nung in der päpst­li­chen Anspra­che ähneln jenen, die der Papst bereits bei ande­rer Gele­gen­heit und vor ande­ren Bischö­fen geäu­ßert hat­te, bei­spiels­wei­se im Sep­tem­ber 2015 in Washing­ton an die US-ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fe und im Novem­ber 2015 in Flo­renz an die ita­lie­ni­schen Bischö­fe. In kei­nem Fall erhob sich dage­gen jedoch ein sol­cher Pro­test von ober­ster Stel­le wie in Mexi­ko. In den ande­ren Län­dern herrsch­te viel­mehr ein­hel­li­ger Dank für den „Ruck“, mit dem der Papst alte bischöf­li­che Sche­ma­ta auf­ge­rüt­telt habe. An den Rän­dern scheint die Kir­che tat­säch­lich leben­di­ger zu sein.

Mexikanische Kritik löste im Vatikan „ein Pandämonium aus“

Nuntius Christophe Pierre
Nun­ti­us Chri­sto­phe Pierre

Die Kri­tik an Papst Fran­zis­kus in der Kir­chen­zei­tung des Erz­bis­tums Mexi­ko-Stadt „löste nicht nur im Vati­kan, son­dern welt­weit ein Pan­dä­mo­ni­um aus“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster.

Die Vati­ka­ni­sten und Medi­en, die San­ta Mar­ta am näch­sten ste­hen, haben sich sofort zur Ver­tei­di­gung des Kir­chen­ober­haupts in Bewe­gung gesetzt, „vom Direk­tor des halb­of­fi­ziö­sen Sis­mo­gra­fo, Luis Badil­la, bis zum Koor­di­na­tor des Nach­rich­ten­por­tals Vati­can Insi­der, Andrea Tor­ni­el­li.“

Tor­ni­el­li, der in San­ta Mar­ta ein und aus geht, wies zurecht die Autoren­schaft des Leit­ar­ti­kels Kar­di­nal Rive­ra zu. Gleich­zei­tig benann­te er erstaun­li­cher­wei­se im Apo­sto­li­schen Nun­ti­us für Mexi­ko, dem Fran­zo­sen Chri­sto­phe Pierre, den „Rat­ge­ber“, der Papst Fran­zis­kus emp­foh­len habe, die mexi­ka­ni­schen Bischö­fe zu rügen.

Nuntius als „schlechter Ratgeber“

Es sei kein Geheim­nis, so auch Magi­ster, daß sich Papst Fran­zis­kus auf das Urteil von Pierre ver­läßt. Die Ent­hül­lung und damit Bloß­stel­lung des Papst-Ver­trau­ten Pierre durch den Papst-Ver­trau­ten Tor­ni­el­li erklärt sich des­halb, weil Pierre Mexi­ko bald ver­las­sen wird. Papst Fran­zis­kus beför­der­rt ihn auf den Posten des neu­en Apo­sto­li­schen Nun­ti­us für die USA. Dort löst er Car­lo Maria Viganò ab, der aus Alters­grün­den aus­schei­det.

„Die Nun­tia­tur in Washing­ton ist eine Schlüs­sel­stel­lung in der Stra­te­gie Ber­go­gli­os“, so Magi­ster. Der Epi­sko­pat der USA zählt zu den größ­ten und ein­fluß­reich­sten der Welt. Vor allem aber wei­gert er sich stand­haft, die neu­en Leit­li­ni­en anzu­neh­men, die Fran­zis­kus ihm auf­zwin­gen möch­te. Der Epi­sko­pat der USA hält unbe­irrt an der Linie der Pon­ti­fi­ka­te von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. fest.

Neuer Nuntius soll den US-Episkopat auf Bergoglio-Kurs bringen

Papst Fran­zis­kus ist sich bewußt, daß die katho­li­sche Kir­che in den USA ein Haupt­hin­der­nis dabei ist, der Welt­kir­che einen ande­ren Kurs zu ver­pas­sen. Daher zielt er auf einen per­so­nel­len Umbau des Epi­sko­pats ab. Mit der Ernen­nung des lin­ken Außen­sei­ters Blai­se Cup­ich zum Erz­bi­schof von Chi­ca­go und damit einem der bedeu­tend­sten Bischofs­sit­ze der USA, setz­te er das bis­her deut­lich­ste Signal in die­se Rich­tung. Sie wur­de von zahl­rei­chen Katho­li­ken des Lan­des, vor allem aber von der Mehr­heit der Bischö­fe mit Erstau­nen und Ent­set­zen zur Kennt­nis genom­men.

Mit einem Fran­zis­kus getreu­en neu­en Nun­ti­us ist damit zu rech­nen, daß die Berich­te für die Aus­wahl der Bischofs­kan­di­da­ten eine neue Ber­go­glia­ni­sche Dimen­si­on anneh­men wer­den. Der Umbau des US-Epi­sko­pats dürf­te nun beschleu­nigt ange­gan­gen wer­den.

Die frankophonen Nuntien Washingtons

Msgr. Jean Jadot
Msgr. Jean Jadot

Chri­sto­phe Pierre ist der erste Fran­zo­se als Nun­ti­us in Washing­ton, aller­dings schon der zwei­te Fran­ko­pho­ne auf die­se Posten. Vor ihm hat­te der Wal­lo­ne Jean Jadot von 1973–1980 die­ses Amt inne. Jadot gilt den pro­gres­si­ven US-Katho­li­ken noch heu­te als „Held“, so Magi­ster, weil er für eine Rei­he von pro­gres­si­ven Bischofs­er­nen­nun­gen ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, dar­un­ter jene von Rem­bert Wea­k­land in Mil­wau­kee und Ray­mond Hunt­hau­sen in Seat­tle.

Jadots Wir­ken für eine „ande­re“ Kir­che war der Grund, wes­halb ihn Papst Johan­nes Paul II. kurz nach sei­ner Wahl in den Vati­kan zurück­hol­te und ihn nur mehr mit einer unbe­deu­ten­den Neben­rol­le betrau­te. Jadot war bis­her der ein­zi­ge Nun­ti­us in den USA, der nicht mit der Kar­di­nal­s­wür­de aus­ge­zeich­net wur­de. Mit Viganò könn­ten es, wenn auch aus ande­ren Grün­den, bald zwei sein. „Auch sei­ne Erhe­bung in den Kar­di­nals­stand ist alles ande­re als sicher“, so Magi­ster.

Text: Il Foglio/Giuseppe Nar­di
Bild: Des­de la fe/Wikicommons (Screen­shot)

12 Kommentare

  1. Ganz so rosig scheint die kirch­li­che Situa­ti­on in Mexi­ko nicht zu sein. Sehr gro­ßen Zulauf, völ­lig unbe­ach­tet von der Öffent­lich­keit, hat die Ortho­do­xie. Sie hat mitt­ler­wei­le eine ein­hei­mi­sche Hier­ar­chie instal­lie­ren kön­nen.

    • Nicht nur die Ortho­do­xie hat dort Zulauf, son­dern auch eine ganz furcht­ba­re scheuß­li­che Sek­te, deren Bezeich­nung ich mir nicht mer­ken will. Der Kurs von Fran­zis­kus ist alles Ande­re als hilf­reich, das Evan­ge­li­um zu bewah­ren geschwei­ge denn zu ver­brei­ten.

  2. End­lich ein kla­res Wort an die Hir­ten der Kir­che :..Gemein­schaft und Ein­heit sei unter euch. Die Gemein­schaft ist die leben­di­ge Form der Kir­che und die Ein­heit der Hir­ten ist der Beweis ihrer Wahr­haf­tig­keit. Wie wahr ! Aber die Rea­li­tät sieht lei­der anders aus. Bischof gegen Bischof, Kar­di­nal gegen Kar­di­nal. Fran­zis­kus muss end­lich erken­nen, dass er die Ursa­che und Grund für die­se Mie­se­re ist. Schö­ne Wor­te rei­chen nicht, es sind nur tönen­de Hohl­kör­per ohne Inhalt, wenn nicht Gegen­maß­nah­men erfol­gen.

  3. Das sind gute Nach­rich­ten für die gesam­te Kir­che. War­um soll­te sich der Kar­di­nal Car­re­ra auch nicht weh­ren dür­fen gegen unge­rech­te Anschul­di­gun­gen sei­tens „Papst“ Fran­zis­kus!
    Ist der Pri­mas von Mexi­ko nicht Latein­ame­ri­ka­ner und zwar noch mehr Latein­ame­ri­ka­ner als „Papst“ Fran­zis­kus, der ein­mal mehr offen­kun­dig sei­ne Geg­ner­schaft zu gut katho­li­schen Völ­kern, der Kir­che und ihren Hir­ten bekun­de­te?
    Die ame­ri­ka­ni­schen Katho­li­ken und ihre Bischö­fe soll­ten sich gegen den neu­en Nun­ti­us weh­ren. Mit Demut und Sanft­mut allein ist es wohl nicht mehr getan.

  4. Eigent­lich ist es sehr trau­rig, dass Ber­go­glio des­we­gen zum Papst gewählt wur­de, damit er die Kir­che zer­stört. Man konn­te bei den ande­ren nach­kon­zi­lia­ren Päp­sten noch Fra­gen bezüg­lich ihrer Inten­tio­nen haben und hier und da kam etwas Posi­ti­ves dabei raus:
    Johan­nes XXIII — Vete­r­um Sapi­en­tia
    Paul VI — Huma­nae vitae
    Johan­nes Paul I — hat­te angeb­lich vor die Kurie zu säu­bern
    Johan­nes Paul II — Ver­bot der Frau­en­wei­he, Kate­chis­mus, Kodex des Kir­chen­rechts
    Bene­dikt XVI — Summorum pon­ti­fi­cum

    Bei Fran­zis­kus ist wirk­lich nichts Posi­ti­ves zu erwar­ten. Es ist wirk­lich schwie­rig die­ses Pon­ti­fi­kat mit irgend­et­was in der Ver­gan­gen­heit zu ver­glei­chen, denn bei den Päp­sten des sae­cu­lum obscurum und der Renais­sance ging es um per­sön­li­che Sün­de und poli­ti­sche Fehl­ent­schei­dun­gen, bei Fran­zis­kus geht es um eine geplan­te, syste­ma­ti­sche Zer­stö­rung und Aus­höh­lung der hier­ar­chi­schen Ord­nung der Kir­che Rich­tung ein epi­sko­pa­ler Ver­bund der autoke­pha­len Kir­chen. Lei­der hat das Kon­zils selbst die­se Rich­tung vor­ge­legt u.a. durch die Ein­rich­tung der Bischofs­kon­fe­ren­zen und die Abga­be der ehe­mals päpst­li­chen Vor­rech­ten an die­se.

    Lei­der muss man sagen: das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus ist die Frucht des Kon­zils. Somit war das Letz­te­re lei­der nur auf Desktruk­ti­on aus­ge­rich­tet, wel­che auch bald folg­te und heu­te mehr denn je fort­ge­setzt wird.

    Es ist immer trau­rig die die Kir­che has­sen­den Kle­ri­ker am Werk zu sehen. Hof­fent­lich gibt es noch ande­re, wie Bischof Schnei­der, aber sie sind wohl in der Unter­zahl, beson­ders in Deutsch­land.

    • Sehr geehr­ter @Tradition und Glau­ben,
      Ihrem Kom­men­tar kann ich nur voll­stän­dig zustim­men.

    • Sehr geehr­ter @Tradition und Glau­ben,
      der christ­li­che Glau­be ist zu allen Zei­ten der Gefahr aus­ge­setzt, sich ins Heid­ni­sche zu wen­den. Es ist eben nicht so, dass der Glau­be ein­mal im Her­zen des Men­schen ein­ge­gan­gen, dort auch unan­ge­foch­ten bleibt. Die Ver­su­chung gehört unauf­lös­lich zu unse­rem Dasein. In einer Welt, in der der Nihi­lis­mus sich zuneh­mend ver­ab­so­lu­tiert, wird die­ser Ungeist natür­lich auch in der Kir­che immer deut­li­cher spür­bar. Kar­di­nä­le wie Kar­di­nal Kas­per tra­gen den Ungeist des Nihi­lis­mus, die­se Furie des Ver­schwin­dens, mit­ten in die Kir­che hin­ein, viel­leicht sogar, ohne dass ihnen die gan­ze Kon­se­quenz ihres Den­kens bewusst ist.

      Der Vater hält den Sohn, der völ­lig frei sein will, nicht zurück, er droht ihm nicht, son­dern lässt ihn zie­hen, weil das rich­ti­ge Leben eben nicht zu erzwin­gen ist. Dem Sohn kommt die abso­lu­te Frei­heit bekannt­lich nicht gut, er lan­det in einem Zustand, in dem er noch die Schwei­ne wegen des Fut­ters benei­det. Wie oft haben Men­schen, die Frei­heit ver­ab­so­lu­tier­ten, die­se Erfah­rung in ihrem Leben gemacht! Erst ganz „unten“ merkt der Sohn, dass der Glau­be an eine abso­lu­te Frei­heit eine Illu­si­on ist und nur in die Irre führt. Der Sohn kehrt heim mit dem Bewusst­sein(!) Unrecht getan zu haben. Der Vater nimmt ihn in Freu­den auf, nicht auf Grund einer abstrak­ten Barm­her­zig­keit, die alles in einem Auto­ma­tis­mus auf­hebt, son­dern weil der Sohn durch sei­ne Erkennt­nis des Irr­tums und damit sei­ne Hin­wen­dung zur Bin­dung an den Vater (an den Glau­ben) von den Toten wie­der auf­er­stan­den ist. Die Kla­ge des Bru­ders über­sieht, dass der Bru­der in sei­nen Sün­den gestor­ben war und doch erret­tet wur­de. Der Christ ver­liert sei­ne Hoff­nung nicht, weil sie auf Gott grün­det.

      Die Kir­che hat immer wie­der Zei­ten der Fin­ster­nis erlebt. Heu­te herrscht in der Kir­che ein Geist radi­ka­ler Eman­zi­pa­ti­on. Er wird den Glau­ben nicht in neue Höhen tra­gen, son­dern in die Nie­de­run­gen des Mensch­li­chen her­ab­drücken, bis der Fall sei­ne gan­ze Tie­fe aus­ge­lo­tet hat. Erst dann wird die Kir­che wie­der in Demut den Weg fin­den, den sie gehen muss, auch wenn es der ein oder ande­re in ihr nicht will.

  5. Die üblen, pro­gres­si­ven US — Bischö­fe der 1960er und 1970erjahre waren zum größ­ten Teil Päd­era­sten (Ber­nar­din, Fer­ra­rio, Hart, Hub­bard, Muga­vero, Quinn, Rausch, Wea­k­land), die auch für die Miß­brauchs­fäl­le ver­ant­wort­lich zeich­ne­ten. Wea­k­land war ja dies­be­züg­lich, aber auch inhalt­lich beson­ders wider­lich, er wur­de näm­lich von sei­nem eige­nen „Gay — Lover“, den er mit 480.000$ Schwei­ge­geld abfer­tig­te, ver­ra­ten. Dank Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. kam in den USA eine neue, gute Bischofs­ge­nera­ti­on ans Ruder. Hof­fen wir, dass die desa­strö­se, ver­bre­che­ri­sche Per­so­nal­po­li­tik Ber­go­gli­os kei­nen all­zu gro­ßen Scha­den anrich­tet.

  6. Über die Hälf­te der mexi­ka­ni­schen Bischö­fe sind nach der Schmud­del-Pre­digt Ber­go­gli­os sit­zen geblie­ben und haben nicht applau­diert. Mutig! Ein solch unüber­seh­ba­res Zei­chen des Wider­stands soll­te auch ein­mal die Kurie bei der näch­sten denun­zia­to­ri­schen Ohr­fei­gen­ho­mi­lie Ber­go­gli­os set­zen.

  7. Hoch­ver­ehr­ter @ Sua­rez!
    Sie wer­den sich sicher noch an die jesui­ti­sche Kam­pa­gne 2010 in Deutsch­land gegen Papst Bene­dikt XVI. erin­nern!
    So berich­te­te der Kom­men­ta­tor new­tu­be am 21.9. 2010 auf kath.net von einem Gespräch mit Kiech­le SJ:
    „Als in des­sen Ver­lauf der Name Bischof Mül­ler fiel, wisch­te Herr Kiech­leSJ das Gan­ze vom Tisch und sag­te, Bischof Mül­ler sei bekannt­lich psy­chisch krank, ein Out­si­der in der Bischofs­kon­fe­renz, nie­mand näh­me ihn dort ernst“.

    Wenig spä­ter wur­de der angeb­lich psy­chisch Kran­ke Prä­fekt der Glau­bes­kon­gre­ga­ti­on und ist es unter Papst Fran­zis­kus bis heu­te geblie­ben.
    Wei­ter berich­te­te new­tu­be:
    Das zwei­te The­ma sei die Ein­stel­lung der Jesui­ten zum Papst gewe­sen, der damals sowohl wegen der Miß­brauchs­af­fä­re in der katho­li­schen Kir­che als auch wegen der Rück­nah­me der Exkom­mu­ni­ka­ti­on der vier Lef­eb­v­re-Bischö­fe unter mas­si­ven Druck gestan­den habe.

    „Ich frag­te Herrn Kiech­le, war­um die Jesui­ten den Papst nicht untertütz­ten und sei­nen Wei­sun­gen gehorch­ten, anstatt ihn stän­dig zu kri­ti­sie­ren. Zuerst zeig­te Herr Kiech­le Unver­ständ­nis für mei­ne Fra­ge. Dann ant­wor­te­te er süf­fi­sant: Wis­sen Sie, es ist ein Werk der Lie­be, jemand gegen sich selbst zu schüt­zen.“

    Damit hat­te sich der Jesui­ten­pro­vin­zi­al in dem Zusam­men­hang posi­tio­niert, in dem ein sonn­täg­li­cher Fern­seh­pre­di­ger des Süd­we­stens gegen­über einer dor­ti­gen Zei­tung zu sagen wag­te: „Papst Bene­dikt fährt die Kir­che an die Wand“.

    Dahin­ter hör­te ich die Wor­te von Gem­min­gens SJ, dem ehe­ma­li­gen Lei­ter der Deutsch­land­sek­ti­on von Radio Vati­kan, über Bischof Wal­ter Mixa: „Der muss weg“!

    Nun haben wir Papst Fran­zis­kus aus dem Orden der Jesui­ten! Daher hal­te ich sei­ne Wahl als eine aus dem Wil­len Got­tes gekom­me­ne, auf­wecken­de Wahl­ent­schei­dung gegen … sagen wir ein­mal… den moder­ni­sti­schen Rela­ti­vis­mus der von Jesui­ten gesteu­er­ten „Kas­pe­ria­ner“! Und das ganz im Sin­ne Ihres zitier­ten und inter­pre­tier­ten Gleich­nis­ses vom ver­lo­re­nen Sohn.
    Daher bin ich nicht bereit, die der­zei­ti­ge Ent­wick­lung der Kir­che als Zei­chen ihres Unter­gangs zu sehen und pöbelnd über sie her­zu­fal­len. Das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus wird, gewollt oder unge­wollt, zu auch für Moder­ni­sten nach­voll­zieh­ba­ren Erkennt­nis­sen füh­ren, wel­che geeig­net sind, die Leh­re der Kir­che aus den auf­ge­klär­ten Abgrün­den eines seit 200 Jah­re wir­ken­den, zer­stö­re­ri­schen Moder­nis­mus wie­der her­aus­füh­ren. Dar­in sehe ich gegen alle punk­tu­el­len Beden­ken die Sen­dung des „Nicht­theo­lo­gen“ Kar­di­nal Jor­ge Ber­go­glio als Papst Fran­zis­kus auf den Stuhl Petri.

    • Hoch­ver­ehr­ter @ Sophus,
      ich hat­te schon an ande­rer Stel­le betont, dass ich die ver­hee­ren­de Ent­wick­lung des Jesui­ten­or­dens für eine der zen­tra­len Ursa­chen für die tie­fe Glau­bens­kri­se in der katho­li­schen Chri­sten­heit hal­te. Ich stim­me Ihnen zu, dass Papst Fran­zis­kus, gera­de weil er die­sem Orden ange­hört, noch einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf den Orden neh­men kann, der zu einer inne­ren Rei­ni­gung füh­ren könn­te. Das Pro­blem scheint mir, dass die Ver­un­si­che­rung vie­ler der Tra­di­ti­on ver­bun­de­ner Katho­li­ken durch unkla­re Äuße­run­gen des Pap­stes zuneh­mend ver­stärkt wird. Hin­zu kommt, dass höchst aggres­si­ve Lai­en­grup­pen eine Atmo­sphä­re in den Gemein­den erzeu­gen, die im Glau­ben tief ver­wur­zel­te Men­schen hei­mat­los macht, weil eben Glau­be nicht durch Poli­tik ersetzt wer­den kann. Die Wege des Heils sind ja manch­mal schwer zu erken­nen und schon gar nicht vor­aus­zu­sa­gen. Mir scheint, bei aller „Moder­ni­tät“ will Papst Fran­zis­kus die Leh­re der Kir­che nicht anta­sten. Woll­te er dies, er hät­te, da gebe ich Ihnen Recht, Kar­di­nal Mül­ler längst aus der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ent­fernt. Es gibt immer Zei­ten, in denen dem Ungeist nur mit der Hoff­nung begeg­net wer­den kann, dass auch wie­der ande­re Zei­ten kom­men wer­den.

      • Hoch­ver­ehr­ter @ Sua­rez
        Das Her­an­na­hen sol­cher „ande­ren“ Zei­ten sucht man unter römich-katho­li­schen Moder­ni­sten vor Ort tun­lichst zu hin­ter­trei­ben.
        Ein Bei­spiel:
        Ein Ver­lag, der mit einer neu­en, text­kri­ti­schen Her­aus­ga­be des Gesamt­wer­kes von Tho­mas von Aquin beauf­tragt ist, hat sich vor etwa zwei Jah­ren mit dem Vor­schlag an das von Jesui­ten gelei­te­te Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz gewandt, der latei­ni­schen Tho­mas-Gesamt­aus­ga­be eine deut­sche Über­set­zung bei­zu­fü­gen, wenn das Pro­jekt in ange­mes­se­ner Wei­se finan­zi­ell von der DBK mit­ge­tra­gen wer­de.
        Das Ansin­nen wur­de im Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz in Bonn abge­lehnt. Doch an den vor­han­de­nen Geld­mit­teln dürf­te der Vor­schlag des Ver­lags nicht geschei­tert sein.

        Viel­mehr erschien wohl den moder­ni­sti­schen Bon­ner Jesui­ten die Lek­tü­re der hoch­scho­la­sti­schen Theo­lo­gie des Aqui­na­ten, der sich „noch“ auf eine frü­he, authen­tisch-apo­sto­li­sche Über­lie­fe­rung aller neu­te­sta­ment­li­chen Schrif­ten gestützt hat, dem inter­es­sier­ten lesen­den Lai­en weder zumut­bar, noch ver­mit­tel­bar zu sein. Oder fürch­te­te man gar, eine deut­sche Über­set­zung des Tho­mas von Aquin könn­te ihre pro­gres­si­sti­schen Umbau­vor­ha­ben in der katho­li­schen Kir­che in Fra­ge stel­len?

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