Afrikas Kardinäle verhindern Audienz für Bill Gates — Papst Franziskus und die Finanzmagnaten

Tom Cook mit Papst Franziskus
Tom Cook mit Papst Franziskus

(Rom) Die Kri­tik von Papst Fran­zis­kus an der „Wirt­schaft, die tötet“ und dem Emp­fang von Finanz­ma­gna­ten wird als Wider­spruch wahr­ge­nom­men, zumin­dest als nicht wirk­lich ent­zif­fer­ba­re Gesten­chif­fre. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster ver­öf­fent­lich­te eine Liste „aller Magna­ten der Finanz und der Tech­no­kra­tie, denen Papst Fran­zis­kus allein in die­sem Jahr eine Audi­enz gewähr­te“, und von denen er „üppi­ge Geld­zu­wen­dun­gen erhält“.

„Die Wirtschaft, die tötet“

„Papst Fran­zis­kus ist uner­bitt­lich gegen die rei­chen Pras­ser, die die armen Laza­rus­se hun­gern las­sen, gegen das, was er die ‚Wirt­schaft, die tötet‘ nennt“, so Magi­ster.

In den Genuß der päpst­li­chen Auf­merk­sam­keit kam bei­spiels­wei­se Chri­sti­ne Lagar­de, die am ver­gan­ge­nen 18. Janu­ar im Vati­kan emp­fan­gen wur­de. Am 19.  Febru­ar wur­de Lagar­de für eine zwei­te Amts­zeit an der Spit­ze des Welt­wäh­rung­fonds (IWF) bestä­tigt. Am 1. März wur­de sie von Papst Fran­zis­kus als „eine intel­li­gen­te Frau“ gelobt, die den Stand­punkt ver­tre­te, „daß das Geld im Dienst der Mensch­heit ste­hen muß und nicht umge­kehrt“. Ein Lob, das der Papst vor einer ver­blüff­ten Dele­ga­ti­on sozia­li­sti­scher Abge­ord­ne­ter aus Frank­reich äußer­te.

„Am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats über­rasch­te Jor­ge Mario Ber­go­glio alle, indem er eine ‚arme Kir­che der Armen‘ pre­dig­te, aber gleich­zei­tig als Bera­ter die welt­weit berühm­te­sten und teu­er­sten Fabri­ken von Orga­ni­sa­ti­ons- und Finanz­sy­ste­men in den Vati­kan berief, von McK­in­sey über Ernst & Young bis Pro­mon­to­ry und KPMG“, so Magi­ster. Bera­ter­fir­men, die gesell­schafts­po­li­tisch das Gegen­teil des­sen för­dern, was die katho­li­sche Kir­che lehrt (sie­he Homo-Lob­by­is­mus: McK­in­sey, Ernst & Young, KPMG… und alle arbei­ten für den Vati­kan).

Stelldichein im Vatikan mit üppiger Spende

„Jetzt spielt eine ande­re Musik. Es sind nicht mehr die vati­ka­ni­schen Kas­sen, die die Kon­ten für die­se Fir­men bezah­len. Es sind die gro­ßen Unter­neh­mer, die zum Gespräch mit dem Papst zuge­las­sen wer­den, die ihm üppi­ge Spen­den brin­gen“, so Magi­ster.

Es gibt jene, die dar­über spre­chen, und ande­re, die es nicht tun. Am 22. Janu­ar war Tom Cook, der Vor­stands­vor­sit­zen­de von Apple im Vati­kan. Er mach­te kein Geheim­nis dar­aus, „Fran­zis­kus bei der Audi­enz eine Zuwen­dung in die Hand gedrückt zu haben“. Die Audi­enz fand, wie auch bei den ande­ren die­ser Art, „nicht im pro­sai­schen Gäste­haus San­ta Mar­ta, son­dern im fei­er­li­chen Rah­men der pracht­vol­len päpst­li­chen Biblio­thek des Apo­sto­li­schen Pala­stes statt“, so Magi­ster.

Am 28. Janu­ar mach­te Leo­nar­do Di Caprio das­sel­be. Im Video­mit­schnitt der Begeg­nung sieht man, wie er dem Papst einen Brief­um­schlag mit einem Scheck über­gibt „für Lie­bes­wer­ke, die Ihnen am Her­zen lie­gen“. Di Caprio hat­te die Audi­enz nicht so sehr als erfolg­rei­cher und welt­be­rühm­ter Film­schau­spie­ler erhal­ten, son­dern als Vor­sit­zen­der einer Stif­tung gegen die Erd­er­wär­mung. Im Namen die­ser Stif­tung war er weni­ge Tage zuvor beim Welt­wirt­schafts­fo­rum in Davos auf­ge­tre­ten und mit einem Preis aus­ge­zeich­net wor­den.

Auch Papst Fran­zis­kus ließ beim Forum in Davos sei­ne Stim­me ver­neh­men. Er über­mit­tel­te eine Bot­schaft für die Bewah­rung der Schöp­fung und für eine „inte­gra­le“ Ent­wick­lung des Men­schen.

Di Caprio und die ande­ren Besu­cher erhal­ten im Gegen­zug vom Papst ein rot gebun­de­nes Exem­plar sei­ner Enzy­kli­ka Lau­da­to si.

„Natur und Technokratie“

„Natur und Tech­no­kra­tie heißt das erfolg­rei­che Dop­pel­pack“, so Magi­ster. Sie­ben Tage vor Tim Cook von Apple wur­de Eric Schmidt, die Num­mer Eins von Goog­le emp­fan­gen. Schmidt ist seit Anfang Herbst 2015 Vor­stands­vor­sit­zen­der der Hol­ding Alpha­bet, in der alle Goog­le-Unter­neh­men zusam­men­ge­faßt wur­den. Beglei­tet wur­de er von Jared Cohen, dem Chef von Goog­le Ide­as. Auch sie haben eine Stif­tung, die im Bereich Armut, Ener­gie und Umwelt tätig ist, deren Mot­to lau­tet: „Don’t be evil“. Schmidt ist auf Platz 100 der Welt­rang­li­ste der Reich­sten gereiht.

Ende Febru­ar wur­de Kevin Systrom vom Papst emp­fan­gen. Er ist der Grün­der und Geschäfts­füh­rer von Insta­gram, einem sozia­len Pho­to-Netz­werk mit welt­weit 400 Mil­lio­nen Nut­zern. Im Febru­ar war auch eine Dele­ga­ti­on des World Wild­life Fund for Natu­re im Vati­kan, ange­führt von der Vor­sit­zen­den Yolan­da Kak­a­bad­se. Der WWF wirbt der­zeit in ver­schie­de­nen Län­dern  für Berg­go­ril­las mit dem irre­füh­ren­den Spruch: „Goril­las sind zu 98% Mensch“. Der Ver­weis gilt der Ähn­lich­keit der Gene, stellt aber eine unzu­läs­si­ge Behaup­tung dar. Man ist Mensch oder Tier. 98 Pro­zent Mensch gibt es nicht. Goril­las sind zu 100 Pro­zent Tie­re. Das Mot­to stellt ein Wort­spiel dar, mit dem ein evo­lu­ti­ons­theo­re­ti­sches Men­schen­bild pro­pa­giert wird, das in die­ser Form unwis­sen­schaft­lich und für die Kir­che inak­zep­ta­bel ist.

Lichtspektakel Fiat Lux — Ein Geschenk der Weltbank

„Der größ­te Coup in die­sem Bereich war aber das Licht­spek­ta­kel Fiat Lux, das am Abend des 8. Dezem­ber 2015, am Tag der Eröff­nung des Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit, mit Blick auf die UN-Welt­kli­ma­kon­fe­renz in Paris COP21 auf die Fas­sa­de und die Kup­pel des Peters­dom pro­ji­ziert wur­de. Das Spek­ta­kel sorg­te für gro­ßes Auf­se­hen, war aber gera­de in katho­li­schen Krei­sen sehr umstrit­ten, weil es „eine Hym­ne an die Natur, aber ohne den gering­sten Hin­weis auf deren Schöp­fe war“, so Magi­ster. Das Licht­spek­ta­kel war zudem  sehr kost­spie­lig, wur­de dem Papst aber zur Gän­ze von der Welt­bank, der Stif­tung Okea­nos und dem Unter­neh­men Vul­can zum Geschenk gemacht wur­de. Der Grün­der und Vor­stands­vor­sit­zen­de von Vul­can, Paul Allen, einer der Grün­der von Micro­soft, gilt der­zeit als vier­zig­reich­ster Mann der Welt.

Audienz für Bill Gates durch Protest afrikanischer Kardinäle verhindert

Und nur ganz wenig fehl­te, daß Papst Fran­zis­kus sogar Bill Gates, die abso­lu­te Num­mer Eins von Micro­soft und – laut For­bes – der reich­ste Mann der Welt, in Audi­enz emp­fan­gen hät­te. Die Ope­ra­ti­on schei­ter­te an afri­ka­ni­schen Kar­di­nä­len, die ener­gisch beim Papst dage­gen inter­ve­nier­ten. Sie erin­ner­ten Fran­zis­kus dar­an, daß die Bill & Melin­da Gates Stif­tung für die welt­wei­te Aus­brei­tung der Abtrei­bung ein­tritt und vor allem in den armen Län­dern Geld und Kon­tak­te ein­setzt, um die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der durch­zu­set­zen. Bill Gates Vater war Vor­stands­mit­glied des welt­größ­ten Abtrei­bungs­lob­by­isten Plan­ned Paren­thood Fede­ra­ti­on of Ame­ri­ca (PPFA). Sein Sohn ver­tritt die­sel­be neo­mal­thu­sia­ni­sche Ideo­lo­gie zur Bevöl­ke­rungs­re­du­zie­rung.

Nicht, daß man das im Vati­kan nicht gewußt hät­te. Es deu­tet aber eini­ges dar­auf hin, daß das päpst­li­che Umfeld ohne den afri­ka­ni­schen Wider­stand dar­über hin­weg­ge­se­hen hät­te. Seit Beginn des argen­ti­ni­schen Pon­ti­fi­kats ist eine Ten­denz fest­stell­bar, die „nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te“ zugun­sten neu­er Alli­an­zen mit den neo­mal­thu­sia­nisch aus­ge­rich­te­ten inter­na­tio­na­len Mäch­ten (USA, UNO und EU) in den Hin­ter­grund zu stel­len. Papst Fran­zis­kus kün­dig­te die­sen Para­dig­men­wech­sel zum Ent­set­zen vie­ler Katho­li­ken und der Lebens­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen bereits 2013 an. Die Ernen­nung von Neo­mal­thu­sia­nern zu Mit­glie­dern der Päpst­li­chen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ist nur ein Bau­stein der neu­en Rich­tung.

Kein Wider­stand reg­te sich hin­ge­gen bei der Audi­enz für den zweit­reich­sten Mann der Welt, den Mexi­ka­ner Car­los Slim, einem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­gna­ten. Die gesam­ten Kosten für die Über­tra­gun­gen und die Pres­se­zen­tren, wäh­rend des Mexi­ko-Besu­ches des Pap­stes im ver­gan­ge­nen Febru­ar, wur­den von ihm über­nom­men.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nar­di
Bild: Vatican.va/OR (Screen­shots)




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10 Kommentare

  1. Erstes Bild:

    Es han­delt sich um Tim Cook, nicht um Tom Cook. Sein vol­ler Name lau­tet:

    Timo­thy Donald Cook

    • Horaz sagt es ganz knackig: „Ami­ca luto sus“
      @Marienzweig: lutum: Schlamm, Dreck, Unrat, Keh­richt- hier als Dativ zu „Ami­ca“: zum…/an dem …/ (des…))

  2. Was­ser pre­di­gen und Wein trin­ken. Wenn die Wirt­schafts­bos­se und die Rei­chen um eine Audi­enz bei Fran­zis­kus anklop­fen, fin­den sie offe­ne Türen. Man hat noch nicht gehört, dass Fran­zis­kus ihnen ins Gewis­sen gere­det hät­te, denn die­se Leu­te sind sehr spen­da­bel. Dass Rei­che es schwer haben in den Him­mel zu kom­men, wenn sie nicht gute Wer­ke voll­brin­gen, wird nicht das The­ma sein, denn im Vati­kan sind mil­lio­nen­schwe­re Wirt­schafts­prü­fer zu Gan­ge. Mit den Wöl­fen zu heu­len ist alle­mal ein­fa­cher, als über den Glau­ben zu spre­chen. Über den Glau­ben wird nur mit den Min­der­be­mit­tel­ten gespro­chen, denn da kann man gut über die Kapi­ta­li­sten her­zie­hen.

  3. Der „Eco­no­mist“ ist — wie das Wall Street Jour­nal — bevor­zug­te Nach­rich­ten­quel­le der Rei­chen.

    Auf dem Cover einer Aus­ga­be vom ver­gan­ge­nen Som­mer liest und sieht man ganz unge­schminkt, wie eben die­se Rei­chen ande­re sehen und in wel­cher Funk­ti­on.
    Hier das Foto: „Workers on tap“ — „Arbei­ter auf Abruf/Knopfdruck“

    https://media.economist.com/sites/default/files/imagecache/print-cover-full/print-covers/20150103_cuk400.jpg

    Und von sol­chen Leu­ten nimmt Papst Fran­zis­kus Geld­spen­den an?

  4. Wie­der ein Hin­weis, wie schwer die­ser Papst zu fas­sen, zu durch­schau­en ist. Fast hat man den Ein­druck, er möch­te sei­nen Kir­chen­fein­de-Freun­den mit sei­ner Per­sön­lich­keit ein Bild dar­stel­len, wie die Frei­mau­rer des 19. Jahr­hun­derts einen schlau­en, trick­rei­chen Jesui­ten gezeich­net hät­ten. Bei Ber­go­glio möch­te man bei­na­he anneh­men, dass an dem — gefälsch­ten — Testa­ment des drit­ten SJ-Gene­rals Aqua­vi­va wirk­lich was dran ist…

  5. Die US — Leu­te haben allen Grund spen­da­bel zu sein.Durch die­sen Stell­ver­tre­ter Chri­sti und Vater der Armen wur­den die Finan­zen des Vati­kan den Finanz — Hai­en der Wall-Street aus­ge­lie­fert.

    • Stimmt.
      Die afri­ka­ni­sche Bischö­fe kön­nen nicht hoch genug gelobt wer­den für ihre tap­fe­re Hal­tung.
      Wie das Deba­kel um der auf Geheiß von Fran­zis­kus hims­elf ein­ge­setz­ten „Finanz­spe­zia­li­stin“ Fran­ce­s­ca Chaou­qui gezeigt hat, ist Ber­go­glio auf die­sem Gebiet über­haupt nicht lern­fä­hig.
      (Das Kind von Fran­ce­s­ca Chaou­qui müß­te übri­gens dem­nächst gebo­ren wer­den- die Vater­schaft läßt sich dann auch klä­ren).

  6. Viel­leicht soll­ten wir mal um einen afri­ka­ni­schen Papst beten. Ihnen allen ein herz­haf­tes: AD MULTOS ANNOS!

  7. Die­ser Papst ist vor­nehm­lich Poli­ti­ker und kein Geist­li­cher wie es ein geweih­ter Jün­ger Chri­sti eigent­lich sein muß. Die­ser Papst macht auf dem Rücken des Evan­ge­li­ums sei­ne eige­ne rot­grü­ne Poli­tik. Das ist auch „in“ bei den Rei­chen und Super­rei­chen, den Logen­brü­dern.
    Die­ser Papst macht sich lustig über arme Leu­te, vor­wie­gend auch arme Katho­li­ken, die dem Herrn anhan­gen und die­nen (wol­len).

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