„Kuba Hauptstadt der Einheit“ — 14 Punkte der Gemeinsamen Erklärung von Franziskus und Kyrill

(Rom/Havanna/Moskau) Zwei Stun­den lang spra­chen Papst Fran­zis­kus und Patri­arch Kyrill von Mos­kau hin­ter ver­schlos­se­nen Türen mit­ein­an­der. Eine zehn Sei­ten lan­ge Gemein­sa­me Erklä­rung wur­de unterzeichnet.Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster fil­ter­te 14 Punk­te her­aus.

Die Gemein­sa­me Erklä­rung ist neben der Geste an sich, daß erst­mals in der Geschich­te auf höch­ster Ebe­ne eine Begeg­nung zwi­schen katho­li­scher und rus­sisch-ortho­do­xer Kir­che statt­fand, das wich­tig­ste Ergeb­nis des Tref­fens auf Kuba. Die histo­ri­sche Umar­mung fand im Blitz­licht­ge­wit­ter am Flug­ha­fen von Havan­na statt. Kurz nach 14 Uhr wur­den die Türen geschlos­sen. Dann waren die bei­den Kir­chen­ober­häup­ter mit jeweils einem Beglei­ter und Dol­met­schern unter sich.

Papst Fran­zis­kus hat­te Kar­di­nal Kurt Koch, den Vor­sit­zen­den des Päpst­li­chen Rates zur För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten an sei­ner Sei­te. Patri­arch Kyrill wur­de von Metro­po­lit Hil­ari­on von Wolo­ko­lamsk, dem „Außen­mi­ni­ster“ des Mos­kau­er Patri­ar­chats, beglei­tet. Kar­di­nal Koch und Metro­po­lit Hil­ari­on waren bereits am Vor­tag auf Kuba zusam­men­ge­trof­fen, um letz­te Fra­gen zu klä­ren.

Um 16.30 Uhr erfolg­te die Unter­zeich­nung der Gemein­sa­men Erklä­rung. Dabei han­delt es sich um eine Art erste Arbeits­über­ein­kunft, auf die künf­ti­ge Schrit­te auf­bau­en sol­len.

Gleich im Anschluß hat­te Papst Fran­zis­kus Kubas Staats­prä­si­dent Raul Castro gedankt und gesagt: „Mit sol­chen Schritt wird Kuba die Haupt­stadt der Ein­heit wer­den.“

Auf dem Wei­ter­flug nach Mexi­ko sag­te Fran­zis­kus zu den Jour­na­li­sten, daß er die Begeg­nung mit Patri­arch Kyrill bereits wäh­rend sei­nes Kuba-Besuchs im Sep­tem­ber 2015 fest im Pro­gramm hat­te. „Ich habe mit ihm [Raul Castro] dar­über gespro­chen, das letz­te Mal, und er war bereit, alles zu machen, und wie wir gese­hen haben, hat er dafür alles vor­be­rei­tet.“

Die Gemein­sa­me Erklä­rung besteht aus 30 Para­gra­phen. Eine inhalt­li­che Zusam­men­fas­sung lie­fer­te der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster, der 14 Punk­te her­aus­fil­ter­te.

Kuba

Da wir uns weit weg von den alten Aus­ein­an­der­set­zun­gen der „Alten Welt“ tref­fen, … freu­en (wir) uns, dass der christ­li­che Glau­be hier in dyna­mi­scher Wei­se im Wach­sen begrif­fen ist. (1)

Arabische Länder

In vie­len Län­dern des Nahen Ostens und Nord­afri­kas wer­den Fami­li­en, Dör­fer und gan­ze Stän­de unse­rer Brü­der und Schwe­stern in Chri­stus aus­ge­löscht. Ihre Kir­chen wer­den ver­wü­stet und bar­ba­risch aus­ge­plün­dert, ihre sakra­len Gegen­stän­de pro­fa­niert, ihre Denk­ma­le zer­stört. In Syri­en, im Irak und in ande­ren Län­dern des Nahen Ostens stel­len wir mit Schmerz eine mas­sen­haf­te Abwan­de­rung der Chri­sten fest, aus dem Gebiet, in dem sich unser Glau­be einst aus­zu­brei­ten begon­nen hat und wo sie seit den Zei­ten der Apo­stel zusam­men mit ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gelebt haben. (8)

Märtyrer

Wir ver­beu­gen uns vor dem Mar­ty­ri­um der­je­ni­gen, die auf Kosten ihres eige­nen Lebens die Wahr­heit des Evan­ge­li­ums bezeugt haben und den Tod der Ver­leug­nung des Glau­bens an Chri­stus vor­ge­zo­gen haben. Wir glau­ben, dass die­se Mär­ty­rer unse­rer Zeit, die ver­schie­de­nen Kir­chen ange­hö­ren, aber im gemein­sa­men Lei­den geeint sind, ein Unter­pfand der Ein­heit der Chri­sten sind. (12)

Religionen

Unter den aktu­el­len Umstän­den haben die Lei­ter der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten die beson­de­re Ver­ant­wor­tung, ihre Gläu­bi­gen in einem respekt­vol­len Geist gegen­über den Über­zeu­gun­gen derer, die ande­ren reli­giö­sen Tra­di­tio­nen ange­hö­ren, zu erzie­hen. Abso­lut inak­zep­ta­bel sind die Ver­su­che, kri­mi­nel­le Hand­lun­gen mit reli­giö­sen Slo­gans zu recht­fer­ti­gen. Kein Ver­bre­chen kann im Namen Got­tes began­gen wer­den. (13)

Europa

Indem wir den hohen Wert der Reli­gi­ons­frei­heit bekräf­ti­gen, dan­ken wir Gott für die noch nie dage­we­se­ne Erneue­rung des christ­li­chen Glau­bens, die gera­de in Russ­land und in vie­len Län­dern Ost­eu­ro­pas geschieht, wo über Jahr­zehn­te hin­weg athe­isti­sche Regime vor­ge­herrscht haben. Heu­te sind die Ket­ten des mili­tan­ten Athe­is­mus zer­bro­chen, und die Chri­sten kön­nen an vie­len Orten ihren Glau­ben frei beken­nen. (14)
Auch wenn wir für den Bei­trag ande­rer Reli­gio­nen zu unse­rer Kul­tur offen sind, sind wir davon über­zeugt, dass Euro­pa sei­nen christ­li­chen Wur­zeln treu blei­ben muss. Wir bit­ten die Chri­sten Ost- und West­eu­ro­pas sich im gemein­sa­men Zeug­nis für Chri­stus und das Evan­ge­li­um zu ver­ei­nen, so dass Euro­pa sei­ne See­le bewahrt, die sich in zwei­tau­send Jah­ren christ­li­cher Tra­di­ti­on gebil­det hat.(16)

Migranten

Wir kön­nen nicht gleich­gül­tig gegen­über dem Los von Mil­lio­nen von Migran­ten und Flücht­lin­gen sein, die an die Tür der rei­chen Län­der klop­fen. Der zügel­lo­se Kon­sum, wie man ihn in eini­gen der am mei­sten ent­wickel­ten Län­der antrifft, beginnt all­mäh­lich die Res­sour­cen unse­res Pla­ne­ten auf­zu­brau­chen. Die wach­sen­de Ungleich­heit in der Ver­tei­lung der irdi­schen Güter erhöht den Ein­druck von Unge­rech­tig­keit im Hin­blick auf das sich aus­ge­bil­de­te System der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen. (17)

Familie

Die Fami­lie ist die natür­li­che Mit­te des mensch­li­chen Lebens und der Gesell­schaft. (19) Die Fami­lie grün­det sich auf der Ehe, dem Akt der frei­en und treu­en Lie­be eines Man­nes und einer Frau. Die Lie­be besie­gelt ihre Ver­bin­dung und lehrt sie, sich gegen­sei­tig als Geschenk anzu­neh­men. Die Ehe ist eine Schu­le der Lie­be und der Treue. Wir bedau­ern, dass ande­re For­men des Zusam­men­le­bens mitt­ler­wei­le auf die glei­che Stu­fe die­ser Ver­bin­dung gestellt wer­den, wäh­rend die durch die bibli­sche Tra­di­ti­on gehei­lig­te Auf­fas­sung der Vater­schaft und der Mut­ter­schaft als beson­de­re Beru­fung des Man­nes und der Frau in der Ehe aus dem öffent­li­chen Bewusst­sein aus­ge­schlos­sen wird. (20)

Abtreibung

Wir bit­ten alle, das unver­äu­ßer­li­che Recht auf Leben zu respek­tie­ren. Mil­lio­nen Kin­dern ist selbst die Mög­lich­keit ver­sagt, zur Welt zu kom­men. Das Blut der unge­bo­re­nen Kin­der schreit zu Gott (vgl. Gen 4,10). (21)

Euthanasie

Die Ent­wick­lung der soge­nann­ten Eutha­na­sie führt dazu, dass die alten Men­schen und die Kran­ken begin­nen, sich als eine über­mä­ßi­ge Last für ihre Fami­li­en und die Gesell­schaft all­ge­mein zu füh­len. (21)

Künstliche Befruchtung

Wir sind auch besorgt über die Ent­wick­lung der tech­ni­schen Ent­wick­lung der bio­me­di­zi­ni­schen Fort­pflan­zung, denn die Mani­pu­lie­rung des mensch­li­chen Lebens ist ein Angriff auf die Grund­la­gen der Exi­stenz des Men­schen, der als Abbild Got­tes erschaf­fen ist. Wir hal­ten es für unse­re Pflicht, an die Unver­än­der­lich­keit der christ­li­chen mora­li­schen Grund­sät­ze zu erin­nern, die auf der Ach­tung der Wür­de des Men­schen beru­hen, der nach dem Plan Got­tes ins Leben geru­fen ist. (21)

Proselytenmacherei

Ortho­do­xe und Katho­li­ken sind nicht nur durch die gemein­sa­me Tra­di­ti­on der Kir­che des ersten Jahr­tau­sends mit­ein­an­der ver­bun­den, son­dern auch durch die Sen­dung, das Evan­ge­li­um Chri­sti in der Welt von heu­te zu ver­kün­den. Die­se Sen­dung beinhal­tet die gegen­sei­ti­ge Ach­tung für die Mit­glie­der der christ­li­chen Gemein­schaf­ten und schließt jede Form von Pro­se­ly­tis­mus aus. (24)

„Uniatismus“

Wir hof­fen, dass unse­re Begeg­nung auch dort zur Ver­söh­nung bei­tra­gen möge, wo Span­nun­gen zwi­schen Grie­chisch-Katho­li­schen und Ortho­do­xen bestehen. Heu­te ist klar, dass die Metho­de des „Unia­tis­mus“ aus der Ver­gan­gen­heit, der als Ver­ei­ni­gung einer Gemein­schaft mit der ande­ren durch ihre Los­lö­sung von ihrer Kir­che ver­stan­den wur­de, nicht eine Wei­se ist, die es ermög­licht, die Ein­heit wie­der­her­zu­stel­len. Den­noch haben die kirch­li­chen Gemein­schaf­ten, die unter die­sen histo­ri­schen Umstän­den ent­stan­den sind, das Recht zu exi­stie­ren und alles zu unter­neh­men, was not­wen­dig ist, um die geist­li­chen Ansprü­che ihrer Gläu­bi­gen zu befrie­di­gen, bei gleich­zei­ti­gem Bemü­hen, mit ihren Nach­barn in Frie­den zu leben. Ortho­do­xe und Grie­chisch-Katho­li­sche haben es nötig, sich mit­ein­an­der zu ver­söh­nen und For­men des Zusam­men­le­bens zu fin­den, die bei­der­sei­tig annehm­bar sind. (25)

Ukraine

Wir bedau­ern die Aus­ein­an­der­set­zung in der Ukrai­ne, die bereits vie­le Opfer gefor­dert, unzäh­li­ge Ver­wun­dun­gen bei den fried­li­chen Ein­woh­nern ver­ur­sacht und die Gesell­schaft in eine schwe­re wirt­schaft­li­che und huma­ni­tä­re Kri­se gewor­fen hat. Wir laden alle Kon­flikt­par­tei­en zur Beson­nen­heit, zur sozia­len Soli­da­ri­tät und zum Han­deln ein, um den Frie­den auf­zu­bau­en. Wir laden unse­re Kir­chen in der Ukrai­ne ein zu arbei­ten, um zur gesell­schaft­li­chen Ein­tracht zu gelan­gen, sich einer Betei­li­gung an der Aus­ein­an­der­set­zung zu ent­hal­ten und nicht eine wei­te­re Ent­wick­lung des Kon­flik­tes zu unter­stüt­zen. (26) Wir hof­fen, dass die Kir­chen­spal­tung unter den ortho­do­xen Gläu­bi­gen in der Ukrai­ne auf der Grund­la­ge der bestehen­den kano­ni­schen Rege­lun­gen über­wun­den wer­den kann, dass alle ortho­do­xen Chri­sten der Ukrai­ne in Frie­den und Ein­tracht leben und dass die katho­li­schen Gemein­schaf­ten des Lan­des auch dazu bei­tra­gen, so dass unse­re christ­li­che Brü­der­lich­keit immer deut­li­cher sicht­bar wird. (27)

Welt

Die­se Welt, in der die gei­sti­gen Grund­pfei­ler des mensch­li­chen Lebens in zuneh­men­dem Maß ver­schwin­den, erwar­tet von uns ein star­kes christ­li­ches Zeug­nis in allen Berei­chen des per­sön­li­chen und gesell­schaft­li­chen Lebens. Von unse­rer Fähig­keit, in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten gemein­sam Zeug­nis zu geben für den Geist der Wahr­heit, hängt zum gro­ßen Teil die Zukunft der Mensch­heit ab.(28)

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nar­di
Bild: Vatican.va/OR (Screen­shot)

14 Kommentare

  1. einen beson­de­ren gro­ssen Dank möch­te ich dem Schwei­zer Kurt kar­di­nal Koch zukom­men las­sen-er hat wie­der ganz her­vor­ra­gen­de Arbeit getan.Dieses ehren­haf­te Ver­dienst gehört ihm zumal die Schwei­zer Kir­che ihn mise­ra­bel behan­delt hat- beson­ders in den Medi­en TV, Radio etc-dort sind es meist abge­fal­le­ne ehe­ma­li­ge Prie­ster die Kir­chen­hass und Häme verbreiten!Eine gewal­ti­ge Süh­ne-Gott sei gelobt und geprie­sen in alle Ewi­gleit.

  2. Wie­so sol­len wir für den Bei­trag ande­rer Reli­gio­nen offen sein ? Wir Christ ist, der braucht kei­nen Islam, kei­nen Bud­dhis­mus usw. Wer glaubt, kann doch von Irr­leh­ren nichts erwar­ten. Das ist wider­sin­nig. Ich fürch­te, dass die­se Mei­nung mehr auf Ber­doglio als auf Kyrill zurück­geht.

  3. Wenn vor Jahr­hun­der­ten ver­fein­de­te und getrenn­te Par­tei­en sich tra­fen und eine gemein­sa­me Erklä­rung oder einen Frie­den aus­han­del­ten, dann hat­te der eine Ein­lei­tung. Hat die­ser Text eine?

    Sol­che Ein­lei­tun­gen prie­sen zuerst ein­mal die Hei­li­ge Drei­fal­tig­keit und woll­ten das, was folg­te, zu deren Ehre aus­spre­chen. Selbst noch im Frie­dens­ver­trag von Osna­brück (West­fä­li­scher Frie­de) 1648 wur­de der eigent­li­che Frie­dens­schluss der ver­fein­de­ten kon­fes­sio­nel­len Par­tei­en über­schrie­ben mit der For­mel:

    „Im Namen der Hoch­hey­li­gen vnzert­heil­ten Drey­fal­tig­keit / Amen.“

    https://de.wikisource.org/wiki/Westf%C3%A4lischer_Friede_%E2%80%93_Vertrag_von_Osnabr%C3%BCck

    Die­ser Text hat­te allerdngs eine sol­che Ein­lei­tung — war­um lässt man sie weg?

    „„Die Gna­de Jesu Chri­sti, des Herrn, die Lie­be Got­tes und die Gemein­schaft des Hei­li­gen Gei­stes sei mit euch allen!“ (2 Kor 13,13)

    1. Durch den Wil­len Got­tes des Vaters, von dem jede Gabe kommt, im Namen unse­res Herrn Jesus Chri­stus und mit dem Bei­stand des Hei­li­gen Gei­stes des Trö­sters haben wir, Papst Fran­zis­kus und Kyrill, Patri­arch von Mos­kau und der gan­zen Rus, uns heu­te in Havan­na getrof­fen. Wir dan­ken Gott, der in der Drei­fal­tig­keit ver­herr­licht ist, für die­se Begeg­nung, die erste in der Geschich­te.

    Mit Freu­de sind wir als Brü­der im christ­li­chen Glau­ben zusam­men­ge­kom­men, die sich tref­fen, um per­sön­lich mit­ein­an­der zu spre­chen (vgl. 2 Joh 12), von Herz zu Herz, und die wech­sel­sei­ti­gen Bezie­hun­gen zwi­schen den Kir­chen, den wesent­li­chen Pro­ble­men unse­rer Gläu­bi­gen und die Aus­sich­ten zur Ent­wick­lung der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on zu erör­tern.“

    Und der Schluss:

    „30. Erfüllt von Dank für das Geschenk des gegen­sei­ti­gen Ver­ste­hens, das wäh­rend unse­rer Begeg­nung zum Aus­druck kam, schau­en wir dank­bar auf die Aller­se­lig­ste Got­tes­mut­ter und rufen sie mit den Wor­ten die­ses alten Gebe­tes an: „Unter den Schutz und Schirm flie­hen wir, o hei­li­ge Got­tes­mut­ter“. Möge die seli­ge Jung­frau Maria durch ihre Für­bit­te alle, die sie ver­eh­ren, zur Brü­der­lich­keit ermu­ti­gen, damit sie zur von Gott bestimm­ten Zeit in Frie­den und Ein­tracht in einem ein­zi­gen Got­tes­volk ver­eint sei­en, zur Ehre der Aller­hei­lig­sten und unteil­ba­ren Drei­fal­tig­keit!

    Fran­zis­kus, Bischof von Rom, Papst der katho­li­schen Kir­che

    Kyrill I., Patri­arch von Mos­kau und der gan­zen Rus“

    http://ef-magazin.de/2016/02/13/8401-dokumentation-der-gemeinsamen-erklaerung-von-franziskus-und-kyrill-gegen-den-strom-schwimmen-familie-verteidigen-und-keinen

    oder auch hier:

    https://de.zenit.org/articles/gemeinsame-erklaerung-von-papst-franziskus-und-patriarch-kyrill-i-volltext/

    Die Fra­ge ist nur, wie­viel eine Bezug­nah­me auf Jesus und Maria wert ist, wenn F. sie an ande­ren, genau­so wich­ti­gen oder wich­ti­ge­ren Zusam­men­tref­fen, etwa mit den Mus­li­men und Juden, ver­schweigt.

  4. Man kann in die­sem Doku­ment sehr gut am Duk­tus erken­nen bei wel­chen Pas­sa­gen die Rus­si­sche Kir­che sich in sehr authen­ti­sche-tra­di­tio­na­ler Wei­se ein­brach­te und wo Ber­go­glio und Koch ihre bekann­ten Schwer­punk­te ein­set­zen.

  5. Der Papst hät­te doch am lieb­sten eine Ein­heits­re­li­gi­on ein­schließ­lich der Moham­me­da­ner. Gute Bezie­hun­gen zur Ortho­do­xie hal­te ich für wich­ti­ger als zu den Links­pro­te­stan­ten unse­rer Brei­ten.

  6. Papst Fran­zis­kus hat bekom­men, was er woll­te: chri­sti­chen Öku­me­nis­mus, Respekt vor allen Reli­gio­nen, Ein­satz für gerech­te Welt­ord­nung (NWO).

    • Der von der ser­bisch-ortho­do­xen Kir­che 2010 hei­lig­ge­spro­che­ne Ava Justin (Popo­vić) von Celi­je bezeich­ne­te den Öku­me­nis­mus als die Pan­hä­re­sie des 20. Jahr­hun­derts. Ein Bischofs­kon­zil der Rus­si­schen Aus­lands­kir­che 1983 ver­ur­teil­te und anathe­ma­ti­sier­te aus­drück­lich die soge­nann­te Zweig­theo­rie (branch theo­ry) der öku­me­ni­sti­schen Bewe­gung und bekräf­tig­te das alt­kirch­li­che Ver­bot des gemein­sa­men Gebets mit Häre­ti­kern. Genau die­se ver­ur­teil­ten Posi­tio­nen aber unter­zeich­net Patri­arch Bar­tho­lo­mä­us mit Papst Fran­zis­kus. Dafür dürf­te er zuhau­se Pro­ble­me bekom­men, frei­lich auch nur sei­tens einer Min­der­heit.

    • Nun, gestern hat auf rossija24 in einer Dis­kus­si­ons­run­de der Ver­tre­ter des Mos­kau­er Patri­ar­cha­tes extra mit Nach­druck betont, daß Patri­arch Kirill eben NICHT gemein­sam mit dem röm. Papst gebe­tet hat, obwohl, daß ein bes. Wunsch von römi­scher Sei­te gewe­sen sein soll und sie es unbe­dingt haben woll­ten. Wei­ters wur­de ange­führt, daß es von Sei­ten der rus­si­schen kei­ne Kon­zes­sio­nen gege­ben hat, viel­mehr hät­te man den Römern ein ein­deu­ti­ge Ver­ur­tei­lung der bedräng­ten Situa­ti­on der ori­en­ta­li­schen Chri­sten­heit abge­run­gen und im Doku­ment auch den radi­ka­len Säku­la­ris­mus und die durch sie bedroh­te tra­di­tio­nel­le Fami­lie beklagt, was nicht selbst­ver­ständ­lich sei da es in der latei­ni­schen Kir­che auch Ten­den­zen gebe wel­che die­se unter­gra­ben wür­den.
      „Dafür dürf­te er zuhau­se Pro­ble­me bekom­men, frei­lich auch nur sei­tens einer Min­der­heit.“
      Ver­ges­sen Sie nicht, der Patri­arch ist sei­nem Syn­od und den ande­ren Bischö­fen, dem gesam­ten gläu­bi­gen Kir­chen­volk rechen­schafts­pflich­tig. Auch das — nun erfreu­li­cher­wei­se erstar­ken­de- Mönch­tum in Ruß­land ist seit jeher ein wich­ti­ges Kor­rek­tiv gegen jeg­li­che Ände­rung und Neue­rung gewe­sen ist. Patri­arch Kirill zählt in Ruß­land zwar nicht zu den Ultra­kon­ser­va­ti­ven doch ist er weit davon ent­fernt Par­ti­zi­pant eines gleich­ma­che­ri­schen Öku­me­nis­mus zu sein. Kirill hat in einer pro­gram­ma­ti­schen Rede sei­ner­zeit noch als Metro­po­lit in Smo­lensk 1993 fol­gen­de Wor­te gefun­den als er auf den Wer­tere­la­ti­vis­mus und dem Öku­me­nis­mus im Westen ange­spro­chen wur­de: „Histo­risch gese­hen, hat sich der Mensch nach indi­vi­du­el­len, geschlechts­spe­zi­fi­schen, eth­ni­schen, kul­tu­rel­len, mora­li­schen, reli­giö­sen, staat­li­chen und ande­ren Kri­te­ri­en iden­ti­fi­ziert. Heu­te aber herrscht eine uni­fi­zier­te „Tech­no­kul­tur“, eine gleich­ma­che­ri­sche, von natio­na­len Wur­zeln voll­kom­men unab­hän­gi­ge „Pop­kul­tur“, in der eine scha­blo­nen­haf­te Video­pro­duk­ti­on die kul­tu­rell-eth­ni­sche Iden­ti­tät unter­gäbt. Die wach­sen­de Rol­le über­staat­li­cher Struk­tu­ren sowie die Ideen einer neu­en Welt­ord­nung för­dern die­se Assi­mi­lie­rung auf der natio­na­len und staat­li­chen Ebe­ne, und die ver­dreh­te Aus­le­gung der Öku­me­ne als Suche eines theo­lo­gi­schen Kom­pro­mos­ses zur Ver­ei­ni­gung aller Reli­gio­nen begrün­det deren Vor­aus­set­zun­gen im reli­giö­sen Bereich. Das assi­mi­lier­te Bewußt­sein aber, das den gei­sti­gen Grund­la­gen un einer mora­li­schen Ori­en­tie­rung beraubt ist und sich in Rich­tung indif­fe­ren­ter sich nach Moden wan­deln­der Wer­te ent­wickelt, ist nicht fähig in die­sen Nor­men vom Aller­laubt­sein, den Ver­füh­run­gen des Bösen zu wider­ste­hen“
      Bleibt der Patri­arch die­sen sei­nen Prin­zi­pi­en und Grund­sät­zen wei­ter­hin treu, sei­ne bis­he­ri­gen Anspra­chen und Pre­dig­ten in Ruß­land las­sen es anneh­men, wird es Ber­go­glio sehr schwer fal­len das Ober­haupt der Kir­che Ruß­lands für sei­ne Kon­zep­ton der Ein­heits­ord­nung zu rekru­tie­ren.

      • Wenn das so ist, wie Sie berich­ten, dann kann man fol­gen­de Schlüs­se zie­hen:

        1. Die­se „Über­ein­kunft“ ist kaum das Papier wert.

        2. F. redet hier wie­der mal in die Luft, könn­te mor­gen aber auch das Gegen­teil ver­tre­ten.

        3. Das Behar­ren des Ostens auf einem bestimm­ten Iden­ti­fi­ka­ti­ons­kon­glo­me­rat des Men­schen steht aller­dings an sich in man­chem dem supra­na­tio­na­len Kon­zept, das die RKK tra­di­tio­nell immer hat­te, doch ent­ge­gen — die himm­li­sche Hei­mat, die in der Kir­che abge­bil­det ist, ist tat­säch­lich nicht mehr an Nati­on oder Geschlecht gebun­den und hat Vor­rang vor jeder irdi­schen „Ver­wur­ze­lung“. Auch die­ses ortho­do­xe Iden­ti­fi­ka­ti­ons­sche­ma ist scha­blo­nen­haft, nicht nur das der Pop-Kul­tur, die den Feh­ler in sich trägt, Supra­na­tio­na­li­tät ohne Glau­ben erzeu­gen zu wol­len — das ist nichts wei­ter als das alte baby­lo­ni­sche Kon­zept. Man muss aller­dings sehen, dass eine all­zu irdisch geson­ne­ne katho­li­sche Kir­che aber dem­sel­ben baby­lo­ni­schen Kon­zept erlie­gen könn­te bzw. mei­ner Ansicht nach die 2000 Jah­re über immer wie­der erle­gen ist und seit ca. 150 Jah­ren auch end­gül­tig anheim­ge­fal­len ist. Der rein irdisch gedach­te römi­sche Zen­tra­lis­mus ist prin­zi­pi­ell nicht nur kom­pa­ti­bel, son­dern viel­leicht sogar bald voll­ends iden­tisch mit den Prä­mis­sen einer Welt­ein­heits­kul­tur.

        Frei­lich baut auch die christ­li­che Iden­ti­tät zunächst noch auf irdi­schen Kate­go­rien auf, muss sie aber dann kon­se­qu­ne­ter­wei­se in den Hin­ter­grund rücken und auch jeder­zeit bereit sein, sie um Chri­sti wil­len sogar auf­zu­ge­ben, v.a. was eth­ni­sche oder natio­na­le Iden­ti­tät betrifft. Im schlimm­sten Fall wur­den Chri­sten tat­säch­lich auch aus sol­chen Ver­bän­den dem Fleisch nach um Chri­sti wil­len aus­ge­sto­ßen und sind des­halb kei­ne Gespen­ster gewor­den.

  7. „Mit sol­chen Schritt wird Kuba die Haupt­stadt der Ein­heit wer­den“

    Das wird wohl eher auf Jeru­sa­lem zutref­fen. Denn eine Haupt­stadt braucht die neue Welt­ein­heits­re­li­gi­on dann ja auch. Kei­ne Stadt eig­net sich für den Welt­ein­heit­re­li­gi­ons­be­trug bes­ser, als Jeru­sa­lem, die Wur­zel des Chri­sten­tums. Dann wer­den also mög­lichst vie­le Chri­sten glau­bend gemacht, die neue Welt­ein­heits­re­li­gi­on wäre das Chri­sten­tum, mit ledig­lich neu­em Anstrich.

    • Das Zitat habe ich übri­gens bewusst mit dem Recht­schreib­feh­ler her­aus­ko­piert, so wie es im Arti­kel steht.

  8. Da hört sich vie­les gut an (und ist es in der Tat), was da zu Papier gebracht wur­de. Und man muß die guten Bemü­hun­gen, die es seit Jah­ren auch gab vor allem auch mit dem Pon­ti­fi­kat von Papst Bene­dikt XVI. auch hoch wür­di­gen.

    Ich fra­ge mich aber etwa, wie­so die Kir­che auf Kuba in dyna­mi­schem Wachst­tum begrif­fen sein kann wo sie doch von der kom­mu­ni­sti­schen Ein­heits­dik­ta­tur seit Jahr­zehn­ten unter­drückt wird. Die­se Dik­ta­tur behaup­tet: es gibt kei­nen Gott.
    Daß die­ses Tref­fen von 2 kirch­li­chen Ober­häup­tern auf Kuba statt­fand, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Auf Kuba gibt es weder sog. Reli­gi­ons­frei­heit, noch Demokratie/freie Wah­len, noch staats­un­ab­hän­gi­ge Medi­en und vie­les ande­re auch nicht; also ähn­lich wie inzwi­schen auch in Deutsch­land!
    Soll Punkt 14 nur für Euro­pa gel­ten, aber aus­ge­rech­net nicht für Kuba? Das ist der blan­ke Hohn, den bei­de hier exer­zie­ren.
    Es gibt auf Kuba tag­täg­lich mar­xi­sti­sche Indok­tri­na­ti­on. Und Mar­xis­mus paßt zu „Papst“ Fran­zis­kus. Das wis­sen natür­lich die Kuba­ner zu schät­zen und erlaub­ten ihm, sich dort mit dem rus­si­schen Patri­ar­chen, der auf Kuba ja eigent­lich nichts ver­lo­ren hat (die paar tau­send Ortho­do­xe, also bit­te), zu tref­fen. Die Sache ist nicht sau­ber.

    Unter Punkt 17 wer­den auch so Din­ge gesagt, die Fra­gen auf­wer­fen. War­um strö­men die „Migran­ten“ nach Euro­pa und nicht direkt um die Ecke in die rei­chen isla­mi­schen Ara­ber­staa­ten? Kein Ton dar­über. Und was hat die Mas­sen­in­va­si­on zu uns mit hie­si­gem Kon­sum­ver­hal­ten zu tun?

    Papst Bene­dikt war auch auf Kuba und hat­te die Wahr­heit ver­kün­det. Er wäre nicht mal im Traum auf die Idee gekom­men, sich in einem kom­mu­ni­sti­schen Unter­drück­er­staat mit einem rus­si­schen Patri­ar­chen (eine „histo­ri­sche“ Ange­le­gen­heit) zu begeg­nen.
    Die gan­ze Ange­le­gen­heit hat einen dicken unüber­sichtlci­hen Pfer­de­fuß. So will man die Chri­sten für dumm ver­kau­fen. Aber man ist der Buh­mann, wenn man nicht die kirch­li­che Ein­heits­me­lo­die hier mit­singt.
    Jetzt gibts kein Hal­ten mehr: der Rela­ti­vis­mus, die Abschaf­fung der Wahr­heit, ist jetzt festes Pro­gramm.

  9. Was oder wer hat den Patri­ar­chen ver­an­laßt, sich mit einem Papst zu tref­fen und das noch in einem kom­mu­ni­sti­schen Straf­la­ger­staat, der es mit den Leh­ren nicht genau nimmt, sie bei­sei­te schiebt und auch ver­fäl­schend uminterpretiert,für den es kei­ne unver­han­del­ba­ren Wer­te gibt, der antichristlichen/linken Poli­ti­kern und Orga­ni­sa­tio­nen zuneigt und sie belo­bigt, der der Isla­mi­sie­rung Euro­pas die Tore geöff­net hat, der über­haupt ein Feind Euro­pas und sei­ner christ­li­chen Tra­di­tio­nen ist usw.?
    Es ging hier doch wohl dar­um, der lin­ken, letzt­lich mar­xi­sti­schen Ideo­lo­gie in Euro­pa und auf der Welt­büh­ne zum Durch­marsch zu ver­hel­fen. Die­se Punk­te sind ja viel­fach gut und nen­nen die Din­ge beim Namen. Aber dafür brauch­te es nicht die­ses insze­nier­te Tref­fen der bei­den auf Kuba. Man hät­te sich auch in der VR Chi­na tref­fen kön­nen und dann wärs jeder­mann klar gewe­sen. Auch da gibts ja Katho­li­ken und auch eini­ge ortho­do­xe Chri­sten.

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