Priesterzölibat „nach dem Vorbild Christi“ — Kardinalstaatssekretär: „Man kann darüber reden, aber ohne Eile“

(Rom) An der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na fand in der ver­gan­ge­nen Woche eine hoch­ka­rä­tig besetz­te Tagung zum The­ma Prie­ster­z­ö­li­bat statt. Vom 4.–6. Febru­ar wur­de über den Zöli­bat als kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment des Prie­ster­tums gespro­chen und die­ser ver­tei­digt. Die Pla­nung zur Tagung begann noch in der letz­ten Zeit des Pon­ti­fi­kats von Papst Bene­dikt XVI. Durch­ge­führt wur­de sie nun zu einem Zeit­punkt, da es rund um Papst Fran­zis­kus rumort und eine Rei­he von Gesprächs­part­nern des Pap­stes behaup­ten, er den­ke dar­an, den Prie­ster­z­ö­li­bat, den in der zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te der Chri­sten­heit nur die latei­ni­sche Kir­che ver­wirk­li­chen und bewah­ren konn­te, auf­zu­ge­ben. Mit beson­de­rer Span­nung wur­den daher das Ein­gangs­re­fe­rat von Kuri­en­kar­di­nal Marc Ouel­let, Prä­fekt der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on und das Schluß­re­fe­rat von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin erwar­tet.

Bei­de ver­tei­dig­ten in ihren Aus­füh­run­gen den Prie­ster­z­ö­li­bat ener­gisch und führ­ten dafür eine Fül­le theo­lo­gi­scher Argu­men­te an. Der Prie­ster­z­ö­li­bat habe sich trotz der Her­aus­for­de­rung und man­cher Schwie­rig­kei­ten auch in der Pra­xis bewährt.

„Tradition des Priesterzölibats geht bis auf die Apostel zurück und folgt dem Vorbild von Jesus Christus“

Kar­di­nal Ouel­let grün­de­te sei­ne Aus­füh­run­gen auf das Neue Testa­ment und das Vor­bild Jesu Chri­sti, von dem sich der prie­ster­li­che Zöli­bat her­lei­te. Er bestä­tig­te aller­dings, daß die Fra­ge auch nach 2000 Jah­ren „noch immer kon­tro­vers“ gese­hen wer­de.

„Die kirch­li­che Tra­di­ti­on des Zöli­bats und der Ent­halt­sam­keit der Kle­ri­ker ist nicht am Beginn des 4. Jahr­hun­derts als etwas Neu­es ent­stan­den, son­dern war viel­mehr — sowohl im Osten wie im Westen — die Bestä­ti­gung einer Tra­di­ti­on, die bis auf die Apo­stel zurück­reicht. Als das Kon­zil von Elvi­ra in Spa­ni­en 306 bestimm­te, daß die Prie­ster die Pflicht haben, in per­fek­ter Ent­halt­sam­keit zu leben, gilt es zu ver­ste­hen, daß die­se Not­wen­dig­keit der Kir­che in den frü­hen Jahr­hun­der­ten sowohl den Zöli­bat und das Ver­bot wie­der zu hei­ra­ten als auch die per­fek­te Ent­halt­sam­keit für jene, die bereits ver­hei­ra­tet sind, umfaß­te.“

Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation
Kar­di­nal Marc Ouel­let, Prä­fekt der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on

Mit noch grö­ße­rer Span­nung wur­den die Aus­füh­run­gen von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin erwar­tet. Als der dama­li­ge Nun­ti­us im Sep­tem­ber 2013 von Papst Fran­zis­kus an die Spit­ze der Römi­schen Kurie beru­fen wur­de, beton­te er in einem Inter­view auf­fäl­lig die Tat­sa­che, daß der prie­ster­li­che Zöli­bat „kein Dog­ma“ sei und daher „dis­ku­tiert“ wer­den kön­ne. Als insti­tu­tio­nell höchst­ran­gi­ger Mit­ar­bei­ter von Papst Fran­zis­kus und von die­sem per­sön­lich aus­ge­wählt, kommt sei­nen Aus­sa­gen beson­de­res Gewicht zu.

Kardinalstaatssekretär Parolin: „Man kann reden, aber ohne Eile und konstruktiv“

Der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär war es dann auch, der in sei­nem Refe­rat, mit dem die Tagung abge­schlos­sen wur­de, die Tür ver­hält­nis­mä­ßig am wei­te­sten in Rich­tung mög­li­cher Aus­nah­men öff­ne­te. Die Tür zu Aus­nah­men war bereits vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil auf­ge­tan wor­den. Die sicht­bar­ste Erschei­nungs­form dafür sind seit­her in der latei­ni­schen Kir­che stän­di­ge Dia­ko­ne, die zum Zeit­punkt der Dia­ko­nats­wei­he ver­hei­ra­tet sein kön­nen. Die­se soge­nann­ten „viri pro­ba­ti“ gel­ten man­chen seit­her als „Vor­stu­fe“ zur Zöli­bats­auf­he­bung nach dem Bei­spiel der grie­chi­schen Kir­che.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin
Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin

Die Ost­kir­chen haben den Zöli­bat nicht durch­ge­hal­ten und weit­ge­hen­de Aus­nah­men gestat­tet. Die Bischö­fe und Mön­che leben zöli­ba­tär, wäh­rend der Diö­ze­sank­le­rus ver­hei­ra­tet ist. Das hat zur Fol­ge, daß alle Bischö­fe dem Mönchs­tum ent­stam­men. Wer zum Zeit­punkt der Wei­he ver­hei­ra­tet ist, kann es als Welt­prie­ster blei­ben. Nach der Wei­he ist auch in der Ost­kir­che eine Hei­rat oder eine Wie­der­hei­rat aus­ge­schlos­sen. Ein inner­kirch­li­cher Auf­stieg ist für den ver­hei­ra­te­ten nie­de­ren Weltk­le­rus aller­dings nicht mög­lich.

Wört­lich sag­te Kar­di­nal Paro­lin:

Der Zöli­bat ist eine Beru­fung, der in der latei­ni­schen Kir­che als beson­ders ange­mes­sen für jene gese­hen wird, die zum prie­ster­li­chen Amt geru­fen sind. Die zöli­ba­tä­re Spi­ri­tua­li­tät des Pres­by­ters ist ein „posi­ti­ver“, kon­struk­ti­ver Vor­satz, der dar­auf abzielt, daß das Volk Got­tes immer von der Gefahr der Kor­rup­ti­on und der Ver­bür­ger­li­chung radi­kal freie Hir­ten hat.

Und wei­ter:

Die Höhe anzu­er­ken­nen, die die­ser Vor­satz mit sich bringt, macht ihn aber nicht exklu­siv, wie das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil in Pres­by­terorum ordi­nis sag­te, indem es erklär­te, daß er „nicht vom Wesen des Prie­ster­tums selbst gefor­dert (ist), wie die Pra­xis der frü­he­sten Kir­che und die Tra­di­ti­on der Ost­kir­chen zeigt, wo es neben sol­chen, die aus gna­den­haf­ter Beru­fung zusam­men mit allen Bischö­fen das ehe­lo­se Leben erwäh­len, auch hoch­ver­dien­te Prie­ster im Ehe­stand gibt“.

Und eben­so:

Die katho­li­sche Kir­che hat den Ost­kir­chen die zöli­ba­tä­re Ent­schei­dung nie auf­ge­zwun­gen. Ande­rer­seits hat sie auch im Lau­fe der Geschich­te Aus­nah­men erlaubt wie im Fall von ver­hei­ra­te­ten luthe­ri­schen, cal­vi­ni­sti­schen oder angli­ka­ni­schen Hir­ten, die – in die katho­li­sche Kir­che auf­ge­nom­men – eine Dis­pens erhiel­ten, um das Wei­he­sa­kra­ment emp­fan­gen zu kön­nen. Das geschah bereits wäh­rend des Pon­ti­fi­kats von Papst Pius XII. 1951.

In jüng­ster Zeit hat 2009 das Motu pro­prio Angli­cano­rum coe­ti­bus von Papst Bene­dikt XVI. die Errich­tung von Ter­ri­to­rial­or­di­na­ria­ten der latei­ni­schen Kir­che erlaubt, wo zu katho­li­schen Prie­stern geweih­te, ehe­ma­li­ge angli­ka­ni­sche Pasto­ren ihr Amt aus­üben.

Im Gefol­ge der mas­si­ven Emi­gra­ti­on der Katho­li­ken aus dem Nahen Osten hat Papst Fran­zis­kus 2014 mit dem päpst­li­chen Dekret Prae­cep­ta de cle­ro uxora­to ori­en­ta­li den ver­hei­ra­te­ten ori­en­ta­li­schen Prie­ster erlaubt, in den christ­li­chen Gemein­schaf­ten der Dia­spo­ra und damit auch außer­halb ihrer histo­ri­schen Gebie­te zu wir­ken, indem er bis­he­ri­ge Ver­bo­te auf­hob.

In der aktu­el­len Situa­ti­on wur­de dann häu­fig eine Art „sakra­men­ta­ler Not­stand“ durch den Man­gel an Prie­stern betont, beson­ders in eini­gen Gegen­den. Das hat von meh­re­ren Sei­ten die Fra­ge nach der Even­tua­li­tät auf­kom­men las­sen, die soge­nann­ten „viri pro­ba­ti“ zu wei­hen.

Wenn die Pro­ble­ma­tik auch nicht unbe­deu­tend scheint, ist es aber sicher nicht ange­bracht, über­eil­te Ent­schei­dun­gen und nur auf­grund von Dring­lich­kei­ten zu tref­fen. Den­noch ist es auch wahr, daß die Not­wen­dig­kei­ten der Evan­ge­li­sie­rung, zusam­men mit der Geschich­te und den viel­fäl­ti­gen Tra­di­tio­nen der Kir­che, die Mög­lich­keit zu legi­ti­men Debat­ten offen­läßt, wenn sie von der Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums moti­viert sind und auf kon­struk­ti­ve Wei­se geführt wer­den, wobei immer die Schön­heit und Höhe der zöli­ba­tä­ren Ent­schei­dung zu bewah­ren ist.

Der Zöli­bat ist ein Geschenk, das es erfor­dert, mit freu­di­ger Aus­dau­er ange­nom­men und gepflegt zu wer­den, damit es wirk­li­che Früch­te brin­gen kann. Um ihn gewinn­brin­gend zu leben, ist es not­wen­dig, daß jeder Prie­ster sich das gan­ze Leben lang stän­dig als Jün­ger auf dem Weg fühlt, der manch­mal der Wie­der­ent­deckung und der Stär­kung sei­ner Bezie­hung zum Herrn bedarf und auch der „Hei­lung“.

Das Refe­rat von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin „Der in per­so­na Chri­sti geweih­te Prie­ster“ in vol­ler Län­ge (ita­lie­ni­sches Ori­gi­nal).

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Chiesa e postconcilio/kairosterzomillennio (Screen­shots)

40 Kommentare

  1. In der Erz­diö­ze­se Wien gibt es an die 200 stän­di­ge Dia­ko­ne, von denen der Groß­teil ver­hei­ra­tet ist. Ich ken­ne eini­ge per­sön­lich und weiß, dass ein beacht­li­cher Teil jeder­zeit bereit wäre, sich zum Prie­ster wei­hen zu las­sen, wenn nicht die Ehe das Hin­der­nis wäre. Einer wur­de vor eini­ger Zeit (weil sei­ne Frau gestor­ben ist — soll man viel­leicht noch dazu sagen: Gott sei Dank?) zum Prie­ster geweiht. Wer­den hier nicht Beru­fun­gen zum prie­ster­li­chen Dienst mut­wil­lig ver­hin­dert? Ich hal­te es für fahr­läs­sig und den Wil­len Got­tes miss­ach­tend, die­se Wei­hen nicht zu ermög­li­chen. Wir hät­ten mit einem Schlag wahr­schein­lich an die 100 Prie­ster mehr und es wür­de durch die ehren­amt­li­che Tätig­keit, die ja bei­be­hal­ten wer­den kann, kei­nen Cent kosten.

    • @galilei
      Ganz und gar nicht wer­den Beru­fun­gen durch den Zöli­bat „ver­hin­dert“. Wenn Sie genau nach­den­ken, wer­den Sie das selbst erken­nen.
      Was ist das für eine Beru­fung, wenn ein „Beru­fe­ner“ sagt, ja schon, aber… Die Frau ist ihm dann eben wich­ti­ger. Damit fehlt die letz­te Bereit­schaft zur Nach­fol­ge im Prie­ster­tum. Die Ortho­do­xen wis­sen genau, was eigent­lich gefor­dert wäre, haben aber der mensch­li­chen Schwä­che nach­ge­ge­ben.
      Ihr Gedan­ken ist mensch­lich ver­ständ­lich: Prie­ster­man­gel, wie fül­le ich die Rei­hen.
      Ohne Zöli­bat ist das Prie­ster­tum ein „Job“ wie ande­re, ein bes­se­rer Sozi­al­ar­bei­ter mit Beam­ten­ge­halt und dann geht man in Pen­si­on. Und wenn die Arbeits­lo­sig­keit zunimmt, fül­len sich die Semi­na­re. Job ist Job.
      Das Prie­ster­tum hat aber eine geist­li­che Dimen­si­on: Daher will uns auch der Prie­ster­man­gel etwas sagen: näm­lich daß der Glau­ben und die Kir­che in einer Kri­se sind. Um die eigent­li­che Ursa­chen­su­che des Prie­ster­man­gels drücken sich die Diö­ze­sen aber ger­ne her­um.
      Beru­fun­gen sind Gna­den­ge­schen­ke Got­tes. Wer das so sieht und dar­auf ver­traut, wird auch kei­ne Beru­fungs­pro­ble­me haben. Schau einer an!!
      Der Zöli­bat ist ein gera­de­zu idea­ler Sieb, den Jesus Chri­stus durch Sein Vor­bild ein­ge­baut hat.
      Es heisst ja, der Zöli­bat ist kein Dog­ma. Die Dog­men schon, an die muss sich jeder hal­ten. Ist dem aber so? Nein. Wir wis­sen, dass es genug Prie­ster gibt, die da ihre „Pro­ble­me“ haben. NUR: die Dog­men sind äusser­lich nicht fass­bar. Lehnt ein Prie­ster ein Dog­ma ab, braucht er sich nur dar­über aus­zu­schwei­gen, oder es nur nicht vor ein­ge­schal­te­tem Mikro­phon leug­nen.
      Der Zöli­bat aber ist äusser­lich fass­bar, ein nach­voll­zieh­ba­re Beweis, ob jemand es ernst meint und auch, ob er wirk­lich beru­fen ist GANZ Prie­ster, nicht nur ger­ne AUCH Prie­ster, eben ein Sozi­al­ar­bei­ter zu sein.
      Nein, nein, der Zöli­bat ist geni­al in jeder Hin­sicht. Gott weiß genau, was Er tut, ein­setzt und erwar­tet. Die gefal­le­ne Natur des Men­schen reibt sich dar­an natür­lich wie an ande­rem, das gehört dazu. Dar­aus darf man aber nicht die fal­schen Schlüs­se zie­hen.
      Man­che, die sich beru­fen füh­len, aber doch lie­ber eine Frau haben, wer­den ent­täuscht sein, viel­leicht ein Leben lang, aber die Ent­schei­dung liegt bei ihnen.

      • Ich weiß nicht, wie­so Sie auf die absur­de Idee kom­men, dass der Zöli­bat das „Sieb“ für die rich­ti­gen Beru­fun­gen ist, der Prüf­stein, ob es jemand ernst meinst oder nicht. Und wie­so soll die geist­li­che Dimen­si­on feh­len und es ein Job wie jeder ande­re sein ohne Zöli­bat? Die­sen Gedan­ken kann ich nicht fol­gen. Der Zöli­bat hat sei­nen Ursprung in den Aus­sa­gen Jesu: Wer es fas­sen kann, der fas­se es. Jesus hat aber kei­ne zöli­ba­tä­ren Män­ner als Apo­stel gewählt! Und die Durch­set­zung des Zöli­bats in der west­li­chen Kir­che ruht auf dem Begriff der „Kul­ti­schen Rein­heit“. Der hat aber mit der Bot­schaft Jesu nichts zu tun, son­dern da sind eher außer­christ­li­che Vor­stel­lun­gen ins Chri­sten­tum ein­ge­bro­chen. Zuerst hat man Geschlechts­ver­kehr vor der Eucha­ri­stie­fei­er unter­sagt. Das ging ja noch, solan­ge nur ein­mal pro Woche am Sonn­tag gefei­ert wur­de. Mit dem Auf­kom­men der Wochen­tags­mes­sen in der west­li­chen Kir­che (in der Ost­kir­che ist das ja eher nicht Usus) kam dann natür­lich das Pro­blem. Und dann hat es bis in die Mit­te des 2. Jahr­tau­sends gedau­ert, um das zumin­dest for­mal durch­zu­set­zen. Das Kon­zil von Tri­ent muss­te die Ehe­schlie­ßung for­ma­li­sie­ren, um ein Mit­tel zur Hand zu haben, die heim­li­chen Prie­ster­ehen zu ver­hin­dern. Nein, der Zöli­bat schafft zwar mög­li­cher­wei­se eine Frei­heit für den Prie­ster, aber wesen­haft hat er mit dem Dienst des Prie­sters nichts zu tun. Wäre dem so, hät­te Jesus lau­ter zöli­ba­tär leben­de Apo­stel beru­fen. Aber ich seh schon, dass da jetzt sicher einer kommt und behaup­tet, die Apo­stel wären zwar ver­hei­ra­tet gewe­sen, aber sie haben ab der Beru­fung zöli­ba­tär gelebt.

      • @Galilei
        Die­sem Gedan­ken kön­nen Sie sogar sehr gut fol­gen, wenn Sie sich ernst­haft mit der Fra­ge beschäf­ti­gen und bereit sind, auch ihre der­zei­ti­ge Zufalls­mei­nung in Fra­ge zu stel­len.
        Der Zöli­bat ist ein genia­les Sieb, weil er durch 2000 Jah­re Kir­chen­ge­schich­te bestä­tigt wird. Für mich, ver­hei­ra­tet, war das nie ein Ver­ständ­nis­pro­blem, son­dern immer son­nen­klar. Vie­len Men­schen fehlt die­ses Ver­ständ­nis für den Zöli­bat „um des Him­mel­rei­ches wil­len“. Vie­len fehlt auch das Ver­ständ­nis für zahl­rei­che Glau­bens­wahr­hei­ten, das ist kein Grund für die Kir­che dar­an etwas zu ändern (was ohne­hin unmög­lich ist).
        Viel­leicht ist jetzt der Zeit­punkt gekom­men, dass die Kir­che die­se Fra­ge end­lich klärt. Viel­leicht gera­de weil die Zeit so ungün­stig ist. Allein schon wegen der Öku­me­ne mit den Ortho­do­xen und wegen der Unier­ten scheu­en ja man­che in der Kir­che die­se Klä­rung.
        Der Zöli­bat ist der Welt unver­ständ­lich und man­chen sogar ein Ärger­nis. Genau dar­in aber leuch­tet das „ganz ande­re“ der Nach­fol­ge Chri­sti auf, das soll­te man kei­nes­wegs gering­schät­zen.
        Nein, es geht nicht um „kul­tur­hi­sto­ri­sche“ Fra­gen, ob histo­risch oder außer­christ­lich. Die Sache ist viel ein­fa­cher: Es geht um das Bei­spiel Chri­sti. Chri­stus blieb ehe­los. Das hat eine Bedeu­tung, wie eben alles, was von Ihm stammt.
        Und natür­lich ist ein ver­hei­ra­te­tes Prie­ster­tum nur mehr irgend­ein Job. Es gibt Erhe­bun­gen, gan­ze Sta­ti­sti­ken, dass ein Gross­teil der pro­te­stan­ti­schen Pasto­ren so gut wie nichts glaubt, vie­le nicht ein­mal an die Exi­stenz Got­tes. Was ist das dann? Die sehen im Pasto­ren­amt eben nur oder vor allem einen siche­ren, beque­men Job. Was sonst soll einen Gott­lo­sen ins Pasto­ren­amt trei­ben.
        Was wür­de es hin­dern, dass die­ser Wahn­sinn nicht auch in der katho­li­schen Kir­che ein­rei­ssen wür­de? Nichts! Schon heu­te gibt es genug Lai­en-Seel­sor­ge­rIn­nen (Job), die alle mög­li­chen Glau­bens­wahr­hei­ten leug­nen. Kann man sie ent­schul­di­gen, weil sie an vie­len kath. Fakul­tä­ten alles, nur nicht die Wahr­heit des Glau­bens gelehrt bekom­men, son­dern in die Irre geführt wer­den?
        Nein, Nein, der Zöli­bat ist — selbst wenn man es nur prak­tisch sehen woll­te — ein genia­ler Schach­zug Got­tes. Dass er man­chen ein Ärger­nis ist, ist in Wirk­lich­keit sein Güte­sie­gel. Wer es fas­sen kann, der fas­se es. Dar­an haben sich Genera­tio­nen um Genera­tio­nen die Zäh­ne aus­zu­bei­ssen.
        Gelobt sei Jesus Chri­stus auch im von Ihm gestif­te­ten Prie­ster­z­ö­li­bat um des Him­mel­rei­ches wil­len.

    • Es gibt fast kei­ne grö­ße­re Zumu­tung als ver­hei­ra­te­te Dia­ko­ne!!!

      Herr ver­scho­ne uns vor allen Ver­hei­ra­te­ten am Altar!!!

      • @Emma: Ent­schul­di­gung, aber ihre zwei weni­gen Sät­ze las­sen auf ein Men­schen­bild schlie­ßen, das ich mit mei­nem christ­li­chen Glau­ben nicht mehr ver­ein­ba­ren kann… Der Dia­ko­nat auch für Ver­hei­ra­te­te wur­de im VAT II wie­der­be­lebt… wer dies schon nicht akzep­tie­ren will oder gar belä­chelt… der soll bes­ser gehen!

    • @Galilei,
      Die Cha­ris­men eines Prie­sters und eines Dia­kens sind unter­schied­lich.
      Es ist ein viel­kol­por­tier­ter Unsinn daß die Prie­ster­wei­he von Dia­kens die schwie­ri­ge pasto­ra­le Situa­ti­on der nach­kon­zi­liä­ren Zeit bes­sern wür­de.
      Das Cha­ris­me des Prie­sters ist anders als das eines Dia­kens, und eben­so anders als das einer Schwe­ster, einer Non­ne, eines Fra­ters und eines Mönchs.
      Dia­kens sind kei­ne Hilfs­prie­ster zwei­ter Klas­se, eben­so­we­nig als ein Bru­der min­der­wer­tig ggb. eines Paters ist.
      Im Bis­tum brüg­ge, o der ex-Bischof vanG­he­lu­we sehr viel Dia­kens weih­te, dar­un­ter sehr viel psy­chisch merk­wür­di­ge Figu­ren, hat man im Augenblich gewal­tig viel Pro­ble­me: die Fami­li­en und die Nach­kom­men der Dia­kens sind nicht immun gegen Tren­nung und Schei­dung, und due Sakra­men­te wer­den nicht sel­ten sehr spek­ta­ku­lär gespen­det.
      Bei etwai­gen Pro­ble­men schweigt der Bischof und das Bis­tum:
      Beson­ders berüch­tigt hier der Fall des Dia­kens Ivo Pop­pe (übri­gens erst 2 Jahr als Semi­na­rist in Brüg­ge), spä­ter Kran­ken­pfle­ger und dann auch Dia­ken (erst im ehe­n­ambt, spä­ter Voll­zeit); Pop­pe wur­de Ende 2014 ver­haf­tet nach­dem er 44 Men­schen nach­weis­lich umge­bracht hat, mit noch ein­mal 220 mög­li­che Tötun­gen (die Exhu­mie­run­gen wur­den bis jetzt noch nicht durch­ge­führt).
      Ich will nicht dar­an den­ken daß Ihren Wün­schen und Über­le­gun­gen zufol­ge ein „ver­hei­ra­tet Prie­ster“ dies hät­te bege­hen kön­nen.
      Die Fami­lie (Frau und 2 Kin­der) steht inzwi­schen ganz in dem Regen.

      • Natür­lich sind die Cha­ris­men für Dia­ko­nat und Prie­ster­amt unter­schied­lich. Aber die Dia­ko­nats­wei­he ist nun ein­mal die erste Stu­fe des Wei­he­sa­kra­men­tes. Und jeder Prie­ster war ein­mal Dia­kon. Wenn er nur die Cha­ris­men für einen Prie­ster hät­te, hät­te er nicht Dia­kon sein dür­fen. Und nie­mand kann von vorn­her­ein behaup­ten, Dia­ko­ne hät­ten kein Cha­ris­ma für das Prie­ster­amt.
        Ihre Schil­de­rung eines Ein­zel­fal­les eines Dia­kons ist für das, was Sie dar­aus schlie­ßen, in höch­stem Maß unse­ri­ös. Sol­che Fäl­le gibt es und sie hän­gen weder am Amt noch auf der Lebens­form. Dar­aus ein Argu­ment für den Prie­ster­z­ö­li­bat zu kon­stru­ie­ren ist schlecht­weg völ­lig unlo­gisch.

      • @Adrien Antoi­ne: Sehen Sie, das ist es doch, was all die­se Zöli­bats­auf­he­bungs­ro­ma­ti­ker nicht sehen oder sehen wol­len: mit der Abschaf­fung des Zöli­bats für Kle­ri­ker wür­de ja nicht nur der Prie­ster, der in die beson­de­re Chri­stus­nach­fol­ge geru­fen ist und der in der Eucha­ri­stie ad per­so­nam Chri­sti han­delt, Wei­sung und Bei­spiel Jesu Chri­sti auf­ge­ben und sein Gesalbt­sein zum Prie­ster­tum gänz­lich in die welt­li­che Ebe­ne eines Ehe­manns und Kinds­va­ters auf­lö­sen. Es trä­ten dann auch genau jene mora­li­schen Kon­flik­te auf, wie wir sie von den Gmein­de­lei­tern der Pro­te­stan­ten hören und sehen.

        Nicht nur, dass Prie­ster­kin­der zeit­le­bens psy­chisch durch ihre Vor­bild­funk­ti­on, Kind eines Pfar­rers zu sein, lei­den, wir hät­ten über kurz oder lang Prie­ster, die sich schei­den las­sen, Prie­ster, die sich eine Gelieb­te neben der Ehe­frau hal­ten, Prie­ster, die sich homo­se­xu­ell betä­ti­gen und Män­ner hei­ra­ten wol­len, Prie­ster, die vor­ehe­li­chen Geschlechts­ver­kehr aus­üben, die viel­leicht sogar an Abtrei­bun­gen mit­wir­ken usw. usf.

        Egal, wo man dann die Gren­zen dann zie­hen woll­te, es wür­de immer dage­gen ange­rannt wer­den, sobald die Bre­sche “Auf­he­bung des Zöli­bat­s” geschla­gen ist. Dann ver­stößt es gegen das Mensch­sein, einen Trans­gen­der nicht zur Wei­he zuzu­las­sen, oder es wäre unmensch­lich, einem homo­se­xu­el­len Pfar­rer­paar den Kin­der­wunsch per Leih­mut­ter­schaft abzu­spre­chen usw. usf.

        Das gan­ze Lehr- und Moral­ge­bäu­de der Kir­che, ohne­hin ange­fragt und kaum mehr ver­kün­digt, wür­de ins Wan­ken gera­ten und ein­stür­zen. Prie­ster wären nicht län­ger Gesalb­te des Herrn, die ihrer Gemein­de unge­teilt die­nen und die ihren Pfarr­kin­dern geist­li­che Weg­be­glei­ter, mora­li­sche Vor­bil­der sind. Sie wären arm­se­li­ge Gestal­ten, die bis zum Hals im welt­li­chen Sumpf stecken.

        Die römisch-katho­li­sche Kir­che wür­de mit der Auf­ga­be des Kle­ri­ker­zö­li­bats ihre Iden­ti­tät ins­ge­samt ver­lie­ren und sich zu etwas völ­lig Welt­li­chem ent­wickeln. Die­ses Gebil­de wäre nicht mehr Salz der Welt, son­dern ein Ver­ein, über­flüs­sig wie ein Kropf. Dass so vie­le Men­schen das Beson­de­re des katho­li­schen Prie­ster­tums anschei­nend nicht mehr begrei­fen und es im Welt­li­chen auf­lö­sen möch­ten, zeigt wie sehr der Ero­si­ons­pro­zess des Glau­bens, die Auf­lö­sung katho­li­scher Iden­ti­tät, schon fort­ge­schrit­ten ist. Die Kir­che müss­te hier schnell­stens han­deln und den Zöli­bat aus der Schuss­li­nie neh­men. Aber von sol­chen Gestal­ten wie denen da oben und ihrem Ber­go­glio, ist die­se Ent­schlos­sen­heit und geist­li­che Auto­ri­tät wohl kaum zu erwar­ten. Da ist es halt viel ein­fa­cher, mit dem Strom zu schwim­men und wei­ter in den Unter­gang zu waten und in aller Demut und mit aller Bru­ta­li­tät den Ungeist des Kon­zils zu voll­enden.

        @Galilei: Die Dia­ko­nen­wei­he ist eine Vor­stu­fe zur Prie­ster­wei­he. Dies bedeu­tet, dass ein Prie­ster auch das Cha­ris­ma und die Voll­macht eines Dia­kons besitzt, das Dia­ko­nenamt aber nicht aus­übt. Der “stän­di­ge Dia­kon” ‑die­se Erfin­dung des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils, gebo­ren aus dem Geist roman­tisch-nai­ver Sehn­sucht nach einem Zurück zu den Anfän­gen — hin­ge­gen ist dazu geweiht, das Amt des Dia­kons (Cari­tas) aus­zu­üben, ihm geht die Wei­he und die Voll­macht des Prie­ster­tums ab. Daher hat der stän­di­ge Dia­kon, mag er nun ver­hei­ra­tet sein oder nicht, ein ganz ande­res Cha­ris­ma als der Prie­ster. Das, wer­ter Gali­lei, ist die der nach­kon­zi­lia­ren Ämter­theo­lo­gie inne­woh­nen­de Logik. Bestechend ist sie nicht, wie so vie­les Unaus­ge­go­re­ne, was der Ungeist des Kon­zils her­vor­ge­bracht hat.

      • Wer­ter @hicesthodie,
        Ihren Aus­füh­run­gen kann ich mich nur anschlie­ßen.
        Fan­ta­stisch for­mu­liert!

  2. Sehr gut, @Lioba! Sie schrei­ben die Wahr­heit. Hat mich sehr gefreut, sol­che Wor­te zu lesen.

    Dank sei Jesus für den Zöli­bat, denn die­ser ist hei­lig und ermög­licht die voll­kom­me­ne Hin­ga­be an Gott.

    Und über­haupt:

    Wer sind wir eigent­lich, mehr und bes­ser wis­sen zu wol­len, als Jesus Selbst?

    • Auch ich kann Lio­ba sehr gut fol­gen.

      Wie zutref­fend es ist, dass der Zöli­bat man­chen nicht nur „ein Ärger­nis“ ist (und schon immer war), son­dern umge­kehrt gera­de­zu krank­haf­ten Akti­vis­mus aus­zu­lö­sen ver­mag, sieht man allein dar­an, dass bspw. die Macht­ha­ber der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on Prie­ster gene­rell zur Ehe ZWINGEN woll­ten.

      Wer nicht müde wird, sich mit der lang­wei­li­gen Rela­ti­vie­rung zu begnü­gen, dass es sich dabei doch „bloß um ein Kir­chen­ge­setz“ han­de­le, möge mal die uralte Defi­ni­ti­on „Sacer­dos Alter Chri­stus“ vor dem Hin­ter­grund des­sen lesen, was zum Wesen der Ehe­leu­te durch Mose gespro­chen und durch den Herrn aus­drück­lich bestä­tigt wor­den ist:

      Mat­thä­us 19:4 f.
      „Er aber ant­wor­te­te und sprach: Habt ihr nicht gele­sen, dass der, wel­cher sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf und sprach: «Dar­um wird ein Mensch Vater und Mut­ter ver­las­sen und sei­ner Frau anhän­gen, und es wer­den die zwei ein Fleisch sein», so dass sie nicht mehr zwei sind, son­dern ein Fleisch?“

      Es ist also schlicht schi­zo­phren, gleich­zei­tig ein „alter Chri­stus“ und ein (guter) Ehe­part­ner zu sein. Aber nicht nur für Prie­ster, son­dern auch für alle Ordens­leu­te ist somit der aus Lie­be zu Chri­stus ange­nom­me­ne Zöli­bat die ange­mes­se­ne Form.

      Eine Ein­schrän­kung zum „Sieb“: Wir ver­ste­hen uns, dass nicht jeder, der nicht „durch­fällt“, allein des­halb eine ech­te Beru­fung zum Prie­ster- oder Ordens­le­ben hat…

  3. Ichb will kei­ne Sakra­men­te emp­fan­gen von einen ver­hei­ra­te­ten „Prie­ster“, und ich wer­de auch nicht mit­zah­len an sei­nem Gehalt. Das ist doch eine Art von Pro­te­stan­tis­mus!

  4. Pater Alban Cras von der Petrus-Bru­der­schaft hat eine vor­treff­li­che Abhand­lung über den Zöli­bat geschrie­ben.
    Sei­ne gleich­sam Kern­aus­sa­ge:
    -
    [.…]
    „Den Zöli­bat auf­ge­ben hie­ße, auf den Druck des Zeit­gei­stes hin zu ver­kün­den, dass die Gna­de unzu­rei­chend ist, dass sie nicht dazu befä­higt,
    ein über­na­tür­li­ches Leben zu füh­ren.
    Die Fol­gen wären kata­stro­phal:
    Der Geist wür­de vor dem Dik­tat der leib­li­chen Bedürf­nis­se kapi­tu­lie­ren.
    Der „alte Mensch“ trü­ge sei­nen Sieg über den getauf­ten Men­schen davon,
    und letzt­end­lich wür­de es sich um einen Sieg des Hei­den­tums über das Chri­sten­tum han­deln.“
    [.…]
    -

    • Sehr geehr­ter @ mar­tin eisel,
      ohne die hei­lig­ma­chen­de Gna­de, die eine über­na­tür­li­che Gabe ist, kann nie­mand zu Gott gelan­gen.
      Des­halb braucht es die Über­na­tur.
      Die­se wird dem Men­schen geschenkt durch den Glau­ben (und die Tau­fe).
      Der natür­li­che Mensch kann nicht das über­na­tür­li­che End­ziel errei­chen, das Gott ihm gesetzt hat.
      Das gan­ze Chri­sten­tum ist Über­na­tur.
      Ein bloß natür­li­ches Chri­sten­tum ist keins.

  5. @Lioba: Ent­schul­di­gung aber ihre Aus­füh­run­gen klin­gen so nega­tiv und unkon­struk­tiv, dass genau ist doch das Pro­blem in der Dis­kus­si­on! Sie erzäh­len von irgend­wel­chen nega­ti­ven Erfah­run­gen u. a. aus dem pro­te­stan­ti­schen Bereich und über­tra­gen die­se ins All­ge­mei­ne! Das bringt uns nicht wei­ter! Außer­dem kann ich ihren Bei­trä­gen kein Fünk­chen an Wert­schät­zung für das Sakra­ment der Ehe erken­nen — Ent­schul­di­gung es ist ein hei­li­ges Sakra­ment! Von ihnen könn­te man ja mei­nen sie sehen die Ehe nur nega­tiv oder ein welt­lich Ding wie Luther! Auch der Zöli­bat ist hei­lig und war die Lebens­form Jesu — kei­ne Fra­ge! Aber ich sehe es wie Pau­lus, jeder soll frei wäh­len! Die Kir­che wird es nie zum Dog­ma erhe­ben, kann sie gar nicht! Es ist eine Lebens­form, auch eine hei­lig­mä­ßig geleb­te Ehe und Fami­lie ist ein gro­ßes Zeug­nis… bei­de Lebens­for­men sind wich­tig! Die Wahl soll frei­ste­hen für ein authen­ti­sches Leben ohne Heu­che­lei, der eine so der ande­re so, wie Pau­lus sagt! Ich ken­ne vie­le stän­di­ge Dia­ko­ne per­sön­lich, die eine vor­bild­li­che Ehe füh­ren und zugleich wirk­lich Die­ner in der Gemein­de sind und sich hin­ge­ben für die­sen Dienst — wie­so soll­ten sie nicht auch nach reif­li­cher Prü­fung Prie­ster wer­den kön­nen? Und wenn ich schon höre zu so einem Prie­ster würd ich nie in die Hei­li­ge Mes­se gehen… Ent­schul­di­gung das ist erstens Unrei­fe, denn auch die­ser Prie­ster ist dann ein Prie­ster Chri­sti und zwei­tens zeugt das nur von Hoch­mut erster Klas­se, die Demut nicht zu haben, sich den legi­ti­men Ent­schei­dun­gen der Kir­che Chri­sti zu unter­wer­fen… Man hat manch­mal wirk­lich den trau­ri­gen Ein­druck dass man­che zwar im Gesicht den Stem­pel kir­chen- und papst­treu tra­gen, aber hin­ter­rucks in ihren eige­nen Kir­chen­vor­stel­lun­gen gefan­gen sind, wenn mal was nicht so läuft wie sie es sich vor­stel­len! Das ist wirk­lich absurd! Veni Sanc­te Spi­ri­tus! Amen

    • @Jean-Marie
      Da haben Sie mich aber gründ­lich miss­ver­stan­den (oder nicht gele­sen: Nichts von dem „Nega­ti­ven“, das sie gele­sen haben wol­len, ent­spricht mei­ner Mei­nung. Sagen Sie es doch ehr­lich raus: Sie sind gegen den Prie­ster­z­ö­li­bat und möch­ten ihn ger­ne abschaf­fen, des­halb passt Ihnen mei­ne Ver­tei­di­gung nicht.
      Ich fin­de den Zöli­bat gross­ar­tig und sage das jedem, der an ihm herummotzt.Warum: Weil er direk­ter Aus­druck des Lebens­stan­des unse­res Herrn Jesus Chri­stus ist.
      Mich nervt das ewi­ge Rum­ge­nörg­le am Zöli­bat, das ich seit mei­ner Kind­heit anhö­ren muss. Kein Wun­der, dass es weni­ge Beru­fun­gen gibt, wenn das zöli­ba­tä­re Prie­ster­tum stän­dig nega­tiv gemacht wird.
      Beru­fung zum Prie­ster­tum ist eine Gna­de Got­tes und Er schenkt dazu auch die Gna­de für den Zöli­bat. Das Prie­ster­tum ist nur weni­gen vor­be­hal­ten, wes­halb der Zöli­bat ja auch nicht als all­ge­mei­ne Mas­sen­taug­lich­keit ange­legt ist.
      Gott for­dert nichts, was nicht auch gelei­stet wer­den kann. Dazu gehört im Chri­sten­tum grund­sätz­lich und immer auch das Opfer. Jedes Opfer bringt gleich­zei­tig aber wie­der rei­che Gna­de. In die­sem Span­nungs­feld bewegt sich auch der Zöli­bat.
      Wir reden hier eben nicht über die Ehe, son­dern über das Wei­he­sa­kra­ment. Jeder Stand hat sei­nen Reich­tum und sei­ne Beson­der­hei­ten. Wenn ich über das Prie­ster­tum rede, muss ich also nicht über die Ehe reden.
      Ja, wie Pau­lus: jeder soll frei wäh­len: Ehe ODER Prie­ster­um. Das ist die Wahl. Was wäre das sonst für eine Wahl. Abge­se­hen davon ist die­se „Wahl“ immer eine Ant­wort auf einen Ruf Got­tes, zur Ehe oder zum Prie­ster­tum. Der Aus­druck „Wahl“ ist daher ziem­lich unge­nü­gend.
      War­um soll die Kir­che den Prie­ster­z­ö­li­bat nicht zum Dog­ma erhe­ben kön­nen? Natür­lich kann sie das, und m.E. soll­te sie das auch. Es ist Pro­pa­gan­da­trick, wenn auf der Nicht-Dog­ma­ti­sie­rung her­um­ge­rit­ten wird. Dog­men wur­den immer dann ver­kün­det, wenn eine Fra­ge beson­ders umstrit­ten war. Des­halb wäre der Zeit­punkt für das Dog­ma Zöli­bat eigent­lich recht gün­stig.
      Die Kir­che hat das Dog­ma m.E. bis­her nicht ver­kün­det, weil es immer ein Span­nungs­feld war, wo vie­le in der Kir­che dage­gen gear­bei­tet haben, wohl vor allem die inner­lich zer­ris­se­nen Kle­ri­ker. Wir kön­nen fest­stel­len, das hat Kar­di­nal Ouel­let getan, den Sie zitie­ren, dass der Zöli­bat heu­te kein Dog­ma ist. Eine Tat­sa­chen­fest­stel­lung, nicht mehr und nicht weni­ger. Das heisst aber nicht, dass er mor­gen nicht zum Dog­ma gemacht wer­den kann.
      Ich ver­ste­he nicht, war­um sie einen Gegen­satz zwi­schen Ehe und Prie­ster­stand kon­stru­ie­ren wol­len: Die Ehe ist die Ehe, für die, die dazu beru­fen sind; das zöli­ba­tä­re Prie­ster­tum ist das zöli­ba­tä­re Prie­ster­tum, für die, die dazu beru­fen sind. Nie­mand zwingt jeman­den zum Prie­ster­tum, wenn aber einer Prie­ster wer­den will, sprich sich beru­fen fühlt und die Kir­che die­se Beru­fung aner­kennt, dann muss er auch den Zöli­bat anneh­men, wie die Glau­bens­dog­men usw.
      Das glau­be ich Ihnen aufs Wort, dass es stän­di­ge Dia­ko­ne gibt, die eine vor­bild­li­che Ehe füh­ren, sol­che ken­ne ich auch. Den­noch hege ich gro­sse Zwei­fel bei der Sache mit den „viri pro­ba­ti“. Sie ist ein typisch moder­nes Kon­strukt. Allein das spricht schon dage­gen.
      Das wur­de m.E. nur erfun­den, weil man den Zöli­bat kap­pen woll­te (will). Das war der erste Streich, doch der zwei­te folgt sogleich, so zumin­dest die Absicht. Dann kam aber Johan­nes Paul II. und mach­te ihnen einen Strich durch die Rech­nung. Und heu­te ver­sucht man es eben mit dem Gejam­mer vom Prie­ster­man­gel. Doch den Prie­ster­man­gel hat man selbst pro­du­ziert. Quiz­fra­ge: Ken­ne Sie (oder sonst­wer) einen libe­ra­len Prie­ster, der aus sei­ner Pfar­rei Prie­ster­be­ru­fun­gen her­vor­ge­bracht hat? Ich nicht. Wer gegen den Zöli­bat ist, bewusst oder unbe­wusst, sieht im Prie­ster­man­gel die „Chan­ce“ die Kir­che zur Auf­he­bung des Zöli­bats zu zwin­gen. Das aber wird nicht gelin­gen, davon bin ich über­zeugt.
      Hören Sie doch auf mit der reif­li­chen Prü­fung. War­um wol­len Sie aus Äpfeln Bir­nen machen. Immer die­ser hoch­mü­ti­ge Wahn des Men­schen, alles bestim­men zu kön­nen, auch Gott zum Trotz. Chri­stus hat eben nicht gehei­ra­tet. Das hat sei­nen Grund. Er hät­te es ja tun kön­nen und viel­leicht ein gott­ähn­li­ches Geschlecht halb Mensch halb Gott begrün­den kön­nen, viel­leicht mit ewi­gem Anspruch auf das erb­li­che Papst­tum oder so. Ich über­las­se es Ihrer Phan­ta­sie den Gedan­ken wei­ter­zu­spin­nen.
      Eben, wer gegen den Zöli­bat ist, hat nicht die Demut, sich Chri­stus und Sei­nem Vor­bild und dem von Kir­che ver­tre­te­nen Zöli­bat zu unter­wer­fen. Das alte Lei­den, es soll­te immer nach unse­rem Gut­dün­ken (egal ob wohl­mei­nend oder bös­wil­lig) gehen. Demut ist, nach dem zu fra­gen, was Gott offen­bart hat und nach Sei­nem, nicht unse­rem Wil­len.
      Spa­ren Sie sich Ihre Kro­ko­dils­trä­nen, ver­su­chen Sie doch lie­ber die Schön­heit und den Reich­tum der Kir­che zu ent­decken. Fällt das so schwer?
      Und las­sen Sie bit­te den Hei­li­gen Geist aussen vor. Mich nervt es schon, dass wann immer jeman­den in der Kir­che etwas nicht passt und er das nach sei­nem Kopf ändern will, dafür den Hei­li­ge Geist in Anspruch genom­men wird, nur weil er sich nicht hör­bar dage­gen weh­ren kann. Er wehrt sich schon, aber auf sei­ne ganz eige­ne Art, des­halb wird die Rech­nung der Unge­hor­sa­men und Libe­ra­len in der Kir­che nicht auf­ge­hen. Und das fin­de ich tröst­lich und wun­der­bar. Gott sei alle Ehre.

      • Ich ken­ne lei­der kei­nen ein­zi­gen ver­hei­ra­te­ten Dia­kon, der eine vor­bild­li­che Ehe führt und noch dazu sei­nen Dienst an den Armen und Benach­tei­lig­ten, für die der Dia­kon ja in erster Linie geweiht wird, zufrie­den­stel­lend aus­übt. Wür­den die Dia­ko­ne vor­bild­li­che Ehe­män­ner sein, wür­den sie min­de­stens fünf Kin­der ihr eigen nen­nen und hät­ten als treu sor­gen­de Fami­li­en­vä­ter ueber­haupt kei­ne Zeit für den Dia­ko­nats­dienst. So ueben sie eben bei­de Beru­fun­gen nur sehr ober­fläch­lich aus und ver­nach­läs­si­gen in erster Linie den Dienst an der eige­nen Fami­lie.
        Fleisch­li­che Lust und der Dienst am Altar gehen nun mal nicht zusam­men,
        und des­halb ver­langt die Kir­che auch von den verh. Dia­ko­nen eine Absti­nenz von drei Tagen; wenn man dann ab und zu noch seir­nen ehe­li­chen Pflich­ten nach­kom­men will, bleibt min­de­stens eines auf der Strecke. In der frü­hen Kir­che leb­ten auch die Dia­ko­ne zöli­ba­taer; Jung­fräu­lich­keit war gera­de­zu das Mar­ken­zei­chen der jun­gen Kir­che, beson­ders in den ersten drei Jahr­hun­der­ten.
        Es ist eine nicht zu leug­nen­de Tat­sa­che, dass der HERR die keu­sche Rein­heit ueber alles liebt und sie des­halb von sei­nen Aus­er­wa­ehl­ten auch ein­for­dert. Ueber sei­ne hei­li­ge Mut­ter liess er der hl. Bri­git­ta von Schwe­den (im 13. Jh.) aus­rich­ten, dass wenn ein Papst es wagen soll­te, Hand an den vom Hl. Geist gewirk­ten Zöli­bat zu legen, die­ser Bekannt­schaft mit dem ewi­gen, nie enden­den Feu­er machen wür­de.
        Nur so viel dazu!

        Las­sen wir den HERRN HERR sein und wagen wir es nicht, IHM in SEIN Werk zu pfu­schen!

  6. @Redaktion: ich fin­de es scha­de, dass das State­ment von Kar­di­nal Ouel­let nicht genannt wird:

    Kuri­en­kar­di­nal Ouel­let: Zöli­bat kein Dog­ma

    Bei der glei­chen Kon­fe­renz an der Päpst­li­chen Gre­go­ria­na-Uni­ver­si­tät beton­te der kana­di­sche Kuri­en­kar­di­nal Marc Ouel­let, der Prä­fekt der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on: „Man könn­te sich auch für die latei­ni­sche Kir­che durch­aus vor­stel­len, dass eine ande­re Lebens­form, näm­lich die Ehe, mit dem prie­ster­li­chen Dienst ver­bun­den wäre.“

    Die Kir­che habe dies näm­lich nie auf die dog­ma­ti­sche Ebe­ne erho­ben. Viel­mehr habe sie den pasto­ra­len Wert die­ser Ver­bin­dung betont, der in dem Dienst die exklu­si­ve, ewi­ge und tota­le Ent­schei­dung für die ein­zi­ge und ewi­ge Lie­be zu Chri­stus sieht. Aber die für die­se Ent­schei­dung höch­ste Auto­ri­tät der Kir­che, näm­lich der Papst, „hat es bis­lang aus ernst­haf­ten Grün­den vor­ge­zo­gen, an dem Gesetz des Pflicht­zö­li­bats fest­zu­hal­ten“, so Ouel­let.

    • Wür­de die lat. Kir­che das Zöli­bat auf­ge­ben, wür­de sie ihr urei­gen­stens Wesens­merk­mal ver­lie­ren und dürf­te sich nicht mehr katho­lisch nen­nen.
      Die Fol­gen für die Gesamt­kir­che wären ver­hee­rend: Der eh schon stark ver­wü­ste­te Wein­berg des Herrn wür­de zum Trüm­mer­feld aller Häre­si­en wer­den!

  7. @Lioba, am 10. Febru­ar 2016 um 13:48

    Ihre Ver­tei­di­gungs­re­de zum Prie­ster­z­ö­li­bat möch­te ich ger­ne noch mit einem Gedan­ken unter­stüt­zen.

    Wenn ich hei­ra­te und tief im Inner­sten weiß, dass es nur die­ser eine, nur die­ser ganz spe­zi­el­le Mann sein kann, mit dem ich mein künf­ti­ges Leben tei­len möch­te, gebe ich das Treue­ver­spre­chen am Altar doch aus tie­fer Über­zeu­gung und aus dem Wil­len her­aus, es auch ein­zu­hal­ten — in guten Lebens­pha­sen wie auch in schwie­ri­gen. Das in Frei­heit gege­be­ne Treue­ver­spre­chen am Altar ist dann nicht nur so daher­ge­sagt, es ist ein Bund.
    „Ein Bund für´s Leben“ sag­te man frü­her.

    Weiß sich ein Mann wirk­lich zum Prie­ster­amt beru­fen, möch­te er doch im glei­chen Maße wohl auch Jesus Chri­stus treu sein und sich IHM ganz anheim­stel­len. Und aus die­ser inne­ren, hin­ge­ben­den Hal­tung her­aus wird es ihm wich­tig wer­den, sich den Men­schen zuzu­wen­den und sie im Ide­al­fall zu Gott zu füh­ren.

  8. @Lioba: lei­der hab ich kei­ne Zeit mich im Details mit Ihnen aus­ein­an­der zu set­zen! EINES möch­te ich jedoch noch fest­hal­ten, weil es eine grund­le­gend fal­sche Annah­me ist: JEDER Mensch hat grund­sätz­lich die Beru­fung zur Ehe, das ist in die Natur des Men­schen hin­ein­ge­legt, dass er sich nach Ehe und Fami­lie sehnt, auch der Prie­ster. Das Zöli­bat ist eben eine über­na­tür­li­che Beru­fung, dass die natür­li­che aber nicht aus­löscht… sonst hät­ten wir ein schöp­fungs­theo­lo­gi­sches Pro­blem! Jeder der sich zum Zöli­bat beru­fen sieht, soll es tun… aber ohne Zwang, weil er sonst die Beru­fung zum Prie­ster nicht leben könn­te… Eine Ent­schei­dung für Ehe­lo­sig­keit um des Him­mel­rei­ches wil­len ja/nein und nicht priester/Ehe… Das Zöli­bat ist kein Dog­ma und wird es nicht wer­den, selbst wenn sie sich am Kopf stel­len… Vor­her müss­te man dann schon mal den ersten Timo­theus Brief aus dem Kanon strei­chen und die gr.-kath. aus der Uni­on schmei­ßen… aber ich bin mir sicher auch dafür wer­den sie eine pas­sen­de Aus­re­de fin­den… Im Gegen­teil es wird ein Über­den­ken geben und viel­leicht auch eine Umori­en­tie­rung geben, sowie schon Joseph Ratz­in­ger 1970 schrieb: „Die Kir­che der Zukunft .… wird neue For­men des Amtes ken­nen und bewähr­te Chri­sten die im Beruf ste­hen, zu Prie­stern wei­hen.“ Ich weiß vie­le wol­len die­sen Satz vom spä­te­ren Papst nicht mehr hören… aber er hat es geschrie­ben und er wird sei­ne Grün­de gehabt haben!

    • @Jean-Marie,
      Sie irren.
      Es gibt kei­nen grö­ße­ren Unsinn als zu glau­ben, daß jeder Mensch grund­sätz­lich die Beru­fung zur Ehe hat.
      Sehr viel Unglück ist schon ent­stan­den, weil Per­so­nen einen Ehe­bund schlos­sen, ohne fest davon über­zeugt zu sein.
      Dar­über­hin­aus gibt es auch Natu­ren, die homo­phil ver­an­lagt sein und dies auch in hs Taten umset­zen; die haben jedoch nicht immer vor eine feste Ver­bin­dung bis zum Tode ein­zu­ge­hen.
      Da gibt es in Nord­bel­gi­en eine ellen­lan­ge Rei­he ähn­li­cher Per­so­nen; beson­ders auf­fal­lend- ja knet­ter­jeck- ist hier Tom Schel­le­kens, erst Stu­dent der Sexuo­lo­gie und Psy­cho­lo­gie an der Uni Löwen, dann Semi­na­rist für Ant­wer­pen: direkt vor sei­ner Wei­he lud er die gan­ze Lokal­pres­se ein, um über sei­ne Rufung zu spre­chen; ein Jahr spä­ter lud er wie­der die gan­ze Lokal­pres­se ein, um mit­zu­tei­len, „daß schlicht und ein­fach zu wenig auf dem Küchen­tisch lag, um Prie­ster zu sein“(sic); er setz­te sich dann ab, leb­te andert­halb Jah­re mit einer jun­gen Frau zusam­men und ver­ließ dann auch sie.
      Und dann der Clou: das Bis­tum Ant­wer­pen (ali­as „Bischof“ Bon­ny) nahm ihn erneut als Prie­ster auf — und die bei die­sem Vau­de­ville ver­blüff­ten Gläu­bi­gen beka­men vom Ordi­na­ri­at zu hören: „Welch ein Glück, daß wir damals die Per­so­nal­ak­ten nicht nach Rom gesandt haben; eine Wie­der­ein­set­zung wie jetzt bei uns wäre dann nicht so leicht mög­lich gewe­sen“(!) (sic-Zitat aus der loka­len Zei­tung GVA).

    • Gott hat den Men­schen als Mann und Frau erschaf­fen und des­halb hat jeder die Ver­an­la­gung für die Ehe. Ehe ist dem­nach kei­ne Beru­fung, son­dern eine natür­li­che Ver­an­la­gung, die in jeden Men­schen hin­ein­ge­legt ist.
      BERUFUNG aber ist ein HERAUSRUFEN aus der natür­li­chen Ver­an­la­gung in eine neue SEINSWEISE hin­ein. Das hebräi­sche Wort, das in den Evan­ge­li­en für die Beru­fung der Apo­stel benutzt wird, macht deut­lich, dass es sich dabei um eine NEUSCHOEPFUNG in VOLLMACHT han­delt, etwas vor­her nie Dage­we­se­nes!

      Wer den gott­ge­weih­ten Zöli­bat immer und immer wie­der in Fra­ge stel­len muss, hat ueber­haupt nicht kapiert was ein katho­li­scher Prie­ster im Wesent­li­chen (in sei­nem urei­gen­sten Wesen) eigent­lich ist!!!

  9. Ganz prak­tisch:
    Fra­gen Sie ein­mal den Hl. Pfar­rer von Ars, ob er Zeit hät­te für Frau und Kin­der?
    Es ist mir völ­lig unver­ständ­lich, war­um das zöli­ba­tä­re Leben immer als „kaum leb­bar“ ange­se­hen wird. Jeder, der nicht ver­hei­ra­tet ist, ist zum „zöli­ba­tä­ren Leben“ ver­pflich­tet. Ich ken­ne vie­le jun­ge Män­ner und Frau­en, die ob der ver­dor­be­nen Jugend heu­te noch mit über 30 Jah­ren kei­ne anstän­di­ge Freun­din fin­den konn­ten, die zöli­ba­tär leben. Ich ken­ne vie­le Geschie­de­ne, die zöli­ba­tär leben. Auch in der Ehe muss zeit­wei­se zöli­ba­tär gelebt wer­den. Wo ist das Pro­blem? Viel­leicht in der Ver­se­xua­li­sie­rung unse­rer Gesell­schaft, in den por­no­gra­phi­schen Medi­en, in der Aberzie­hung der Scham und der feh­len­den Erzie­hung zur Keusch­heit?
    Der Apo­stel emp­fiehlt, dass es bes­ser ist zöli­ba­tär zu leben, als zu hei­ra­ten; Ich den­ke Gott beruft zur Ehe ODER zum Prie­ster­tum und Er gibt aus­rei­chend Gna­den dazu.
    Es gibt Stu­di­en, dass Men­schen, die sich nicht sexu­ell betä­ti­gen, eine Frei­heit im Geist erfah­ren. Kann ja jeder mal selbst aus­pro­bie­ren, die Fasten­zeit eig­net sich her­vor­ra­gend dazu.
    Wer Jesus so liebt, dass er am Altar Ihn in per­so­na ver­tre­ten möch­te, liebt bereits mit der Gna­de Got­tes auf Erden „wie im Him­mel“ — ohne Sexua­li­tät.

  10. Ich möch­te für alle, die hier so vehe­ment den Zöli­bat für Prie­ster ver­tei­di­gen, auf eines mei­ner Argu­men­te wei­ter oben noch­mals ein­ge­hen. Wenn für Jesus die zöli­ba­tä­re Lebens­wei­se eine essen­ti­el­le Vor­aus­set­zung für den Prie­ster­dienst gewe­sen wäre, wie es hier ja fast durch­ge­hend behaup­tet wird, eine ein­fa­che und kla­re Fra­ge: War­um hat Jesus kei­ne zöli­ba­tä­ren Män­ner als Apo­stel aus­ge­wählt?
    Wie heißt es in 1 Kor 9, 5: „Haben wir nicht das Recht, eine gläu­bi­ge Frau mit­zu­neh­men, wie die übri­gen Apo­stel und die Brü­der des Herrn und wie Kephas?“.

    • @Galilei
      Ganz ein­fach des­halb, weil es zur­zeit Jesu fast kei­ne Zöli­ba­tae­ren gab:
      Im Juden­tum war die Ehe­lo­sig­keit alles ande­re als eine Bevor­zu­gung Got­tes.
      Jesus ver­lang­te des­halb von sei­nen eng­sten Freun­den noch viel mehr als die heu­ti­gen Zöli­bats­be­mit­leider ver­kraf­ten kön­nen, näm­lich die radi­ka­le Nach­fol­ge, d.h. das Ver­las­sen der ach so ver­trau­ten Ehe­frau­en mit­samt den lie­ben Kin­der­chen! (Nach­zu­le­sen u.a. in „Visio­nen der hl. Katha­ri­na Emme­rick“).
      Wie grau­sam aber auch, wo doch die Sexua­li­tät die natür­lich­ste (Neben-) Sache der Welt ist!
      Und was hal­ten Sie eigent­lich davon, dass der Herr selbst, eben jenen einst so glück­lich ver­hei­ra­te­ten Fami­li­en­vä­tern, das blu­tig­ste aller Mar­ty­ri­en zumu­te­te?
      Wie passt das in Ihr ach so idyl­li­sches Apo­stel­bild?

      • @Severin: Wie­so idyl­li­sches Apo­stel­bild? Davon habe ich aber nichts geschrie­ben, denn das Fami­li­en­le­ben war für die Apo­stel sicher alles ande­re als ein­fach. Aber dass sie ihre Frau­en und Kin­der ver­las­sen muss­ten, höre ich zum ersten Mal. Und Sie wis­sen sicher ganz genau, dass gemäß Kate­chis­mus Pri­va­tof­fen­ba­run­gen nicht zum Glau­bens­gut der Kir­che gehö­ren und vor allem die end­gül­ti­ge Offen­ba­rung Chri­sti nicht ver­voll­stän­di­gen kön­nen. Also, aus wel­cher Bibel­stel­le geht her­vor, dass die Apo­stel Frau und Kin­der ver­las­sen muss­ten? Wenn man weiß, unter welch schwie­ri­gen Umstän­den in den dama­li­gen Ver­hält­nis­sen Wit­wen leben muss­ten (des­we­gen auch immer die „Wit­wen“, um die sich die christ­li­chen Gemein­den sor­gen soll­ten), dann wäre es Wahn­sinn gewe­sen, wenn die Apo­stel ihre Frau­en im Stich las­sen hät­ten müs­sen. So eine For­de­rung hat­te die gan­ze Bot­schaft Jesu kon­ter­ka­riert!

    • @Galilei
      Sie fra­gen: „War­um hat Jesus kei­ne zöli­ba­tä­ren Män­ner als Apo­stel aus­ge­wählt“?
      Die Ant­wort liegt auf der Hand: Die Zwölf muss­ten rund um die Uhr in ihren Grund­be­dürf­nis­sen ver­sorgt, bedient und mit Geld­mit­tel aus­ge­stat­tet wer­den. Andern­falls hät­ten die Män­ner vor lau­ter „Selbst­ver­sor­gungs­sor­gen“ nicht auf das Wort ihres Mei­sters Jesus von Naza­reth hören, es memo­rie­ren, spä­ter münd­lich wie­der­ge­ben und ver­schrif­ten kön­nen. Kurz gesagt: Ohne die flan­kie­ren­de Arbeit der Ehe­frau­en der Zwölf und ande­rer Frau­en in deren Beglei­tung wäre wohl die drei­jäh­ri­ge kon­zer­tier­te Erlö­sungs­mis­si­on Jesu an den All­tags­pro­ble­men geschei­tert.

      • O, das ist aber eine inter­es­san­te Theo­rie. Sie haben Phan­ta­sie, die ich offen­sicht­lich nicht habe. Ehe­frau­en der Apo­stel als Arbeits­knech­te! Die Ver­sor­gungs­ar­beit für die Apo­stel als Aus­nah­me vom Zöli­bat. Wär doch auch viel­leicht heu­te eine Begrün­dung als Aus­nah­me für den Zöli­bat, oder nicht?
        Also, man lernt nicht aus, so eine obsku­re Begrün­dung habe ich bis­her noch nicht gehört.

      • @ Gali­lei
        Obsku­re Begrün­dung? Haben Sie in der Funk­ti­on der Prie­ster­ver­sor­ge­rin den Beruf der Prie­ster­haus­häl­te­rin noch nicht wahr­ge­nom­men, der für den Prie­ster unter ent­spre­chen­den Lohn­lei­stun­gen bei­des mög­lich macht: Ver­sorgt­wer­den und zöli­ba­tä­res Leben — eine Jahr­hun­der­te alte Sym­bio­se! Ein Schuft, der Schlech­tes dabei denkt!

  11. Ein Prie­ster soll mit der Kir­che ver­hei­ra­tet sein. Eben­so wie eine Non­ne Braut Chri­sti ist. Das zoe­li­bat bedeu­tet also mit Gott ver­hei­ra­tet zu sein. Und das ist wirk­lich viel schoe­ner als eine welt­li­che Ehe zu fuehren.Jemand der von Gott geru­fen wird soll stolz sein und sich freu­en das er aus­er­wa­ehlt wor­den ist!

  12. Es gibt kei­ne all­ge­mei­ne Beru­fung zur Ehe wie man­che hier sagen. Es gibt auch kei­ne all­ge­mei­ne „natür­li­che Ver­an­la­gung“ dazu. Es gibt neben der „Beru­fung“ zur Ehe auch die „Beru­fung“ zur lebens­lan­gen Keusch­heit. Und das hat noch nichts mit Prie­ster­tum und Orden zu tun.

    „… Wer es fas­sen kann, der fas­se es“, sagt der Herr.

  13. Die Aus­sa­ge v. Kard. Paro­lin „Man kön­ne über alles reden, aber ohne Eile“ erin­nert mich an die Aus­sa­ge von Fran­zis­kus, weni­ge Tagen vor dem Beginn der 2. Syn­ode für die Fami­lie;
    nach­dem die erste Syn­ode in ein Deba­kel für Fran­zis­kus und sei­ne moder­ne Trup­pe aus­ge­mün­det war und im Vor­feld der 2. Syn­ode die treu­ka­tho­li­sche Medi­en sehr prä­sent und aktiv waren und die Gläu­bi­gen für das Leben und für die Fami­lie auf die Stra­ße gin­gen, war die Stim­mung sehr mies.
    Dann fiel wütend die Aus­sa­ge, daß „Wenn man sowie­so nicht vor­hät­te etwas zu ändern, man die Syn­ode nicht hät­te zusam­men­ru­fen brau­chen“.
    Mer­ke: das „man“ (1) ist nicht das „man“ (2).
    Man quas­selt und quas­selt und quas­selt in der Erwar­tung daß hin­ten dann doch etwas neu­es Ande­res her­aus­kommt.

    • Wer­ter @ Adri­en Antoi­ne
      Bereits im Dezem­ber 2014 hat der von Papst Fran­zis­kus ein­ge­setz­te Gene­ral­se­kre­tär der Welt­bi­schofs­syn­ode, Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri, dem die Ant­wor­ten des in Rom zusam­men­ge­kom­me­nen Päpst­li­chen Fami­li­en­ra­tes zu den 46 Fra­gen des neu­en Fra­ge­bo­gens offen­sicht­lich nicht ent­spro­chen hat­ten, gesagt, dass „es kei­nen Sinn habe, eine Syn­ode abzu­hal­ten, wenn man dann nur wie­der­ho­le, was schon immer gesagt wur­de“
      Bal­dis­se­ri gehört zu jenen Kir­chen­ver­tre­tern, die unter Papst Fran­zis­kus die steil­ste Kar­rie­re erlebt haben. Fran­zis­kus mach­te ihn zum Kar­di­nal und setz­te ihn auf einen wich­ti­gen Ver­trau­ens­po­sten. Daher kommt dem Gene­ral­se­kre­tär der Syn­ode eine zen­tra­le stra­te­gi­sche Rol­le zu: Er teste­te einen Satz, den Papst Fran­zis­kus spä­ter sagen woll­te. Ich fürch­te, Sie täu­schen sich, wenn unter der REGIE DER JESUITEN von der Gre­go­ria­na im Vati­kan nur „gequas­selt“ wird. Daher habe ich im Thread „Zwei­tes Video“ vor­sorg­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ver­bind­li­che Glau­bens­wahr­hei­ten nur nach der Defi­ni­ti­on von 1870 (ex cathe­dra) und nicht im Zwie­ge­spräch mit einem Freund in St. Mar­tha in die Welt gesetzt wer­den kön­nen.

  14. Ich erlau­be mir hier noch eine Ant­wort an @alfredprivat auf sei­nen Kom­men­tar vom 8. FEBRUAR 2016 UM 17:54 zum glei­chen The­ma unter https://www.katholisches.info/2016/02/04/zoelibat-weiht-papst-franziskus-in-mexiko-verheiratete-diakone-zu-priestern/
    nach­zu­rei­chen, da der Kom­men­tar­be­reich bereits geschlos­sen war:
    „Lie­ber Mit­fo­rist. Ihre Posi­ti­on in allen Ehren und wenn Sie über die Ein­füh­rung des Zöli­ba­tes bes­ser Bescheid wis­sen, neh­me ich das an.“

    Das ehrt Sie.

    „Mir geht es dar­um, die­se Leu­te (Prie­ster) nicht auf ein Podest zu stel­len.“

    Sie sind Beru­fe­ne zu einem beson­de­ren Dienst. Sie sind in den aller­mei­sten Fäl­len kei­ne Hei­li­gen, aber ihrer Beru­fungs­gna­de (die­se schließt die Befä­hi­gung zum zöli­ba­tä­ren Leben ein) soll­ten sie schon treu blei­ben. Das ist in der Tat eine gro­ße Bür­de, aber auch eine gro­ße Wür­de, denn die sakra­men­ta­le Wei­he, als Fol­ge und Ergeb­nis gött­li­cher Beru­fung, schafft dem Prie­ster auf Ewig ein neu­es Sein in Chri­stus. Er ist erwählt und befugt, Chri­stus in der Eucha­ri­stie zu reprä­sen­tie­ren, durch ihn spricht Chri­stus und durch ihn wan­delt Chri­stus uns Brot und Wein in sein Fleisch und Blut. In Zei­ten, in denen dies Gläu­bi­gen noch tie­fin­ner­lich bewusst war; nann­te man die Prie­ster des­halb auch Hoch­wür­den.

    „Mir erschließt sich aber nicht, war­um dazu der Zöli­bat gehö­ren soll. Im Zöli­bat begibt sich doch der Prie­ster einer der wich­tig­sten Facet­ten des Mensch­seins.“

    Das Zöli­bat ist eine ganz natür­li­che, in allen Reli­gio­nen und zu allen Zei­ten prak­ti­zier­te Form reli­giö­ser Ganz­hin­ga­be. Wür­de es Ihnen ein­fal­len, Bud­dhi­sti­schen Mön­chen oder dem Dalai Lama anzu­ra­ten, doch ihre Sexua­li­tät aus­zu­le­ben, damit sie end­lich ganz Mensch sein kön­nen? Nein, denn sie sind ganz Mensch auf ihre spe­zi­fi­sche Wei­se, sie sind glück­lich und im Ein­klang mit sich und Gott. So auch der Prie­ster.
    Nicht die Zei­ten sind krank und unna­tür­lich, die die sexu­el­le Ent­halt­sam­keit aus reli­giö­sen (und ande­ren) Grün­den ganz selbst­ver­ständ­lich akzep­tie­ren, son­dern viel­mehr sind die Zei­ten krank und unna­tür­lich, in denen Sexua­li­tät so über­be­wer­tet wird, dass man sexu­el­le Ent­halt­sam­keit als krank und unna­tür­lich emp­fin­det. Wir leben gegen­wär­tig in solch kran­ken, die sexu­el­len Greu­el spät­rö­mi­sche Deka­denz weit hin­ter sich las­sen­den Zei­ten. Kein Wun­der, dass das Zöli­bat heu­te ange­fragt und ange­fein­det wird wie nie. Aber gera­de des­halb muss die Kir­che am Wis­sen, an den Über­zeu­gun­gen und an der Über­lie­fe­rung aus gesun­den Zei­ten fest­hal­ten und sie gegen alle Wider­stän­de und gegen allen Unver­stand ver­tei­di­gen.

    „..son­dern wir haben es mit einem Feh­ler des Systems zu tun.“

    Dage­gen spricht das Gelin­gen zöli­ba­tä­ren Lebens, das die Anzahl der Geschei­ter­ten an Frucht und Zahl weit über­trifft. Ich gebe ihnen recht, dass es das Schei­tern am Zöli­bat zu allen Zei­ten gege­ben hat, aber es gibt eben auch Zei­ten in denen die­ses Schei­tern durch bestimm­te gesell­schaft­li­che oder gei­sti­ge Kon­stel­la­tio­nen sehr begün­stigt wird. Und das Kon­zil hat unbe­streit­bar eine Atmo­sphä­re reli­giö­ser Erschlaf­fung her­vor­ge­ru­fen, die die mora­li­sche Lax­heit begün­stig­te (ein­mal ganz abge­se­hen von der gesell­schaft­li­chen Bewe­gung der 68er). Auch das muss man ehr­li­cher Wei­se in Betracht zie­hen. Ich blei­be dabei, zöli­ba­tä­res prie­ster­li­ches Leben kann gelin­gen und glück­lich machen und zum vol­len Mensch­sein füh­ren, auch heu­te, falls die Vor­aus­set­zun­gen, gött­li­che Beru­fung und leben­di­ger Glau­be, stim­men.

    „Soll­te nicht das Zen­trum unse­res Glau­bens Jesus Chri­stus und des­sen Rede sein?“

    Ja, eben! Und der for­der­te: wer mir nachfolgen/mein Jün­ger sein will, neh­me sein Kreuz auf sich, ver­las­se alles, was er hat und fol­ge mir nach. Wer Mut­ter, Vater, Bru­der, Schwe­ster (ergän­ze Frau und Kin­der) mehr liebt, als mich, ist mei­ner nicht wert. Und wenn Sie Jesu Ehe­lo­sig­keit nicht im Evan­ge­li­um fin­den, dann erst recht nicht sein Ehe­le­ben.

    Nein, im Kle­ri­ker­zö­li­bat besitzt die Kir­che einen rie­sen­gro­ßen spi­ri­tu­el­len Schatz, der ihr von Jesus Chri­stus selbst durch Wort und Bei­spiel ein­ge­stif­tet wur­de! Die­sen für das Lin­sen­ge­richt zeit­gei­sti­ger, öku­me­ni­sti­scher Anpas­sung weg­zu­schen­ken, wäre Wahn­sinn!

  15. Lie­be Mit­fo­ri­sten,
    für mich ist der ver­pflich­ten­de Prie­ster­z­ö­li­bat schlicht ein System­feh­ler mit men­schen­un­wür­di­gen Fol­gen.
    Natür­lich sind wir alle mit leib­li­chen Bedürf­nis­sen geschaf­fen. Die nicht zu erfül­len kann nicht gesund sein.
    Nun wird der Zöli­bat über­wie­gend mit der Tra­di­ti­on begrün­det. Ein Vor­red­ner mein­te gar, eine abwei­chen­de Posi­ti­on wäre schon schlecht, weil sie modern sei. Außer­dem meint jemand, der Mensch sei nicht zur Ehe geschaf­fen, weil vie­le Ehen schei­tern.
    Hier nähern wir uns dem Pro­blem: Zöli­bat und zöli­ba­tä­res Leben wer­den hier als Ide­al behan­delt. Idea­le sind bekann­ter­ma­ßen nie zu errei­chen.
    Wovon nicht gespro­chen wird, sind Prie­ster, die im Sinn der Kir­che weit am Ide­al vor­bei­le­ben.
    Wir alle ken­nen hin­rei­chend Prie­ster, die mit einer Frau oder einem Mann liiert sind und ihre Bezie­hung leben. Wir alle sind Men­schen und brau­chen als sozia­le Wesen ein Gegen­über.
    Wirk­lich pro­ble­ma­tisch wird die Ange­le­gen­heit, wenn aus der Bezie­hung Kin­der her­vor­ge­hen. Die Frau des Prie­sters muß offi­zi­ell als allein­er­zie­hend auf­tre­ten, die Kin­der kön­nen nicht zu ihrem Vater ste­hen, ken­nen ihn evt. nicht ein­mal. Wenn der Prie­ster­va­ter näm­lich das Ange­bot der Diö­ze­se annimmt, die Ali­men­te zu über­neh­men, unter­schreibt er ein Kon­takt­ver­bot zu Mut­ter und Kind. Das ist schlicht ein Skan­dal!

    Bit­te ver­scho­nen Sie micht jetzt mit dem Argu­ment, liier­te Prie­ster sei­en eine ver­schwin­den­de Min­der­heit und so etwas gäbe es erst seit dem Kon­zil.
    So ein­fach ist das nicht. In der Lite­ra­tur geht man von 30 — 50 % liier­ten Prie­stern aus. Aus mei­nem eige­nen Erfah­rungs­be­reich kann ich das in etwa bestä­ti­gen.
    Eine Fol­ge des Kon­zils ist die­se Situa­ti­on auch nicht, weil es schon immer Prie­ster mit Anhang gege­ben hat.

    • @ alfred­pri­vat
      Sie sagen: „In der Lite­ra­tur geht man von 30 – 50 % liier­ten Prie­stern aus. Aus mei­nem eige­nen Erfah­rungs­be­reich kann ich das in etwa bestä­ti­gen“. Das ist schon aus Ihren Wor­ten erkenn­bar.
      Die „liier­ten Prie­ster“ sind neben den Falsch­leh­rern von den Hoch­schu­len wahr­schein­lich auch der Grund für den Nie­der­gang des Mess­be­suchs zumin­dest im deutsch­spra­chi­gen Raum.
      Daher gilt, was oben zu Ihnen gesagt wor­den ist:
      „Nein, im Kle­ri­ker­zö­li­bat besitzt die Kir­che einen rie­sen­gro­ßen spi­ri­tu­el­len Schatz, der ihr von Jesus Chri­stus selbst durch Wort und Bei­spiel ein­ge­stif­tet wur­de! Die­sen für das Lin­sen­ge­richt zeit­gei­sti­ger, öku­me­ni­sti­scher Anpas­sung weg­zu­schen­ken, wäre Wahnsinn“!(hicesthodie)

    • 1963!!! hat Sei­ne Exzel­lenz, Bischof Pohl­schnei­der von Aachen bei einem Vor­trag vor einer Klo­ster Gemein­de zuge­ge­ben, das Bis­tum Aachen zah­le für 25 Prie­ster Ali­men­te.

      • Wer­ter Petrus, dann müs­sen Sie in Ihrer Sta­ti­stik auch erwäh­nen, für wie­vie­le Prie­ster­Ex­zel­lenz Pohl­schnei­der 1963 KEINE Ali­men­te zah­len muss­te, dann erst ergibt sich ein Bild.

        Ich sag­te ja schon zu alfred­pri­vat, Ver­feh­lun­gen gegen den Zöli­bat hat es immer gege­ben, so wie es Ver­feh­lun­gen ande­rer Art schon im Jün­ger und Apo­stel­kreis gab. Ver­feh­lun­gen gibt es, weil der Mensch schwach, ver­führ­bar ist, weil er sei­ne Berufungs/Gotteskindschaftsgnade ein manch­mal sehr lan­ges und stei­ni­ges Leben in irde­nen Gefä­ßen mit sich her­um­trägt und somit stets in Gefahr steht zu fal­len. Aber da gibt es als Christ vor Gott und den Men­schen immer auch die Mög­lich­keit der Reue, Umkehr und Buße und den dar­aus resul­tie­ren­den ech­ten Neu­an­fang. Daher war es rich­tig von Exzel­lenz Pohl­mann, jenen 25 an ihrer Zöli­bats­gna­de Gestrau­chel­ten die­se Umkehr anzu­rech­nen und einen Neu­an­fang zu gewäh­ren, ande­rer­seits die Frucht jenes Strau­chelns, also die 25 Kin­der und deren Müt­ter, nicht unver­sorgt zu las­sen.

        Wenn man immer alle Insti­tu­tio­nen gleich in die Ton­ne wer­fen woll­te, nur weil sich nicht alle an Ver­spre­chen, Regeln und Geset­ze hal­ten, dann könn­te man gleich die Anar­chie aus­ru­fen.

        Es ist daher der fal­sche Weg, den Zöli­bat auf­grund von Zöli­bats­bre­chern in Fra­ge zu stel­len, viel­mehr soll­te uns jeder Bruch des Zöli­bats­ver­spre­chens ein Anlass sein, ob unse­rer mensch­li­chen Schwach­heit zu erschau­dern (nicht gegen­über dem Sün­der in augen­zwin­kern­de, ver­ständ­nis­vol­le Kum­pa­nei zu ver­fal­len, so wie es heu­te unter Kle­ri­kern wie Lai­en üblich gewor­den ist) und uns die tie­fe Wahr­heit vor Augen zu füh­ren, dass wir unser Heil unter Furcht und Zit­tern bewir­ken müs­sen, damit wir Chri­sten unter dem fal­schen Geschlecht wie Ster­ne zu leuch­ten vermögen(Phil 2.12–18)!

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