Zeitung der französischen Bischöfe fordert: Keine Exkommunikation mehr für Freimaurer

Freimaurerei
Freimaurerei und Kirche

(Paris) Am 26. Novem­ber 1983 bekräf­tig­te die römi­sche Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on mit einer von Papst Johan­nes Paul II. aus­drück­lich appro­bier­ten Erklä­rung die Unver­ein­bar­keit der Frei­mau­re­rei mit der Katho­li­schen Kirche.

Die Ver­ur­tei­lung war vom dama­li­gen Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger, für not­wen­dig erach­tet wor­den. Nach­dem im neu­en Codex des Kir­chen­rechts vom Janu­ar 1983 die Zuge­hö­rig­keit zu einer Frei­mau­rer­lo­ge nicht mehr aus­drück­lich erwähnt wur­de, trat in meh­re­ren Län­dern die Behaup­tung auf, dar­un­ter auch in Öster­reich, Frei­mau­rer sei­en nicht mehr exkom­mu­ni­ziert. Katho­li­ken baten Rom daher um eine Klä­rung, die mit beson­de­rer Eile noch im Novem­ber des­sel­ben Jah­res erfolgte.

„Das nega­ti­ve Urteil der Kir­che über die frei­mau­re­ri­schen Ver­ei­ni­gun­gen bleibt also unver­än­dert, weil ihre Prin­zi­pi­en immer als unver­ein­bar mit der Leh­re der Kir­che betrach­tet wur­den und des­halb der Bei­tritt zu ihnen ver­bo­ten bleibt.  Die Gläu­bi­gen, die frei­mau­re­ri­schen Ver­ei­ni­gun­gen ange­hö­ren, befin­den sich also im Stand der schwe­ren Sün­de und kön­nen nicht die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen“ (Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Urteil der Kir­che bleibt unver­än­dert, 26. Novem­ber 1983).

Damit wur­de die Exkom­mu­ni­ka­ti­on bekräf­tigt und präzisiert:

„Auto­ri­tä­ten der Orts­kir­che steht es nicht zu, sich über das Wesen frei­mau­re­ri­scher Ver­ei­ni­gun­gen in einem Urteil zu äußern, das das oben Bestimm­te außer Kraft setzt“ (Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Urteil der Kir­che bleibt unver­än­dert, 26. Novem­ber 1983).

La Croix will Aufhebung der Exkommunikation für Logenbrüder

Beschürzte Logenbrüder
Beschürz­te Logenbrüder

Den­noch gibt es „mün­di­ge Katho­li­ken“, die sich an der Exkom­mu­ni­ka­ti­on sto­ßen oder sie rund­weg leug­nen. „Man­che haben kei­ne Skru­pel, ihre Miß­bil­li­gung offen zu zei­gen. Die Zuge­hö­rig­keit zur Frei­mau­rer­lo­ge ist ihnen wich­ti­ger als der Gehor­sam gegen­über der Kir­che“, so Cor­ris­pon­den­za Roma­na.

Jüng­stes Bei­spiel dafür ist La Croix, die Tages­zei­tung der Fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz. Am 25. Janu­ar beklag­te sie sich dar­über, daß soviel Stren­ge „exklu­siv“ und so „schmerz­lich“ nur „die Frei­mau­rer“ tref­fe, „die sich zum katho­li­schen Glau­ben bekennen“.

Laut La Croix sei­en „Urtei­le“, wie jenes der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on gerecht­fer­tigt und „ver­ständ­lich“ in einer Zeit, in der die Logen erklär­ter­ma­ßen kir­chen­feind­lich gewe­sen sei­en. Heu­te aber sei das, zumin­dest laut der Zei­tung der Fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz, nicht mehr der Fall.

Statt einer Begrün­dung für die­se Behaup­tung führt La Croix die eine omni­prä­sen­te Ver­pflich­tung zum „Dia­log“ ins Feld: „Gäbe es in einem Kon­text, wie dem heu­ti­gen, nicht mehr Nut­zen im Dia­log als in der Ver­ur­tei­lung?“ Um die beschürz­ten Brü­der aus der selbst­ge­wähl­ten Kir­chen­fer­ne zu „befrei­en“, wird von der Tages­zei­tung auf das „Hei­li­ge Jahr der Barm­her­zig­keit“ ver­wie­sen: „War­um nicht aus Anlaß des Jah­res der Barm­her­zig­keit end­gül­tig die­se Beschul­di­gung von der ‚schwe­ren Sün­de‘ eliminieren?“

Der Tages­zei­tung der Fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz fällt kein Grund ein, war­um die Frei­mau­rer exkom­mu­ni­ziert sein soll­ten. Um genau zu sein, unter­nimmt die Zei­tung erst gar kei­nen Ver­such, einen Grund zu nen­nen. Sie ver­weist ledig­lich auf eine „Ver­gan­gen­heit“, die nun nicht mehr gege­ben sei, ohne zu erklä­ren, wann sich was und war­um geän­dert haben soll.

„Dabei ist die Ant­wort ganz ein­fach. Der Vor­wurf der schwe­ren Sün­de kann nicht eli­mi­niert wer­den, weil sich die Frei­mau­re­rei weder geän­dert hat noch je etwas unter­nom­men hat, um sich zu ändern. Ihr Ziel ist nach wie vor die Zer­trüm­me­rung der orga­ni­schen und natür­li­chen Gesell­schaft. Sie unter­stützt dazu Posi­tio­nen und Ver­hal­tens­wei­sen, die aus ethi­scher und sozia­ler Sicht mit dem katho­li­schen Glau­ben abso­lut unver­ein­bar sind und die­sem viel­mehr erklär­ter­ma­ßen wider­spre­chen, wie Schei­dung, Abtrei­bung, Homo­se­xua­li­tät, Gen­der-Ideo­lo­gie, Eutha­na­sie und ande­re mehr“, so Cor­ris­pon­den­za Roma­na.

Wenn sich die Distanz ver­rin­gert habe, dann nur, weil pro­gres­si­ve Teil der Kir­che sich mit ihren „Öff­nun­gen“ den Posi­tio­nen der Logen ange­nä­hert hät­ten, „falls die­se nicht über­haupt in eine töd­li­che Umar­mung führten“.

Die am 28. April 1738 von Papst Cle­mens XII. mit der Bul­le In emi­nen­ti aus­ge­spro­che­ne Ver­ur­tei­lung habe nichts an von ihrer Gül­tig­keit ver­lo­ren. Vor allem aber las­se sie kei­nen Platz für Zwei­fel. „Es wäre nicht schlecht, wenn man das auch in der Tages­zei­tung der fran­zö­si­schen Bischö­fe beach­ten und viel­leicht bei Gele­gen­heit die­se Bann­bul­le nach­le­sen wür­de“, so Cor­ris­pon­den­za Roma­na.

Wiens Dompfarrer Toni Faber und seine beschürzten Brüder

Zu jenen, die sich über die gel­ten­de Ver­ur­tei­lung der Frei­mau­re­rei hin­weg­set­zen, gehört der Wie­ner Dom­pfar­rer Msgr. Toni Faber. 2010 war er zusam­men mit dem ehe­ma­li­gen Groß­mei­ster der Öster­rei­chi­schen Groß­lo­ge zu Gast beim pri­va­ten Fern­seh­sen­der TW1.

Auf die Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on und die Exkom­mu­ni­ka­ti­on bei Ein­tritt in eine Loge ange­spro­chen, erklär­te Dom­pfar­rer Faber: statt mit Kar­di­nal Ratz­in­ger hal­te er es „lie­ber mit dem Kar­di­nal König“. In Öster­reich sei es „Gott sei Dank, immer so“ gewe­sen, „daß Frei­mau­rer, die den Kar­di­nal König gefragt haben: ‚Ist es für mich als auf­rich­ti­gen Katho­li­ken erlaubt, in der Loge zu sein‘, von ihm immer die Zustim­mung erhal­ten haben“.

Faber ver­mit­tel­te den Ein­druck, als sei die Hal­tung zur Frei­mau­re­rei per­sön­li­che Ermes­sens­sa­che. Die „Zustim­mung“, die Kar­di­nal König laut Faber erteil­te, war jedoch null und nich­tig, weil er kei­ner­lei Zustän­dig­keit dafür hatte.

Faber frei­mü­ti­ge Dar­stel­lung ver­deut­licht, daß kirch­li­che Bestim­mun­gen bis in die höch­sten Stel­len hin­ter­trie­ben wer­den. Faber konn­te sich in der Sen­dung sei­ner per­sön­li­chen Kon­tak­te zu „vie­len“ Frei­mau­rern, die er aus­nahms­los als „über­zeug­te Katho­li­ken“ bezeich­ne­te,  nur des­halb rüh­men, weil er sich offen­bar sicher sein konn­te, von vor­ge­setz­ter Stel­le nichts befürch­ten zu müssen.

Die behaup­te­te Harm­lo­sig­keit der Logen wur­de von Toni Faber 2010 wie nun von La Croix so weit getrie­ben, daß man sich fra­gen könn­te, war­um es angeb­lich „auf­rich­ten“ und „über­zeug­ten Katho­li­ken“ wich­tig ist, im Unge­hor­sam zur eige­nen Kir­che zu leben, um einem angeb­lich so harm­lo­sen Ver­ein anzugehören.

Das Video der Sen­dung mit Dom­pfar­rer Faber, zunächst auf You­tube ver­öf­fent­licht, dort inzwi­schen aber gelöscht, kann noch bei Gloria.tv abge­ru­fen werden.

Text: Giu­sep­pe Nardi

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