Der Kommissar geht um — Kardinal Braz de Aviz und die Franziskaner der Immakulata

Kardinal Braz de Aviz und Papst Franziskus
Kardinal Braz de Aviz bei Papst Franziskus

(Rom) Kar­di­nal Joao Braz de Aviz, der Prä­fekt der römi­schen Ordens­kon­gre­ga­ti­on gewähr­te SIR, dem Pres­se­dienst der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, ein Inter­view. Dabei wur­de ihm auch eine Fra­ge zum Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta gestellt, der seit August 2013 unter kom­mis­sa­ri­scher Kon­trol­le steht. Es ist das erste Mal, daß der Kar­di­nal dazu Stel­lung nimmt. Wer sich Auf­klä­rung erhofft, wird jedoch ent­täuscht sein. Es han­delt sich um ein Gefäl­lig­keits­in­ter­view. Den­noch lohnt sich ein zusam­men­fas­sen­der Über­blick.

Der Kar­di­nal hat­te im Juli 2013 mit päpst­li­cher Zustim­mung das Dekret unter­zeich­net, mit dem der Ordens­grün­der und Gene­ral­obe­re, Pater Ste­fa­no Maria Manel­li, sowie die gesam­te Ordens­lei­tung abge­setzt, ein Apo­sto­li­scher Kom­mis­sar ein­ge­setzt und der im Orden gel­ten­de über­lie­fer­te Ritus abge­schafft wur­de.

Offi­zi­ell wur­den bis heu­te kei­ne Grün­de für den dra­sti­schen Ein­griff in den bis dahin blü­hen­den Orden genannt. Der bra­si­lia­ni­sche Pur­pur­trä­ger hat nie öffent­lich zur Fra­ge Stel­lung genom­men.

„Die Kunst des Sterbens lernen“ versus Ausnahmeerscheinung

Zur Lage des katho­li­schen Ordens­we­sen sag­te Braz de Aviz nun im Inter­view:

„In Euro­pa und in den rei­chen Län­dern begann sich die Über­zeu­gung aus­zu­brei­ten, daß die histo­ri­schen Cha­ris­men an ihr Ende gelangt sei­en. An den Uni­ver­si­tä­ten, beson­ders in Rom, hieß die Paro­le: ‚Die Kunst des Ster­bens ler­nen‘. Es stimmt: vie­le Klö­ster schlie­ßen, die Beru­fungs­kri­se hält an, die Über­al­te­rung der Ordens­leu­te ist real.“

Durch das Jahr des geweih­ten Lebens (Advent 2014 bis Dar­stel­lung des Herrn 2016) habe sich aber die „Wahr­neh­mung, am Ende einer Geschich­te ange­langt zu sein, gewan­delt. Jetzt gibt es Hoff­nung, und das ist die schön­ste Frucht des Jah­res. Wir dür­fen uns nicht an die bereits erreich­ten Posi­tio­nen klam­mern oder ange­sichts der enor­men Schwie­rig­kei­ten den Weg ver­lie­ren“.

Ordensgründer P. Manelli zelebrierte unter Benedikt XVI. in der Lateranbasilika im überlieferten Ritus
Ordens­grün­der P. Manel­li zele­brier­te unter Bene­dikt XVI. in der Late­ran­ba­si­li­ka im über­lie­fer­ten Ritus

Der Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta war eine Aus­nah­me­erschei­nung. Ein jun­ger, erst 1990 kano­nisch errich­te­ter Orden. Die­se fran­zis­ka­ni­sche Erneue­rungs­be­we­gung woll­te als Ant­wort auf die Kir­chen­kri­se nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zur Stren­ge der ursprüng­li­chen Ordens­re­gel zurück­keh­ren. Das Armuts­ge­lüb­de war kei­ne Flos­kel, son­dern geleb­tes Cha­ris­ma. Der Orden war der Tra­di­ti­on und dem über­lie­fer­ten Ritus ver­pflich­tet. Im Gegen­satz zur ver­brei­te­ten Beru­fungs­kri­se war der Orden reich an Beru­fun­gen sowohl für den männ­li­chen als auch für den weib­li­chen Zweig. Er konn­te von ande­ren Orden auf­ge­ge­be­ne Klö­ster wie­der­be­le­ben und die Betreu­ung von Mari­en­wall­fahrts­or­ten über­neh­men.

Ab 2008 wur­de die Lit­ur­gie im Orden in der über­lie­fer­ten Form, in der Seel­sor­ge hin­ge­gen in bei­den For­men des Römi­schen Ritus zele­briert. Damit wur­de der Orden von Bischö­fen auch in der Pfarr­seel­sor­ge ein­ge­setzt. Durch den Wech­sel von einem neu­ri­tu­el­len zu einem alt­ri­tu­el­len Orden stell­ten die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta in der Katho­li­schen Kir­che eine viel­ver­spre­chen­de Neu­heit dar.

Das Trümmerfeld von Kommissar Volpi

Das hat­te aller­dings zur Fol­ge, daß sie der Ordens­kon­gre­ga­ti­on von Kar­di­nal Braz de Aviz und nicht der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei für die Gemein­schaf­ten des über­lie­fer­ten Ritus unter­stan­den. Was unter dem Wohl­wol­len von Papst Bene­dikt XVI. zu einem Modell für jun­ge Ordens­leu­te alter Orden zu wer­den schien, die sich in einer teils schwe­ren Beru­fungs­kri­se befin­den, wur­de unter Papst Fran­zis­kus nur weni­ge Mona­te nach des­sen Amts­an­tritt zum Paria erklärt.

Der erste, inzwi­schen ver­stor­be­ne Kom­mis­sar, der Kapu­zi­ner Fidenzio Volpi (August 2013–Juni 2015) hin­ter­ließ ein Trüm­mer­feld: auf­ge­ho­be­ne Klö­ster, Abzug aus gan­zen Diö­ze­sen, Auf­ga­be von Wall­fahrts­kir­chen, Schlie­ßung des ordens­ei­ge­nen Prie­ster­se­mi­nars, dis­zi­pli­na­ri­sche Maß­nah­men, Sus­pen­die­run­gen, Ein­schüch­te­rung und Dro­hung, ein­schließ­lich der Ver­brei­tung gericht­lich fest­ge­stell­ter Lügen über den Ordens­grün­der und die alte Ordens­lei­tung, (wofür er zur Zah­lung von 20.000 Euro ver­ur­teilt und die vom Kom­mis­sar vor Gericht gebrach­te Fra­ge zugun­sten von Pater Manel­li und der mit dem Orden ver­bun­de­nen Lai­en­or­ga­ni­sa­tio­nen ent­schie­den wur­de).

Da Kar­di­nal Braz de Aviz bis­her nicht zum The­ma Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta Stel­lung nahm, erstaunt es nicht, daß es sich beim SIR-Inte­riew um ein Gefäl­lig­keits­in­ter­view han­delt. Die ein­zi­ge Fra­ge zum geschun­de­nen Orden will nur die jüng­ste Ver­leum­dungs­kam­pa­gne gegen den weib­li­chen Zweig der Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta unter­stüt­zen, die am 4. Novem­ber 2015 vom Cor­rie­re del­la Sera los­ge­tre­ten wur­de.

Das „andere“ Milieu und die innere Feindseligkeit

Zahlreiche Berufungen für apostolischen und kontemplativen weiblichen Zweig
Zahl­rei­che Beru­fun­gen für apo­sto­li­schen und kon­tem­pla­ti­ven weib­li­chen Zweig

Im Juli 2013 war die Ordens­lei­tung abge­setzt und der männ­li­che Zweig unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung gestellt wor­den. Der weib­li­che Zweig hat­te indi­rekt dar­un­ter zu lei­den, da er für Seel­sor­ge und Lit­ur­gie auf den männ­li­chen Zweig ange­wie­sen ist. Da die Ordens­schwe­stern am über­lie­fer­ten Ritus fest­hiel­ten, den Ordens­brü­dern die­ser aber von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on rechts­wid­rig unter­sagt und an eine Son­der­ge­neh­mi­gung gekop­pelt wor­den war, fehl­te es nicht an Span­nun­gen und see­li­schem Lei­den.

Am 19. Mai 2014 ord­ne­te Kar­di­nal Braz de Aviz eine Visi­ta­ti­on des weib­li­chen Zwei­ges an. Wie Kom­mis­sar Fidenzio Volpi, der Gene­ral­se­kre­tär der ita­lie­ni­schen Supe­rio­ren­kon­fe­renz, ein erklär­ter Geg­ner des über­lie­fer­ten Ritus war, stammt auch die Apo­sto­li­sche Visi­ta­to­rin, Sr. Fer­nan­da Bar­bie­ro, aus einem Milieu, das jenem der Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt ist. Bei der Ernen­nung von Visi­ta­to­ren oder Kom­mis­sa­ren ist es üblich, Per­so­nen zu beauf­tra­gen, die eine gewis­se Sen­si­bi­li­tät für den zu visi­tie­ren­den Orden haben, da es um Ver­trau­en und die Bes­se­rung even­tu­el­ler Män­gel geht, nicht um Gegen­satz und Kon­fron­ta­ti­on. Doch weder bei Pater Volpi noch Schwe­ster Bar­bie­ro, der Ver­tre­te­rin einer „femi­ni­sti­schen Theo­lo­gie“, konn­te von die­ser Sen­si­bi­li­tät eine Rede sein.

Als Sr. Bar­bie­ro nach einem Jahr ihren Visi­ta­ti­ons­be­richt ablie­fer­te, hat­te sie den­noch nichts gefun­den, was zu bean­stan­den gewe­sen wäre. Katholisches.info schrieb damals:

„Die gute Nach­richt nach einem Jahr der Visi­ta­tio­nen: gegen den jun­gen Frau­en­or­den der Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta liegt nichts vor. Die schlech­te Nach­richt: er wird den­noch unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung gestellt.“

„Reichtümer des Konzils nicht ausreichend assimiliert“

Kar­di­nal Braz de Aviz ernann­te am 12. Okto­ber 2015 auch für die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta eine Apo­sto­li­sche Kom­mis­sa­rin. Nach dem männ­li­chen Zweig begann damit auch für den weib­li­chen Zweig die Umer­zie­hung. Kar­di­nal Braz de Aviz sprach mehr­fach von „Nor­ma­li­sie­rung“. Im Gegen­satz zum ersten Kom­mis­sars­de­kret vom Juli 2013 wur­de im neu­en Kom­mis­sars­de­kret ein Grund für den radi­ka­len Vor­ge­hen der Ordens­kon­gre­ga­ti­on ange­deu­tet. Die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta wur­den unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung gestellt, weil sie die „Reich­tü­mer des Kon­zils nicht aus­rei­chend assi­mi­liert“ hät­ten.

Ordinationen im männlichen Zweig
Beru­fungs­blü­te inmit­ten der Beru­fungs­kri­se

Damit bestä­tig­te Kar­di­nal Braz de Aviz mit mehr als zwei­jäh­ri­ger Ver­spä­tung, was bereits 2013 ver­mu­tet, aber offi­zi­ell bestrit­ten wor­den war (Kom­mis­sar Volpi bezich­tig­te inof­fi­zi­ell den Orden „kryp­to-lef­eb­vria­nisch, jeden­falls tra­di­tio­na­li­stisch“ zu sein, Kuri­en­erz­bi­schof Car­bal­lo, der Sekre­tär der Ordens­kon­gre­ga­ti­on, behaup­te­te — eben­so inof­fi­zi­ell — einen „Man­gel an Treue zum Kon­zil“). Der Ein­griff rich­tet sich gegen die vom Orden geleb­te Tra­di­ti­on und den über­lie­fer­ten Ritus. Ein offen­bar von man­chen in der Kir­che als „gefähr­lich“ emp­fun­de­nes Modell soll­te zer­schla­gen wer­den. Wäh­rend die libe­ra­len, neu­ri­tu­el­len Orden wegen der Beru­fungs­kri­se einem Siech­tod ent­ge­gen­ge­hen, erleb­te dane­ben ein stren­ger, tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner und alt­ri­tu­el­ler Orden eine Beru­fungs­blü­te. Das war für man­che in der Kir­che wie eine Faust­schlag und daher uner­träg­lich. Seit dem zwei­ten Kom­mis­sars­de­kret steht auch fest, daß die Ordens­kon­gre­ga­ti­on aus ideo­lo­gi­scher Abnei­gung gegen die Tra­di­ti­on han­delt, jener „ideo­lo­gi­schen Moti­va­ti­on“, die Papst Fran­zis­kus mehr­fach aus­ge­rech­net tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken vor­hielt.

Medienkampagne als Begleitmusik

Die Ernen­nung einer Kom­mis­sa­rin für die bis­her noch eini­ger­ma­ßen ver­schont geblie­be­nen Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta löste neue Erre­gung im gläu­bi­gen Volk aus und rief die Ein­grif­fe gegen den männ­li­chen Zweig wie­der in Erin­ne­rung. Infor­mier­te Katho­li­ken kön­nen die Ver­bis­sen­heit bei der Ver­fol­gung eines Ordens nicht ver­ste­hen, der alles erfüll­te, was die Ordens­kon­gre­ga­ti­on eigent­lich zur höch­sten Freu­de ver­an­las­sen müß­te. Wohl des­we­gen setz­te als Begleit­mu­sik Anfang Novem­ber eine wie bestellt kom­men­de Medi­en­kam­pa­gne gegen die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta ein mit Schau­er­ge­schich­ten über den weib­li­chen und den männ­li­chen Zweig, wie sie aus ver­gleich­ba­ren Kam­pa­gnen der 80er Jah­re gegen das Opus Dei, der 90er Jah­re gegen das Engel­werk, die Auer­ba­cher Schul­schwe­stern und ande­re katho­li­sche Gemein­schaf­ten bekannt sind.

Die gewünsch­te SIR-Fra­ge an Kar­di­nal Braz de Aviz lau­te­te:

SIR: Und der Fall der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta? Vie­le Men­schen irri­tie­ren die Nach­rich­ten über mit Blut geschlos­se­ne Pak­te, Brand­zei­chen …

Kar­di­nal Braz de Aviz: Wir arbei­ten mit Hart­näckig­keit, weil die Fehl­lei­tun­gen ernst sind. Das schreck­li­che Blut­ge­lüb­de wur­de von Papst Fran­zis­kus auf­ge­ho­ben. Ste­fa­no Manel­li ist ent­fernt wor­den. Die öko­no­mi­sche Fra­ge befin­det sich in den Hän­den der ita­lie­ni­schen Justiz. Die Aus­bil­dung wur­de den päpst­li­chen Uni­ver­si­tä­ten und aner­kann­ten Zen­tren über­tra­gen. Es gibt drei Kom­mis­sa­re, die das Insti­tut auf den Weg der Nor­ma­li­sie­rung füh­ren. Das wird erst der Fall sein, wenn es Ver­än­de­run­gen gibt: nicht alle sind aber damit ein­ver­stan­den. Wir ver­trau­en dar­auf, daß sich etwas rührt. Sicher ist, daß Ste­fa­no Manel­li nicht mehr blei­ben kann.

Die falschen Fragen

Im wei­te­ren Inter­view spricht der Kar­di­nal über die Lösung der Beru­fungs- und Ordens­kri­se und for­der­te dabei, was den mis­sio­na­ri­schen Auf­trag betrifft, genau das, was die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta getan haben. Der Wider­spruch scheint dem Kar­di­nal dabei nicht auf­zu­fal­len. „Wir hät­ten vie­le Kri­sen in unse­ren Orden über­wun­den, wenn wir in die Mis­si­on gegan­gen wären. Wir haben es getan, aber nicht aus­rei­chend“, so Braz de Aviz. Der­sel­be zwingt den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta eine „Nor­ma­li­sie­rung“ auf, die Unter­ord­nung unter eine bestimm­te Sicht des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und den neu­en Ritus, ohne sich die Fra­ge zu stel­len, ob die Ursa­chen für die Ordens­kri­se nicht viel­leicht gera­de in die­ser „Nor­ma­li­sie­rung“ zu suchen sind. Von der Beru­fungs­kri­se sind alte und jün­ge­re Orden betrof­fen, nicht aber jene Orden, die die „Nor­ma­li­tät“ über­win­den und mit Stren­ge und Ernst­haf­tig­keit den Weg des gott­ge­weih­ten, mona­sti­schen und gemein­schaft­li­chen Lebens gehen. An der Spit­ze der Ordens­kon­gre­ga­ti­on will man sich der­zeit offen­bar die fal­schen Fra­gen stel­len, was sich unwei­ger­lich auf die Lösungs­vor­schlä­ge aus­wirkt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Chiesa e post­con­ci­lio

22 Kommentare

  1. Auch nach der Nie­der­wer­fung des Pra­ger Früh­lings spra­chen die neu­en Macht­in­ha­ber von der „Nor­ma­li­sie­rung“, d. h. von der Rück­kehr zum ortho­do­xen Kom­mu­nis­mus. Hier ist es ähn­lich: Papst Bene­dikt XVI. war zu einem gewis­sen Grad ein Alex­an­der Dubcek der Kir­che. Er erkann­te, dass man mit Bru­tal­mo­der­nis­mus nicht mehr wei­ter kommt und ver­such­te — wenn auch unaus­ge­spro­chen — einem Moder­nis­mus mit mensch­li­chem Ant­litz, sprich einem Reform­mo­der­nis­mus den Weg zu ebnen, ohne jedoch mit dem 2. Vati­ka­num und des­sen angeb­li­chen Früch­ten und Schät­zen zu bre­chen. Unter Ber­go­glio ist die­ser römi­sche Früh­ling lei­der zu einem Ende gekom­men, in der Kir­che herrscht die alt­li­be­ra­le Eis­zeit der unmit­tel­ba­ren post­kon­zi­lia­ren Ära.

    • Don Qui­jo­te, sehr rich­tig. Aller­dings könn­te es sich kein Papst unter den gegen­wär­ti­gen Macht­ver­hält­nis­sen in der kon­zi­lia­ren Kir­che erlau­ben, mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zu bre­chen. Er wäre weg vom Fen­ster. Und selbst der sehr schlaue und vor­sich­ti­ge Weg Ratz­in­gers, die tra­di­tio­nel­le Oppo­si­ti­on zu sam­meln (Eccle­sia Dei), ihr Raum (Summorum pon­ti­fi­cum) und eine kirch­li­che Struk­tur (geplan­tes Per­so­nal­or­di­na­ri­at der Tra­di­ti­on zusam­men mit der FSSPX) zu geben, die als Basis für eine zukünf­ti­ge Über­win­dung des Kon­zils hät­te die­nen kön­nen, erschien den alten Seil­schaf­ten in Kir­che und Gesell­schaft als so brand­ge­fähr­lich, das Ratz­in­ger vor sei­ner Zeit weg und durch einen abso­lut dumpf­backig-lini­en­treu­en Appa­rat­schik ersetzt wer­den muss­te. Die­se Abset­zung war aller­dings nur mög­lich, weil Ratz­in­gers Reform­an­satz durch die (uner­war­te­te) Zeris­sen­heit der tra­di­tio­nel­len Krei­se (Man­geln­de Gefolg­schaft und Kon­kur­renz­den­ken) und beson­ders durch das unsäg­li­che Wil­liam­son-Inter­view (welt­wei­ter media­ler Nazi-Shit­s­torm) das Genick gebro­chen wur­de. Es waren unend­lich tra­gi­sche Zei­ten damals, an deren Wei­chen­stel­lun­gen wir uns heu­te abar­bei­ten.

  2. Schon die Rede von „histo­ri­schen“ Cha­ris­men kommt aus Unver­ständ­nis und muß in die Irre füh­ren. Es sieht so aus, als wür­de man in Rom und anders­wo an ein „New Age“ glau­ben, an das begin­nen­de Was­ser­mann-Zeit­al­ter. Das ist Eso­te­rik. Abge­se­hen davon, daß das „Was­ser­mann-Zeit­al­ter“, der Was­ser­mann ist ein Luft­zei­chen, zwar nach Leich­tig­keit, Tole­ranz, Frie­den und Freu­de klingt, so ist das herr­schen­de Kenn­zei­chen doch das der Dik­ta­tur. Paßt natür­lich alles zu Fran­zis­kus.
    Und doch ist dies offen­sicht­lich kein natür­li­ches Gesche­hen, wel­ches den Aber­glau­ben bestä­ti­gen könn­te, son­dern eine Agen­da. Eine allen­falls sich selbst erfül­len­de Pro­phe­zei­ung auf­grund einer Ver­ir­rung in eso­te­ri­schem Aber­glau­ben.
    Abge­schafft also gehö­ren die Abriß­bir­nen. Abriß­bir­nen zu Pflug­scha­ren! Beackern wir die Welt mit gutem katho­li­schen Glau­ben.

  3. Es hat lei­der wie bei dem Kon­zil ver­spro­chen, kei­nen Früh­ling und kei­nen Auf-
    bruch gege­ben. Der ein­zi­ge gro­ße Auf­bruch war, als nach dem Kon­zil tau­sen­de
    Prie­ster und Ordens­leu­te welt­weit, sich in den Lai­en­stand ver­set­zen lie­ßen.
    Eine Glau­bens­kri­se setz­te ein und damit ein Rück­gang an Prie­ster und Ordens-
    gemein­schaf­ten. Die­ser gott­lo­se Trend setzt sich fort bis in unse­re heu­ti­ge
    Zeit. Aber die zustän­di­gen Auto­ri­tä­ten wol­len das nicht sehen, im Gegen­teil
    man bekämpft die tra­di­tio­nel­len, alt­ri­tu­el­len Gemein­schaf­ten. Die­se haben im
    Gegen­satz zu den Kon­zils­be­schwö­rern, regen Zulauf an Beru­fun­gen. Das wird
    ein­fach nicht zur Kennt­nis genom­men, denn es darf nicht sein, was nicht sein
    darf. So geht man einen ande­ren Weg, indem man ande­re Reli­gio­nen beweih­räu-
    chert und hofiert. So lei­det die Kir­che Got­tes Gewalt, die Sakra­li­tät schwin-
    det und macht einem pro­fa­nen Kult Platz.

  4. Ich tei­le Ihre Auf­fas­sun­gen daher will ich an die­ser Stel­le nichts wei­ter dazu sagen . Nur eine drin­gen­de Fra­ge weil ich noch nie davon gehört hat­te : was bit­te ist das „schreck­li­che Blut­ge­lüb­de „?

    • Die Behaup­tung, im Orden wür­de ein Gelüb­de mit dem eige­nen Blut geschrie­ben. Ein sol­ches Gelüb­de, gibt es im Orden aber nicht, wes­halb Papst Fran­zis­kus auch kein „Son­der­ge­lüb­de“ auf­he­ben muß­te.

      Was hin­ge­gen grund­sätz­lich in der katho­li­schen Kir­che die per­sön­li­che Abtö­tung, eine Süh­ne- und Buß­hal­tung betrifft, dazu bie­tet der Arti­kel „Die Buße — vom Him­mel erwar­tet und der Welt ver­haßt“ von Rober­to de Mattei eine klei­ne Ein­füh­rung.

      • Dan­ke, ver­ehr­ter Giu­sep­pe Nar­di — wir sehen, mit welch ver­lo­ge­nen hass­erfüll­ten Erfin­dun­gen gegen die­se Got­tes­leu­te vor­ge­gan­gen wird. Was heu­te mit Nach­druck geleug­net wird, ist der radi­ka­le Auf­ruf zur Bus­se und Umkehr, wel­cher das Evan­ge­li­um Jesu Chri­sti ein­lei­tet und bestimmt. Das ist gül­tig für alle Zei­ten bis zur Wie­der­kunft des Herrn.

      • Das soge­nann­te „votum san­gui­nis“ dürf­te aller­dings etwas mehr sein, als das Unter­schrei­ben mit dem „eige­nen Blut“. Es geht hier nicht um die Tin­ten­sor­te, son­dern dar­um, dass man schwört, sein Leben zu las­sen für die Leh­re von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis. Da der Orden sich ihr beson­ders ver­schrie­ben hat, wie der Name ja anzeigt, dürf­te eben doch ein sol­ches Gelüb­de abge­legt wer­den oder bis vor kur­zem wor­den sein!!!

        Die­se votum san­gui­nis kam bereits im Hoch­mt­tel­al­ter mit der For­de­rung nach der Dog­ma­ti­sie­rung der Imma­cu­la­ta Con­cep­tio auf. Das Dog­ma von Pius IX. hat­te eine sehr lan­ge Vor­ge­schich­te und wur­de in der Kir­che kon­tro­vers dis­ku­tiert. Der hl Tho­mas v.A. stand die­ser Leh­re aller­dings skep­tisch gegen­über.

        An der Sor­bon­ne wur­de gegen die Theo­lo­gen, die den Glau­bens­satz ablehn­ten, mehr­fach dekre­tiert. Ab 1497 wur­de für alle, die einen Abschluss machen wol­len, das besag­te „votum sang­u­nis“ ver­pflich­tend ein­ge­führt. Lehr­per­so­nen muss­ten es ohne­hin schwö­ren, sonst konn­ten sie nicht Leh­rer an der Sor­bon­ne sein.

        Die­ses „Blut­ge­lüb­de“ besag­te, dass der Eid­lei­sten­de sich ver­pflich­te­te, die Leh­re von der Imma­cu­la­ta Con­cep­tio immer und über­all zu ver­tei­di­gen. Man­che füg­ten die­sem Satz auch noch bei, dass sie dies unter Ein­satz ihres Lebens tun wür­den.

        Inter­es­sant ist, dass die Streit­fra­ge um die Imma­cu­la­ta Con­cep­tio bereits zu Beginn des 15. Jh erbit­tert auch in den Für­sten­häu­sern debat­tiert wur­de. König Alfon­so V. bat König Sigis­mund, der durch Johan­nes XXIII (+ 1415) das Kon­stan­zer Kon­zil ein­be­ru­fen ließ, die Fra­ge auf einem Kon­zil zu klä­ren. Das Kon­zil kam zustan­de, aber die Fra­ge wur­de wegen der schwer­wie­gen­de­ren ande­ren Fra­gen nicht debat­tiert.

        In den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten wur­de die Leh­re von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis von vie­len euro­päi­schen Für­sten­häu­sern mas­siv gefö­dert, es ent­stan­den zahl­rei­che Bru­der­schaf­ten, die sich unter den Schutz der Imma­cu­la­ta stell­ten und sich ihr in dem besag­ten Gelüb­de weih­ten. Ins­be­son­de­re die Jeui­ten und die Fran­zis­ka­ner leg­ten das Blut­ge­lüb­de ab.
        Ande­rer­seits muss­ten Aus­wüch­se die­ses Glau­bens durch die Inqui­si­ti­on bereits im 17. Jh auch wie­der mas­siv ein­ge­dämmt wer­den — ins­be­son­de­re bei den Fran­zis­ka­nern.

        Das Blut­ge­lüb­de wur­de weit­hin als unan­ge­mes­sen beur­teilt, weil es sich um eine theo­lo­gi­sche Mei­nung und kein Dog­ma han­de­le. Die auf Tho­mas fußen­de domi­ni­ka­ni­sche Skep­sis gegen die Leh­re hielt aller­dings noch lan­ge an, wur­de jedoch von der Riten­kon­gre­ga­ti­on immer wie­der zurück­ge­wie­sen. Im Volk erfreu­te sich die Mei­nung einer gro­ßen Beliebt­heit.
        Aller­dings wur­de das „votum san­gu­ins“ bereits zu Beginn des 19. Jh in man­chen Bis­tü­mern kir­chen­recht­lich abge­schafft.

        Es ist also hier die Fra­ge offen, was genau die Rede von dem „Blut­ge­lüb­de“ bei den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta meint.

        Die Behaup­tung, es gebe hier kein Son­der­ge­lüb­de, glau­be ich nicht — was sonst hät­te dann auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen?

        Man nen­ne end­lich Ross und Rei­ter. Wenn F. etwas auf­ge­ho­ben hat, dann muss das schrift­lich vor­lie­gen.

        Die­se schrift­li­che Vor­la­ge hät­te ich ger­ne zitiert. Erst dann wis­sen wir, was genau vor­ge­wor­fen wird. Also: Wie ist der Wort­laut der Auf­he­bung des Blut­ge­lüb­des durch F.?

        Auch die­ser Arti­kel bewegt sich weit­ge­hend auf der Meta­ebe­ne, und es wer­den kei­ne kon­k­tre­ten Fak­ten genannt — weder pro noch con­tra. Allei­ne das ist schon ver­däch­tig.

        Tat­sa­che ist aber, dass es fran­zis­ka­ni­sche Gepflo­gen­heit war und mög­li­cher­wei­se hier eben doch ist, ein sol­ches votum san­gui­nis abzu­le­gen.

  5. Die Ver­fol­gung der Fran­zis­ka­ner und der Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­cu­la­ta geht direkt auf Fran­zis­kus zurück:
    in Juli 2013 wur­de die Ordens­lei­tung der FFI abge­setzt und ein apo­sto­li­scher Visi­ta­tor ein­ge­setzt für den männ­li­chen Zweig ohne daß die Ordens- und die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on je kontaktiert/konsultiert wur­den; idem für den weib­li­chen Zweig in Dezem­ber 2013, wobei letz­te­re klag­ten und mit durch­schla­gen­den Erfolg:
    der Kar­di­nal der Apo­sto­li­schen Regi­stra­tur aner­kann­te, daß die­se Kla­ge statt­haft war weil die Schwe­ster tat­säch­lich gehört hät­ten wer­den sol­len; wenig spä­ter wur­de die­ser Kar­di­nal, S.E. Ray­mund Bur­ke, dann sei­nes Amtes ent­ho­ben und an den Mal­te­ser­or­den weg­di­ri­giert.
    Rechts­beu­gung und Intimi­die­rung wie im wil­de­sten Sta­li­nis­mus.
    Eben­so typisch wie im Sta­li­nis­mus die Dumm­heit der kol­la­bo­rie­ren­den Scher­gen:
    Ver­leum­dun­gen und Falsch­aus­sa­gen v. P. Fidenzio Volpi, ver­lo­re­ne Pro­zes­se vor ita­lie­ni­schen Gerich­te, viel Ver­tu­schen und am Ende Zuge­ben einer „klei­nen Unpäß­lich­keit“ wo Volpi eine Hirn­mas­sen­blu­tung erlit­ten hat­te und dann als apal­li­sches Syn­drom welt­weit ein­ma­lig plötz­lich wun­der­ba­re Wort­mel­dun­gen von sich gab…
    Inzwi­schen revol­tiert ein Groß­teil der ita­lie­ni­schen Katho­li­ken; vie­le Brü­der der FFI erba­ten eine Lösung ihrer Bin­dung an den Orden im jet­zi­gen Stil, was von der jet­zi­gen Lei­tung ver­wei­gert wird; zuglei­cher­zeit hat P.Volpi damals unge­fragt und nicht ein­ge­la­den vor der ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz gespro­chen und die Bischö­fe intimi­diert, kei­ne flie­hen­de Brü­der in ihre Diö­ze­se auf­zu­neh­men.
    Alles sehr detail­liert doku­men­tiert und welt­weit in die Medi­en ver­brei­tet.
    Kar­di­nal Braz do Aviz ist schon sehr lan­ge bekannt als kein gro­ßes Licht (um es höf­lich aus­zu­drücken).
    Nicht zuletzt durch sein gro­ßes kör­per­li­ches For­mat ist er der idea­le Mann, hin­ter dem die Urhe­ber die­ser skan­da­lö­sen Ver­fol­gung sich ver­stecken kön­nen.
    Das Schwei­gen der vie­len Mit­wis­ser im Vati­kan ruft nur Wal­gung auf.
    Der Skan­dal um die Behand­lung der Brü­der und Schwe­ster der FFI durch Fran­zis­kus ist die gro­ße und blei­ben­de Hypo­thek die­ses „Pon­ti­fi­kats“ und zugleich das Erbärm­lich­keits­zeug­nis erster Kate­go­rie für die vie­le schwei­gen­de Mit­läu­fer.
    Justi epu­len­tur

  6. An die­ser WILLKÜR (!) die hier vor­ge­tra­gen wird, schei­den sich die Gei­ster offen und sehr direkt und bru­tal und sie wer­den „kenntlich“…Dass aber, ist das „Gute“ hier­bei und ist auch im Neu­en Testa­ment Wort Got­tes, uns mit­ge­teilt wor­den. Auch das Mit­lei­den am „Leib Chri­stie“ somit. Ich lei­de als Laie sehr mit die­sem Orden mit (und bete bzw. bin somit auf­ge­ru­fen um Ver­söh­nung zu beten etc.) und ich kom­me ihm (IHM) somit auch näher und das bezeugt wie­der den wah­ren Geist, wie ich glau­be dort und in mir sel­ber, und das ist der Hei­li­ge Geist und nicht der von der Welt, Der „Fall“ betrifft also mich sel­ber, wo ich „ste­he“ und IHM ange­hö­re oder nicht…

  7. Der (Sünden)„Fall“ betrifft also mich stets sel­ber, wo und wie ich vor Gott (und den Men­schen) für Gott (ein) „ste­he“ und IHM ange­hö­re, oder nicht…

  8. Die Geschich­te zeigt aber eines deut­lich es gab Miß­stän­de ihm Orden ein Orden der sich als Bi ritu­al ver­steht kann nicht ohne Gene­ral­ka­pi­tel mehr oder min­der mit dik­ta­to­ri­schen Metho­den alle zur Über­nah­me der alten Lit­ur­gui zu zwin­gen die Fran­zis­kan­ner sind kei­ne ED Gemein­schaft und der größ­te Feh­ler war das Gere­de von BXVI von der Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät erst zu neh­men und theo­lo­gisch in die Rich­tung zu arbei­tet
    was die Blut Pakt Geschich­ten ect betrifft so etwas muß abge­stellt wer­den sol­che Idio­ti­en sind Kin­der­krank­hei­ten von neu­en Gemein­schaf­ten

  9. Sehr geehr­ter Herr @Thoma Kovacs,
    Wenn Pro­ble­me oder Schief­la­gen in einer Gemein­schaft oder einem Orden auf­tre­ten, muß sorg­fäl­tig unter­sucht wer­den und ggf. in Anschluß geeig­ne­te Maß­nah­men ergrif­fen wer­den.
    Dann sind die Kon­gre­ga­ti­on für die Orden und bei Glau­bens­sa­chen die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on invol­viert; und die­se ver­fü­gen über die gro­ße not­wen­di­ge Erfah­rung in der Behand­lung sol­cher Fäl­le und sind ver­siert in Unter­su­chungs­me­tho­den und den not­wen­di­gen Hil­fe­stel­lun­gen.
    Dies fehlt in dem Fall der FFI total.
    Im Übri­gen geht man in einen Orden oder in eine Gemein­schaft frei­wil­lig hin­ein; dik­ta­to­ri­al wird da nichts auf­ge­legt;
    und die Mön­che, Brü­der, Schwe­stern und Non­nen bekom­men eine lan­ge Vor­be­rei­tungs­zeit um sich zu ent­schei­den.
    Man weiß immer, wor­auf man sich ein­läßt- wenn man ande­res behaup­tet, belügt man zual­ler­erst sich selbst.
    Aber wie so häu­fig im Leben: es ist kei­ne Schan­de, wenn man fest­stellt daß ein Orden oder ein Kon­vent nicht zu einem pas­sen;
    nur muß man dann nicht unbe­dingt den Orden oder die Gemein­schaft oder einen Obe­ren dafür ver­ant­wort­lich machen.
    All­zu häu­fig wird die Trau­er über das Nicht-pas­sen ver­mischt oder ersetzt durch Frust und nicht sel­ten Wut und Haß auf die frü­he­re Kolleg(inn)en.
    Ganz abstrus und gefähr­lich fin­de ich die Abtren­nung und Iso­lie­rung der Eccle­sia-Dei-Gesell­schaf­ten: hier wird eine für die Kir­che sehr unge­sun­de Apart­heid kre­iert;
    bei der jet­zi­gen Ent­wick­lung im christ­li­chen West­eu­ro­pa sind es als­bald näm­lich die­se Ban­tu­stans und Reser­va­te die den Haupt­teil an geist­li­che Män­ner und Frau­en stel­len wer­den.
    Der Säku­larkle­rus in Frank­reich und Nord­bel­gi­en ist ein rasch ver­schwin­den­des Aus­lauf­mo­dell.
    Das scheint mir jedoch das end­gül­ti­ge Ziel der Moder­ni­sten und vati­ka­ni­schen Amok­läu­fern zu sein:
    das eige­ne Vehi­kel schrott fah­ren und an die Beton­wand quet­schen, und dann fest­stel­len daß „alles“ ver­lo­ren ist.
    Tibi Chri­ste sple­ndor Patris
    (für @Marienzweig: „Dir, Chri­stus, Glanz des Vaters…“-Anfang des Hym­nus für den Erz­engel St. Micha­el (Ves­per des Erz­engel­fe­stes); (sehr schön gesun­gen von der Scho­la der Abtei Font­gom­bault)

    • Naja — so ein­fach ist das alles ja nicht, da ein Aus­schei­den aus einem Orden, je län­ger einer/eine dort lebt, eine immer höhe­re psy­chi­sche und sozia­le Hür­de zu über­win­den hat. Nach 20 Jah­ren wie­der zurück­zu­keh­ren in die Welt — das ist fast unmög­lich. Und Opfer kata­stro­pha­ler ordens­in­ter­ner Struk­tu­ren gab es schon vor Jahr­hun­der­ten. Und eine Poli­tik des Ver­schwei­gens und Schön­re­dens gab es eben­so lang.
      Und natür­lich gibt es auch immer unge­eig­ne­te Leu­te, aber die sind ja lei­der stets beson­ders kar­rie­rein­ter­es­siert und eben nicht die, die dann wie­der gehen…

      Oft durch­schaut ein anfangs enthu­sia­sti­scher Novi­ze die Tie­fen­struk­tur gar nicht und erfährt das erst im Lauf der Jah­re. Vie­le, sehr vie­le sind erst nach 10 oder 15 Jah­ren all­mäh­lich auf­ge­wacht, und es haben sich auch in der angeb­lich so guten alten Zeit gera­de in Klö­stern gan­ze Dra­men der Ver­lo­gen­heit und Heu­che­lei und Gewalt­tä­tig­keit abge­spielt.

      Stell­ver­tre­tend sei da an die inzwi­schen selig­ge­spro­che­ne Rosa Flesch erin­nert.

      Da ich inzwi­schen eini­ge grau­en­haf­te Sze­ne­rien erfah­ren habe, auch von eng­sten Ver­wand­ten, bin ich bei den FI wei­ter­hin miss­trau­isch.

      Immer­hin hat­ten wir doch gera­de neu­lich einen so posi­ti­ven Bericht über die­ses spa­ni­sche alt­ri­tu­el­le Ordens­haus https://www.katholisches.info/2016/02/03/gebet-um-heilige-priester-altritueller-orden-wird-50/, das offen­sicht­lich über­haupt nicht behel­ligt wird.

      Wir wis­sen immer noch nicht, was hier eigent­lich genau läuft und nie­mand sagt es uns — auch der Arti­kel hier nicht. Mir feh­len ein­fach die kon­kre­ten Abläu­fe und Fak­ten.

      • Es hat von in der Anfangs­zeit bei den Fran­zis­ka­ni­schen Bewe­gung Aus­ein­an­dr­set­zun­gen zwi­schen einer­seits Kon­ven­tua­len und ander­seits Observanten,Rigoristen, Fra­ti­zel­len usw. gege­ben; und Wei­ter­ver­zwei­gung bei den Ter­tia­ri­ern, dem Drit­ten Orden f. Lai­en, auch z.B. bei den Kapu­zi­nern (wovon in der Anfangs­zeit inter­es­san­ter­wei­se eini­ge füh­ren­de Per­so­nen pro­te­stan­tisch wur­den, so wur­de der Ordens­lei­ter Ber­nar­do Och­i­no kal­vi­nist).
        Es gibt sehr vie­le fran­zis­ka­ni­sche Klöster/Konvente/Häuser und Rich­tun­gen in Ita­li­en, und sie tun sich nach dem Kon­zil über­all schwer.
        Die Fran­zis­ka­ner und die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­cu­la­ta dage­gen flo­rie­ren und blü­hen, und wohl durch ihre ganz eige­ne Spi­ri­tua­li­tät und die Rück­be­sin­nung auf die Alte Lit­ur­gie.
        Moder­ne fran­zis­ka­ni­sche Häu­ser gibt es in Über­fluß; sie wer­den immer wie­der geschlos­sen, „unter Schmer­zen der Ordens­lei­tung und des (jewei­li­gen) Bis­tums“.
        War­um gera­de die FFI so flo­rie­ren und Nach­wuchs haben, und die Ande­ren nicht: die Fra­ge will Kard. Braz do Aviz natür­lich nicht beant­wor­ten, ist die Ant­wort dar­auf doch zuglei­cher­zeit die Bank­rott­erklä­rung für die post­kon­zi­liä­ren Kir­che.
        (Das nota­be­ne v. Wal­ter Kas­per her­aus­ge­ge­be­ne Lexi­kon f. Theo­lo­gie und Kir­che (Aus­ga­be 1993.2001) ver­mel­det übri­gens daß schon bei sei­ner Ver­öf­fent­li­chun 1963 „Per­fec­tae cari­ta­tis“ als unge­nü­gend ange­se­hen wur­de).
        Jun­ge Orden und Gesell­schaf­ten sind sehr häu­fig stark geprägt von ihrem Gründer(in): star­ke spi­ri­tu­el­le Natu­ren haben es immer schwer mit der hier­ar­chi­schen Füh­rung der Kir­che: St. Fran­zis­kus v. Assi­si, St. Igna­ti­us von Loyo­la, St. Bern­har­dus v. Clairvaux, die Hl. The­re­sa v. Avi­la…
        Die Kir­chen­ge­schich­te gibt einem da die Erfah­rung und die Weis­heit, die unter­schied­li­che Gei­ster zu unter­schei­den.
        Bei den FFI wird statt­des­sen ein Ver­nich­tungs­feld­zug in sta­li­ni­stisch-pero­ni­sti­scher Facon durch­ge­führt.
        Die Put­schi­sten sind nur an die bis­her reich­li­che finan­zi­el­le Unter­stüt­zung durch die Freun­de und die Sym­pa­thi­san­ten der FFI inter­es­siert.
        85 % dr Brü­der ste­hen übri­gens hin­ter P. Ste­fa­no Manel­li FI.
        Ganz schä­big: hoch­be­tagt und lei­dend an schwe­rer Emphy­sem­bron­chi­tis wur­de er äusserst lang in Haus­ar­rest gehal­ten im rau­hen Gebirgs­kli­ma; sein Gesund­heits­zu­stand ver­schlech­ter­te sich rapi­de; nach­dem der Wider­stand gegen den Amok­lauf v. FRan­zis­kus hard­näckig war, stets grö­ßer wur­de und die Pro­te­ste lau­ter, und der Kom­mis­sar Volpi die eine juri­sti­sche Nie­der­la­ge nach der ande­ren ein­stecken muß­te, war der Vati­kan gezwun­gen in aller Eile den schwer­kran­ken P.Manelli FI nach einem kli­ma­tisch viel mil­de­ren Ort zu ver­le­gen, damit er nicht dort im Gebir­ge nicht als Mär­ty­rer ster­be.
        (Ein Schelm, wer jetzt an die Zurück­ho­lung v. Nel­son Man­de­la von dem Rob­ben­eiland in Süd­afri­ka denkt).

      • (Finis)
        @zeitschnur,
        Auf der Home­page des fran­zö­si­schen Districts der FSSPX fin­den Sie links b auf dem Ban­ner „ordes reli­gieu­ses“ mit der „bran­che mas­cu­li­ne et féminine“ des „reli­gieux por le rite latin“.
        Bei den Män­nern sehr inter­es­sant die Capu­cins (Pater Régis de cac­quer­ay ver­zich­te­te vor kur­zem auf eine füh­ren­de Posi­ti­on im fran­zö­si­schen Distrikt um hier ein­zu­tre­ten);
        bei den Frau­en haben es mir per­sön­lich die kon­tem­pla­ti­ve Domi­ni­ka­ne­rin­nen v. Avril­lé ange­tan, und wohl ganz beson­ders das neugebaute/renovierte Klo­ster- man kann sich übri­gens in Deutsch­land ein Bei­spiel neh­men an die finan­zi­el­le Groß­zü­gig­keit womit die Gläu­bi­gen dort soviel bewe­gen.

      • „Wir wis­sen immer noch nicht, was hier eigent­lich genau läuft und nie­mand sagt es uns – auch der Arti­kel hier nicht. Mir feh­len ein­fach die kon­kre­ten Abläu­fe und Fak­ten.“

        Das scheint Sie aber bspw. am mun­te­ren Kol­por­tie­ren von Ber­gers Gerüch­ten bezüg­lich der Grün­de von Ratz­in­gers Amts­ver­zicht nicht zu hin­dern. Heuch­ler!

    • @Zeitschnur,
      Das Leben in einem Orden/Gemeinschaft ist ein ganz spe­zi­el­ler Weg um Gott zu suchen, Gott zu fin­den und sehr spe­zi­ell Unse­ren Herrn Jesus Chri­stus nach­zu­fol­gen.
      Eine Abtei/Kloster/Konvent/Kommunität ist kei­ne psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Pra­xis und kei­ne psych­ia­tri­sche Anstalt.
      Man ist erst inter­es­siert und neu­gie­rig, erst Gast, dann Kandidat(in), dann Novi­ze und dann kom­men erst die zeit­li­che und dann erst, recht spät, die ewi­ge Gelüb­de; und letz­te­re kön­nen bei Zwei­fel ein oder zwei­mal ver­scho­ben wer­den.
      Eilig ist da nichts sehr viel Zeit für Rei­fe und Über­le­gung auch;
      aber ent­schei­den muß man sich- genau­so wie bei der Ehe.
      Sehr auf­fal­lend bei aus­ge­tre­te­nen Patres/Mönchen ist, wie häu­fig sie stets wie­der beto­nen wie prä­gend die dama­li­ge Jah­ren waren- und dann kommt fast immer sofort im Anschluß die Weh­kla­ge, daß so wenig für die Sozi­al­ver­si­che­rung gezahlt wur­de.
      (Wie das übri­gens für ausländischeMönche/Nonnen in einem drit­ten Land aus­sieht, weiß ich nicht).
      So tief ist die „Lösung von den irdi­schen Gütern“ dann doch nicht im Men­schen ver­an­kert.
      Es liegt jedoch in der mensch­li­chen Natur um alle Unbill, beson­ders psy­chi­sche Schwä­che und sozia­le Feh­ler, bei den ande­ren, beson­ders beim Umfeld und dem unmit­tel­ba­ren sozia­len Rah­men zu suchen.
      Das hat jedoch mit der FFI nichts zu tun.

    • Dan­ke, @Adrien Antoi­ne,
      für Ihre ste­ten Über­set­zun­gen.
      Auf you­tube bin ich lei­der nicht fün­dig gewor­den, was Ihren Hin­weis auf die Scho­la der Abtei Font­gom­bault („Chri­stus, Glanz des Vaters“) betrifft.

  10. @Thomas Kovacs: Wenn jemand dik­ta­to­ri­sche Metho­den anwen­det, dann ist es der „Papst“ F. in Rom. Die­ser fun­giert näm­lich als intri­gan­ti­scher Aktio­nist. Und in die­ser „Funk­ti­on“ ragt er der­zeit wie die Spit­ze eines Eis­ber­ges über alle Destroy­er hin­aus!

  11. Hoch­ge­ehr­te @Marienzweig,
    Wenn man bei Goog­le/­web-suche „You­tube Tibi Chri­ste sple­ndor Patris“ ein­gibt, bekommt man eine Liste mit Musik­stücken;
    die erste 2 sind „…Inno gregoriano…Vianini“: de Hym­nus v. St.-Michael, gesun­gen door Gio­van­ni Via­ni­ni aus Mai­land (genau: er wur­de vor 2 Mona­ten aus der Hei­mat­ba­si­li­ka mit sei­ner alt­ge­dien­ten Scho­la her­aus­ge­wor­fen);
    rechts oben in dem Bal­ken mit son­sti­gen Vor­schlä­gen ist ganz oben der glei­che Hym­nus (gepo­stet von Edu­ar­d­oSV), unter dem Mot­to Catolicovaticano.com: hier singt die Scho­la v. Font­gom­bault in ihrer Spit­zen­zeit (ca. Mit­te der 80er Jah­ren- die CD wur­de 1990 gemacht als Vor­be­rei­tung des 900-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums der Abtei (1091–1991).
    Fan­ta­sti­sche Stim­men!

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