Höchststand der päpstlichen Popularität – Tiefststand der Beichtzahlen

Beichtstuhl im Petersdom
Beichtstuhl im Petersdom

(Rom) Die zum Jah­res­schluß von Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein als Prä­fekt des Päpst­li­chen Hau­ses gewohn­heits­ge­mäß ver­öf­fent­lich­ten Teil­neh­mer­zah­len bei den päpst­li­chen Gene­ral­au­di­en­zen, sorg­ten für Auf­se­hen und berei­ten seit­her nicht nur in Rom eini­ges Kopf­zer­bre­chen. Die Prä­fek­tur leg­te schwarz auf weiß die Zah­len vor, daß der seit 2013 viel­be­schwo­re­ne „Fran­zis­kus-Effekt“ aus­bleibt. Die Zahl der Beich­ten­den erreicht in Rom einen Tiefst­stand, wäh­rend die päpst­li­che Popu­la­ri­tät ihren Höhen­flug fort­setzt.

Gegenläufige Tendenzen

Die Teil­neh­mer an den Gene­ral­au­di­en­zen am Mitt­woch gin­gen von 1.199.000 im Jahr 2014 auf 704.100 im Jahr 2015 zurück. Die Teil­nah­me am sonn­täg­li­chen Ange­lus hal­bier­te sich sogar von 3.040.000 Teil­neh­mern im Jahr 2014 auf 1.585.000 im Jahr 2015.

Gleich­zei­tig ist die Popu­la­ri­tät von Papst Fran­zis­kus wei­ter­hin enorm. „Sei­ne Popu­la­ri­täts­wer­te sagen jedoch nichts über den Grad der reli­giö­sen Pra­xis aus“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Anders aus­ge­drückt: Die gro­ße Popu­la­ri­tät der Per­son Fran­zis­kus steht in Kon­trast zur sin­ken­den reli­giö­sen Pra­xis.

Auf­schluß­rei­cher, so Magi­ster, sei­en ande­re Erhe­bun­gen, wie jene des ita­lie­ni­schen Sta­ti­stik­am­tes, mit denen jähr­lich das All­tags­le­ben der Ita­lie­ner erfaßt wer­den soll. Die jüngst ver­füg­ba­ren Daten bezie­hen sich auf das Jahr 2014, dem ersten Jahr, das zur Gän­ze vom Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus abge­deckt wur­de. Laut Sta­ti­stik­amt gin­gen 28,8 Pro­zent der Ita­lie­ner 2014 min­de­stens ein­mal in der Woche in die Kir­che. Ein Wert, der im Ver­gleich zu ande­ren west­li­chen Staa­ten ziem­lich hoch ist. Aller­dings bedeu­tet auch er im Ver­gleich einen deut­li­chen Rück­gang. Wäh­rend des gesam­ten, acht­jäh­ri­gen Pon­ti­fi­kats von Papst Bene­dikt XVI. lagen die Wer­te kon­stant noch bei 32–33 Pro­zent.

Auch die Zah­len der Kir­chen­be­su­che zei­gen einen gegen­läu­fi­gen Trend zur außer­ge­wöhn­li­chen Popu­la­ri­tät von Papst Fran­zis­kus.

Magister: „Liebdienerischer Konformismus ein schädliches Laster des neuen kirchlichen Establishments“

Magi­ster ver­öf­fent­lich­te den Brief eines Prie­sters, mit lang­jäh­ri­ger Erfah­rung als Beicht­va­ter. Den Namen des Prie­sters nann­te Magi­ster nicht, da er „zu sehr vor­her­seh­ba­rer Ver­gel­tung durch ein neu­es kirch­li­ches Estab­lish­ment“ aus­ge­setzt sei, das „einen lieb­die­ne­ri­schen Kon­for­mis­mus gegen­über die­sem Pon­ti­fi­kat zu einem sei­ner schäd­lich­sten Laster gemacht“ habe. Aus Magi­sters Anga­ben und dem Brief läßt sich jedoch soviel ent­neh­men, daß der Prie­ster eine her­aus­ra­gen­de aka­de­mi­sche Aus­bil­dung ver­fügt und Lehr­auf­trä­ge an in- und aus­län­di­schen Uni­ver­si­tä­ten hat und daß er als Beicht­va­ter an einer römi­schen Kir­che in den äuße­ren Stadt­vier­teln wirkt.

Der Prie­ster berich­tet mit dem Schrei­ben über sei­ne Erfah­run­gen mit der Wir­kung des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus ad intra und ad extra Eccle­siae. Er ent­hält sich, wie er selbst betont, einer Wer­tung, möch­te aber durch Fak­ten beleg­te Wider­sprü­che zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit auf­zei­gen. „Ich über­las­se es den Lieb­ha­bern der Reli­gi­ons­so­zio­lo­gie, der Öffent­lich­keits­ar­beit und der Kir­chen­po­li­tik“, den seit drei Jah­ren kon­ti­nu­ier­li­chen und schnel­len Rück­gang der Teil­neh­mer­zah­len an den öffent­li­chen Ereig­nis­sen mit dem Papst zu bewer­ten, und zu beur­tei­len, was das für den Zuspruch zur Glau­bens­ver­kün­di­gung und dem angeb­li­chen „neu­en Früh­ling“ der Kir­che bedeu­te. Wesens­merk­mal die­ses Pon­ti­fi­kats sei ja eine Kir­che mit „weit offe­nen Türen für alle“.

Doch, so der Prie­ster, soweit er sich erin­nern kön­ne, spre­che der Evan­ge­list Lukas von einer „engen Pfor­te“. Um durch sie hin­durch­zu­ge­lan­gen, brau­che es der „Anstren­gung“ und daß zwar vie­le es ver­su­chen, aber nur weni­ge schaf­fen wür­den. Die „Ver­ge­bung“ schei­ne durch die „Barm­her­zig­keit“ ver­drängt zu wer­den.

„Bonum populi Dei“ mit „populari consensus“ verwechseln

Kri­tik übt er am „neu­en kirch­li­chen Estab­lish­ment“, das salus ani­ma­rum mit vota ali­quo­rum und bonum popu­li Dei mit popu­la­ris con­sen­sus zu ver­wech­seln schei­ne, also das See­len­heil mit den Wün­schen eini­ger und das Wohl des Got­tes­vol­kes mit Popu­la­ri­tät.

Kern des Brie­fes sind jedoch zwei Beob­ach­tun­gen: Erstens, daß die Zahl der Beich­ten­den vor Weih­nach­ten noch nie so gering war im Hei­li­gen Jahr der Barm­her­zig­keit, und zwei­tens, daß die Beicht­qua­li­tät nach­las­se.

Dazu führt der Prie­ster zwei Bei­spie­le an, die unter Wah­rung des Beicht­ge­heim­nis­ses „für alle“ ste­hen sol­len.

Wenn Beichtende dem Beichtvater Aussagen von Papst Franziskus entgegenhalten

Ein Mann beich­te­te mehr­fach schwer­wie­gen­de Ver­stö­ße gegen das Sieb­te Gebot. Da er sich mit einer gewis­sen Leich­tig­keit bezich­tig­te, woll­te der Prie­ster wis­sen, ob er denn wirk­lich bereue. Die Ant­wort war ein Zitat von Papst Fran­zis­kus: „Die Barm­her­zig­keit kennt kei­ne Gren­zen.“ Der Beich­ten­de zeig­te sich zugleich erstaunt, daß ihn der Beicht­va­ter dar­an erin­ner­te, daß Reue und der Vor­satz, nicht mehr die­sel­be Sün­de zu bege­hen, Vor­aus­set­zun­gen für die Los­spre­chung sei­en. „Was ich getan habe, habe ich getan. Und was ich tun wer­de, wer­de ich ent­schei­den, sobald ich hier drau­ßen bin. Was ich über das den­ke, was ich getan habe, ist eine Sache zwi­schen mir und Gott. Ich bin nur hier, um mir zu holen, was allen zumin­dest zu Weih­nach­ten zusteht. Bei der Met­te die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen zu kön­nen!“ Zum Abschluß habe er noch jenen berühm­ten Aus­spruch von Papst Fran­zis­kus para­phra­siert: „Wer sind Sie denn, um über mich zu urtei­len?“

Eine jun­ge Frau hat­te eine schwe­re Sün­de gegen das Fünf­te Gebot gebeich­tet. Der Prie­ster erleg­te ihr zur Buße Gebet vor dem Aller­hei­lig­sten auf und eine Spen­de nach ihren Mög­lich­kei­ten für die Armen. Die Frau reagier­te unwirsch: Der Papst habe erst vor weni­gen Tagen gesagt, „daß nie­mand etwas im Gegen­zug für die Barm­her­zig­keit Got­tes for­dern dür­fe, weil sie gra­tis ist“. Sie müs­se ins Stadt­zen­trum, um Weih­nachts­ein­käu­fe zu täti­gen und habe kei­ne Zeit, in der Kir­che zu beten. Und Geld für die Armen habe sie auch nicht, die bräuch­ten das auch nicht, denn die hät­ten ohne­hin „mehr als wir“.

Mißverständliche Papst-Botschaften

„Es ist offen­sicht­lich, daß man­che Bot­schaft des Pap­stes, jeden­falls so wie sie die Gläu­bi­gen erreich­te, sich leicht für Miß­ver­ständ­nis­se eig­net und daher nicht der Rei­fung des Gewis­sens nützt“, um sich der eige­nen Sün­den bewußt zu wer­den und der Bedin­gun­gen, die für die Los­spre­chung not­wen­dig sind.

„Den „zick­zack­haf­ten Gang‘ zwi­schen den Kon­zep­ten, ohne sich je damit auf­zu­hal­ten eines zu prä­zi­sie­ren, in dem Msgr. Dario Viganò, Prä­fekt des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­ats des Hei­li­gen Stuhls, den Vor­zug des ‚Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stils von Papst Fran­zis­kus erkennt, der imstan­de sei ‚ihn für den moder­nen Zuhö­rer unwi­der­steh­lich zu machen‘ stellt eini­ge geist­li­che und pasto­ra­le Schwie­rig­kei­ten von nicht gerin­ger Bedeu­tung dar, wenn es um die Gna­de und die Sakra­men­te, den Schatz der Kir­che geht.“

Der Prie­ster berich­tet, daß er sich zunächst mit der Annah­me getrö­stet habe, daß die Zahl der Beich­ten­den in den Basi­li­ken mit den Hei­li­gen Pfor­ten in Roms Alt­stadt um so grö­ßer sein wer­de. Doch Nach­fra­gen bei Mit­brü­dern, die dort als Beicht­vä­ter wir­ken, erga­ben das genaue Gegen­teil. Die ande­ren Prie­ster bestä­tig­ten die­sel­ben Beob­ach­tun­gen, die der Prie­ster gemacht hat­te.

Das Pon­ti­fi­kat die­ses Pap­stes und der Gesund­heits­zu­stand der Kir­che kön­ne natür­lich nicht ein­sei­tig an die­sem Maß­stab gemes­sen wer­den. „Wir soll­ten aber eini­ge besorg­nis­er­re­gen­de Signa­le, die aus den Kir­chen an den ‚Rän­dern‘ wie aus jenen der ‚Mit­te‘ kom­men, nicht ver­nach­läs­si­gen.“

Die Bischö­fe, „zumin­dest bis zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil und in vie­len Fäl­len auch danach“, hät­ten nicht Unrecht gehabt, wenn sie bei Pfarr­vi­si­ta­tio­nen in ihren Diö­ze­sen von den Pfar­rern vor allem auch die Zahl der Beich­ten und der Kom­mu­nio­nen wis­sen woll­ten. „Eben­so­we­nig hat­ten die Päp­ste unrecht, wenn sie sich in der Ver­gan­gen­heit von Bischö­fen bei deren Besu­chen ad limi­na apo­sto­lo­rum die Gesamt­zahl der in deren Diö­ze­sen gespen­de­ten Sakra­men­te über­ge­ben lie­ßen“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Lif­ei­sa­pray­er (Screen­shot)

31 Kommentare

  1. Wer die Wor­te von Franz, zb. bei den Pro­te­stan­ten hoert, der erkennt das er eigent­lich wenig vom Katho­lisch­sein haelt(alles wird vom per­so­en­li­chen Gewis­sen gere­gelt, wozu also Beich­te ?)
    Beich­te, Ablass, Hoel­le, Fege­feu­er zum Bei­spiel kom­men ihm nicht ueber die Lip­pen, sei­ne Audi­en­zen sind von theo­lo­gi­scher Flach­heit das man das Grau­sen bekommt.
    Wie sol­len die Glae­u­bi­gen, die tae­g­lich vom Libe­ra­lis­mus bom­bar­diert wer­den, in der Kir­che noch die Mitt­le­rin zur Ewig­keit ent­decken?
    Und zum The­ma Popu­la­ri­ta­et, das ist so fluech­tig wie der Wind und dreht sich auch so oft.
    Das Absur­de ist, die­je­ni­gen die ihn hofie­ren, tun das WEIL er der Kir­che so scha­det und die Mau­ern schleift und sie zu einer wei­te­ren schwatz­haf­ten Insti­tu­ti­on des Zeit­gei­stes umformt.
    Er tut alles was man dem Ant­chri­sten zuge­schrie­ben hat.

    • Man bit­tet um Ent­schul­di­gung für den ande­ren­orts ange­führ­ten feh­ler­haf­ten und inhalt­lich unzu­läng­li­chen Text. Die der­zei­ti­ge Situa­ti­on geht ganz schön an die Ner­ven. Hier der rich­ti­ge Text:

      Was hier berich­tet, ist nur der augen­blick­li­che Stand der Din­ge. Weit ver­hee­ren­der ist die Aus­sicht, dass der Mann noch bin­nen Jah­res­frist heim­keh­ren wird, um wie­der unge­hemmt Stra­ßen­bahn zu fah­ren. Nach der Zere­mo­nie auf dem Bal­kon hat er, wenn man einem anwe­sen­den Zeu­gen glau­ben darf, geäu­ßert: „“Que­sto era l´ultomo nata­le“.
      Zuvor wird er aber — zwar nicht dok­tri­nell, aber gewohnt medi­en­wirk­sam de fac­to — die Ehe zer­stört (schon gesche­hen), und Prie­ster­tum („fakul­ta­ti­ver Zöli­bat“) und Ein­heit der Kir­che („Dezen­tra­li­sie­rung“) durch­ge­drückt haben.
      Der dann den Scher­ben­hau­fen über­neh­men soll, wird in Rom schon „l´erede“ (der Erbe) genannt. Amoruc­cio wird es auch zwei­fel­los schaf­fen, denn für sei­ne Eig­nung spricht sei­ne Achil­les­fer­se, die schon seit lan­gem — frei­lich hin­ter vor­ge­hal­te­ner Kle­rik­er­hand — in aller Mun­de ist.
      Es gna­de uns der barm­her­zi­ge Gott!

      • Sie spre­chen das aus, was auch ich ver­mu­te: Er war ein Stroh­mann, er hielt dem, was da im Vati­kan an Sün­den auf­ge­häuft war und ist, noch den Rücken frei. Sobald die­se Sün­den öffent­lich ver­han­delt wer­den, ist es aus mit der Kir­che. Daher auch das lust­lo­se Gequat­sche täg­lich. Ist ihm doch wurscht, was er sagt. So wirkt das auf mich, er macht es wie ein gedun­ge­ner Trau­er­red­ner ohne Glau­ben. Ber­go­glio ist selbst erpress­bar wegen sei­ner Machen­schaf­ten in Süd­ame­ri­ka. Nur des­we­gen ist er gewählt wor­den. Er ist theo­lo­gisch die absur­de­ste Beset­zung des Stuh­les Petri seit Jahr­hun­der­ten! Das wäre die ein­zi­ge sinn­vol­le Erklä­rung.

        Und das wäre auch die Erklä­rung, war­um unse­re Hel­den-Bischö­fe (wie Bur­ke, Schnei­der, Mül­ler, Léonard & Co) alle­samt da, wo es wich­tig wäre zu reden, schwei­gen und so etwas wie Scha­dens­be­gren­zung und zer­fled­der­te Kate­che­se betrei­ben, anson­sten mit einem enor­men Auf­wand noch ein­mal die alte Pracht der Kir­che evo­zie­ren, bevor sie unter­geht und die Gläu­bi­gen durch ihre Hin­hal­te­pa­ro­len betrü­gen.

        Wenn das das letz­te Weih­nach­ten war, das im Vati­kan gefei­ert wird, dann heißt das auf gut Deutsch: Der Kir­chen­skan­dal wird 2016 ins Ram­pen­licht der Öffent­lich­keit gestellt wer­den.

        Es bröckelt alles — nach­dem nun Georg Ratz­in­ger ab jetzt, nach sei­ner Rück­kehr aus Rom, Rede und Ant­wort ste­hen muss für den jahr­zehn­te­lan­gen Miss­brauch von hun­der­ten von Jugend­li­chen bei den Regens­bur­ger Dom­spat­zen, den er ent­we­der still­schwei­gend gedul­det und unter­stützt, wenn nicht sogar selbst mit voll­zo­gen hat, wird auch bald Joseph Ratz­in­gers Vita noch ein­mal genau­er aufs Tapet kom­men.
        Die Vati­kan­bank-Affai­ren sind ja ohne­hin schon teil­wei­se auf­ge­deckt!

        dass vie­le, vor allem enthu­sia­sti­sche Kon­ver­ti­ten, das kaum ver­kraf­ten, ver­ste­he ich emo­tio­nal, aber ich kann nur eines sagen: Ret­te sich wer kann aus die­sem fin­ste­ren Loch! Auch wenn es weh­tut! Es ist wie in Nazi­deutsch­land, wo vie­le Leu­te bis zum Schluss nicht glau­ben woll­ten, dass alles ver­lo­ren ist und im Ernst dach­ten, der Füh­rer hät­te mit all den Ver­bre­chen nichts zu tun und noch jeden, der sie auf­wecken woll­te, an den Pran­ger lie­fern woll­ten!

        Ja: Gna­de uns Gott!

    • lie­ber @Michael,
      „Das Absur­de ist, die­je­ni­gen die ihn hofie­ren, tun das, WEIL er der Kir­che so scha­det …“
      Es ist eine schmerz­li­che, aber zugleich eine sehr treff­li­che Schluss­fol­ge­rung, die Sie hier anstel­len!

      Beten wir wei­ter­hin für den der­zei­ti­gen Nach­fol­ger Petri, auf dass er sei­ne Wor­te und Taten bereut und sich eines Bes­se­ren besinnt!

      • @die Zeit­schnur:

        Papst Bene­dikt XVI hat­te mit der Vati­kan­bank-Affä­re nichts zu tun. Er hat dar­über aus dem Fern­se­hen erfah­ren und es lag nicht in sei­ner päpst­li­chen Kom­pe­tenz auch noch die Geschäf­te der Vati­kan­bank zu betreu­en.
        Und bei Georg Ratz­in­ger ist bis jetzt nichts erwie­sen, was sie ihm da unter­stel­len. Solan­ge das so ist, gilt die Unschulds­ver­mu­tung.

  2. Was hier berich­tet wird mag eine böse Ent­wick­lung sein. Weit ver­hee­ren­der ist die Aus­sicht, dass der Mann noch bin­nen Jah­res­frist heim­keh­ren wird, um wie­der unge­hemmt Stra­ßen­bahn zu fah­ren. Zuvor wird er aber — nicht dok­tri­nell, aber medi­en­wirk­sam de fac­to — Ehe, Prie­ster­tum („fakul­ta­ti­ver Zöli­bat“) und Ein­heit der Kir­che („Dezen­tra­li­sie­rung“) durch­drückt haben.
    Der dann den Scher­ben­hau­fen über­neh­men soll, wird in Rom schon „l´erede“ (der Erbe) genannt. Der wird es auch zwei­fel­los schaf­fen, denn für sei­ne Eig­nung spricht sei­ne Achil­les­fer­se, die schon seit lan­gem — frei­lich hin­ter vor­ge­hal­te­ner Kle­rik­er­hand — in aller Mun­de ist.
    Es gna­de uns der barm­her­zi­ge Gott!

  3. Der Fran­zis­kus-Effekt ist also aus­ge­blie­ben ? Wer wun­dert sich denn da noch ? Das
    gan­ze Pon­ti­fi­kat Fran­zis­kus ist durch­setzt mit Zeit­geist und Wider­sprü­chen. Zur
    eigent­li­che Leh­re der Kir­che trägt Fran­zis­kus nichts bei. Die wider­sprüch­li­chen
    Syn­oden mit ihrem Unfrie­den, zei­gen den Abstieg des Papst­tums in nie gekann­ter
    Form. Fran­zis­kus hat die Tore des II.Vatikanums noch wei­ter auf­ge­sto­ßen und ern-
    tet jetzt schlech­te Früch­te. Wo kei­ne gei­sti­gen Vor­ga­ben zu fin­den sind, da muss
    auch das Ergeb­nis nega­tiv sein. Die Chri­sten­heit hun­gert nach Sakra­li­tät und
    den dar­aus resul­tie­ren­den Glau­ben und nicht Zeit­geist. Es ist also kein Wun­der wenn
    das Glau­bens­le­ben erschlafft.

    • Es ist schon sehr erstaun­lich, wie ver­staubt und mit wie wenig Empa­thie Papst Fran­zis­kus gese­hen wird. Selbst­re­flek­ti­on ist das unver­zicht­bar anzusetzen.Zwänge und tra­di­tio­nel­les Den­ken sind oft gro­ße „Klöt­ze“ am Bein. Fun­da­men­ta­lis­mus ist kei­ner­lei Hil­fe!!!

  4. Wann ste­hen die Bischö­fe und Kar­di­nä­le end­lich auf und benen­nen Häre­sie, was Häre­sie ist.
    Je län­ger sie schwei­gen, um so mehr machen sie sich schul­dig.

  5. Leh­re der Kir­che ist, dass es eine *pro­vi­den­tia super­na­tu­ra­lis* gibt.
    Die­se wirkt in der Bewah­rung des ober­sten kirch­li­chen Lehr­amts vor Irr­tum.

    • …ja: aber nur, wenn der Papst in Fra­gen des Glau­besn und der Sit­ten ex cathe­dra, also unter aus­drück­li­cher Bezug­nah­me auf sei­ne Auto­ri­tät eine Leh­re defi­niert.

      Defi­nie­ren ist nicht das­sel­be wie täg­lich Quas­seln und auch nicht das­sel­be wie „Gedan­ken äußern“, ja nicht eimal das­sel­be wie „Leh­ren (im all­ge­mei­nen und beson­de­ren)“, wenn es nicht unter der Vor­ga­be der aus­drück­li­chen Defi­ni­ti­ons­au­to­ri­tät geschieht.

      • Ich tei­le Ihre Mei­nung!
        .
        Indes­sen wei­se ich freund­lich dar­auf hin, dass älte­re Lehr­bü­cher der Katho­li­schen Dog­ma­tik (wie Poh­le-Gie­rens, Micha­el Schmaus oder Bern­hard Bart­mann) und auch neue­re (wie Ger­hard Lud­wig Mül­ler oder Peter Hof­mann) hier einen wei­te­ren Kreis zie­hen.
        .
        Danach wirkt die pro­vi­den­tia super­na­tu­ra­lis auch bei regu­lai­ren Glau­bens­ent­schei­dun­gen, und als Bei­spiel wird dann häu­fig die Hei­lig­spre­chung durch den Papst genannt.

      • @ Basel­bie­ter

        Ich weiß, dass man­che Dog­ma­ti­ker das rela­tiv dreist behaup­tet haben. Auch der in die­sem Zusam­men­hang gern zitier­te J.B. Hein­rich.

        Das ist die maxi­ma­li­sti­sche ina­fal­libi­li­sti­sche Posi­ti­on, der ich mich zwar mal ange­nä­hert hat­te, aber inzwi­schen nicht mehr tei­len kann.

        Die Debat­ten auf dem Vati­ca­num I zei­gen ja, dass man sich wohl­weis­lich auf die dog­ma­ti­sche Defi­ni­ti­on selbst noch unter maxi­ma­li­sti­schem Ein­fluss zurück­zie­hen muss­te, weil man sonst irre an der Kir­che wer­den müss­te — man gerät in einen wah­ren Morast logi­scher und pseu­do-unfehl­ba­rer Wider­sprü­che, an dem man den Glau­ben frü­her oder spä­ter ver­liert oder zum Sek­tie­rer wird.

        Lud­wig Ott gibt in sei­ner Dog­ma­tik ja die Abstu­fung an „Gewiss­hei­ten“ von Lehr­sät­zen des Lehr­am­tes, und ich den­ke, das kommt der Rea­li­tät schon erheb­lich näher und damit kann man leben und umge­hen.

    • An erster Stel­le steht der Mensch. So war es auch bei Jesus. Das Gesetz war bei den Pha­ri­sä­ern im Vor­der­grund und wie soll man Ihre Denk­wei­se ein­schät­zen?

  6. Wer die Türen der­ar­tig weit auf­reisst, erleich­tert den Leu­ten das Davon­lau­fen 😉

    Spaß bei­sei­te, wenn der Herr so barm­her­zig wäre, wie es zumin­dest in der Pres­se vom aktu­el­len Amts­in­ha­ber rüber­kommt, dann kann man am Sonn­tag auch mal unge­straft län­ger aus­schla­fen — kann ja nicht schlim­mer sein als Ehe­bruch, oder?

    • Mei­net­we­gen kann die­ser Papst den gan­zen Tag ver­schla­fen. Das ist immer noch bes­ser, als wenn er für wei­te­re Wirr­nis­se sorgt.

    • Kosta­di­nov @ Die 10 Gebo­te sagen es deut­lich : ..du sollst den Sab­bat ( Sonn­tag )
      hei­li­gen. Von Anfang an kamen die Chri­sten am Tag des Herrn zusam­men, um das
      Brot zu bre­chen und Gott die Ehre zu geben. Der katho­li­sche Christ ist gehal­ten
      am Sonn­tag die Hl.Messe zu besu­chen, mit der Begeg­nung mit Jesus im Hl.Sakra-
      ment. Das Glau­bens­le­ben, ist des­halb so schwach, weil sich nicht mehr vie­le an
      die­ses Kir­chen­ge­bot hal­ten.

      • ich glau­be, Sie haben mei­ne Iro­nie nicht ver­stan­den. Natür­lich gehe ich jeden Sonn­tag zur Mes­se (bei der FSSP). Ich woll­te nur ver­deut­li­chen, daß der gute Mann eigent­lich an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Wenn näm­lich Ehe­bruch nicht von der Kom­mu­ni­on aus­schließt, dann auch Sonn­tag daheim­blei­ben nicht, und wenn jeder zur Kom­mu­ni­on kann, dann ver­sinkt alles in Belie­big­keit… und genau des­we­gen gehen die Beicht­zah­len zurück, wird ja eh alles sowie­so „ver­ge­ben“. Vie­len Dank für die freund­li­che Ermah­nung, aber ich hof­fe, mein Punkt ist jetzt kla­rer 😉

  7. Wenn die Teil­neh­mer­zah­len von allen päpst­li­chen Ver­an­stal­tun­gen sin­ken ( auch die System­pres­se berich­te­te davon,im Ton des Bedauerns)woran misst man dann die angeb­lich wach­sen­de Popu­la­ri­tät?
    Gibt es da eine neue Maß­ein­heit-ein Mil­li-oder Mega­franz-oder so ähn­lich!?
    Na ja,unsere BKle­rin hat ja auch noch see­ehr hohe Umfra­ge­wer­te.…

  8. Aller­dings, Herr Eisel, gab es die öffent­li­che Beich­te, die sehr wohl ver­pflich­tend war. Aber Sie haben recht — die­se rigo­ro­se Pra­xis gabe es nicht. Selbst im Kate­chis­mus Pius X. (!) wird nur von einer Ver­pflich­tung zur Beich­te ein­mal im Jahr aus­ge­gan­gen und anson­sten eben dann, wenn Schwer­wie­gen­des vor­liegt. Aber das soll­te ja mög­lichst nicht häu­fig sein!

    Die Ohren­beich­te wur­de aus Scho­nung und Rück­sicht­nah­me auf die Sün­der ein­ge­führt.

    Ohne Sün­den­be­kennt­nis auch kei­ne Ver­ge­bung — das ist Schrift­wort.

    Wie genau das immer zu gesche­hen hat — schwer zu sagen. Die Kir­che hat daher auch im Not­fall nie­mals abge­wie­sen, dass das zer­knirsch­te Herz auch gilt. Der Schä­cher am Kreuz seufzt im Ster­ben „Herr, den­ke an mich…“ und Jesus sagt ihm, er wer­de mit ihm nich „heu­te“ im Para­dies sein…

    Gera­de heu­te ist das Beich­ten ja so eine Sache: Vie­le gehen auch des­halb nicht beich­ten, weil sie kei­ner­lei Ver­trau­en mehr in die Kir­che haben und sich nicht Wöl­fen anver­trau­en wol­len.

    Nach­dem ich dann gele­sen habe, dass im 19. Jh einer­seits die Men­schen zum Beich­ten förm­lich erpresst wur­den und aus dem „ein­mal im Jahr“ ein repres­si­ves „min­de­stens ein­mal im Monat“ und eine ungu­te „Seelenführer“-Wirtschaft wur­de, und dass mit Pius X. und sei­ner Vor­ver­le­gung der Erst­kom­mu­ni­on selbst unmün­di­ge Kin­der gezwun­gen wur­den, „Gewis­sens­prü­fun­gen“ im Groß­for­mat vor­zu­neh­men und in aller Regel nicht begrif­fen, was sie tun soll­ten und so in ein ungu­tes Fahr­was­ser von Angst und Ver­lo­gen­heit gerie­ten, und: dass schon im 19. Jh v.a. in Klö­stern das Beicht­ge­heim­nis vie­ler­orts mas­siv und scham­los gebro­chen wur­de, um sich der See­len zu bemäch­ti­gen und sie für wei­te­re poli­ti­sche Din­ge zu erpres­sen und, wenn die­se Sachen dann vor dem hl. Offi­ci­um lan­de­ten, in aller Regel nur mil­de oder gar nicht bestraft wur­den, obwohl das Kir­chen­recht dafür dra­ko­ni­sche Stra­fen vor­sieht — nach­dem ich also all das zur Kennt­nis genom­men habe, kann ich den Impuls vie­ler Men­schen, sich kei­nem von die­sen See­len­ver­käu­fern anzu­ver­trau­en, emo­tio­nal gut fol­gen. Ich ver­ste­he das!

    Ds Sün­den­be­kennt­nis soll­te doch frei und aus einem wirk­lich reui­gen Her­zen kom­men und vor allem auch nur dann, wenn über­haupt eine Sün­den­er­kennt­nis vor­liegt! Man hat dann gera­de auf kon­ser­va­ti­ver Seit ver­sucht, den Men­schen durch Angst und Dro­hung mög­lichst vie­le Sün­den „ein­fal­len zu las­sen“.
    Zugleich hat die Kir­che sol­che erpress­ten „Reue“ an sich als ungül­tig ange­se­hen, was den Cir­cu­lus vitio­sus nur noch ver­grö­ßert hat für vie­le ängst­li­che Natu­ren.

    Das ist wirk­lich ein Dilem­ma und bedarf wirk­lich beru­fe­ner See­len­hir­ten. Aber die Kir­che berief all­zu oft lie­ber poli­tisch oppor­tu­ne Per­so­nen ins Prie­ster­amt. Das war auch vor 150 Jah­ren schon nicht anders und mit der Total­zen­tra­li­sie­rung der Kir­che, die auch wie­der­um Pius X. mit allen Ban­da­gen durch­set­zen woll­te, wur­den sämt­li­che Ban­de zu den rea­len Diö­ze­sen und ihren welt­li­chen Kon­stel­la­tio­nen abge­bro­chen und damit dem Miss­brauch in jeder Hin­sicht Tür und Tor geöff­net.

  9. Man muss aber wohl klar sagen, dass das Sün­den­be­kennt­nis im Beicht­stuhl tau­send­mal mehr genützt als gescha­det hat. Miss­bräu­che hat es immer gege­ben. Die sind kei­ne Aus­re­de für ein Nicht­mehr­beich­ten­wol­len!
    Vie­le nicht mehr beich­ten­de Pro­te­stan­ten haben gera­de die katho­li­sche Kir­che um die­ses wun­der­ba­re Gna­den­ge­schenk benei­det.
    Heu­te sind die Zim­mer der Psy­cho­lo­gen so voll, da es kei­ne prak­ti­zie­ren­de Beich­te mehr gibt. Kei­ner ist mehr bereit, ein Kor­rek­tiv und eine Hir­ten­funk­ti­on über sich anzu­er­ken­nen. Moch­te die dama­li­ge Zeit es mit dem Druck beich­ten zu müs­sen über­trie­ben zu haben, stel­len wir heu­te ein kla­res Defi­zit fest.
    Dar­über­hin­aus stel­len erfah­re­ne Exor­zi­sten immer wie­der fest: Bei bestimm­ten Bela­stun­gen — in unse­rer Zeit durch die über­quel­len­de Eso­te­rik­flut immens viru­lent — gibt es kei­ne Befrei­ungg ohne die Beich­te.
    Im Übri­gen kommt der Beicht­ge­dan­ke vom Buß­ge­dan­ken. Buße meint Umkehr zu Gott und Abkehr vom Geist die­ser Welt, „Hin­wen­dung“ zu Gott, Absa­ge an die Wer­ke und Machen­schaf­ten der Fin­ster­nis.
    Es war und ist durch­aus sinn­voll Kin­der im Sin­ne Pius X so früh zur Beich­te zu füh­ren. Eine heu­ti­ge durch­psy­cho­lo­gi­sier­te Welt hat da kein Ver­ständ­nis mehr für. Schon ein klei­nes Kind hat ein Gewis­sen.
    Das Mär­chen vom Angst­ma­chen durch de Beich­te kommt aus der Pro­te­stan­tis­mus­ecke und von den heu­te lei­der so oft anzu­tref­fen­den ver­stock­ten Sün­dern.
    SOLLTE MAN VOR DER SÜNDE ETWA KEINE ANGST HABEN!
    Auch die Unter­su­chungs­er­geb­nis­se um die Regens­bur­ger Dom­spat­zen hal­te ich für ten­den­zi­ös und nicht wirk­lch unab­än­gig. Es mag Ein­zel­fäl­le gege­ben haben, wo sich ein Prie­ster schul­dig gemacht hat. Aber gene­rell wird hier maß­los zum Scha­den der Kir­che über­trie­ben.
    Zwar kann man sagen, dass die Tra­di­ti­on vom Gei­ste Jesu schon viel frü­her seit dem II Vati­ka­num abge­bro­chen ist bzw. Ris­se bekom­men hat. Aber ins­ge­samt war die Kir­che vor 100 bis 60 Jah­ren in einem gegen­über heu­te phä­no­me­nal guten Zustand. Man darf die Kri­sen und den Glau­bens­ab­fall der Gegen­wart nicht ein­sei­tig durch die Bril­le der schon län­ger ver­un­treu­ten Tra­di­ti­on betrach­ten, son­dern muss auch sehen, dass einer säku­la­ren Welt kaum etwas ent­ge­gen­zu­set­zen ist.
    Manch­mal fra­ge ich mich, was wäre, wenn die Lit­ur­gie nicht geän­dert wor­den wäre (ab 1970). Hät­ten wir dann wirk­lich mehr kirch­li­ches Leben, mehr Glau­ben und mehr Kir­chen­be­su­cher­zah­len, oder viel­leicht noch weni­ger als heu­te.
    Fran­zis­kus muss man sicher kri­tisch sehen. Ich tue das auch. Man darf aber auch beden­ken, wie man man eine Welt errei­chen will, die viell­fach beses­sen ist und der­art weit von Gott weg ist, dass nur­mehr das eige­ne Schick­sal (Krank­heit, Unglück, Not) wie­der die See­le für Got­tes Wort öff­net. Ein gei­stig Armer braucht Barm­her­zig­keit, unbe­ding­te Barm­her­zig­keit, nicht noch Schlä­ge. Erst wenn er wie­der gestärkt ist durch bedin­gungs­lo­se Zuwen­dung, kommt die här­te­re Kost. Hier darf sich die Kir­che aller­dings nicht ver­sa­gen und muss schon von Anfang an klar­ma­chen, wozu sie den Men­schen wie­der bekräf­ti­gen möch­te.

    • Ich stim­me Ihnen zu — wenn Sie mein Posting voll­stän­dig und genau gele­sen haben, hät­ten Sie das doch lesen müs­sen: Sün­de­ver­ge­bung geht nur über ein zer­knirsch­tes Herz und Reue und Bekennt­nis.

      Nir­gends woll­te ich einer Ver­nach­läs­si­gung der Beich­te das Wort reden!

      Viel­mehr woll­te ich etwas ande­res andeu­ten: die Men­schen seh­nen sich nach Beicht­vä­tern, die die­sen Titel über­haupt ver­die­nen. Die Men­schen haben kein ver­trau­en mehr — dar­um geht es.

      Beden­ken Sie aber bit­te, dass Pius X. mit der ver­früh­ten beich­te ein abso­lu­tes Novum in der Kir­chen­ge­chich­te ein­ge­führt hat. das hat mit Psy­cho­lo­gie usw. gar nichts zu tun. ich weiß, dass auch vie­le älte­re Leu­te, die mit Sicher­heit nicht pro­gres­siv sind, das bis heu­te ableh­nen, und unter Leo XIII. gin­gen die Kin­der viel­leicht mit 12 Jah­ren oder 13 zum ersten mal beich­ten. Was bit­te, soll ein sie­ben­jäh­ri­ges Kind, das noch gar nicht str­fa­mün­dig ist, denn „beich­ten“. Dass es heim­lich einen Keks geges­sen hat? Oder sich Mamas Anord­nung wider­setzt hat?

      Ich sehe das aus der Per­spek­ti­ve einer Mut­ter, die das alles ja übri­gens aus eige­ner Anschau­ung durch­ex­er­ziert hat. Ich rede hier nicht vom grü­nen Tisch aus! Wenn das Kind sich ver­fehlt, muss man das als ver­nünf­ti­ger Päd­ago­ge sofort klä­ren und stra­fen. Es ist schäd­lich, wenn man das „auf­hebt“. Ein nor­ma­les, psy­chisch gesun­des Kind ver­gisst das dann auch wie­der, wenn es bestraft wur­de und die Sache wie­der gut ist. Und so soll es ja auch sein.

      Wenn es sich nun die­se an sich schon berei­nig­ten Sachen tage­lang, gar wochen­lang „mer­ken“ soll, obwohl sie schon mit den von Gott ein­ge­setz­ten Auto­ri­tä­ten, den Eltern, berei­nigt SIND, um sie dann noch mal, obwohl sie ohne­hin nur läss­li­che Sün­den sind (!), im Beicht­stuhl vor­zu­tra­gen, dann ist das in höch­stem Maße unge­sund.

      Und genau so hat man das bis Pius X. auch emp­fun­den und gehand­habt!

      Es geht ja nicht drum, die Kin­der zu ver­zie­hen, son­dern der Tat­sa­che Rech­nung zu tra­gen, dass sie vor der Mün­dig­keit in reli­giö­sen Din­gen die Eltern als Autor­tät aner­ken­nen müs­sen, wenn der All­tag funk­tio­nie­ren soll. Schiebt die Kir­che da noch eine Extra­ebe­ne ein, die die Kin­der zur Qual mit ihren bereits berei­nig­ten Sün­den anhält, ist das nicht gut.

      Ich habe sehr viel Erfah­rung mit Kin­dern, auch durch mei­ne Unter­richts­tä­tig­keit. In aller Regel, ist die Gehirn­ent­wick­lung frü­he­stens mit 9 oder 10 Jah­ren, bes­ser aber erst ab 11 oder 12 swo­eit, dass ein Kind ohne Quä­le­rei sein Han­deln auch ohne die Eltern reflek­tie­ren kann und soll — also pass­ge­nau der Zeit­punkt, an dem die Kir­che jahr­hun­der­te­lang auch die Erst­beich­ten ansetz­te, wenn über­haupt. .

      • War­um ein Schmarrn??? Ich brauch­te Sie und habe nach ihr gera­de­zu ver­langt.
        Nur weil Sie für Sie nichts ist, muss das nicht für alle See­len gel­ten.
        „Geh, dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben — und sün­di­ge fort­an nicht wie­der.“ Bei­de Aus­sa­gen gehö­ren in einen Satz! Ver­ge­bung und Umkehr gehö­ren zusam­men.
        For­dern und För­dern gilt auch in der Buß­pra­xis. Sonst lacht man Sie aus.
        Die Fol­ge: Nie­mand geht mehr beich­ten. Sün­de abge­schafft. Wie­so brau­chen wir dann noch das Beichtsa­kra­ment?
        Wie­so dann noch das Hei­li­ge Mess­op­fer, wozu noch Jesus als Chri­stus und Got­tes­sohn?
        Man soll­te die Din­ge schon zuen­de den­ken. Anson­sten kann man den Laden gleich dicht machen.

  10. Es geht mei­nes Erach­tens dar­um, Kin­der an die Beicht­pra­xis her­an­zu­füh­ren. Gera­de in der heu­ti­gen Zeit wird es immer schwie­ri­ger, bereits puber­tie­ren­de Kin­der im Alter von mei­net­we­gen 11 oder 12 Jah­ren an die Beich­te her­an­zu­füh­ren. Das muss frü­her gesche­hen.

    Es geht nicht dar­um, ob das Kind einen Keks gestoh­len hat oder nicht, und dar­um wochen­lang ein schlech­tes Gewis­sen haben soll. Viel­mehr geht es dar­um, das Beichtsa­kra­ment als Vor­zim­mer zur Begeg­nung mit Jesus im Bewusst­sein des Kin­des zu ver­an­kern.

    Die bedeu­ten­de und über­ra­gen­de Rol­le der Eltern in der Fami­lie — als Kir­che im Klei­nen — steht natür­lich außer Fra­ge.

    Wenn ich an mei­ne eige­ne Beich­ten in der Kind­heit zurück­den­ke, dann waren die nicht wirk­lich durch­dacht. Stets habe ich gebeich­tet: „Ich habe mei­ne Oma geär­gert…“ und der­glei­chen mehr. Vie­len ande­ren Blöd­sinn habe ich ver­schwie­gen, der rück­blickend betrach­tet viel schwe­rer wog und wodurch ich ande­ren auch wirk­lich Scha­den zuge­fügt hat­te.

    Das Unrechts­be­wusst­sein war noch unaus­ge­prägt. Das ist für mich aber kein Argu­ment, das Beich­ten auf frü­her zu ver­schie­ben. Ande­re Kin­der sind da wesent­lich wei­ter. Ich war da irgend­wie ein Spät­zün­der, da ich ein ziem­li­cher Rabau­ke war.

    Ein Kind ist kein Theo­lo­ge. Wenn ich wei­ter über mei­ne KIn­der­beich­ten nach­den­ke: Es hat auch nie ein Prie­ster nach­ge­fragt, was ich sonst noch so gemacht und ange­stellt habe. Die Sün­den stan­den gar nicht im Vor­der­grund. Viel­mehr der kind­ge­rech­te Hin­weis: „Bemü­he dich, es das näch­ste mal bes­ser zu machen.“ Dann wur­de das Augen­merk auf ein Gebet als klei­ne Buße gelegt; also auf das Gespräch mit Jesus.

    Wenn ich wei­ter nach­den­ke: Es hat mich von sich aus nie ein Prie­ster gefragt, wie ich es mit dem 6. Gebot hal­te. Da kam ich erst drauf, als ich mir mit über 20 zum ersten Mal den Kate­chis­mus vor­nahm und mir sag­te: „Hui, so hat mir das ja nie einer gesagt.“

    Nicht ein ein­zi­ges Mal hat man mir in der Beich­te Angst gemacht. Auch spä­ter nicht. Ich hat­te eher den Ein­druck, man habe mir eini­ges ver­schie­gen.

    Spä­ter bin ich dann und wann auf Beicht­vä­ter gesto­ßen, die für mir zu lax waren.

    Also ich weiß wirk­lich nicht, wel­che Schreckens­er­leb­nis­se ande­re im Beicht­stuhl gehabt haben wol­len.

    Viel­mehr bin ich heu­te noch dank­bar dafür, dass ich in der Kind­heit die Scheu vor dem Beich­ten able­gen konn­te, eben dadurch, dass ich beich­te­te.

    Gestern abend las ich noch in einer klei­nen Schrift von Spi­ra­go über die Beich­te etwa sinn­ge­mäß: Ein Mann frag­te einen Hei­li­gen, was wür­den sie sagen, wenn ich Ihnen mei­ne schlimm­sten Sün­den gna­den­los offen legen wür­de und nichts zurück­hiel­te. Der Hei­li­ge ant­wor­te­te: Ich wür­de sie für einen Hei­li­gen hal­ten.

    Was wir zudecken, deckt Gott auf, und was wir auf­decken, deckt Gott zu; er ver­gisst es schlicht­weg. Er streicht es aus…

    Vor eini­gen Tagen las ich drei Beses­sen­heits­fäl­le von Pfar­rer P. Sut­ter („Satans Macht und Wir­ken“). Dar­in nann­te der jewei­li­ge Teu­fel häu­fig die ver­bor­gen­sten Sün­den der Besu­cher und stell­te sie damit blos. Des­halb sol­len die Exor­zie­ren­den vor dem Exor­zis­mus auch sel­ber gebeich­tet haben.

    Hat­te ein Besu­cher sei­ne Sün­den vor­her gebeich­tet, konn­ten die Teu­fel nichts aus den Gewis­sen able­sen. Denn die See­len waren wie­der rein gewa­schen.

    Mei­ne Stel­lung­nah­men sind eher adi­tiv und bezie­hen sich nicht aus­drück­lich und spe­zi­ell auf einen bestimm­ten ande­ren Kom­men­tar. Sie setz­ten sich nur zusam­men aus Ein­drücken.

    Leben­dig steht mir noch der Ein­druck des gest­ri­gen Abends vor Augen, bei dem der Besu­cher eines Bibel­krei­ses angab, schon seit Jah­ren nicht mehr zur Beich­te zu gehen und damit prahl­te, auch nicht beich­ten zu müs­sen. Er gehe lie­ber in den Buß­got­tes­dienst…

    Weit ver­brei­tet war auch der Ein­druck, es rei­che aus, durch die Heli­gen Pfor­ten zu gehen. Das hal­ten dann wie­der vie­le für Hokus­po­kus, ver­ständ­li­cher­wei­se, wenn ihnen — wie mir damals — nur hal­be Wahr­hei­ten erzählt wer­den.

    So befin­den sich also heu­te vie­le Chri­sten was ihr Gewis­sen betrifft, in einem gera­de­zu infan­ti­len Zustand und glau­ben es nur all­zu­ger­ne, was unse­re Kir­chen­ver­tre­ter ganz im (Un-)Geiste Mar­tin Luthers ver­kün­den: Das Gewis­sen sei auto­nom und ste­he über allem.

    • Das mit dem infan­ti­len Zustand mag ja stim­me, jeden­falls bei vie­len, aber ich habe auch Pro­ble­me mit den pau­scha­len Sicht­wei­sen auf den heu­ti­gen Men­schen. ich erle­be immer wie­der, dass ungläu­bi­ge Men­schen viel auf­rich­ti­ger sind als ich es von den mei­sten Katho­li­ken her ken­ne. Wer weiß das schon, was in ihnen vor­geht? Ob sie wirk­lich kei­ner­lei Gewis­sens­prü­fung ken­nen?

      Ihre Luther-Auf­fas­sung ist aller­dings auch nicht gera­de reif. Luther hat kei­ne auto­no­me Gewis­sens­frei­heit gelehrt, weil er ja schon die Wil­lens­frei­heit bestritt. ich wür­de nicht jede katho­li­sche, anti­pro­te­stan­ti­sche het­ze glau­ben, son­dern lie­ber prü­fen, ob da so über­haupt stimmt.

      (Und nun bit­te nicht wie­der über mich her­fal­len — nein: ich bin kein Agent der Frei­mau­rer und Luthe­ra­ner, ich habe nur schon Luther gele­sen und weiß, dass er erheb­lich kom­ple­xer dachte…der Hin­weis soll mich nicht als des­sen Sym­pa­thi­sant outen, son­dern um Vor­sicht bei Behaup­tun­gen bit­ten, die ein­deu­tig wider­leg­bar sind.)

      • „Ihre Luther-Auf­fas­sung ist aller­dings auch nicht gera­de reif.“

        Woher wol­len Sie das denn beur­tei­len? Wis­sen Sie, wie gut ich Luther ken­ne oder nicht und wie ich ihn lese und ver­ste­he?

        Ich beur­tei­le Luther nicht auf der Ebe­ne der Kaprio­len sei­nes selbst­ge­fäl­li­gen Geschreib­sels, son­dern auf Grund­la­ge der dahin­ter ste­hen­den Not sei­nes See­len­zu­stan­des, sei­nen Moti­va­tio­nen und Emo­tio­nen. Ich sehe durch­aus sei­ne Nöte…

        „Luther hat kei­ne auto­no­me Gewis­sens­frei­heit gelehrt, weil er ja schon die Wil­lens­frei­heit bestritt.“

        Im Ende läuft es aber dar­auf hin­aus, und nur dar­auf kommt es an.

        Wenn ich mich als Mensch der Sün­de aus­lie­fe­re, war ich halt nicht frei. Ich konn­te nicht anders, als so zu han­deln, wie ich eben han­del­te.

        Auf der Grund­la­ge sol­cher Gedan­ken­ko­struk­te kann man sich sel­ber gut in den Rücken fal­len und der Ver­su­chung nach­ge­ben.

        Um sich nun sel­bet das Heil zuzu­spre­chen, muss man die gesam­te Theo­lo­gie umdeu­ten. Dar­um sta­tu­ier­te Luther für sich das Heil, was nach­weis­lich nicht mehr katho­lisch ist.

        So war er wie­der ein zuge­hö­ri­ger „Chri­sten­mensch“ und über den Kunst­griff der Heils­sta­tu­ie­rung — trotz sei­ner Sün­de — wie­der drin im ‚himm­li­schen Jeru­sa­lem‘.

        Genau die­se Umdeu­tun­gen voll­zie­hen sich heu­te in allen Berei­chen nach dem Vor­bild Luthers in der gesam­ten Kir­che.

        Da man nicht frei ist (nicht zu sün­di­gen), muss man sich das Heil — im Glau­ben an Jesus — sel­ber zuspre­chen.

        Man kann die Gedan­ken theo­lo­gisch nach­voll­zie­hen. Man sieht aber auch, dass sie in Wirk­lich­keit in die Unfrei­heit und Ver­skla­vung des Men­schen unter die Herr­schaft der Sün­de führt.

        Bei Luther ist der Chri­sten­mensch immer frei durch die Gna­de und gerecht­fer­tigt durch den Glau­ben, allein durch den Glau­ben…

        Unfrei und zur Unfrei­heit vor­her­be­stimmt ist der, der Jesu Heil­sa­ge­bot nicht annimmt. Wer sie annimmt, ist frei, auch wenn er sün­digt. Und gera­de dar­in liegt die Vefäng­lich­keit der Leh­re Luthers.

  11. Kurz gesagt: Der Name Jesu als Deck­män­tel­chen für die Sün­de. Das ist dür mich der Pro­te­stan­tis­mus.

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